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Boris von Reibnitz: Nike Aluguss auf Steinsockel, 2010 "Die Quelle meiner künstlerischen Arbeit ist die menschliche Gestalt." Die Gestalt des weiblichen Torsos der Nike von Boris von Reibnitz knüpft an alte europäische Tradition und die frühe Antike an. Auf der "Suche nach Archetypen" greift der Solinger Bildhauer Boris von Reibnitz mit der Hattinger "Nike" ikonografisch auf die Nike von Samothrake aus dem Ende des 2. Jahrhunderts vor Chr. zurück. Sie ist sicherlich die bekannteste Skulptur der Antike und zählt darüber hinaus zu den Schlüsselfiguren innerhalb der Kunstgeschichte. Verwendung fand die geflügelte griechische Göttin, die mit ausgebreiteten Schwingen zur Landung ansetzt, vermutlich als Siegesdenkmal, als Dank für den Seesieg über Antiochos III. von Syrien. Auf Anregung des Fördervereins Henrichshütte Hattingen e.V. hat von Reibnitz eine Hattinger Siegesgöttin gestaltet, die von ehemaligen Stahlarbeitern in der Schaugießerei der Henrichshütte gefertigt wurde. Sichtbar trägt die kleine weibliche Figur die handwerklich-technischen Spuren ihrer Gußform. So erscheint die Oberfläche nicht glatt und blank poliert, sondern unterstreicht in ihrer Bewegtheit die Gesamtwirkung einer flüchtigen, momenthaften Erscheinung. Auch die horizontale Einkerbung auf der Vorderseite der siegreichen Göttin, die technisch gesehen der inneren Spannung geschuldet ist, unterstreicht bildlich-formal den Eindruck der plastischen Wiedergabe einer besonderen Gestaltung: Eine Ausdrucksdichte, die der Künstler lebendig aber zugleich zurückhaltend durch Reduktion und die anrührende Wirkung des Fragments erzielt. Denn der Hattinger Nike fehlen nicht nur die Unversehrtheit, sondern auch die Flügel des griechischen Vorbildes. Nike 2010 weist jede aufgesetzte Heldenattitüde weit von sich. Sie ist vom Leben, Leiden und Kampf gezeichnet. Im Gegensatz zu den früheren, Triumph darstellenden, unversehrten Siegesgöttinnen, ist sie fragmetarisch auf den Torso reduziert, was möglicherweise bedeutet, dass es Siege ohne Opfer nicht gibt. Festen Stand verleiht der Nike ein Pflasterstein, der Boden der Hattinger Altstadt. Mit der Schließung des traditionsreichen Eisenhüttenwerkes Henrichshütte 1987 ging eine Ära in Hattingen zu Ende. Kämpfe und Niederlagen schlossen sich an. Der Sieg wurde erst später bemerkt: Eine Stadt, die durch den Zusammenhalt der Menschen gewachsen ist. Die Nike von Boris von Reibnitz ist eine Metapher, ein Zeichen der Hoffnung, das gesetzt werden sollte in Jahren, in denen es gilt, höhere Werte unseres Daseins zu erhalten. Denn wem die Nike erscheint, dem ist der Sieg - egal in welchem Wettkampf - gewiss. Anke Troschke M.A. |
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