Geschichten und Gestalten 

Menschenkette vor der Henrichshütte protestiert gegen die Schließung des Werkes

„Es hätte den Sozialplan so nicht gegeben, wären wir nicht auf die Straße gegangen.“ 

August Kuhnert 

geb.1943 in Breese/Niedersachsen 

Als ich 1948 aus der Schule kam, war ich zunächst auf dem väterlichen Bauernhof als Schlepperfahrer tätig. Als die Landwirtschaft immer schlechter lief, habe ich mich bei der Henrichshütte beworben und so war ich von 1957 bis 1987 im Hochofenbetrieb beschäftigt. Hier musste ich verschiedenste Tätigkeiten ausführen. Das ging von der Erzbrücke bis zum Schmelzer und Schlackenmann. Die letzten 15 Jahre war ich mehr in der Messwarte tätig. Die Henrichshütte wurde zu meinem „zweiten Zuhause“. Dreißig Jahre in der Produktion, Wechselschicht, Arbeit an Feiertagen und Wochenenden gaben privaten Interessen wenig Raum. Die Arbeit ging auch an die körperliche Substanz. Die Unfallgefahr war allgegenwärtig und die Arbeit war anstrengend. Häufig kam ich nach der Schicht nach Hause und wollte nur noch schlafen. Auch die privaten Kontakte wurden durch die Arbeit bestimmt. 

Bis 1987 habe ich mich kaum für Interessenvertretung interessiert. Als wir im Februar 1987 unter- 

richtet wurden, dass die Hochöfen stillgelegt wer- den, hatte ich das Gefühl, dass da ein Teil von mir stillgelegt wird. Jetzt musste ich selbst etwas unter- nehmen. Da habe ich mich auf meinen Stuhl gestellt und gepfiffen. Sofort hatte ich die Presse am Hals. Von nun an marschierte ich mit meinem Kollegen in voller Hochöfner- Montur immer vorneweg. Ich fertigte Plakate und Transparente. Der Kampf um den Erhalt der Hütte bestimmte den Tagesablauf. Diese Zeit war wichtig für mich. Das war nun meine Sache. 

Mit 55 bin ich in den Sozialplan gegangen. Ich will aber nicht unerwähnt lassen, dass ich nach meinem Ausscheiden zunächst in ein tiefes Loch gefallen bin. Die Kollegen fehlten mir doch sehr. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätten wir den Sozialplan damals nicht erstritten. Es hätte den Sozialplan so nicht gegeben, wären wir nicht auf die Straße gegangen. 

Foto: August Kuhnert, Privatbesitz 

„Die Hütte war für mich der bei weitem größte Arbeitgeber in Hattingen, von dessen Wohlergehen die gesamte Wirtschaft in Hattingen lange Zeit abhing.“ 


Dieter Liebig 

geb. 1941 in Bochum 

Als ich 1971 meine erste Stelle bei der Stadtverwaltung antrat, wurde mir die große Bedeutung der Hütte für Hattingen schnell klar. Einen unmittelbaren Eindruck vom Produktionsgeschehen auf der Hütte gewann ich erst in den 80-er Jahren. Als Mitglied des Verwaltungsvorstandes erhielt ich Gelegenheit zu Betriebsbesichtigungen und konnte zunehmend an Unterredungen mit führenden Kräften der Hütte teilnehmen. 

Arbeitsplatzabbau und Stilllegung großer Teile der Produktion wurden immer stärker zum Thema. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die eindrucksvolle Menschenkette um das Gelände der Hütte, an der sich nicht nur die Betriebsangehörigen, sondern Menschen aus allen Bevölkerungsschichten Hattingens beteiligten. 

Die Hütte wurde stillgelegt, weil Überkapazitäten im Stahlbereich bestanden und Thyssen entschieden hat, den Standort Hattingen zugunsten anderer Thyssen-Standorte aufzugeben. Als feststand, dass Thyssen trotz aller Proteste an der Stilllegungsentscheidung festhielt, war es für mich besonders enttäuschend, dass ein so großer Konzern keine oder nur unzureichende Ideen für Ersatzarbeitsplätze in Hattingen entwickelte. 

Meine wichtigste Aufgabe als Stadtdirektor ab 1989 war es, das frei werdende Gelände der Hütte möglichst schnell so umzugestalten, dass Chancen für neue Betriebsansiedlungen mit neuen Arbeitsplätzen eröffnet wurden. Das Konzept des Gewerbe- und Landschaftsparks Henrichshütte war das Ergebnis dieser Bemühungen. Von Anfang an habe ich die Schaffung eines Industriemuseums durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe befürwortet, damit auch künftige Generationen sich ein Bild davon machen können, welche Bedeutung die Henrichshütte weit über 100 Jahre lang für Hattingen hatte. 

„Die Hütte wurde stillgelegt, weil der Thyssen-Konzern die Stahlproduktion auf den ‚technisch leistungsfähigen und kostengünstigeren Anlagen‘ an der Rheinschiene konzentrieren wollte.“

 

Otto König 

geb. 1945 in Großenhain/Sachsen 

Erster Bevollmächtigter der IG Metall Verwaltungsstelle Hattingen 

1971 kam ich als Mitarbeiter im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel ins Ruhrgebiet. Hier lernte ich Mitte der 1970er Jahre bei einem Seminar Rolf Bäcker, den späteren Betriebsvorsitzenden der Henrichshütte, kennen. 

In den Auseinandersetzungen um die Henrichshütte – Stilllegung der 2,8 m-Grobblechstrasse 1983 und Schließung des hüttenmännischen Teils der Hütte 1987 –, war ich zusammen mit meinen Kollegen für die strategisch-politische Orientierung des Kampfes, für die Organisierung der Aktionen und der Öffentlichkeitsarbeit in Zusammenarbeit mit Betriebsrat und IG Metall-Vertrauenskörper für die Gespräche mit der Konzernspitze und der Landespolitik NRW zuständig. 

Die Hütte war mich ein eindrucksvolles Lehrstück. Da war der Konzernvorstand von Thyssen, der gegen alle Argumente und aufgezeigten Alternativen seinen gefassten Stilllegungsbeschluss gegen die arbeitenden Menschen Region durchzog. Aber da waren auch die Menschen in Hattingen, die die Stahlarbeiter in ihrem 12-monatigen Kampf solidarisch unterstützten. 

Die Hütte wurde stillgelegt, weil der Thyssen- Konzern sich dafür entschied, künftig die Stahlproduktion auf den „technisch leistungsfähigen und kostengünstigeren Anlagen an der Rheinschiene zu konzentrieren. Damit standen die Standorte Hattingen und Oberhausen zur Disposition. 

Qualitätsstelle

„Die Hütte war Broterwerb für viele tausend Bürger. Da waren Generationen von 

Menschen beschäftigt.“ 

Horst Plessmann 

geb.1937 in Hattingen 

Mein Vater war auf dem ehemaligen Gemeinschaftswerk in Hattingen tätig. 
Nach meinem Realschulabschluss habe ich auf der Henrichshütte 1956 eine Chemielaborantenlehre gemacht. Danach war ich noch vier Jahre auf der Hütte beschäftigt. Während dieser Zeit habe ich drei Jahre lang die Abendschule besucht und meine Ausbildung zum Chemietechniker gemacht. Die Ausbildung auf der Hütte war zu der Zeit nicht sehr gut. Manchmal war es auch sehr langweilig und sogar Fließbandarbeit. Das Verhältnis zu den Kollegen war aber sehr gut. Die Verdienstmöglichkeiten waren aber nach der Lehre ziemlich schwach. 
Ich bin zur Hütte gegangen, weil ich mich für Chemie interessierte. An der Hütte hat mich vor allem die Technik interessiert. Ich kann mich noch an die Kokerei erinnern. Dort haben wir Koks, Benzol und Gase untersucht. Die Kokerei stand in Verlängerung der Hochöfen. 
Die Hauptarbeit eines Chemielaboranten war die Probennahme. Die Proben wurden zu der Zeit mit der Hand und ohne Atemschutz genommen. Arbeitsschutz wurde damals noch nicht groß ge- schrieben. Kohlenstoff und Mangan konnte man sehr schnell bestimmen. Das dauerte ca. 5 Minuten. Wenn ich irgendwo eine Probe abholen oder hin- bringen musste, habe ich auch mal einen Blick in die übrigen Anlagen geworfen. 1964 habe ich gekündigt, weil ich in Langenberg bei den Kupfer- und Messingwerken eine Laborstelle bekommen habe. 
Die Hütte war Broterwerb für viele tausend Bürger. Da waren manchmal Generationen von Menschen beschäftigt. Die Schließung der Hütte bewirkte in Hattingen viel Aufruhr. 

„Wir haben teilweise ganze Ketten von Messstreifen an das Werkstück gebracht, um die Spannungen im Werkstück beurteilen zu können.“ 

Johannes Tüller 

geb.1943 in Altendorf/Ruhr 

Mein Vater war Bergmann. Ich habe die Volksschule besucht und dann 1958 eine Lehre als Dreher gemacht. Die Ausbildung war sehr gut. Wir hatten viel Werksunterricht. Ich habe dann an den Bohrwerken in der Bearbeitungswerkstatt 2 (BW2) gearbeitet. 

In der Forschungsabteilung suchte man einen Mechaniker, der zusammen mit einem Elektriker ausgewählte Messpunkte an großen Werkstücken anbringt und Messreihen fährt. Ich habe mich beworben, musste noch einige Weiterbildungen machen und wechselte so in die Forschung. 

Wir haben zum Beispiel einen Behälter gebaut, der mit 4.000 bar abgedrückt wurde. Der Behälter kam in der BW2 in eine Montagegrube und wurde komplett mit Messstellen bestückt. Für die Prüfung kam ein externer Prüfer. Eine Messstelle funktionierte aber nicht. Bei dem Druck war natürlich extreme 

Gefahr gegeben. Der Druck durfte nicht zurückgenommen werden, weil sonst die ganze Messung wertlos gewesen wäre. Ich musste aber irgendwie an die Messstelle. Wir haben dann den Prüfdruck um 100 bar überfahren, so dass wir sicher sein konnten, dass der Behälter den Druck aushält. Danach haben wir den Druck wieder heruntergefahren und sind 

an die Messstelle gegangen. Da war es aber mucks- mäuschenstill in der Halle. 

Die Hütte war für mich ein guter Arbeitgeber. Hier konnte man gut verdienen und ich hatte gute berufliche Chancen. 

Ich war und bin auch heute noch politisch aktiv. Ich bin im Stadtrat und auch bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig. 

Ich bin mit 60 Jahren über die VSG in Altersteilzeit. 

„Wir haben sehr viele Überstunden gefahren. Manchmal hatten wir 

mehr Schichten als der Monat Tage hatte.“ 


Manfred Kirchniawy 

geb. 1944 in Leobschütz/Schlesien 

Ich habe 1961 als Schlosser auf der Hütte angefan- gen. Zunächst war ich im Einsatzbetrieb. Dann folgte ein halbes Jahr im Walzwerk im Schichtbetrieb. Später wechselte ich in die Probenfertigung zur Vor- bereitung der Proben für die Materialprüfung durch den Endabnehmer. Wir haben sehr viele Überstun- den gefahren. Manchmal hatten wir mehr Schichten als der Monat Tage hatte. 

Später war ich als Schlosser im Bereich der Versuchs- anstalt tätig. Ich war auch Vertrauensmann und ab 1975 Sicherheitsbeauftragter. 1992 bin ich dann aus finanziellen Gründen in den Bereich Werkstoffprü- fung gegangen. 

1986 hat die Hütte noch freiwillige Abfindungsan- gebote gemacht. Mit zunehmendem Personalabbau kam es dann aber im Betrieb auch zu Spannungen zwischen den Kollegen. Jeder dachte: „Wann bin ich dabei?“ Die Ausscheidungskriterien wurden immer schärfer und härter. Bei der VSG hat jeder nur noch für sich selbst gekämpft. Viele Kollegen gingen nach Duisburg, und dass sie dort nicht alle mit offenen Händen empfangen wurden, ist auch klar. 

Ich persönlich bin nach Bochum gekommen. Dort habe ich ein sehr gutes Arbeitsklima vorgefunden, sonst wäre ich auch nicht bis 65 geblieben. Das 45-jährige Jubiläum lief nicht ganz so toll ab. Fast nebenbei wurden mir 6 Flaschen Wein übergeben. Zum 25- jährigen war das noch komplett anders. Damals bekam man noch eine entsprechende Wertschätzung. 

1987 konnte ich meinen Sohn noch auf der Hütte unterbringen. 

„Eine tolle Arbeit. Die Hütte war mein Leben.“ 


Karl Heinz Kämmner 

geb.1943 in Bochum 

Ich habe die Volksschule besucht. Meine Tante arbeitete in der Qualitätsstelle und hat mich 1957 zunächst als Laufjungen in der Fotoabteilung untergebracht. Ich wurde dann aber sehr bald angelernt und konnte eine Lehre als Fotolaborant machen. Die Ausbildung war für mich enorm. In der Berufsschule in Bochum-Linden war ich der einzige Junge. 

Anfangs war es reine Laborarbeit wie Filme entwickeln. Später durfte ich auch fotografieren. Wir haben alle möglichen Aufnahmen gemacht für Jubiläen, Unfälle, Todesfälle, Werbeartikel, Vorträge, Präsentationen usw. Ich kenne die Hütte von oben und von unten. 

Während der Bundeswehrzeit war ich Bildauswerter. Auch das war eine tolle Sache und hat mir viel weiter geholfen. Auf der Hütte habe ich quasi Tag und Nacht verbracht. Oft holte mich das Taxi, um irgendwelche Störfälle oder Unfälle zu fotografieren. Manche Unfälle waren furchtbar. 

Ich habe die ganze Entwicklung der Hütte fotografisch festgehalten, zum Beispiel die Ruhrverlegung, den Bau der Stranggiessanlage und der Sinteranlage. In der Stahlgießerei wurden die großen Werkstücke und in der Schmiede der Schmiedeprozess foto- grafisch begleitet. Selbst der Transport der großen Werkstücke über die Straße wurde fotografiert. Auch Beweisfotos über Schäden, Schliffbilder und Mikroskopaufnahmen wurden gemacht. Eine tolle Arbeit. 

Die Hütte war mein Zuhause und mein Leben. Ich war mit der Bezahlung sehr zufrieden. Ein schönes, wenn auch nicht ungefährliches Erlebnis war, als wir am Schornstein der neu gebauten Sinteranlage mit dem Lastaufzug hochgefahren sind, um von dort oben Aufnahmen zu machen. 

Mit 52 Jahren bin ich mit den entsprechenden Abzügen aus dem Arbeitsleben ausgeschieden. 

Hochofen

„Wir haben in der Spitze 1 Million Tonnen Erze auf Lager gehabt. Koks haben wir meistens von der Ruhrkohle AG bezogen.“ 

Karl-Heinz Wydra 

geb.1926 in Rotwalde/Ostpreußen 

Ich bin auf einem Bauernhof in Ostpreußen groß ge- worden. Nach dem Krieg kam ich irgendwann nach Bochum. Dort haben wir uns so durchgewurschtelt. 

Als ich sah, dass auf der Henrichshütte viel gebaut wurde, habe ich mich dort beworben. Ich wurde sofort als Vorarbeiter eingestellt. Drei Jahre später wurde ich Schichtmeister in der Erzbrech- und Siebanlage. Meine Frau war selbstständig und hatte ein gut gehendes Geschäft. Finanziell war ich unabhängig. Später wurde ich dann Obermeister am Hochofen. Die Rohstoffe für den Hochofen kamen aus Brasilien, aber auch aus Australien und anderen Ländern. Wir haben in der Spitze eine Million Tonnen Erze auf Lager gehabt. Koks haben wir meistens aus Bottrop von der Ruhrkohle AG bezogen. Die haben uns auch des Öfteren zu Grubenfahrten eingeladen. Das war sehr lustig. Später wurde auch Schweröl und reiner Sauerstoff in die Hochöfen eingeblasen, um noch mehr Produktion heraus zu kitzeln. 

Die Henrichshütte hatte einen sehr guten Ruf. Sie war sehr modern. Ich meine, dass wir zum Teil sogar Vorreiter für die Duisburger waren. Ich habe an der Sinteranlage sehr viele Verbesserungen eingeführt. Hochofen, Möllerwagen, die Zusammenstellung des Möllers, das war erste Sahne. 

Die Hütte wurde wegen Standortproblemen stillgelegt. Wir mussten alles über die Schiene bringen. Der Weltmarkt spielte auch eine Rolle. Und da muss man mithalten können – oder man kann es nicht. 

Für mich war die Hütte ein Super-Arbeitsplatz, an dem ich sehr gerne und auch erfolgreich gearbeitet habe. 

„Ich bin mit der Schichtarbeit gut zurecht gekommen. Mittagsschicht war mir am Liebsten.“ 


Hans Peter Freise 

geb.1963 in Sprockhövel 

Mein Großvater und viele andere Verwandte waren hier auf der Hütte beschäftigt. 

Ich habe die Hauptschule besucht und anschließend hier als Verfahrensmechaniker (Hüttenfacharbeiter) gearbeitet. Die Ausbildung verlief in den ersten
 18 Monaten genau so wie die eines Schlossers. Danach folgten Außeneinsätze im Stahlwerk, im Walzwerk und am Hochofen. Der gesamte Stahlerzeugungsprozess wurde erklärt und es wurde sehr viel zum Thema Arbeitssicherheit unterrichtet. 

Nach der Ausbildung habe ich an den Hochöfen gearbeitet. Ich war 2. Schmelzer. Es gab drei Schmelzer je Ofen. Der 1. Schmelzer hat den Ofen auf- gefahren, der 2. Schmelzer kümmerte sich um die Rinne und der 3. Schmelzer um die Schlackenrinne. Wir hatten manchmal viel Dreck und Staub, aber wir haben immer als Team gearbeitet. Jeder Ofen wurde alle zwei Stunden abgestochen. Ich habe mich da wohl gefühlt, auch wenn es mal schlechte Arbeit war. Da konnte man sich aufeinander verlassen. Der Schutzanzug war am Hochofen Pflicht. Ich war auch Sicherheitsbeauftragter im Betrieb. 

Ich bin kurz nach der Lehre mit beiden Füßen in die Rinne gekommen und hatte Verbrennungen 3. bis 4. Grades. Anschließend lag ich zwölf Wochen im Bergmannsheil. Es wurde aber alles komplett wieder hergestellt. Danach wechselte ich in die Möllerung. In Summe habe ich von 1978 bis 1987 auf der Hütte gearbeitet. 

Als die Schließung der Hütte anstand, konnten wir uns das erst einmal gar nicht vorstellen. Sie hätte sicherlich auch weiter bestehen können. 

Bei den Protestaktionen gegen die Schließung war ich natürlich auch dabei. 

„Ich bekam das Angebot auszuscheiden und so bin ich im April 1985 in den Sozialplan gegangen.“ 

Werner Thiel 

geb.1928 in Krohnhorst/Uckermark 

1950 haben wir die DDR über Berlin-Friedrichstraße verlassen. Wir sind dann zu meinem Schwager und haben 1957 in Hattingen eine Wohnung bekommen. Zunächst habe ich in Hattingen bei verschiedenen kleineren Firmen gearbeitet. 1959 konnte ich dann am Hochofen auf der Hütte anfangen. Obwohl ich eine ganz minimale Schulbildung hatte, konnte ich mich hocharbeiten. Ich habe sogar zwei Verbesse- rungsvorschläge für die Benutzung der Stopfmaschine am Hochofen eingebracht. Einer wurde abgelehnt und für den anderen Vorschlag hatte ich mehr erwartet. 

Die Hütte war für mich eine Goldgrube. Hauptsache, man konnte seinen Lebensunterhalt verdienen. Außerdem konnte ich zu der Zeit auch noch neben- bei arbeiten und etwas dazu verdienen. Die Hütte war sehr sozial. Damals kriegten wir noch einen Pfennig pro Stunde auf ein Kind. Wir bekamen auch Betriebsrente. Ich kriege ja nicht so viel, aber es geht noch. Nein, es gab nichts Schönes, es gab aber auch nichts besonders Schlimmes. Wer schnell gearbeitet hat, war fertig und konnte sich in die Bude setzen. 

Ich habe bis 1985 im Vier-Schichtbetrieb gearbeitet. Dann wurde eine Schicht aufgelöst. Ich bekam das Angebot auszuscheiden und so bin ich im April 1985 in den Sozialplan gegangen. Aufgrund meiner Behinderung habe ich dann auch schon ab 1988 Rente bekommen. Seitdem bin ich Rentner. 

Der Hochofen wurde 1987 stillgelegt und dann wurde das Roheisen mit Torpedopfannen aus Duisburg geholt. So ging die Stilllegung der Hütte scheibchenweise voran. 

Stahlwerk

„Die Elektro-Schlacke- Umschmelzanlage, das war für mich das Interessanteste was ich je gemacht habe.“ 

Peter Hoven 

geb.1934 in Hattingen 

Meine Eltern stammen hier aus der Region. Mein Vater hat auf der Hütte Radsätze verladen. 

Ich habe die Volksschule besucht und danach eine Schreinerlehre gemacht. Ab 1954 war ich dann auf der Henrichshütte beschäftigt. Angefangen habe ich als Kranführer. Als ich bei der Firma Gottwald deutlich mehr verdienen konnte, habe ich gewech- selt. Leider wurde mir dann die Hüttenwohnung gekündigt und so ging ich wieder zur Hütte zurück. Da war ich erst einmal im Einsatzbetrieb. Später habe ich als Flämmer und Brenner gearbeitet. Einige Jahre darauf bekam ich das Angebot als Schmelzer in einer Versuchsanlage zu arbeiten. Später entstand daraus die Elektro-Schlacke-Umschmelzanlage (ESU). Ein Stahlblock war die Elektrode, die fuhr runter bis auf eine Grundplatte. Dort wurde der Stahl durch elektrischen Strom abgeschmolzen und es bildete sich auf der Grundplatte ein neuer, aber hochreiner Stahlblock. Mit zunehmendem Abschmelzen wuchs der untere Stahlblock und der obere wurde immer kleiner. Zwischen Elektrode und neu entstandenem Block war eine Schlackeschicht, in der sich alle Verunreinigungen sammelten. Das Ergebnis war ein hochreiner, aber sehr teurer Stahlblock. An dieser Anlage wurde ich dann auch Vorarbeiter. Wir hatten gleitende Schichtarbeit. Wenn so ein Block einmal angeschmolzen war, musste der auch zu Ende ge- schmolzen werden. Da gab es keine Unterbrechung. Die Familie musste sich an den Rhythmus vom Papa anpassen. 

Die Hütte war für mich eine milchgebende Kuh. Ich war jung verheiratet, musste Möbel kaufen und wenn die Kohle geliefert wurde, dann ging ich zum Rechnungsbüro und ließ die Rechnung in zwei bis drei Raten vom Lohn abhalten. 

„Ich habe kurz auf der Hütte gearbeitet. Das gefiel mir aber nicht. Ich ging zurück in den Norden zur Hochsee Fischerei.“ 


Heinz Dieter Völlkopf 

geb.1944 in Flensburg 

Mein Vater stammte aus Bochum-Weitmar. Er ist noch vor dem Krieg nach Flensburg gegangen. Ich selbst habe die dänische und auch die deutsche Volksschule besucht. Meine älteren Geschwister sind heute alle Dänen und wohnen noch immer im Nor- den. 1956 ging die Familie ins Ruhrgebiet und mein Vater bekam hier eine Anstellung. 

Ich habe auch kurz auf der Hütte gearbeitet. Das gefiel mir aber nicht. Ich ging zurück in den Norden zur Hochseefischerei nach Bremerhaven. Dort habe ich bei der Reederei Kämpf gearbeitet und bin acht Jahre zur See gefahren. Dann habe ich meine Frau kennengelernt und geheiratet. Meine Eltern wohn- ten im Ruhrgebiet und so habe ich hier nach Arbeit gesucht. 

1968 bin ich dann wieder auf der Hütte angefangen. Ich wurde Kranführer im Stahlwerk. Als Mitarbeiter 

„Ich habe kurz auf der Hütte gearbeitet. Das gefiel mir aber nicht. Ich ging zurück in den Norden zur Hochsee Fischerei.“ 

für die ESU-Anlage gesucht wurden, wechselte ich in diesen Bereich. 

An der alten ESU-Anlage gab es mal einen schweren Durchbruch. Dabei gab es sechs Schwerverletzte.
 Da war ich auch dabei. Dann wurde die Anlage neu gebaut. Die umgeschmolzenen Blöcke, die aus der ESU-Anlage heraus kamen, waren äußerst hoch- wertig. Sie wurden eingewickelt und mit möglichst wenig Temperaturverlust in die Vergütung oder ins Walzwerk gegeben. So ein Umschmelzvorgang für einen Block dauerte ca. 70 Stunden. Abgesehen von den Vorbereitungsarbeiten war das Umschmelzen eine reine Überwachungstätigkeit. 

Die Hütte war der beste Arbeitsplatz, den ich
 je hatte. Ich war mit meinem Verdienst zufrieden. Ich habe heute noch Kontakt zu den Kollegen. 

„Die Hütte war alles für mich und wenn sie nicht zugemacht hätte 

wäre ich bis zur Rente geblieben.“ 

Jörn Riedesel 

geb.1942 in Memel/Ostpreußen 

Ich habe meine Ausbildung zum Metallurgen im VEB Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf gemacht. Von 1961 bis 1978 war ich im Stahlwerk Riesa tätig. 

Nach dem Helsinki-Abkommen habe ich 1978 einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt. Meine Eltern wohnten in Wuppertal. Trotz Einstellungsstopp wurde ich als fertig ausgebildeter Stahlwerker im LD-Stahlwerk auf der Henrichshütte eingestellt. Ich fing ganz unten an und musste mich hocharbeiten. 

In der DDR haben wir alles mit dem Rechenschieber gerechnet, hier ging alles über den Rechner. Die Stahlproben wurden automatisiert genommen. Nach 5 bis 10 Minuten hatten wir das Ergebnis der Stahl- probe und konnten reagieren. Die Temperaturen 

des fertigen Stahls lagen so bei 1.730 bis 1.750 °C. Wenn bei diesen Temperaturen Wasser eingeschlossen wurde, kam es zu Explosionen. Das war vornehmlich mit nassen Schlackepfannen der Fall. 

Die Henrichshütte hatte verschiedene Möglichkeiten zur Feinlegierung, etwa die Vakuum- Anlage und für kleinere Teilmengen die TN- Anlage. Die Vakuumanlage wurde in Hattingen entwickelt und die TN- Anlage bei Thyssen Niederrhein. Die Henrichshütte zählte zu den modernsten Stahlwerken in Deutschland. 

Die Hütte war alles für mich und wenn sie nicht zugemacht hätte, wäre ich bis zur Rente geblieben. Die Kameradschaft war ganz toll. 

1987 wechselte ich zu Hoesch in Werdohl. Später wurde ich dort Betriebsstellenleiter und blieb bis zur Rente. 2003 ging ich in Altersteilzeit. 

„1960 fing ich dann auf der Hütte an. Zunächst war ich an 

der Sauerstoffanlage bei der Flaschenausgabe.“ 


Herbert Koch 

geb.1935 in Flensburg 

Ich war in Flensburg als Pflegekind auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe dann später dort als Melker gearbeitet. Im Norden gab es nicht viel Arbeit. Später kam ich über das Arbeitsamt nach Westfalen. Ich war zunächst auf der Zeche Dahlhauser Tiefbau. Später war ich in Bochum-Linden auf der Zeche Friedlicher Nachbar. Von dort wurde die Kohle mit einer Seilbahn zur Henrichshütte geliefert. Als die Zeche schloss, ging ich zu einem Hattinger Bauunternehmen. 

1960 fing ich dann auf der Hütte an. Zunächst war ich an der Sauerstoffanlage bei der Flaschenausgabe. 1968/69 wurde die Anlage geschlossen. Ab dem Zeitpunkt wurde Sauerstoff über das Rohrlei- tungsnetz geschickt. Ich war dann ein Jahr in der Gaszentrale und habe dort die Maschine 4 gefahren. Damit wurde Wind für die Hochöfen erzeugt. Die Turbinen hatten große Schwungräder. Sie durften nie zum Stillstand kommen. Das Anschmeißen war sehr aufwändig. Nach einem Jahr kam ich zu den Rohrschlossern. Da habe ich den Schweißerbrief gemacht. Im Stahlwerk habe ich an der alten Vakuum- Anlage zwischen den Siemens-Martin-Öfen angefangen. Da wurden die Legierungsmittel noch mit Eimern zugegeben. Ein Eimer Mangan wog 40 kg. Das war eine harte Arbeit. 

Aus gesundheitlichen Gründen kam ich dann an die ESU-Anlage. Hier waren vor allem meine Schweißkenntnisse gefragt. Ich habe aber auch die Anlage gefahren und überwacht. Das war eine sehr ange- nehme Arbeit. 

Gegen Ende kam ich zur Schrottverladung für die Elektroöfen. Als der Hüttenkampf begann, war ich schon ausgeschieden. Ich bin aber trotzdem überall mitgegangen. 

„Nach der Lehre ging ich zunächst in die Kokerei. Ich bin wahrscheinlich der 

Einzige, der da noch in der Kokerei gearbeitet hat.“ 


Heinz Kalinowski 

geb.1939 in Hattingen 

Ich habe die Volksschule besucht und dann auf der Hütte eine dreijährige Lehre als Schlosser gemacht. Nach der Lehre ging ich zunächst in die Kokerei. Zu- erst habe ich in der Schlosserei gearbeitet, dann aber auf der Druckmaschine. Mit der Druckmaschine wurde der fertige Koks ausgestoßen. Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der noch in der Kokerei gearbeitet hat. Die Kokerei wurde 1958 zugemacht. 

Die Hütte war einer der modernsten Betriebe in Hattingen und Umgebung. Es wurde immer wieder modernisiert und neu gebaut. So wurden in meiner Zeit ein Elektro-Stahlwerk, ein LD-Stahlwerk und auch die Stranggießanlage gebaut. Nachdem die Kokerei geschlossen wurde, bin ich auf dem Kran im Stahlwerk angefangen. 

Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt. Wir waren eine Bombenschicht. Wir machten unsere Arbeit und da konnten uns die Vorgesetzten auch nicht an die Karre pinkeln. 

Unfälle gab es reichlich im Stahlwerk. Die Arbeitssicherheit war aber gut organisiert. Auf der Hütte habe ich von 1954 bis 1998 gearbeitet. Hinterher war ich dann auch im Betriebsrat. 

Das Leben nach Feierabend spielte sich hauptsächlich in der Familie ab. Wir hatten ja nur einmal im Monat ein Wochenende frei. Mein Verein war die Fußballabteilung von TuS Hattingen. Es gab aber auch drei betriebliche Fußballmannschaften. 

Als die Stilllegung der Hütte anstand, da haben wir gekämpft wie die Löwen. Ich habe wenigstens vier Wochen meiner Freizeit geopfert, um an Protestveranstaltungen teilzunehmen. Wir haben erreicht, dass man uns nicht einfach fallen lassen konnte. 

„Erschreckend war für mich, und natürlich für viele andere auch, die Schließung der Hütte. Der Zusammenhalt in der Bevölkerung war enorm groß.“ 

Herbert Rödding 

geb.1936 in Blankenstein 

Die Hütte war der größte Arbeitgeber hier und es war klar, dass man nach der Schulzeit dort anfing. Ich habe die Volksschule besucht. Angefangen habe ich im Apparatebau und mich dort dann als Schwei- ßer weitergebildet. Es wurden sehr große Behälter für Atomkraftwerke, riesige Ständer, Walzenständer und vieles mehr zusammengeschweißt. Vom Apparatebau kam ich ins Walzwerk. Hier habe ich an der Schere gearbeitet. 1956 kam ich dann ins Stahlwerk. Hier habe ich Krane gefahren. 

Auf der Hütte bin ich immer gerne gewesen. Das Arbeiten ist mir auch nicht schwergefallen. Vor allen Dingen der Zusammenhalt unter den Kollegen war sehr gut. Wir haben auch mit den Kollegen einiges unternommen. 

Der Dreck, der Staub und vor allem die Gerüche waren manchmal ganz schön hart. Aber man hat das alles hingenommen, weil es ja der einzige große Arbeitgeber in der Region war. Auf die Arbeits- sicherheit legte man hier großen Wert. 

Es gab natürlich immer wieder große Veränderungen durch Umbau, Neubau, Vergrößerungen usw. Die Hütte war modern. Sie wurde aber auch immer wieder modernisiert. 

Erschreckend war für mich, und natürlich für viele andere auch, die Schließung der Hütte. Der Zusammenhalt in der Bevölkerung war enorm groß. Ich denke, die Hütte wurde dicht gemacht, weil der Standort nicht günstig gelegen war. Die Transport- kosten waren zu hoch. 

Ich war beim Ruderverein Blankenstein und ich habe auch mal Fußball gespielt. Bei der Berg- und Ski-Gilde und beim DLRG war ich auch. 

„Obwohl ich Koch wer- den wollte, entschied mein Vater 1952, dass ich nach der Volksschule als Arbeiter auf der Hütte anfangen sollte.“ 

Harald Loos 

geb.1937 in Hattingen 

Mein Vater war als Schlosser auf der Hütte dienstver- pflichtet und hat später auch im Stahlwerk gearbei- tet. Obwohl ich Koch werden wollte, entschied mein Vater 1952, dass ich nach der Volksschule als Ar- beiter auf der Hütte anfangen sollte. Ich habe dann an den Siemens-Martin-Öfen in der Steinkolonne angefangen. 

Später habe ich mich darum bemüht, Kranführer
 zu werden. Zunächst kam ich auf die sogenannten Herrgott-Krane. Das sind Krane, die über die an- deren Krananlagen hinwegfahren können. Weil sie dem Herrgott ein bisschen näher waren, wurden sie Herrgott-Krane genannt. 

Die Herrgott-Krane hatten nur eine geringe Trag- kraft von 10 Tonnen. Mit ihnen wurden die Kokillen bewegt und der Boden aufgeräumt. Der Dreck am Boden und vor allem die Metallreste wurden dazu mit einer eingehängten schweren Stahlplatte gefegt. Sie hatten einen offenen Führerkorb, waren Gleich- stromkrane und wurden mit Kontrollern kontrolliert. Beim Fahren beugte sich der Kranführer über die Brüstung und drehte dabei den Kontroller in die gewünschte Richtung. 

Die Kranbahn war 5 m über dem darunter fahrenden Kran und war extrem schmal. Wenn man sich auf der Kranbahn bewegen musste, hielt man sich im- mer mit einer Hand an dem Geländer fest, um nicht abzustürzen. Außerdem war es in der Halle extrem verstaubt. Keine angenehme Arbeit. 

Später durfte ich die großen Gießkrane fahren. Das war deutlich angenehmer. Ich habe mich hier immer wohl gefühlt. 

”In der Gießerei, das war die Hölle. Damals gab es noch Holzschuhe als Schutz und wir haben uns Reste von Förderbändern unter die Schuhe genagelt.“ 


Erwin Lemke 

geb.1934 in Rosenberg/Westpreußen 

Ursprünglich stammen wir aus Westpreußen. Die Volksschule habe ich mit Unterbrechungen besucht. Dann habe ich Maurer gelernt. 

1957 bin ich auf der Hütte angefangen, allerdings nicht in meinem Beruf als Maurer, sondern im Stahl- werk. In der Gießerei. Das war die Hölle. Damals gab es noch Holzschuhe als Schutz und wir haben uns Reste von Förderbändern unter die Schuhe genagelt. Lange Unterhosen waren Standard, Sommer wie Winter. 

1967 kam die neu erbaute Stranggießanlage. Ich habe praktisch den ersten Guss mitgemacht. Es war eine Anlage mit zwei Strängen. Ich war hinterher Kolonnenführer an der Stranggießanlage. 

Die Kühlwassermengen, die auf die Brammen ge- spritzt wurden, mussten genau berechnet und ein- gehalten werden. Wenn die Werte nicht stimmten, lief man Gefahr, dass der Strang mit dem flüssigen Eisen durchbrach. Am Anfang waren die Filter noch nicht so gut entwickelt. Da haben sich die Sprühröhr- chen immer wieder zugesetzt. Nach jedem Abguss mussten wir in die Anlage und die verstopften Röhrchen freimachen. An der Brennmaschine war ich auch noch. 

Bis Oktober 1989 wurde auf der Hütte noch am Strang gearbeitet. Da waren Hochofen und Walz- werk bereits stillgelegt. 

„Der Großvater war ein alter Stiepeler. Man kann sagen, eine alteinge- sessene Familie, der Uropa war der olle Hergott Hinz.“ 


Karl Nießen 

geb.1940 in Kesternich/Kreis Monschau 

Wir sind im Krieg evakuiert worden. Meine Mutter ist bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Mein Vater ist als Verwundeter nach Bochum verlegt worden und dann hier hängengeblieben. 

Mein Großvater war ein alter Stiepeler. Man kann sagen, eine alteingesessene Familie, der Uropa war der „olle Hergott“ Hinz. Die hatten in Stiepel alle so schöne Namen wie „Minister“, und er war halt der „olle Hergott“. Ein guter Freund vom Großvater war Betriebsleiter hier in den Bearbeitungswerkstätten. Durch ihn bin ich zu Hütte gekommen. 

Ich hatte ganz normalen Volksschulabschluss. Abends habe ich noch mein Einjähriges nachgemacht und auf der Henrichshütte eine Lehre als Former. Später habe ich noch den Techniker und meine Meisterprü- fung gemacht. 1969 hatte ich meine Meisterprüfung und ab 1979 war ich Obermeister in der Formerei. 

Die Stahlformgießerei gehörte zu den vier größten Gießereien der Welt. Zu der Zeit gab es den Bochu- mer Verein, Hoesch, Bethlehem Steel/USA und die Henrichshütte. Wir haben eigentlich alles produziert, was so anfiel. Als ich anfing, wurden noch Lokomotiv- räder gefertigt. Wir haben aber auch Flügel für Wasserturbinen gegossen, Schiffsschrauben, Walzen- ständer, also quer Beet. Teile bis zu 300 Tonnen. Die Teile gingen in die ganze Welt. 

Die Henrichshütte war bekannt für die Qualität der Produkte, für die Vielseitigkeit und für das Know How. Es wurde sehr viel investiert. Die Hütte hatte gute Fachleute. Das waren auch Leute, die in der Wirtschaft sehr gefragt waren, vor allen in den Industrieverbänden. 

Die Stilllegung, die ging ja so tröpfchenweise. Das Stahlwerk wurde 1993 stillgelegt. Am 28. Mai 1993 war für mich der letzte Arbeitstag. 

„Die Hütte war nur zum Teil modern. Ich habe mich trotzdem immer gut gefühlt.“ 


Norbert Piaskowski 

geb.1947 in Wattenscheid 

Ich habe die Volksschule besucht und von 1961 bis 1964 beim Bochumer Verein Stahlgussformer gelernt. Nach Schließung der Stahlformgießerei 1969 ging ich dann als Anwendungstechniker für Gießerei-Chemie nach Ludwigshafen. Nach der Bundeswehrzeit und kleineren Zwischenstationen kam ich 1973 zur Henrichshütte. 

Auf der Henrichshütte fing man damals gerade mit dem Turbinenguss an und suchte jemanden für
 die Maßkontrolle. Damals war so eine Vermessung noch sehr aufwändig - heute läuft das alles über CNC-Maschinen. Wenn man so ein kompliziertes Werkstück wie zum Beispiel einen Turbinenflügel mit den damaligen Hilfsmitteln fertig vermessen und zur Bearbeitung freigegeben hatte, dann war man auch sehr stolz darauf. Das waren ja manchmal ganz auf- wändige Konstruktionen mit vielen Achsen. Ich kann mich erinnern, dass einmal ein 330 t-Walzenständer 

gegossen wurde. Dieser Walzenständer war aus irgendwelchen Gründen 30 mm schief. Mir ist es dann aber gelungen, mit einer Hilfskonstruktion die Säule zu richten. Kaum zu glauben, das so eine dicke Säule sich so bewegen konnte. 

Es wurden zwar immer wieder Anlagenteile moder- nisiert, aber die Hütte war nur zum Teil modern. Die Arbeitsbedingungen waren zufriedenstellend. In der Formerei klagten viele über Rückenschmerzen. Sie wurden dann auf Leichtarbeitsplätzen eingesetzt. Die Arbeitssicherheit wurde beachtet, aber manch- mal musste man auch improvisieren. 

Die Schließung der Hütte war eine unternehmens- politische Entscheidung. Ich kam dann innerhalb der VSG noch einmal zurück zu den Resten des Bochumer Vereins. Dort war ich dann auch als Schweißfachmann gefragt. 

„Als ich hier anfing, habe ich einen Schock bekom- men. Die riesengroßen Hallen und die vielen Menschen.“ 


Max Schwarz 

geb. 1935 in Ries / Bayern 

Ich habe ursprünglich Gärtner gelernt. Meine Schwester lebte bereits hier. Nach einiger Wartezeit konnte ich auf der Henrichshütte anfangen. Da habe ich einen Schock bekommen – die riesengroßen Hallen und die vielen Menschen. In unserer Gärtnerei habe ich nur mit zwei oder drei Mann zusammen gearbeitet. 

Ich habe als Hilfsarbeiter in der Stahlformgießerei an- gefangen. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukam. Die Hütte war für mich einfach nur groß und unheimlich. Die vielen Menschen, so rund 12.000 Menschen waren da beschäftigt. Das war für mich unfassbar. Ich habe fast immer in der Stahlformgie- ßerei gearbeitet. Dort haben wir die größten Sachen gegossen, die es überhaupt gab. Große Walzen- ständer, Schiffsschrauben, und natürlich auch kleine Sachen wie Eisenbahnräder und Lokomotivräder. 

Ich kann mich noch erinnern: Beim Abgießen gab es mal einen schweren Unfall. Ein Kollege ist in einen Gießtrichter getreten und hatte das ganze Bein verbrannt. Erst wollte man das Bein abnehmen, aber man hat es dann doch noch retten können. Das war schon eine schlimme Sache. 

Die Hütte war modern und wurde auch immer wieder modernisiert. Das fing im Stahlwerk mit den Siemens-Martin-Öfen an. Die habe ich auch noch kennengelernt. Auf der Hütte habe ich mich gut auf- gehoben gefühlt. Das Verhältnis zu den Vorgesetz- ten und den Kollegen war immer gut. Man konnte nicht machen was man wollte, aber wir konnten vernünftig arbeiten. Die Arbeitssicherheit hat sich erst nach und nach verbessert, mit Helmen und Sicherheitsschuhen. 

Auf der Hütte war ich bis zum Schluss, bis ich in den Sozialplan kam. 

Mit der Freizeit war es nicht immer so einfach. Ich war im SG Welper in der Turnabteilung aktiv. Ein paar mal war ich auch Gaumeister im Geräteturnen. Das war schon eine tolle Zeit. 

„Unsere Kinder wohnen alle in Deutschland. Deswegen werden wir auf Dauer auch nicht in die 

Türkei zurückgehen.“ 

Nuri Ödevci 

geb. 1942 in Ankara / Türkei 

Perihan Ödevci 

geb.1950 in Ankara/Türkei 

Ich stamme aus Ankara und habe nur fünf Jahre
 die Grundschule besucht. 1969 bin ich nach Öster- reich gekommen. Danach habe ich für einige Zeit
 in Frankfurt als Schweißer gearbeitet. In Hattingen war ich zuerst bei der Firma Gottwald an der Presse. Dort bekam ich immer Kopfschmerzen und so bin ich 1973 zur Henrichshütte gewechselt. Von 1973 bis zum Ende war ich dann in der Gießgrube tätig. Das war auch eine schwere Arbeit, aber besser als an der Presse bei Gottwald. Ich habe immer Konti-Schicht- dienst gemacht. Unsere Schicht war eine Gruppe mit gutem Zusammenhalt. 

Die Arbeit auf der Hütte hat mir sehr gefallen und ich bin gerne zur Arbeit gegangen. Gesundheitlich bin ich durch die Arbeiten mit Asbest gefährdet. Deswegen muss ich bis heute regelmäßig zur Kontrolle. Bisher wurde aber nichts festgestellt. 

Wir wohnen in Hattingen und zur Arbeit bin ich immer zu Fuß gegangen. Der Verdienst war nicht sehr hoch und so ist auch die Rente nicht sehr hoch. Wenn wir mal in die Türkei fuhren, dann waren wir meist drei bis vier Wochen dort. 

Als gegen die Hüttenstilllegung gestreikt wurde, bin ich auch einige Male mitgegangen. Ich kam dann aber in den Sozialplan. 

Meine Frau ist 1974 nach Deutschland gekommen. Sie hat in der Sinteranlage, der Werksbahn, dem LD-Stahlwerk und im Kümpelbau als Putzfrau gearbeitet. Anfangs hat sie vier Stunden und später sechs Stunden täglich gearbeitet. 

Unsere Kinder wohnen alle in Deutschland. Deswe- gen werden wir auf Dauer auch nicht in die Türkei zurückgehen. 

„Wir hatten eine gute Kameradschaft. Als es dann losging mit der Schließung, war alles etwas merkwürdig.“ 


Jochen Prinz 

geb.1969 in Winz-Niederwenigern 

Meine Mutter hat hier auf der Henrichshütte eine Ausbildung gemacht. Sie hat aufgehört zu arbeiten, als sie mit mir schwanger war. Mein Vater hat sein ganzes Arbeitsleben, von der Lehre bis zum Ende, auf der Hütte verbracht. Er war in der Versand- abteilung im Export. 

Ich habe die mittlere Reife gemacht und auf der Hütte den Facharbeiterbrief. Meine Ausbildung ging von 1986 bis 1989. In der Lehrwerkstatt der Henrichshütte wurde ich zum Betriebsschlosser ausgebildet. Das Ende meiner Ausbildungszeit fiel genau in die Übergangsphase von Thyssen zu den Vereinigten Schmiedewerken. Deshalb war es auch sehr schwierig, nach der Lehrzeit übernommen zu werden. Da ich meine Facharbeiterprüfung ganz
 gut bestanden hatte, kam ich noch als 2. Putzer in die Guss-Putzerei. Da habe ich dann noch bis 1991 gearbeitet. Ich war also insgesamt nur fünf Jahre auf der Hütte tätig. 

Die Vorgesetzten waren im Großen und Ganzen in Ordnung. Die Arbeitsbedingungen waren ganz erträglich. In der Lehrwerkstatt galten ja sowieso etwas andere Regeln. 

Ich habe mich hier auch sehr wohl gefühlt. Wir hatten eine gute Kameradschaft. Ich habe früher ein bisschen Handball gespielt, auch mit den Kollegen einiges unternommen. 

Als es dann losging mit der Schließung, war alles etwas merkwürdig. Die IG Metall-Jugend hat den Eingang zur Lehrwerkstatt symbolisch zugemauert. 

Später, als ich dann bereits im Museum beschäftigt war, tat es schon weh, zu sehen, wie alles demon- tiert wurde. 

„Ich kann mich noch sehr gut an ein Fußballspiel zwischen Formern und Modellschreinern erinnern.“ 

Gerd Schimon 

geb.1948 in Welper 

Der Vater hat in der Bauabteilung als Maurer gearbeitet. 

Ich habe die Volksschule besucht und dann 1962 eine Lehre als Modellschreiner gemacht. Als die Eisengießerei schloss, konnte ich in die Stahlformgießerei wechseln. Wir haben dort die Modelle für die Werkstücke gemacht. Ich war anfangs hauptsächlich in der Schreinerei tätig, später war ich dann Vorarbeiter und Formen-Kontrolleur. 

Als Grundlage für den Modellbau hatten wir eine Zeichnung. Die Modelle wurden aus Tischlerplatten gefertigt. Wenn Konturen notwendig waren, wurden sie mit der Stichsäge ausgesägt. Wir haben noch sehr viel von Hand gearbeitet. Nach und nach wurden dann immer mehr Maschinen angeschafft. 

Das Holzmodell wurde in der Gießgrube aufgebaut. Nun wurde der umgebende Freiraum mit Stampfmasse gefüllt. Nachdem der Formsand endgültig verfestigt war, wurden die Holzteile herausgezogen und übrig blieb die fertige Form als Negativ. Danach erfolgte der eigentliche Guss. Man musste natürlich schon beim Bau des Modells überlegen, wie man die Holzteile vor dem Abguss wieder aus der Form entfernen konnte. 

Den Beruf habe ich geliebt. Modellschreiner waren ein Haufen für sich und das übertrug sich auf die Formerei. Wir hatten ein gutes Verhältnis untereinander. Stäube und auch Lärm waren oft eine große gesundheitliche Belastung für die Modellschreiner. 

Seit über 50 Jahren haben wir einen Kegelklub. Ich kann mich aber auch noch sehr gut an
 ein Fußballspiel zwischen Formern und Modell- schreinern erinnern. Es hat einfach Spaß gemacht. 

“Wir hatten eine Modellschreinerei, eine Möbelschreinerei, eine Zimmerei und eine Sattlerei.“ 

Paul Chwaliszewski 

geb.1945 in Bochum-Linden 

Der Vater war in der Stahlformgießerei in der Holzverarbeitung auf der Hütte beschäftigt. 

Ich habe die Volksschule besucht und wurde dann in der Lehrwerkstatt angelernt. Danach ging es direkt in die Stahlformgießerei zur Holzverarbeitung. Das war eine interessante Tätigkeit. Hätte ich nie gedacht. Wir hatten eine Modellschreinerei, eine Möbelschreinerei, eine Zimmerei und eine Sattlerei. Wir fertigten die Formen für die Gießerei. 

Die Formen wurden beim Aufbau regelmäßig und mehrfach vermessen. Das Schrumpfmaß musste schon im Modell berücksichtigt werden. Die Wand- stärken und Radien wurden schon in der Entste- hungsphase variiert, um Spannungen im künftigen Gussstück zu vermeiden. Da gehörte viel Erfahrung dazu. Anfangs haben wir Bretter verarbeitet. 

Später waren es Tischlerplatten. Die Modelle mussten resistent gegen Feuchtigkeit und starke Kräfte sein. 

Die Hütte war für mich in vielen Bereichen eine Herausforderung. Die meisten jungen Kollegen waren nett. Ich war auch Unfallvertrauensmann in der Schreinerei. Die Maschinen mussten regelmäßig gewartet und kontrolliert werden. Die Schutzaus- rüstungen war vorhanden, wurden aber nicht immer benutzt. Es gab viel Staub und Hitze. Man konnte dem Dreck kaum ausweichen. Unsere Maschinen waren auf dem Stand der Technik. Ich habe mich immer wohl gefühlt. Ich hatte tolle Kollegen. Besser hätte es nicht sein können. 

Ich habe von 1960 bis 1993 auf der Henrichshütte gearbeitet. 

„Eine Riesenaufgabe war die Fertigung von geschmiedeten Kurbelwellen und Generatorwellen.“ 

Klaus Ross 

geb.1941 in Sprockhövel 

Mein Vater war in der Neubauabteilung der Hütte beschäftigt. Eine seiner Aufgaben war die Fremdfirmenkontrolle. 

Ich habe acht Jahre die Volksschule besucht. 1955 bin ich als Freiformschmied hier auf der Hütte in die Lehre gegangen. Wir waren ca. 400 Lehrlinge, die alle untergebracht werden mussten. Dann kam man auf die Idee, die Lehrlinge in zwei Gruppen aufzuteilen. Die eine Gruppe arbeitete von 6 bis 14 Uhr, die zweite Gruppe von 12 bis 20 Uhr. In der Lehre haben wir auch für die Betriebe gearbeitet. So nebenbei ha- ben wir auch kleinere Sachen für zu Hause gemacht. Irgendwann waren wir spezialisiert in der Herstellung von Gartentoren. 

In der Schmiede bin ich als Hammergehilfe und Springer angefangen. Wir haben in erster Linie Radreifen hergestellt. Dazu kam die Fertigung des rollenden Materials. Das waren Vollräder und Rad- reifen. Irgendwann war ich der 1. Schmied in einer 18-köpfigen Gruppe. Später wurde ich Obermeister für die gesamte Schmiede mit 8.000 t-Presse, mit 2000 t-Presse sowie Ring- und Räderfertigung. Eine Riesenaufgabe war die Fertigung von geschmiedeten Kurbelwellen und Generatorwellen. Die Hütte war schon modern, wenn auch nicht in allen Bereichen. 

Nach dem Wechsel des Eigentümers war ich auch noch bei der VSG. Als dann die Schmiede zugemacht wurde, habe ich gekündigt und bin zu Thyssen- Krupp in Remscheid gegangen. Auf der Hütte habe ich mich sehr wohl gefühlt. 

„1957 bin ich in den Westen nach Hattingen gezogen. Alle Verwandten hatten sich nach dem Krieg hier in Hattingen getroffen.“ 

Gerd Drews 

geb.1933 in Thiemsdorf/Ostpreußen 

Kurz bevor die Russen kamen, sind wir mit einem Treck in Richtung Westen geflohen und blieben zunächst in Mecklenburg-Vorpommern. 1957 bin
 ich nach Hattingen gezogen. Zu der Zeit konnten
 wir ja noch frei reisen. Alle Verwandten hatten sich nach dem Krieg hier in Hattingen getroffen. Bis 1960 habe ich in den Gummiwerken in Bredenscheid gearbeitet. 

Am 4. April 1960 bin ich dann auf der Henrichshütte angefangen. Eine Berufsausbildung habe ich nicht. Ich kam in die Vergütung. Alles was vom Hammerwerk kam, wurde bei uns vergütet. Das schwerste Teil war eine Walze, die wog 435 Tonnen. Dazu mussten etliche Gleise verlegt werden und die Anhängevorrichtungen wurden neu konzipiert. Bis 1980 habe ich mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt, dann wurde es aber doch sehr stressig, weil unter anderem immer mehr Personal abgebaut wurde. Zum Schluss war ich Vorarbeiter. Die Ar- beitssicherheit wurde mit den Jahren immer größer geschrieben. Größere Unfälle habe ich aber nicht erlebt. 

Gegen Ende meines Arbeitslebens kam ich ins Stahl- werk und kam mir vor wie das 5. Rad am Wagen. Zuletzt war ich im Stahlwerk auf dem Pfannenplatz und unten an der Finkl- Pfanne beschäftigt. Viel zu jung bin ich dann mit 55 Jahren am 2.11.1988 in den Sozialplan gegangen. 

„Ich sehe im Geiste immer noch die Lokomotiven mit dem flüssigen Stahl fahren. Ich sehe die Leute, die hier arbeiten. Das kann man nie vergessen.“ 

Werner Echtner 

geb.1952 in Hattingen 

Ich habe die Volksschule besucht und dann auf der Zeche Zollverein meine Gesellenprüfung als Schlosser abgelegt. Auf der Hütte habe ich als selbstständiger Fremdunternehmer gearbeitet. Ich hatte mich direkt nach der Lehre selbstständig gemacht und mich um die Instandsetzung der Schmiedeöfen beworben. So war ich von 1982 bis 1992 in regelmäßigen Abständen auf der Hütte tätig. Ich war von Kindheit an von der Hütte fasziniert. Abends haben wir es bewun- dert, wenn die Abstiche waren und der Himmel rot erleuchtet war. 

Zur 8.000 t-Presse gehörten riesige Glühöfen. Da kamen die Wellen rein. Die wurden geglüht und ge- schmiedet und wieder geglüht und geschmiedet bis sie ihre endgültige Form hatten. An den Öfen fuhr eine riesige Tür hoch, ein Wagen kam heraus mit der geglühten Welle. Dann kam ein Kran, der packte die Welle und brachte sie zum Schmieden. Die Wände der Öfen waren innen mit Mineralfaser verkleidet. Diese Fasern hatten nur eine geringe Lebensdauer und dann hatten wir den Auftrag, die Mineralfasern zu erneuern oder neue Brennerbuchsen und Brennerdüsen einzubauen. Es war eine sehr schwere und dreckige Arbeit. Das haben wir aber gerne in Kauf genommen. 

Ich sehe im Geiste immer noch die Lokomotiven mit dem flüssigen Stahl fahren. Ich sehe die Leute, die hier arbeiten. Das kann man nie vergessen. Obwohl ich hier nicht fest angestellt war: Ich war einfach irgendwie verbunden mit der Hütte. Ich konnte die beabsichtigte Schließung der Hütte nicht begreifen. 

Ab 1992 gingen die Geschäfte nicht mehr gut. Ich war aber immer sehr flexibel und ging nach Stuttgart. Dort habe ich Industriemontage und Hausmeister gemacht. 

„Bochumer Verein und Henrichshütte waren beide sehr interessant. Es ist schade, dass wir heute keine Hüttenwerke mehr haben.“ 

Heinz Brinkmann 

geb.1938 in Bochum 

Ich habe einen Realschulabschluss und habe dann beim Bochumer Verein meine Lehre gemacht. Da- nach habe ich auf der Henrichshütte in der Werkstoffprüfung angefangen. Hier bekam ich die Gele- genheit, nach Feierabend einen Vorbereitungskurs zum Ingenieurstudium in Wuppertal zu besuchen. Als dann aber ein Kind unterwegs war, war es mit dem Studium erst einmal vorbei. Ich habe gekündigt und in Bochum die Tagesschule zum Werkstofftechniker besucht. Als Werkstofftechniker bekam ich eine Stelle bei der Firma Gottfeld in Köln. Später konnte ich dann zum Bochumer Verein in die Werkstoffstelle wechseln. Ich musste Anfragen und Aufträge bear- beiten, kontrollieren und prüfen. Später machte ich die gleichen Aufgaben in der Schmiede beim Bochu- mer Verein. Es gab auch damals schon eine engere Zusammenarbeit mit der Henrichshütte. 

Im Verbund mit der VSG hatten wir zwei Ringwalzwerke. Wir hatten in Bochum das modernere. Der große Unterschied war, dass wir in Bochum mit einem 10.000 Tonnen-Hammer gewalztes Halbzeug besser verdichten konnten, indem wir über den Dorn schmiedeten. Sonst hätten wir das Material nie dicht gekriegt. Das ging hin und her, jeder wollte sein Ringwalzwerk behalten. 

Bochumer Verein und die Henrichshütte waren beide sehr interessant. An und für sich ist es schade, dass wir heute keine Hüttenwerke mehr haben. 

Ich könnte mir vorstellen, dass die Hüttenwerke zu wenig Profit abgeworfen haben und deshalb geschlossen wurden. 

Mitglied im Förderverein Henrichshütte wurde ich, um auf diese Weise etwas zurückgeben zu können.“ 

Günter Neugebauer 

geb. 1942 in Glatz / Schlesien 

Nach der Vertreibung aus Schlesien kamen wir nach Blankenstein. Das war ein ziemlich schwerer Anfang damals. Ich habe die Volksschule besucht und mich dann 1956 auf der Hütte beworben. Ich wurde Ma- schinenschlosser. Trotz gutem Lehrabschluss wurden wir zunächst beim Abriss der Kokerei eingesetzt. 

1960 konnte ich dann aber im Walzwerk anfangen. Die Umstellung auf den Produktionsbetrieb war zunächst ein Schock für mich. Die Anlernzeit dau- erte sehr lange. Ich war auf dem Steuerstand der 4,2 m-Straße. Das war zu der damaligen Zeit das modernste Walzwerk in Europa. Der Steuerstand war mit zwei Mitarbeitern besetzt und unten stand der Oberwalzer, der den ganzen Prozess überwachte und die notwendigen Korrekturen einleitete. Ge- walzt haben wir überwiegend Strangguss, manchmal aber auch Standguss. Unsere dünnsten Bleche lagen bei 5 mm und das Dickste bei 300 mm. Die Produkte gingen in alle Welt. 

Die Hütte war weltweit bekannt für Qualität und für Termintreue. In den ersten Jahren war ich quasi in allen Bereichen des Walzwerkes tätig. Dann ging ich aber für 3 Jahre zur Firma Gottwald in Hattingen. 

Nach meinem Wiedereinstieg auf der Henrichshütte bekam ich die Möglichkeit, zur Meisterschule zu gehen, und wurde anschließend Schichtführer an der 2,8 m-Straße. Einige Jahre später ging ich zurück an die 4,2 m -Straße und wurde dann auch Obermeister. Mit der Hütte ging es aber so langsam bergab. 

1987 wechselte ich zur Firma Namasco in Holland und wurde dort Betriebsleiter. Nach zehn Jahren konnte ich dann mit einer entsprechenden Abfindung ausscheiden. 

„Jeden Morgen um halb vier bin ich mit der Straßenbahn losgefahren, damit ich um 6 Uhr auf meiner Hütte war.“ 

Kurt Schneider 

geb.1928 in Langendreer 

Mein Vater war Bergmann. Ich habe die Volksschule besucht und dann bei der Reichsbahn in Langen- dreer im Lokschuppen Schlosser gelernt. 1948 hatte ich dann die Möglichkeit, auf der Hütte anzufangen. Jeden Morgen um halb vier bin ich mit der Straßen- bahn losgefahren, damit ich um 6 Uhr auf meiner Hütte war. Ich habe 1948 in der Bearbeitungswerk- statt 3 als Schlosser bzw. Dreher angefangen. 

Dann kam die Demontage. Nach dem verlorenen Krieg wurden viele Anlagen demontiert und gingen an die Siegermächte. Alle jungen Leute aus den demontierten Anlagen kamen damals ins Walzwerk. Auch die BW 3 wurde damals teilweise demontiert, obwohl Arbeit da war. Wir bauten dort Radsätze für die Reichsbahn. 

Ein Walzwerk, wie es das heute gibt, gab es damals nicht. Damals mussten wir an der Walze noch richtig arbeiten. Das alte Walzwerk ist 1954 abgerissen worden, als die Mittelblechstraße gebaut wurde. 

Ich war bis zum Schluss im Walzwerk an den Öfen. Ich habe mich auf der Hütte sauwohl gefühlt, das kann ich nicht anders sagen. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen. Die Arbeitsbedingungen waren ganz in Ordnung. Wo die Produkte hingingen, haben wir nicht erfahren. Das war uns auch egal. Hauptsache wir hatten Arbeit. 

Die Hütte war bekannt für schlechte Bezahlung. Im Stahlwerk Bochum oder im Walzwerk Bochum wurden die Leute besser bezahlt. Reich konnte man nicht werden, aber man kam aus. 

In Vereinen bin ich in meiner wenigen Freizeit nicht gewesen. 

 

 

„In der Hattinger Bevölkerung wurde eine Beschäftigung auf der Hütte als eine Lebensstellung angesehen.“ 

Werner Krapp 

geb.1934 in Hattingen 

Ich hatte 1948 die Volksschule abgeschlossen und ging dann zur Zeche Holland in Herbede. Ich hatte meine Knappenprüfung abgelegt und wollte ei- gentlich Steiger werden. Als ich auf der Zeche eine neue Tätigkeit aufnehmen sollte, entschied ich mich anders und ging zur Henrichshütte. Mein Vater war dort als Schrauber an der Walze tätig und stellte den Walzspalt ein. 

1951 fing ich dann auf der Hütte an. Damals gab es noch die Trio-Straße. Dort wurden Blöcke bis zu 500 kg eingesetzt. Die Blöcke wurden mit Manneskraft auf Wagen zur Walze gezogen. Ich war Einsetzer im Blocklager. Die alte Triostraße ist dann ja abgerissen worden. Dafür kam dann die 2.8 m -Walzstraße. 

Später besuchte ich dann Aufbaulehrgänge in der Lehrwerkstatt und machte 1967 meinen Industrie- meister im Eisenhüttenwesen. Bei uns war die ganze Familie auf der Hütte beschäftigt. Ich glaube, dass sogar mein Urgroßvater auf der Hütte war. Aber auch mein Bruder, mein Schwiegervater und auch meine Frau waren auf der Hütte tätig. Das war eigentlich – wie man so sagt – unsere Hütte. In der Hattinger Bevölkerung wurde eine Beschäftigung auf der Hütte als eine Lebensstellung angesehen. 

Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt. Wir hatten untereinander ein gutes Verhältnis. Sie müssen schon ein gutes Team haben, um auch etwas zu leisten. 

„Man war froh, das man Arbeit hatte und nicht auf der Straße lag.“

Hans Baumgart

geb. 1937 in Hattingen

Früher habe ich im Rauendahl gewohnt, auf der anderen Ruhrseite. Zur Arbeit bin ich mit der Fähre über die Ruhr gefahren. 1961 habe ich geheiratet. Die ganze Familie hat auf der Hütte gearbeitet. Der Vater, der Onkel, der Opa.

Ich habe 1952 auf der Hütte angefangen. Wir haben alle keine richtige Lehre gemacht. Ich habe die Volksschule besucht und war dann von 1952 bis zur Werksschließung auf der Henrichshütte. Ich habe im Walzwerk an der 4,2 m-Straße als Vorzeichner gearbeitet. Über unsere Arbeitsbedingungen gibt es nicht viel zu sagen. Unser Werkzeug war die Kreide. Die Walzberichte bekam ich vom Büro.

Die Anlagen wurden ständig überwacht und, wenn nötig, auch modernisiert. Die Anforderungen an den Einzelnen konnte man gut schaffen. Die Vorgaben zur Arbeitssicherheit mussten eingehalten werden. Helm, Handschuhe und Ohrstöpsel waren Pflicht.

Die Hütte war für mich nicht nur Brötchengeber. Man war froh, dass man Arbeit hatte und nicht auf der Straße lag.

Während meiner Arbeitszeit auf der Hütte habe ich keinen Sport gemacht. Durch die 3-fache Schicht war das unmöglich. Heute bin ich aber im Sport- verein Märkisch Hattingen. Ich treibe immer noch dreimal in der Woche Sport und fahre nebenbei noch Fahrrad.

Als die Stilllegung der Hütte anstand, da habe ich noch Glück gehabt. Ich kam in die Vergütung 7, eine noch in Betrieb befindliche Abteilung. Ich war auf einem kleinen Kran und habe die Bleche abgenommen und aufgestapelt. Dort war ich noch 2,5 Jahre und dann ging ich in den Sozialplan.



„Wenn der Monat 31 Tage hatte, haben wir 32 gearbeitet. Wir haben 12 Stunden gemacht und so.“


Karl Baumgart

geb. 1937 in Hattingen

Mein Vater war in der Gaszentrale und mein Onkel als Meister im Walzwerk. Ich habe acht Jahre die Volksschule besucht. Als wir aus der Schule kamen, hat der Onkel Karl uns mitgenommen ins Walzwerk.

Von 1952 bis 1966 habe ich an der Trio-Straße gear- beitet. Da waren zwei Walzgerüste nebeneinander. Früher waren das ja kleine Blöcke. Die Walze konnte Bleche bis 1.500 mm Breite bearbeiten. Die meisten Bleche lagen zwischen 3 und 5 mm Blechstärke. Die fertig gewalzten Bleche kamen auf ein Kühlbett. An der Kreismesserschere wurde das Blech an den Sei- ten gesäumt. Dazu mussten wir die Bleche auf dem Rollgang über Schienen heranziehen. Die Schiene war aus Messing. Die wurde mit Öl bespritzt und dahinter wurde dann das Blech in ein, zwei Meter- Schritten auf der Längsseite gesäumt. Mit einem langen Lineal wurde dann die vorgesehene Blechlän- ge angezeichnet und beschnitten. Die Bewegung der Bleche, das ging alles von Hand, mit Zangen oder mit dem Kran. Sieben, acht Meter war das längste Blech. Die Bleche wurden in Paketen gestapelt und gingen dann in die Verladung.

Ab 1966 kamen ja die neuen Straßen, die 2,8 m- Straße und die 4,2 m-Straße. Da habe ich als Vor- zeichner an der 2,8 m-Straße gearbeitet. Wenn mal einer fehlte, dann musste ich auch am Glühofen aushelfen. Samstag, Sonntag, Heiligabend haben wir gearbeitet. Wenn der Monat 31 Tage hatte, haben wir 32 gearbeitet. Wir haben 12 Stunden gemacht und so.

Gegen die Stilllegung der Hütte haben wir heftig protestiert. Wir waren in Duisburg an der Mercator- halle. Da war damals die große Aufsichtsratssitzung, und da haben wir den Walter Scheel ausgepfiffen.

„Wir sind Spätaussiedler. Ich hätte damals die pol- nische Staatsangehörig- keit annehmen müssen und auch zum polnischen Militär gemusst. Das wollte ich nicht.“


Herbert Halfter

geb. 1944 in Weißstein / Schlesien

Wir sind Spätaussiedler. 1959 kamen wir nach Hattingen. Wir hätten damals die polnische Staats- angehörigkeit annehmen müssen und auch zum polnischen Militär gemusst. Das wollten wir nicht. Von Schlesien aus mussten wir ins Lager Friedland. Von hier ging es dann Richtung Süddeutschland in die Nähe von Freiburg. Ein Onkel wohnte bereits in Hattingen und ließ mich hierhin kommen. Ich lernte Bäcker in der Bäckerei Mühlhaus. Ein paar Jahre war ich auch bei der Bäckerei Palm in Welper.

Bis 1966 war ich für drei Jahre beim Militär. Nach der Bundeswehrzeit kam ich durch meinen Schwieger- vater, der auf der Hütte war, ins Walzwerk, damals noch an die alte Trio-Walzstraße. Dann habe ich den Kranführerschein gemacht.

Später habe ich an der Walze gearbeitet. An der Walze gab es den Schrauber, den Fahrer und den

Walzmeister. Man musste sich von unten nach oben hocharbeiten. Die ersten zweieinhalb Jahre war ich unten an der Walze tätig. Ich musste am heißen Blech die Maße nehmen. Die Blechdicke wurde mit der Mikrometerschraube gemessen. Das Blech war so 800 - 900 °C heiß. Bei ganz dicken Brocken, so bei 350/400 mm, mussten wir mit dem Bügelmikrometer ran.

Nach der Schließung wollten die uns nach Duisburg und Krefeld haben. Krefeld habe ich mir angeguckt. Ich bin aber gar nicht weg. In der BW 3 suchte man Kranfahrer. Das habe ich gemacht, in der Edelstahl- abteilung.

Schwere Unfälle habe ich natürlich auch erlebt. Das waren schon grausame Erlebnisse, die man nicht so schnell vergisst.

„Zur Arbeit kam ich über die Ruhr mit der Fähre. Da gingen ungefähr zehn

Mann rein. Jeder musste mal rudern.“


Walter Halfter

geb. 1947 in Waldenburg / Schlesien

Wir sind von Schlesien über das Durchgangslager Friedland und einige andere Zwischenstationen nach Hattingen gekommen. Wir bekamen im Rauendahl eine Wohnung.

In Polen hatte ich vier Jahre die Volksschule besucht. Dort hatten wir nur zwei Stunden Deutschunterricht pro Woche. Aber meine Eltern sprachen zu Hause Deutsch. In Deutschland war ich dann noch drei Jahre auf der Schule.

Nach der Schulzeit habe ich direkt in der technischen Anlagenplanung gearbeitet und dort Botengänge, Zeichnungsregistratur und Vervielfältigungen ge- macht. Mit 16 Jahren ging ich in die Kranführer- schule und wurde dann Kranführer in der Bearbei- tungswerkstatt 1. Nach der Bundeswehrzeit war ich noch kurz auf dem Kran, fing dann aber im Fahrbe- trieb auf der Hütte an. Im Fahrbetrieb habe ich alles gefahren vom Stapler bis zum Radlader. 17 Jahre habe ich das gemacht. Dann ging ich ins Kesselhaus.

Hier wurde ich angelernt als Turbinenmaschinist. Wir hatten drei Dampfkessel, die mit Hochofen-Gichtgas beheizt wurden.

Zur Arbeit kam ich über die Ruhr mit der Fähre. Da gingen ungefähr zehn Mann rein. Jeder musste mal rudern. Später bekam die Hütte dann eine moderne Fähre für ca. 40 Personen.

Die Hütte war meine Familie. Ich habe mich hier wohl gefühlt.

Zum Schluss wurde ich ziemlich im Stich gelassen. Ich bekam ein Angebot von Krupp in Verbindung mit einer kleinen Abfindung. Das klappte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht und weil ich den Abfindungsvertrag unterschrieben hatte, hat sich die Hütte nicht mehr zuständig gefühlt. Mit 63 ging ich in Altersteilzeit.

„Als Kranführerin hatte ich keinen hohen Stunden- lohn, aber durch die vielen

Überstunden war es trotzdem sehr viel.“

Natalie Dischke

geb. 1939 im Warthegau / Polen

Vor dem Krieg lebten wir als Deutsche in Polen. 1945 hatte meine Mutter versucht zu flüchten, musste aber wieder zurück. Unser Hof in Polen war inzwischen von anderen Polen besetzt. Ich war fünf Jahre alt und wurde und auf einen anderen polni- schen Bauernhof verschleppt. Meine Mutter durfte ich nur sonntags mal besuchen. Irgendwann hat sie wohl jemanden bestochen und mich zusammen mit meiner großen Schwester nach Deutschland ge- schickt. Wir gingen nach Dortmund. Mein Onkel war dort Steiger auf einer Zeche. Ich konnte aber immer noch kein Wort deutsch sprechen. Mit neun Jahren durfte ich dann zur Schule. Ich habe die Volksschule besucht und wurde anschließend Verkäuferin bei einer Firma in Herbede. Meine Mutter kam 1951 mit den anderen Geschwistern nach. Der Vater war gefallen.

Irgendwann suchte die Henrichshütte Kranführerin- nen. Ich arbeitete dann im Walzwerk im Edelstahlbereich. Der Wechsel von der Firma in Herbede zur Henrichshütte: Das war wie Sonntag. Ich erhielt jede Unterstützung. Das Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen war sehr gut. Anfangs habe ich auch mal geweint, wenn etwas schief ging, aber wenn ich es gut gemacht habe, haben sie mich auch gelobt. Ich musste sehr viele Überstunden machen. Dazu kamen an den Wochenenden die Reparaturen. Für mich kam die Arbeit an erster Stelle.

Als Kranführerin hatte ich keinen hohen Stunden- lohn, aber durch die vielen Überstunden war es trotzdem sehr viel. Es gab auch mal einen schweren Zwischenfall. Die Schlosser arbeiteten mit schweren Gasflaschen, während sich die Last vom Kran löste und die Gasflaschen traf. Eine ist aufgegangen und hat sich zigmal überschlagen. Es ist nichts passiert, aber ich war fix und fertig.

Ich war bis 1995 auf der Hütte tätig.

„Als Johannes Rau hier war, habe ich auf meine Kamera ‚RTL Frühstücksfernsehen‘ geschrieben.“

Hans Dieter Stobinski

geb.1935 in Welper

Meine direkten Verwandten arbeiteten alle auf der Hütte. Wir waren ausgebombt und ich war als Kind lange in Ostpreußen evakuiert und später in der Lüneburger Heide.

Ich habe die Volksschule besucht und fing 1951
im Walzwerk als Anzeichner an. Damals waren die Dächer noch nicht vollständig dicht. Bei schwerem Regen mussten wir Pause machen. Auf den nassen Blechen konnte man die Kreide nicht mehr erkennen. Zum Anzeichnen mußte ich auf den heißen Blechen rumlaufen. Dazu haben wir Holzschuhe getragen.
Da lief der Schweiß. Selbst die Atemluft war heiß. Wasser und Tee standen bereit und wurden in großen Mengen getrunken. Es wurde ja sofort
alles wieder ausgeschwitzt.

Damals musste ich viele Überstunden machen. Samstag und Sonntagsarbeit war normal und wenn man mal nicht kommen wollte, dann war der Meister beleidigt. Die Hütte war viel Arbeit und ich habe viel geschwitzt.

Zur Arbeit kam ich zu Fuß. Ein Fahrrad konnte ich mir nicht sofort leisten. Die Hütte verkaufte dann Fahrräder an die Beschäftigten. Der Preis wurde in kleinen Beträgen monatlich vom Lohn abgehalten. Wir haben wirklich gutes Geld verdient.

Als die Stilllegung der Hütte anstand, haben wir alle demonstriert und ich habe für den privaten Gebrauch gefilmt. Als Johannes Rau hier war, habe ich auf meine Kamera „RTL Frühstücksfernsehen“ geschrieben und so konnte ich zusammen mit den Presseleuten in die Gaststätte. Ich saß dem Johannes Rau direkt gegenüber und habe alles gefilmt.

Ich habe auch selber Kampflieder getextet und gesungen.

„Mein Vater war auch auf der Hütte. Er hat noch an der Seilbahn zur Baaker Mulde gearbeitet.“

Helmut Siebald

geb.1938 in Hattingen

Ich habe die Volksschule bis 1953 besucht. Mein Vater war auch auf der Hütte. Er hat noch an der Seilbahn zur Zeche Baaker Mulde gearbeitet.

Ich selbst habe auf der Henrichshütte im Walzwerk am Zeichenplatz gearbeitet. Ich habe keine Lehre gemacht. 1977 habe ich den Hüttenfacharbeiter gemacht. Dafür gab es dann später den Fachaus- druck Verfahrensmechaniker. Ich war an der 4,2 m-Straße tätig. Hauptsächlich haben wir Schiffsble- che gemacht. Viele Werften waren unsere Kunden. Dann gab es noch Spezialbleche, die nach Russland gingen.

Die Hütte war bekannt für ihre Qualität. Unsere Bleche gingen in die ganze Welt. Die Hütte war zu der damaligen Zeit sehr modern. Die Anlagen waren in Ordnung, und auf die Kollegen, die die Anlagen bedienten, war Verlass. Da man mich überall einset-

zen konnte, war ich oft Springer. Auf der Hütte habe ich mich wohl gefühlt. Ich hatte keine Probleme mit den Kollegen oder den Vorgesetzten.

Warum die Hütte damals stillgelegt wurde, weiß bis heute keiner so ganz genau. Hattingen war das beste Werk rundherum.

Von 1953 bis 1988 war ich auf der Henrichshütte beschäftigt. Danach bin ich noch 6 Jahre nach Duisburg-Hüttenheim gefahren und habe dort in der Verladung gearbeitet. Wir mussten Bleche komplet- tieren für den Versand. Viele aus Hattingen waren noch in Duisburg tätig.

Mein Leben in meiner Freizeit spielte sich nur in der Familie ab. Von 1956 bis 1960 war ich im Schützen- verein, aber das habe ich dann drangegeben.

„Ich bin heute noch aktiv in den Schaubetrieben des Fördervereins Henrichshütte. Das mache ich bereits seit 14 Jahren.“

Martin Weinzierl

geb.1958 in Blankenstein

Mein Vater kam aus Bayern ins Ruhrgebiet. Er hat zunächst auf der Zeche Friedlicher Nachbar gearbei- tet. Hier hat er dann meine Mutter kennengelernt. Später ging er zur Henrichshütte und hat dort im Press- und Hammerwerk gearbeitet.

Ich habe in Welper die Hauptschule besucht und von 1974 bis 1977 auf der Hütte eine Lehre zum Stahlfor- mer gemacht. Die Arbeit in der Formerei war manch- mal ganz schön schwer. Man fing als Hungerhaken an, hatte dann aber nach einem halben Jahr auch ein bisschen was in den Armen. Aber es machte Spaß.

Nach meiner Ausbildung war ich dann bis 1980 für drei Jahre im Walzwerk an der 2,8 m-Straße. Hinter dem Blechwender musste ich Bleche beschriften und aussortieren. Teilweise waren die Bleche auch noch heiß. Dann musste man sich Holzschuhe anziehen, um auf die Bleche zu gehen. Ich bin aber nie auf den heißen Blechen ausgerutscht.

Die Hütte war für mich ein Riesenwerk, das man nicht wirklich gut kannte. Ich hätte gerne mehr da- von gesehen. Wir waren damals auch sehr neugierig und haben oft von Weitem in die Hallen geschaut. Aber rein durften wir nicht. Aus meiner Sicht waren die Anlagen richtig modern. Das Verhältnis zu Vorge- setzten und Kollegen war sehr gut.

1980 wurde es auf der Hütte langsam schlechter. Als ich die Gelegenheit bekam, bei der Stadt anzufangen, habe ich mich beworben und wurde angenommen. Bei der Stilllegung der Henrichshütte war ich schon bei der Stadt beschäftigt.

In der Freizeit habe ich Fußball gespielt, Judo
und Ringen gemacht. Hat Spaß gemacht. Ich bin heute noch aktiv in den Schaubetrieben des För- dervereins Henrichshütte. Ich begleite dort Schau- vorführungen und bin gerne mit den ehemaligen Kollegen zusammen.

„Ich war froh, dass ich Arbeit hatte und damit war ich auch zufrieden. Ich habe hier auch ganz gut verdient.“

Heinz Holzmann

geb. 1932 in Weitenhagen / Pommern

1947 haben uns die Polen rausgeschmissen. Wir waren volle drei Tage unterwegs und landeten dann in Sachsen. Hier wurden wir nicht besonders gut aufgenommen. In Burkhardtsdorf habe ich ein Jahr in der Nadelfabrik gearbeitet. Nachdem ich dann 1948 im Erzbergwerk arbeiten sollte, bin ich in den Westen geflüchtet. Ich war damals 15 Jahre. Ein Be- kannter aus Burkhardtsdorf war schon in Herdecke. Zunächst habe ich dort bei Bauern gearbeitet und später in einer Spatenfabrik. Dann konnte ich bei der Ruhrstahl AG in Witten-Annen anfangen. 1961 wurde Witten-Annen geschlossen und so kam ich zur Henrichshütte.

Auf der Henrichshütte war ich Kranführer. Weil ich irgendwann jeden Kran fahren konnte, wurde ich als Springer eingesetzt. Hauptsächlich bin ich aber über den Tieföfen im Walzwerk gefahren. Schlimm wurde es, wenn man über den offenen Öfen stand und der Kran ausfiel. Die Zangenkrane, das waren schon ältere Krane. Die ganz schweren Blöcke wurden heiß angeliefert und mit einem anderen Kran direkt auf den Rollgang vor der Walze gelegt. Auf dem Kran war es besonders heiß und laut. Da habe ich sicher- lich auch einen Hörschaden erlitten. Schutzkleidung war da, aber mit der Schutzbrille konnten wir am Tiefofen nichts anfangen. Da sind wir teilweise auch schon mal blind gefahren.

Wir mussten viel arbeiten. Das Schlimmste waren die kurzen Wechsel. Kaum war ich zu Hause, musste ich mich auch schon wieder auf den Weg machen. Wenn einer fehlte, kam die Hüttenfeuerwehr und holte mich zur Arbeit. Ich war froh, dass ich Arbeit hatte und damit war ich auch zufrieden. Ich habe hier auch ganz gut verdient.

1988 wurde das Walzwerk geschlossen.

„Für mich war die Hütte die schönsten Jahre meines Lebens. Wir hatten gute Freundschaften. Wir haben viel gemeinsam unternommen.“

Karin Drews

geb. 1941 in Hattingen

Ich habe die Volksschule besucht und Weberin in Nierenhof gelernt. Von 1973 bis 1991 war ich dann auf der Hütte in der Qualitätsstelle. Das Walzwerk brachte seine Proben in die Probenwerkstatt. Dort wurden sie geprüft und wir haben die Zeugnisse dazu geschrieben. Die Abnehmer unserer Kunden kamen zu uns ins Büro und haben dort ihre schrift- lichen Sachen gemacht. Im Wesentlichen kamen sie vom TÜV, vom Germanischen Lloyd, vom Lloyd‘s Register, usw. Die DDR und auch Russland haben ebenfalls bei uns bestellt.

Anfangs haben wir alles mit Schreibmaschine geschrieben und dann kam der Computer. Erst ha- ben sich alle gesträubt. Dann wurden wir eingewie- sen. Es musste ja erst mal Klick machen im Kopf.

Für mich war die Hütte die schönsten Jahre meines Lebens. Wir hatten gute Freundschaften im Büro,

„Für mich war die Hütte die schönsten Jahre meines Lebens. Wir hatten gute Freundschaften. Wir haben viel gemeinsam unternommen.“

wir haben viel gemeinsam unternommen. Die ganze Verwandtschaft war auf der Hütte. Wir hatten gute Vorgesetzte und gute Mitarbeiter. Man war ja noch jung und die Arbeit war gut.

Reich konnte man nicht werden. Man stellte ja aber auch nicht so hohe Ansprüche. Das war ja für alle das gleiche Problem. Man hat echt zusammen- gehalten. Wir wollten ja alle bis zur Rente hier bleiben.

Ja, und dann kamen die Stilllegungspläne. Da sind wir alle auf die Straße gegangen.

1979 haben wir einen Tennisclub gegründet, in dem viele Werksangehörige Mitglied waren.

„Reich sind wir auf der Hütte nicht geworden, aber wir konnten ganz gut davon

leben.“ 

Heinz Ströder

geb.1947 in Oldenburg/Kreis Oldenburg

Die Familie kam 1956 nach Welper. Mein Vater war hier auf der Hütte als Maschinenschlosser tätig. Von 1961 bis 1964 habe ich hier auf der Hütte meine Lehre als Dreher gemacht. Später bekam ich Probleme mit der Bandscheibe. Ich kam dann an die Walzenschleif- maschine in der BW 2. Da war ich ungefähr sechs Jahre. In der Zeit habe ich die Abendschule besucht und meinen Meister gemacht.

Von 1984 bis 1994 war ich auf dem Büro in der Programmierabteilung tätig. Durch Arbeitsplatzab- bau musste ich mit 47 Jahren meinen Arbeitsplatz verlassen und wurde in die Bearbeitungswerkstatt 1 versetzt. Dort hatte ich die Aufgabe der Werkstück- verfolgung und der Arbeitsplatzoptimierung.

Später landete ich in der Arbeitsvorbereitung der Schmiede. Ich hatte null Ahnung von dieser Arbeit. Ich sollte sechs Monate von meinem Vorgänger angelernt werden, doch der starb nach ca. acht Wochen und da stand ich alleine vor dem Problem. Mir fehlten die ganzen technischen Grundlagen. Jeden Montag bin ich nach Witten zu den Edel- stahlwerken Witten Krefeld und habe dort unser Vormaterial bestellt. Von dort bekamen wir unsere Schmiedeblöcke. Ab 2000 war ich dann Arbeits- vorbereiter an der 2.000t-Presse.

Die Hütte war bekannt durch ihre Fähigkeit, sehr große Einzelstücke zu fertigen. Das Verhältnis zu den Arbeitskollegen und Vorgesetzten sowie die Arbeits- bedingungen waren im Großen und Ganzen OK. Reich sind wir auf der Hütte nicht geworden, aber wir konnten ganz gut davon leben. Die Freizeit war durch die Schichtarbeit ganz schön eingeschränkt.
Es blieb nur Zeit für ein bisschen Freizeitsport. Für Vereine reichte es nicht.

Am 13. Dezember 2003 war dann für mich Schluss.

„In den Bearbeitungs- werkstätten wurde alles gefertigt, was sich dreht. Unsere Produkte gingen in die ganze Welt.“

Manfred Sommer

geb.1941 in Holthausen

Ich habe die Volksschule besucht und bin dann 1955 auf der Hütte als Lehrling zum Dreher angefangen. In der Lehrwerkstatt habe ich drei Jahre gelernt und dann kam ich in die BW1.

Von 1961 bis 1963 war ich bei der Bundeswehr. Hier hatte ich drei große „Erlebnisse“: die Kuba-Krise, den Mauerbau in Berlin und die große Sturmflut in Hamburg.

Nach der Lehre habe ich dann weiter die Schule besucht. Zunächst habe ich einen REFA-Kurs ge- macht und später die Technikerschule. 1967 kam ich dann in die Arbeitsvorbereitung und danach in die Programmier-Abteilung. Dort haben wir Programme für die Drehbänke geschrieben. In den Bearbeitungs- werkstätten wurde alles gefertigt, was sich dreht. Unsere Produkte gingen in die ganze Welt. Große Kunden waren Siemens, KWU und BBC. Zum Schluss

ging auch viel rüber nach Russland und China. Die Hütte war überall bekannt für ihre Qualität.

In den mechanischen Werkstätten hatten wir anfangs noch ziemlich alte Drehbänke, da waren andere Firmen schon weiter. Dann hat Dr. Haver- kamp dafür gesorgt, dass die Mechanischen Werk- stätten modernisiert wurden. In dem Zuge kamen dann auch jede Menge NC-Maschinen, Drehbänke, Fräsbänke usw.

Auf der Hütte habe ich mich immer wohlgefühlt und das Arbeiten war angenehm. Die Arbeitsbedingungen waren eigentlich immer gut.

In der Freizeit wurde Fußball gespielt bei SG Welper oder beim TUS Hattingen. Auf der Hütte war ich von 1955 bis 2001.

„Wenn man Hattinger oder Welperaner war, ging man zur Henrichshütte,

das war halt so.”

Horst Steinbach

geb. 1936 in Welper

Ich habe die Volksschule besucht und bin 1951 hier in die Lehre gegangen und habe Dreher gelernt. 1951 war nicht allzu viel Auswahl. Da musste man eigentlich froh sein, überhaupt einen Lehrplatz zu bekommen. Wenn man Hattinger oder Welperaner war, ging man zur Henrichshütte, das war halt so.

Später war ich dann in der Bearbeitungswerkstatt. Ich habe hauptsächlich große Kurbelwellen gedreht, aber 1963 ging das auch schon langsam zu Ende. Die Anlagen waren eigentlich in einem guten Zu- stand. Alte Krücken waren das garantiert nicht, nein. Die Maschinen haben ausgereicht, um vernünftige Werkstücke herzustellen zu können. Wir hatten auch eine gute Ausbildung. Die war hervorragend.

Auf der Hütte habe ich im Dreischichtbetrieb ge- arbeitet. Ach ja, das war eigentlich in Ordnung.

Sicher, ich habe dann irgendwann kein Weiter- kommen mehr gesehen und aus diesem Grund bin ich dann gegangen. Bis 1963 war ich auf der Hütte beschäftigt.

Ich habe mich auf der Hütte wohl gefühlt. Auch das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Kollegen war in Ordnung. Schichtarbeit und Freizeit ließen sich gut miteinander verbinden. Ja, wir haben alle ganz gut gelebt.

Im Förderverein arbeite ich ein bisschen ehrenamtlich mit. Wir haben da so eine kleine Zerspanungsanlage mit Drehbank und Fräse für uns aufgebaut und da darf ich dann ein bisschen werkeln. Dort treffen wir uns regelmäßig mit den Kollegen.

„Werkzeuge selbst zu fertigen und die ganzen Maschinen benutzen zu können, das war schon eine tolle Sache.“

Dieter Kretschmer

geb.1944 in Hattingen

Mein Vater kam aus Schlesien. Er hatte den
1. Weltkrieg mitgemacht und als er zurückkam,
ist er in Hattingen gelandet, weil er kein Geld mehr hatte. Dann hat er meine Mutter kennengelernt. Sie haben geheiratet und er ist dann, auch wegen der Arbeit, hier geblieben. Er war Ofenmann in der Vergütung. Von da aus ist er hinterher zu Birschels Mühle gegangen.

Ich hatte Mittlere Reife, habe KFZ-Mechaniker gelernt. Nach meiner Lehre war ich bei Opel Brinkmann in Hattingen. Danach habe ich meinen Techniker gemacht. Später fing ich auf der Hütte in der Werkzeugmacherei an.

Die Hütte war für mich sehr interessant. Wir haben ja ziemlich viel Werkzeug selber gemacht. Weil wir im Grunde genommen Produkte hergestellt haben, die nicht jeder fertigen konnte, brauchten wir auch spezielles Werkzeug und das mussten wir zum Teil selbst herstellen. So erreichten wir kürzere Bearbei- tungszeiten und damit auch Preisvorteile gegenüber der Konkurrenz. Werkzeuge selbst zu fertigen und die ganzen Maschinen benutzen zu können, das war schon eine tolle Sache. Ich konnte dann auch einige gut bezahlte Verbesserungsvorschläge einbringen, wodurch die Bearbeitungszeiten deutlich verringert wurden. Zum Teil haben wir sehr moderne Maschinen gehabt. Für so eine Produktion brauchte man schon sehr gute Maschinen, Ingenieure und Handwerker.

Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt. Ich hatte ja auch einen guten Job, in dem ich gefordert wurde.

Das Wochenende war immer für die Familie da. Außerdem war ich noch im Boxverein und in der SPD tätig.

„Ich habe sehr gerne auf der Hütte gearbeitet. Ich wäre auch gerne dabei geblieben, wenn ich die Chance gehabt hätte, weiter zu kommen.“

Gregor König

geb. 1946 in Bochum

Ich habe nach der Volksschule bei der Firma Eickhoff eine Lehre als Dreher gemacht. Dort wurden Bergbaumaschinen gefertigt. 1966 bin ich dann mit 33 Jahren auf der Henrichshütte angefangen. Ich habe dort zunächst an Kurbelzapfen-Drehapparaten gearbeitet. Die Kurbelwellen waren bis zu 9 m lang. Als das Kurbelwellengeschäft zurückging, war ich
an Karusselldrehmaschinen und Spitzendrehbänken tätig. Es wurde kontinuierlich modernisiert, also nicht nur mal ein paar Tausender angepackt, sondern da wurden regelmäßig ganze Maschinen ersetzt.

Ich machte in der Abendschule meinen Meisterbrief und hatte eigentlich auch ganz gute Aussichten auf eine Meisterstelle. Als dann aber 1984 das Guss- stahlwerk Gelsenkirchen aufgelöst wurde, hatte ich keine Chance mehr. Die Kollegen wurden bevorzugt untergebracht. Ich habe meine Konsequenzen gezo- gen und bin bei der Firma HLS in Bochum als Meister angefangen.

Ich habe sehr gerne auf der Henrichshütte gear- beitet. Ich wurde normal bezahlt, bin nur etwas enttäuscht, was aus meiner Betriebsrente geworden ist. Ich war 18 Jahre hier, 46 Jahre hätte ich hier sein können, wenn ich bis zum Schluss hier gewesen wäre. Es stehen mir also nur 18/46 zu und damit nicht genug. Das Ganze wurde eingefroren bis zum Rentenbeginn, so dass ich heute noch keine 70 Euro davon kriege.

Heute bin ich beim Sozialverband als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Dortmund tätig. Ich bin zuständig für den Bereich Bochum-Süd, Hattingen, Bredenscheid usw. Dieser Verband hilft in sozialen Angelegenheiten, wie z. B. bei Rentenproblemen und bei allen Sozialproblemen gegenüber Behörden.

„Ich bin direkt neben dem VfL Bochum Stadion geboren.“


Dieter Marquardt
geb.1941 in Bochum

Mein Vater war hier im Apparatebau beschäftigt.

Nach dem Besuch der Volksschule habe ich auf der Hütte Maschinenschlosser gelernt. Die Übernahme war damals schwierig und so bin ich zunächst im Einsatzbetrieb gelandet. Da mussten wir unter ande- rem die Kokerei abreißen. Mein Vater hatmir dann eine Stelle als Schlosser im Apparatebau besorgt.

Nach meiner Bundeswehrzeit bin ich dann wieder zur Schule gegangen. Ich wurde Maschinenbautechniker und besuchte einige kaufmännische Lehrgänge. Danach bekam ich eine Stelle in der Arbeitsvorberei- tung im Apparatebau. Hier lief fast alles im Akkord. Wir machten die Arbeitspläne und die Zeitvorgaben. Wir organisierten das Material und den Zukauf

von Einzelteilen. Die Zeichnungen kamen aus der Konstruktionsabteilung. Im Apparatebau fertigten wir Baugruppen für den Schiffbau, für große Kesselanlagen und für Mehrlagenbehälter, die in der Harnstoffindustrie sowie für den Bau von Atomkraft- werken benötigt wurden. Die Anforderungen an die Qualität waren enorm hoch und mussten immer wieder nachgewiesen werden. Diese Produkte waren weltweit gefragt.

Aus finanziellen Gründen habe ich dann einige Jahre in Oberhausen gearbeitet. Später kam ich wieder zurück zur Henrichshütte. Krupp hatte ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung von Mehrlagenbehältern entwickelt und wurde zunehmend zur Konkurrenz für die Henrichshütte. Auch als der Apparatebau schon lange stillgelegt war, kamen immer noch Anfragen nach Reserveteilen.

Gegen Ende meines Berufslebens musste ich auch noch in die Nachfolgegesellschaft, in die Vereinigten Schmiedewerke wechseln.

„Der erste Angriff kam 1944 und 1945 kamen zwei kurz hintereinander. Da stand das ganze Werk still.“


Adalbert Freise
geb.1934 in Welper

Mein Vater wurde im Februar 1945 eingezogen.
Er kam an die Front und in Frankreich in Gefangen- schaft. Weil er sich freiwillig für die Zeche meldete, kam er 1946 frei und arbeitete sechs Jahre auf der Zeche Prinz Regent. Danach war er Kranführer im Walzwerk.

Ich habe die Kriegszeit in Welper bewusst erlebt. Damals gab es noch das Kasino der Henrichshütte. Dazu gehörte eine Parkanlage mit dem Sprockhöveler Bach/Pleßbach und einem Teich. Die ersten heftigen Angriffe kamen 1944. 1945 kamen zwei kurz hinter- einander. Da stand das ganze Werk still.

Die Hütte war zu der Zeit unser Spielplatz. Wegen der Fliegeralarme hatten wir sehr wenig Schule. Am Ende fehlten mir ca. zwei Jahre.

1948 habe ich auf der Hütte eine Lehre als Maschinen- schlosser gemacht. Anschließend kam ich in den Apparatebau. Unser Betrieb war ein Akkord-Betrieb.

Da kam es auf jede Minute an. Wir fertigten Mehr- lagenbehälter. Die Innenwand war aus Edelstahl und dann wurden weitere Blechschalen herum gelegt. Manchmal als Drittelschalen, manchmal als Halbscha- len. Die Bleche wurden mit Kupferseilen nahtlos auf- einander gepresst und dann an den Nähten Lage für Lage verschweißt. Die Nähte wurden mit Schweißau- tomaten gemacht und anschließend geröntgt. Diese Mehrlagenbehälter hatten eine Wandstärke von bis zu 120 mm. 1969 habe ich meinen Techniker gemacht und kam dann in die Arbeitsvorbereitung des Apparatebaus.

Die Hütte war sehr modern. Wir hatten eine eigene Feuerwehr, einen Werksarzt, eine Kantine und vieles andere mehr.

Ich habe mich hier immer wohl gefühlt. Die Löhne waren in Ordnung und das Verhältnis zu Vorge- setzten und Kollegen war sehr gut. Das war unsere Hütte.

„Wir hatten volle Auftragsbücher. Warum die Hütte zugemacht wurde, weiß kein Mensch.“


Dieter Kempe

geb.1939 in Lauenburg

In den 50er Jahren gab es im Norden nicht viel Arbeit und so ist mein Vater mit der Familie nach Hattingen gegangen. Er war anfangs in der Eisen- gießerei und später dann in der Versuchsanstalt beschäftigt.

Nach dem Volksschulabschluss habe ich 1954 eine Schweißerlehre gemacht und kam dann in den Apparatebau. Wir haben hauptsächlich Behälter gebaut. Ein wichtiges Produkt waren die Mehrlagen- Behälter. Der Behälter wurde in einzelnen Blech- schalen wie eine Zwiebel aufgebaut. Der Kern war meist aus Edelstahl und darüber wurden in mehreren Lagen weitere Bleche gehüllt. An den Längsnähten wurden sie verschweißt. Die Behälter waren bis zu 30 m lang und hatten eine Wandstärke von 100 bis 150 mm. Weil die Bleche aber, bedingt durch das Walzwerk, nur eine bestimmte Blechlänge erreich- ten, wurden mehrere Teilstücke, sog. Schüsse, hergestellt. Die einzelnen Schüsse wurden dann in der Bearbeitungswerkstatt 2 zu einem Großbehälter zusammengefügt. Der Mehrlagenbehälter war wegen des Edelstahlkerns extrem säurebeständig, konnte extrem hohe Drücke aushalten und wog weniger als ein vergleichbarer geschmiedeter Tank. Diese Behäl- ter waren weltweit gefragt unter anderem auch für Atomkraftwerke. Ich war mehrmals überall in der Welt unterwegs, um diese Behälter aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. In Indien war ich zum Beispiel für 7 Monate.

Wir hatten damals weltweit einen guten Ruf und alle benötigten Berufe wurden hier ausgebildet. Die Hütte war wie eine große Familie. Das war mein zweites Zuhause. Wenn man Erfolg hat, ist man zufrieden und stolz auf das, was man gemacht hat. Wir hatten volle Auftragsbücher. Warum die Hütte zugemacht wurde, weiß kein Mensch.

„Ich bin zigmal wegen guter Leistung geehrt worden. Dafür war die Verabschiedung am Ende ganz schön schäbig.“


Gerd Schäfer

geb.1938 in Welper

Mein Vater war Former auf der Hütte und ist nach dem Krieg bei der Straßenbahn angefangen. Er hat die Linie 8 gefahren, die hier durch Welper fuhr.

Ich habe die Volksschule besucht und bekam zu
der Zeit keine Lehrstelle. Über einen Bekannten bekam ich die Möglichkeit, im Apparatebau als Anzeichner zu arbeiten. Nach Feierabend besuchte ich in Bochum die Abendschule und konnte mich dort weiterbilden. 1962 kam ich dann in die Arbeits- vorbereitung im Apparatebau. Dort musste ich Fertigungspläne für den Betrieb erstellen, die Zeit- vorgaben machen und Zeichnungen erstellen. Später wurde ich Gruppenleiter und war hauptsächlich

für die Kontrolle der Arbeiten und für Änderungen zuständig. Vom Verkauf kam die Bestellung rein und wir mussten für den Produktionsbetrieb Zeichnungen und Materiallisten erstellen. Auch die Materialbe- stellungen liefen über uns.

Auf der Hütte haben wir gutes Geld verdient und die Gewerkschaft hat auch gut für uns gesorgt.


Die Hütte wurde im Laufe der Zeit immer moderner. Der Kümpelbau wurde komplett neu gebaut. Zu der Zeit war Hochkonjunktur. Die Arbeitsbedingungen waren gut, aber die Anforderungen an den Einzelnen waren hoch. Das war manchmal schon Knochenarbeit.

Es war aber auch alles sehr sozial und gerecht. Die Älteren und auch die Behinderten wurden immer ordentlich mit versorgt. Ich habe bis zur Stilllegung des Kümpelwerks gearbeitet. Die Stilllegung der Hütte war am Ende wohl eine politische Entschei- dung. Der Hüttenkampf war emotional ganz schön heftig. Die ganze Bevölkerung stand voll hinter den Streikaktionen.Nach meinem Ausscheiden bekam ich Geld von der Firma, vom Arbeitsamt und von der Montanunion. Ich bin zigmal wegen guter Leistung geehrt worden. Dafür war die Verabschiedung am Ende ganz schön schäbig.

„Die Nieten wurden mit Strom aufgeheizt. Genietet wurde mit

Presslufthämmern.“

Horst Sommer

geb.1938 in Blankenstein

Mein Vater war hier auf der Hütte als Techniker in der Arbeitsvorbereitung für das Press- und Ham- merwerk. Der Großvater war Sattler. Aber auch der Urgroßvater hat hier gearbeitet.

1952 habe ich hier eine Maschinenschlosserlehre gemacht. Die Ausbildung war ausgezeichnet. Wir hatten zusätzlichen Werksunterricht. Obst und Milch waren frei. Es gab sehr viele Abiturienten in unserem Ausbildungsjahr. Unsere Wochenberichte haben wir noch in Normschrift mit einem Rapidographen geschrieben. Nach der Lehre war ich in der Werkzeug- macherei und dann bin ich des Geldes wegen in den Apparatebau gegangen.

Die Hälfte des Ausbildungsjahrgangs ist später nach Essen zur Maschinenbauschule gegangen. Das habe ich auch gemacht. Als mein Onkel aber einen Nachfolger für seinen Betrieb suchte, habe ich die Schule abgebrochen und habe stattdessen eine Schweißer- lehre in Hagen gemacht. In der Zeit habe ich nachts gearbeitet und bin tagsüber zur Ausbildung nach Hagen gefahren. Ich habe ein ganzes Jahr lang nur Nachtschicht gemacht. Mein Onkel starb jedoch, bevor die Übergabe erfolgen konnte. Ich hatte die entsprechende Ausbildung noch nicht abgeschlossen, und so wurde der Betrieb anderweitig vergeben.

Die Hütte war wie eine riesengroße Familie. Obwohl ich dort lange und gerne gearbeitet habe, wollte ich mich dann doch verändern. Auf der Hütte war ich bis Sommer 1967.

Ich habe mich dann selbstständig gemacht und eine Vertretung der Warsteiner Brauerei übernommen.

„Als das Mittelblechwalzwerk gebaut wurde, stand ich staunend an der Baustelle und war stolz, dazu zu gehören.“



Jürgen Sommer

geb.1940 in Blankenstein

Ich habe die Volksschule besucht und dann eine Maschinenschlosserlehre gemacht. Mein Bruder hatte den gleichen Ausbildungsgang durchlaufen und so konnte ich auf die fertigen Wochenberichte zurückgreifen. Die Ausbildung war sehr gut. Das ging los mit der Grundausbildung in den handwerk- lichen Tätigkeiten. Später kamen dann die fachspezi- fischen Sachen dazu. Außerdem mussten wir auch in die Außenbetriebe. Je nachdem, welchem Ausbilder man zugewiesen wurde, war das sehr lehrreich. Ich hatte einen guten Meister und das Arbeiten hat Spaß gemacht.

Die Henrichshütte war ein familiärer Betrieb. Die Hütte wurde immer moderner. Als das Mittelblech- walzwerk gebaut wurde, stand ich staunend an der Baustelle und war stolz, dazu zu gehören.

Ich habe dann im Apparatebau gearbeitet. Dort wurden große Teile für die Schifffahrt und für das

Opelwerk gebaut. Besonders beeindruckend waren die Mehrlagenbehälter. Sie waren für extrem hohe Drücke ausgelegt.

Die Hütte war für mich wichtig. Sie war der größte Arbeitgeber und versprach eine Lebensstellung. Als Beschäftigter der Hütte hatte man ein Ziel vor Augen. Ich habe mich auf der Hütte sicher gefühlt und
das Verhältnis zu den Vorgesetzten war einmalig. Unser Werkzeug war immer hervorragend in Schuss. Arbeitssicherheit war ganz wichtig. Handschuhe, Brille, Schweißeranzug und Unfallverhütungsschuhe wurden gestellt.

Wegen der schweren Arbeit reifte aber gleichzeitig der Entschluss, mich zu verändern. Ich bewarb mich bei der Polizei und wurde angenommen.

„Warum die Hütte stillgelegt wurde, haben wir uns damals auch gefragt. Ich kann es bis heute nicht nachvollziehen.“


Vera Walin

geb.1955 in Hagen

Mein Vater war Dreher auf der Drahtstraße in Hagen-Haspe. Ich habe einen Hauptschulabschluss und anschließend die Fachoberschule besucht. Danach habe ich eine Ausbildung als Buchhändler gemacht und war dann bis 1980 Buchhändlerin bei Quelle. In dieser Funktion war ich an verschiedenen Standorten in Deutschland tätig. Meine Mutter heiratete dann nach Hattingen und als es auch in meinem Leben eine größere Veränderung gab, bin ich zu ihr gezogen.

1980 bekam ich auf der Henrichshütte die Möglichkeit zur Kranführerausbildung. Ich arbeitete im Kümpelbau und im Apparatebau als Kranführer. Ich habe im Kollegenbereich viele Menschen kennengelernt.

Die Arbeit habe ich gerne gemacht. Im Apparatebau ging es oft um möglichst genaues Fahren. Manch- mal auch im Millimeterbereich. Bei diesen Arbeiten waren Frauen gern gesehen. Im Anfang hatte ich es als Frau manchmal ein bisschen schwerer. Da gab es  auch sexistische Anspielungen. Aber ich wusste mich zu wehren und hatte dann auch meine Ruhe.

Als Kranführerin musste ich die Kollegen des Öfteren warnen, damit sie aus dem Weg gingen und sich nicht unter schwebenden Lasten bewegten. Ich habe allerdings auch mal einen Lastwagen zu Schrott gefahren. Beim Beladen eines LKW ging ein Blech verloren und zerstörte den LKW. Es ist aber nieman- dem etwas passiert. Weil Kranfahren eine sitzende Tätigkeit war, wurden auf den Kranen auch gerne Schwerbeschädigte eingesetzt. Ich habe ganz gut verdient, obwohl ich weniger bekommen habe als die Kollegen.

 1987 schied ich über den Sozialplan aus. Ich war beim Kampf gegen die Hüttenschließung in der Fraueninitiative aktiv. Die Hütte war für mich ein Stück Heimat.


„Die Hütte war für mich eine große Sache. Auf einmal gehörte

man dazu.“

Hans-Werner Lukaschek

geb.1946 in Bochum

Ich habe in Welper acht Jahre die Volksschule be- sucht. Mein Vater war die ersten Jahre im Hammer- werk tätig. Achtzig Prozent meiner Bekannten waren auf der Hütte. So war es für mich nur logisch, dass ich mit knapp 14 Jahren auch zur Hütte ging.

Ich habe eine Lehre als technischer Zeichner ge- macht. Man wurde zu der Zeit bereits in die ein- zelnen Betriebe geschickt. Jeweils zwei Monate Modelltischlerei, Eisengießerei, Schmiede und Dreherei, so dass man von allen Betrieben ein bisschen was kennengelernt hatte. Nach Abschluss der Lehre 1963 habe ich eineinhalb Jahre bei der Ruhrstahl Apparatebau GmbH als technischer Zeichner gearbeitet.

1965 habe ich dann gekündigt, um meine Fachschul- reife zu machen. Danach war ich in Bochum auf der Ingenieurschule. Während der Zeit habe ich immer wieder verschiedene Praktika auf der Hütte gemacht und hielt so den Anschluss zu den Kollegen.
Nach Abschluss meines Studiums bin ich 1973 im Erhaltungsbetrieb der Henrichshütte angefangen.

Die Arbeitsbedingungen waren gut. Es gab in allen Bereichen gute Fachleute. Die Arbeitssicherheit behielten alle im Auge, und es wurde auch regel- mäßig geschult.

Aus meiner Sicht war die Hütte sehr modern. Dass die Hütte dicht gemacht wurde, war für mich ein klares Politikum. Die Transportkosten waren natürlich hoch. Aber man wollte die Hütte ganz einfach schließen. Warum auch immer.

1988 ging ich dann nach Duisburg in die Neubau- abteilung. In meiner Freizeit habe ich Fußball, Handball und später auch Tennis gespielt.

„Ich fühlte mich mit der Hütte sehr verbunden. Das war eine Lebensaufgabe und ich bin auch immer gerne hier runter gekommen.“


Siegfried Haske

geb.1944 in Winz-Niederwenigern

Nach der Volksschule habe ich mehrere Bewerbun- gen und Aufnahmeprüfungen gemacht und mich dann letztlich für die Henrichshütte entschieden. Ich habe eine Ausbildung zum Maschinenschlosser ge- macht und wurde nach der Lehre in die Schlosserei am Hochofen geschickt. Nach der Bundeswehrzeit wurde ich dann relativ schnell gefördert. Ich war sehr flexibel und konnte auch einiges im Arbeitsablauf verbessern. Insofern standen auch alle meine Vorge- setzten voll hinter mir. Ich hatte zu dem Zeitpunkt

ja einen riesigen Zuständigkeitsbereich, die Sinter- anlage, die Erz-Brechanlage, den Hochofen und die Schlackenverwertung. Die Reparaturschichten an der Sinteranlage gingen immer lange. Wir sind immer geblieben, bis die Anlage angefahren war. Da bin ich des Öfteren erst sehr spät in der Nacht nach Hause gekommen.

Hinzu kam der Bereitschaftsdienst für den Bereich Stahlwerk. Das waren oft lange Störungseinsätze.


Ich habe auch schon mal 30 Tage am Stück ge- arbeitet, ohne einen Tag frei dazwischen zu haben.

Bei jeder Zustellung der Hochöfen wurden die An- lagen modernisiert. Zum Beispiel haben wir bei der letzten Zustellung den Möllerwagen durch die Bandmöllerung ersetzt. Es wurden Wiegebunker gebaut und die Möllerung teilweise automatisiert. Auch die Stichlochbohrmaschine kam neu hinzu.

Ich fühlte mich mit der Hütte verbunden. Das war eine Lebensaufgabe und ich bin auch immer gerne hier runter gekommen. 1987 war dann Schluss. Eine fällige Neuzustellung der Öfen wurde nicht mehr gemacht. 1988 ging ich dann nach Duisburg in die Bauleitung. Wegen meiner Kenntnisse musste ich dann noch zusammen mit den Chinesen den Hochofen abreißen.

„Die Hütte, das war unsere Hütte. Hier waren meist mehrere Generationen der Familie beschäftigt.“


Horst Potthoff

geb.1935 in Bochum

Ich habe die Volksschule besucht und bin danach unmittelbar als jugendlicher Arbeiter am Hochofen angefangen. Auf der Hütte war der Obermeister einstellungsberechtigt. 1951 wurden die meisten jugendlichen Arbeiter sofort ins Stahlwerk geschickt und mussten dort mit der Schippe die Waggons leer schaufeln.

Ich fing damals am Hochofen an. Irgendwann kam ich durch Zufall in die Schlosserei am Hochofen. Dort habe ich auch noch das Schweißen gelernt. Ich konnte mich bis zum Vorarbeiter hocharbeiten.

Durchbrüche an den Öfen habe ich viele erlebt. Damals stand noch der Hochofen 1. Da ist alles reingekommen, was es an Schrott gab. Vor allem Munition. Wenn so eine Granate hochging, dann hüpfte oben die Deckelglocke. Im Maschinenraum

des Schrägaufzuges hingen an der Wand, quasi als Souvenir, alle möglichen Waffenreste. Die Munitions- reste und Waffenreste stapelten sich bis unter die Kranbahn und wurden dann im Hochofen einge- setzt. Der Ofen 1 ist mehrfach pro Monat durchge- gangen. Das Flicken der Öfen war richtig aufwändig. Das Loch in der Ausmauerung wurde mit Stopfmasse gefüllt. Darüber kam ein aufwändig angepasster Stahlflicken. Bei den moderneren Hochöfen 2 und 3 war das dann nur noch sehr selten der Fall.

Die Hütte, das war unsere Hütte. Hier waren meist mehrere Generationen der Familie beschäftigt. Der Hüttenkampf war enorm. Wir wurden sehr stark von der Hattinger Bevölkerung unterstützt.

Meine Freizeit verbrachte ich im Sauerländischen Gebirgsverein.

„Die Henrichshütte war für mich ein ganz ent- scheidender Teil meines Lebens. Ich hatte dort eine hervorragende Arbeit.“

Udo Böhm

geb.1948 in Sandstedt/Kreis Wesermünde

Ich stamme aus der Umgebung von Bremerhaven und wohne seit 1991 in Welper. Ich war zwölf Jahre bei der Bundeswehr. In dieser Zeit habe ich ganz Deutschland bereist, bin aber auch fast ein Jahr in den USA zur Ausbildung gewesen. Gegen Ende der Bundeswehrzeit habe ich die Möglichkeiten zur weiteren Ausbildung genutzt und Elektrotechnik studiert.

1981 fing ich auf Empfehlung meines Professors in Hattingen auf der Henrichshütte an. Zunächst habe ich mich im Wesentlichen um den Stahlwerksbereich gekümmert. Wir kauften in Welper ein Haus und so konnte ich durchaus auch mal zu Fuß zur Arbeit gehen. Im Störungsfall war ich schnell zur Stelle.

Mit Beginn der Stilllegungsphase 1987 wurden die Zuständigkeiten neu geregelt und so war ich dann auch für die Bearbeitungswerkstätten tätig.

Die Henrichshütte war für mich ein ganz entscheidender Teil meines Lebens. Ich habe dort gutes Geld verdient und hatte eine hervorragende Arbeit.

Die Henrichshütte war das Werk der kurzen Wege. Sie war unter Fachleuten bekannt für Qualität und Termintreue.

Ein Grund für die Stilllegung waren sicherlich die hohen Transportkosten. Alles musste über die Straße oder die Schiene. Einen direkten Autobahnzugang gab es nicht.

Nachdem ich auf der Henrichshütte 1991 aufgehört hatte, wechselte ich nach Duisburg-Hüttenheim in den Bereich des Grobblechwalzwerkes.

Ich bin bei Thyssen und später ThyssenKrupp immer sehr fair und ordentlich behandelt worden.

„Wir hatten ein sehr guten Kollegenkreis, der es genau 26 Jahre geschafft hat, sich zweimal im Jahr privat in Niederbonsfeld zu treffen.“


Helmut Kierzynowski

geb. 1944 in Bochum

Mein Vater hat auf der Zeche gearbeitet. Wir haben direkt auf der Zeche Friedlicher Nachbar gewohnt. Ich habe die Volksschule abgeschlossen und dann bei einem kleinen Handwerksbetrieb in Bochum eine Lehre zum Elektroinstallateur gemacht. 1962 bin ich auf der Hütte angefangen. Ich war als Betriebsmon- teur in der Eisengießerei im Schichtdienst. Nach der Bundeswehrzeit war die Eisengießerei geschlossen und ich bin in den Apparatebau gekommen.1965 kam ich zum Hochofen.

Ich weiß noch, dass die Leute vom Hochofenbetrieb die einzelnen Winderhitzer per Hand umgestellt haben. Es wurden alle Schieber noch mit der Kette gezogen. Da war noch kein motorisierter Schieber dran. Das kam dann alles erst nach und nach. Früher saßen die Leute noch in so kleinen Hütten, und immer wenn eine Stunde rum war, haben die ihre Schieber umgestellt. Doch hinterher war das schon

„Wir hatten ein sehr guten Kollegenkreis, der es genau 26 Jahre geschafft hat, sich zweimal im Jahr privat in Niederbonsfeld zu treffen.“

moderner. Der Leitstand wurde zentralisiert und die elektrischen Anlagen modernisiert. Die Möllerung bekam Wiegevorrichtungen. Überhaupt, Wiege- technik wurde bei uns ganz groß geschrieben.

Später wurde ich Vorarbeiter. Die Hütte war mein zweites Zuhause. Ich habe immer gerne gearbeitet.

Wir hatten einen sehr guten Kollegenkreis, der es genau 26 Jahre geschafft hat, sich zweimal im Jahr auch privat zu treffen. Wir telefonieren auch heute noch des Öfteren zusammen.

Nach Schließung der Hochöfen war ich noch für ein Jahr im Stahlwerk tätig. Die letzten Jahre habe ich dann in Duisburg in der Stranggießanlage gearbeitet. Ich muss sagen, wir waren wiederum genau so ein toller Kollegenkreis wie auch hier.

„Das Verhältnis zu den Kollegen und das Zusammengehö- rigkeitsgefühl waren gut. Da stimmte einfach alles.“

Karl-Heinz Jyhs

geb.1950 in Hattingen

Mein Vater hat ab Ende der 50er Jahre im Hammer- werk gearbeitet. Ich habe die Volksschule besucht und dann hier auf der Hütte eine Lehre als Elektriker gemacht. Die Lehre war von der Ausbildung her hervorragend.

Zunächst war ich im Stahlwerk tätig, wechselte dann aber in den Hochofenbereich. Dort kümmerte ich mich bis 1982 vor allem um die Sinteranlage. Dazu gehörte auch die Erzbrech- und Siebanlage. Die war in den Katakomben. Die Waggons wurden rein ge- schoben und entleert. Die Erze fielen in einen Bunker und wurden dann gesiebt. Die dicken Brocken wur- den mit einem Walzenbrecher gebrochen. Nach der Stilllegung der Sinteranlage war ich hauptsächlich im Hochofenbereich als Elektriker tätig. Ich weiß noch, wie die erste SPS-Steuerung im Eckturm installiert wurde. Das war ein Heiligtum. Da durfte keiner dran. Das war wirklich ein ganz primitives Ding. Aber es war eine Neuheit.

Die Hütte war für mich ein zweites Zuhause. Man ist gerne zur Arbeit gegangen. Das Verhältnis zu den Kollegen war gut. Da stimmte einfach alles. Also ich weiß noch, wie das LD-Stahlwerk gebaut wurde, hieß es immer, wir haben das modernste Stahlwerk Europas. Das galt auch für die 2,8 m-Straße, für die 4,2 m -Straße und für die Stranggießanlage.

Wahrscheinlich wurde das Werk geschlossen, weil es aus Thyssen-Sicht nicht rentabel genug war. Vor allem waren natürlich die Transportkosten sehr hoch. Nach der Stilllegung des Hochofens ging ich dann 1988 für einige Jahre nach Duisburg. Mit 61 Jahren ging ich mit den entsprechenden Abzügen in Rente.

Privat war ich im Ruderverein Blankenstein und habe Handball gespielt.

„An sämtlichen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Silvester und Neujahr wurde gearbeitet.“

Wolfgang Querfurt

geb.1946 in Bochum

Ich habe die Realschule besucht und dann eine Lehre als Elektro-Maschinenbauer gemacht. Als ich 1967 auf der Hütte anfangen wollte, gab es aber für Elektriker einen Aufnahmestopp. Also fing ich als Stoffwärter an. Stoffwärter machten die Schmelz- verfolgung und nahmen die ganzen Zeiten.

Auf der Hütte war ich von 1967 bis 2004 tätig. Bis 1993 war ich Elektriker im Stahlwerk und dann bis 2004 Elektriker im Press- und Hammerwerk. An sämtlichen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten, Weih- nachten, Silvester und Neujahr wurde gearbeitet. Wir waren überwiegend für die Reparaturen im Stahlwerk zuständig.

Ich kenne noch das alte Stahlwerk. Das LD-Stahlwerk ist erst 1970 aufgebaut worden. Zu der Zeit war
ich noch Stoffwärter. Meine Kollegen verhalfen mir dann zu einer Tätigkeit als Elektriker im Stahlwerk. Das LD-Stahlwerk war damals das modernste Stahl-werk Europas. Unser Chef sagte: Wir können hier im weißen Anzug arbeiten, wir werden nicht schmutzig.

Einmal ist die Stranggießanlage abgebrannt. Eine Pfanne ist ausgelaufen, und das glühende Eisen floss in die Kabelkanäle. Dabei ist die komplette Schalt- anlage der Stranggießanlage in Brand geraten. Das ganze Kabelzeug musste raus. Der ganze Schaltraum war leer. Die kompletten elektrischen Anlagen wurden neu gebaut und es wurden kilometerweise Kabel gezogen.

Ich habe mich auf der Hütte wohl gefühlt. Man konnte hier gut arbeiten. Zu den Kollegen und Vorgesetzten hatte ich ein gutes Verhältnis.

„Die Schließung der Hütte war ein Politikum. Insbesondere die Rest- abwicklung in Verant-

wortung der VSG war nicht gerechtfertigt.“

Udo Klein

geb.1946 in Blankenstein

Mein Vater hat auch auf der Hütte gearbeitet. Er war gelernter Schlosser, hat dann aber in der Elektroab- teilung Kontroller repariert. Später wurde er Elektro- meister im Presswerk. Damals konnte man noch ohne entsprechenden Meisterbrief in eine solche Stelle hinein rutschen.

Ich habe die Volksschule besucht und dann auf der Hütte eine Lehre als Elektriker gemacht. Zu der Zeit war die Ausbildung noch nicht so gut geregelt. Spä- ter haben jüngere Leute die Ausbildung übernom- men. Von da ab ging es mit der Ausbildung richtig bergauf. Parallel wurden Kurse an der Volkshoch- schule für Elektroniker angeboten.

Ich war von 1961 bis 1993 auf der Henrichshütte. Mein Chef war gegenüber jüngeren Leuten ziemlich streng. Wenn man da in der Pause eine Bildzeitung in der Hand hatte, nahm er sie weg und sagte: „Nimm dir einen Schaltplan und studiere den!“

Ich war bis 1980 in den Bearbeitungswerkstätten als Elektriker tätig. Unter Dr. Haverkamp wurde dann in dem Bereich richtig viel investiert. Das vorhandene Personal wurde halbiert und ich musste in den Stahl- werksbereich wechseln. Ich bin zunächst nur ungern gegangen. Vor dem Meister im Stahlwerk hatte ich Manschetten. Das war allerdings nicht gerechtfertigt. Ich habe gerne gearbeitet.

Die Schließung des Hochofens war nach meiner Meinung eine Kostenfrage. Die Schließung der Hütte hingegen war ein Politikum. Insbesondere die Restabwicklung in Verantwortung der VSG war nicht gerechtfertigt.

1993 kam ich zum Bochumer Verein. Da habe ich gedacht, ich wäre im Museum.

„Manchmal mussten wir vor Ort Maßaufnahme machen und dann in der Rohrschlosserei das gewünschte Teil anfertigen.“

Rainer Fehling geb.1959 in Bochum

Mein Vater war früher Rangierer hier im Hüttenwerk.Ich habe die Hauptschule besucht und dann bei ei- nem kleineren Unternehmen eine Lehre als Gas- und Wasserinstallateur gemacht. Eine Übernahme war in dem Betrieb aber nicht möglich. Durch Beziehung meines Vaters konnte ich 1978 im Ölkeller des Walz- werkes anfangen. Nach der Bundeswehrzeit warich zunächst wieder im Walzwerk, habe dann aber gekündigt. Mein Problem war die Schichtarbeit.Ich habe mich bei Krupp in Bochum beworben. Dort war ich als Rohrschlosser tätig. Als die Abteilung geschlossen werden sollte und ich durch die bevor- stehende Versetzung in einen anderen Bereich wie- derum Schichtarbeit leisten sollte, habe ich erneut gekündigt. Es bot sich dann die Gelegenheit, wieder zur Henrichshütte zu gehen. 1981 habe ich dann hier als Rohrschlosser in der Schlosserei am Hochofen angefangen. Die Rohrschlosserei gehörte zum Instandhaltungsbereich. Das war ein interessanter Arbeitsplatz.
Hier war ich für die verschiedensten Bereiche tätig. Manchmal mussten wir vor Ort Maßaufnahmen machen und dann in der Rohrschlosserei das gewünschte Teil anfertigen. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Zum Schluss waren einige Bereiche stark sanierungsbedürftig. Die Sinteranlage zum Beispiel war eine Dreckschleuder. Auflagen vom Staat konn- ten nicht eingehalten werden. Sie wurde dann auch geschlossen.Die Schließung der Hütte war wohl das Ziel von Thyssen. Man wollte die Konzentration der Stahl- industrie am Rhein. Im Jahr 2000 habe ich mich beim neu eröffneten Museum Henrichshütte beworben. Heute arbeite ich hier als Hausmeister.
166

„Am Meisten hat mich gestört, wenn es hieß: Das haben wir schon immer so gemacht.“

Klaus Goryzka

geb.1949 in Hattingen

Meine Eltern sind Flüchtlinge aus Breslau. Mein Onkel war schon recht früh in den Westen gegan- gen und hier ansässig, so dass meine Mutter bei der Flucht ein Ziel hatte. Der Vater kam 1948 aus der Gefangenschaft und war dann hier auf der Hütte als Plattenmaurer in der Gießgrube.

Ich habe die Volksschule besucht und habe dann eine Lehre als KFZ- Mechaniker bei der Firma Podlech in Welper gemacht. Mein Vater hat es dann 1966 eingestielt, dass ich auf der Hütte anfangen konn-
te. Ich fing als Schlosser im Bereich Stahlwerk an, sollte aber später in die gerade im Bau befindliche Stranggießanlage wechseln. In der Stranggießanlage habe ich 10 Jahre als Treiber-Maschinist gearbeitet. Später kam ich in die Störkolonne des Stahlwerkes. Die Störkolonne kam zum Einsatz, wenn im Stahlwerk oder am Hochofen größere Reparaturen anfielen.

Teilweise war die Arbeit ganz schön hart. Wenn man z.B. an der Vakuumanlage das Gefäß wechseln musste oder die Tauchrohre spritzen,
das war extrem heiß und dreckig. Danach war man immer fix und fertig. Aber was sollte man machen, die Arbeit hatte ja Vorrang.

Die Hütte war für mich unheimlich wichtig. Sie hat die Familie ernährt und alles, was dazu gehört. Am Meisten hat mich gestört, wenn es hieß: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Als junger Mensch habe ich dann manchmal zu viel gekriegt.

Ich war von Kind an im DJK Welper. Nachher habe ich hier auf der Hütte Tennis spielen gelernt. Da bin ich auch heute noch Mitglied.

„Als wir von Thyssen übernommen wurden, kam auch ein neues Führungsmodell und so wurde ich nach und nach Chef der Instandhaltung.“

Gisbert Mehring

geb.1940 in Schloßberg/Ostpreußen

Meine Eltern sind 1944 aus Ostpreußen geflüchtet. Mein Vater stammte aus Dortmund und so hatten wir bei der Flucht ein Ziel.

Ich habe die Volksschule besucht und bei Hoesch eine Lehre als Starkstrom-Elektriker gemacht. Mein Berufsschullehrer hat mich sehr beeindruckt und motiviert. Ich habe dann neben meiner Lehre die Fachschulreife-Prüfung abgelegt und 1960 Elektro- technik studiert. Am Ende des Studiums ging ich zur AEG. Bei der AEG war ich Projektingenieur. Einer der Kunden war die Henrichshütte. Hier sollte die 2,8 m-Walzstraße neu gebaut werden. Ich habe die elektrische Ausrüstung mit geplant und anschlie- ßend die Bauleitung in Hattingen gemacht. Wegen der komplett neuen Technik wurde ich am Ende des Projektes durch die Henrichshütte angeheuert.

Die Hütte war für mich ein beeindruckendes Werk. Als wir von Thyssen übernommen wurden, kam auch ein neues Führungsmodell und so wurde ich nach und nach Chef der Instandhaltung im Walzwerk. Die Hütte war seinerzeit das Modernste, was es gab.

Der Stillsetzungsprozess des Walzwerkes zog sich über mehrere Jahre hin. Die Chinesen haben die Straßen gekauft. Ich musste bei der Demontage und auch bei der Planung der Neuanlage in China noch technisch beraten. Die Chinesen haben praktisch das ganze Walzwerk wieder aufgebaut. Allerdings haben sie ihre eigenen Anlagen integriert.

Nach der Rückkehr kam ich zunächst nach Duisburg und arbeitete später an einer Forschungsanlage in Duisburg-Ruhrort. Dort wurde das Dünnbandgießen erforscht. Danach habe ich den Ausscheidungsver- trag unterschrieben.



„Ich habe oft unter extrem heißen Temperaturen arbeiten müssen.“

Rolf Hackert
geb.1942 in Hattingen

Mein Opa war Werkmeister und mein Vater war Dreher auf der Hütte.

Ich habe die Volksschule besucht und dann für ein Jahr als Praktikant in der Elektro-Werkstatt gearbei- tet. 1957 bin ich dann in die Lehre als Starkstrom- Elektriker gegangen. Zu dem Zeitpunkt waren Lehrstellen Mangelware. Ungefähr zehn Jahre meines Berufslebens war ich Disponent und habe die Stundenschreibungen und Materialbeschaffun- gen gemacht. Alles zusammengenommen habe ich 41 Jahre, von 1956 bis 1997, auf der Henrichshütte gearbeitet. 1997 kam ich dann in den Sozialplan.

Ich war zunächst im Walzwerk. Die Arbeitsbedingun- gen waren manchmal gut und manchmal schlecht. Ich habe oft unter extrem heißen Temperaturen ar- beiten müssen. Auf den Kranen vor allen Dingen, da musste ich ja auch immer rauf und runter und dann oben über die Öfen. Das war manchmal ganz schön

schlimm. Wenn sich die Stromabnehmer an den Schienen verbogen hatten. Ja klar, da musste man hoch mit einem Stück Holz und dann den Stromab- nehmer wieder ausrichten, damit der Kran zumindest aus dem Heißbereich heraus kam.

Ich habe Dreifach-Schicht gemacht. Wenn Sie Schichtarbeit intensiv machen müssen, dann brau- chen Sie mehrere Tage, um sich davon wieder zu erholen.

Man konnte nicht reich werden, aber man konnte sich schon ein bisschen was leisten. Ein-, zweimal Urlaub im Jahr, das passte dann schon. Aus meiner Sicht war die Hütte modern. Teilweise hatten wir elektronische Steuerungen, aber zum Teil waren es auch noch die alten Schützensteuerungen.

In der Freizeit war und bin ich aktiv im Automobil- und Motorradclub von Hattingen.


„Auf der Hütte war immer gut arbeiten. 
Die Bedingungen waren O K.“

Horst Ruthenbeck

geb. 1944 in Hattingen

Mein Vater hat auf der Hütte Werkzeugmacher ge- lernt. Er hat sich später als Milchhändler selbständig gemacht. Er ist mit einem Dreirad durch die Stadt gefahren und hat seine Waren verkauft.

Ich habe acht Jahre die Volksschule besucht. Meine Lehre als Elektroinstallateur habe ich in Sprockhövel bei einer kleineren Firma gemacht. Nach der Lehre war ich auf der Zeche Alte Haase als Grubenelek- triker. Als die Schließung der Zeche im Gespräch war, bin ich auf der Hütte als Hochofenelektriker angefangen. Zwei bis drei Jahre später bin ich dann zur Sinteranlage gekommen. Hier war ich drei oder vier Jahre bis die auch stillgelegt wurde. Viel früher wurde die neue 2,8 m-Straße gebaut, und die Firma BBC hat die ganze Straße mit Elektrik und allem Zu- behör versehen. Da bin ich dann auch eingestiegen. Ich war an der 2,8 m-Straße praktisch Elektriker der ersten Stunde. Ich war für den Stoßofen und für die

Walzenstraße zuständig. Wir haben an der Walzen- straße Schichtdienst gemacht. Sechs Jahre habe ich das gemacht.

Da für mich keine Stelle als Elektroniker frei war, habe ich gekündigt und bin dann bei der Firma Oerlikon in Holthausen angefangen. Die verkauften Schweißmaschinen. Ich habe dort im Kundendienst gearbeitet. Später war ich im Verkauf bei einer Essener Firma für Schweißmaschinen. Das Geschäft lief aber überhaupt nicht gut. Die letzten Berufs- jahre war ich bei der Firma Bauknecht im Bereich der Fertigung von Spülmaschinen für Großbetriebe und Schiffe.

Schön war, dass meine ganzen Arbeitskollegen von der Hütte zum Polterabend gekommen sind. So habe ich heute noch Kontakt zu einigen Kollegen.

„ Die Arbeit ging einem nicht mehr aus dem Kopf. Wenn ich nach Hause ging, hatte ich schon im Kopf, wie man das Problem angehen könnte.“


Peter Zantow

geb.1937 in Hattingen

Mein Vater war hier auf der Hütte als Rangierer beschäftigt.

Als ich auf der Hütte anfing, gab es dort einen Seilspleißer. Ich war immer an der Seefahrt inter- essiert und dachte mir, so etwas wie Seile spleißen kann man bei der Seefahrt immer gebrauchen. Der Traum von der Seefahrt zerplatzte aber sehr bald. 1958 kam ich zur Luftwaffe in Roth bei Nürnberg. Dort stellte sich schnell heraus, dass ich an allem Elektronischen interessiert war. Das wurde die Grundlage für meine weitere berufliche Entwicklung nach der Bundeswehrzeit.

Die Hütte suchte Elektroniker. Als die 2,8 m-Walz- straße fertig wurde, war ich von Anfang an, bei der Inbetriebnahme, dabei. Meine Arbeit war mein Hobby. Ich hatte einen kleinen Raum, in dem ich meine Geräte aufbauen und reparieren konnte. Die Arbeit ging einem nicht mehr aus dem Kopf. Wenn ich nach Hause ging, hatte ich schon im Kopf, wie man das Problem angehen könnte. Die Anlagen wurden laufend modernisiert. Man hat sich nie auf dem Vorhandenen ausgeruht. Hin und wieder haben wir auch auf der Hütte gegrillt. Gab es dann aber irgendwo Schwierigkeiten, wurde sofort auf vollen Einsatz umgeschaltet. Dann stand einem auch schon mal der Dreck bis an den Kopp.

Ich habe dann in Abendschule die Meisterschule besucht. Aufgrund der aufkommenden Stilllegungs- pläne bekam ich aber keine Meisterstelle mehr im Walzwerk. Stattdessen bekam ich die Möglichkeit, als Meister in der Energieversorgung anzutreten. Also packte ich mein Bündel und ging zum Kesselhaus.

Mit der Teilung der Mannschaft in VSG und Thyssen ging ein Riss quer durch die gesamte Mannschaft.

„Anfangs sind wir mit dem Boot über die Ruhr. Ein paar Jahre lang mussten wir sogar selbst rudern.“

Peter Jedrkowiak

geb.1946 in Dortmund

In den 60er Jahren sind wir vom heutigen Polen ins Ruhrgebiet gezogen und seitdem sind wir Hattinger. Ab 1965 habe ich auf der Hütte gearbeitet. Ich war ausgelernter Elektriker und sie haben mich direkt angenommen. Solche Leute wurden gesucht. Ich konnte schlecht Deutsch sprechen, aber gut verste- hen. Mit der Sprache, das war ein bisschen schwer, aber später ging es. Ich spreche heute noch perfekt polnisch. Wir haben eine Wohnung in Rauendahl bekommen und seitdem wohnen wir dort. Anfangs sind wir mit dem Boot über die Ruhr. Ein paar Jahre lang mussten wir sogar selbst rudern.

Ich war als Elektriker im Walzwerk an der 2,8 m- Straße. Mein Arbeitsbereich ging bis zur Kreimesser- schere. Anfangs ging es bisschen hin und her, mit

Sprache, mit Schreiben usw. Dann haben wir Elektro- niker Kurse gemacht. Hat unser Meister gemacht, so intern, nur für uns. Die wichtigsten Antriebe wurden schon elektronisch geregelt. Da gab es Steckkarten, so wie heute Elektronikbausteine. Die Anlagen wur- den ständig erweitert, wenn irgendwo neue Technik auf den Markt kam.

Das Verhältnis zu den Kollegen und Vorgesetzten war sehr gut. Jeder half jedem. Innerhalb der Schicht hatten wir viel Kontakt untereinander. Wir gingen gemeinsam essen und auch schon mal in die Sauna. Der Meister organisierte Busfahrten. Gemeinsam mit den Frauen machten wir kleinere Ausflüge. Ich bin gerne zur Arbeit gegangen.


„Damals war ich schon etwas privilegiert. War eine wunderschöne Zeit.“

Gerd Arndt

geb.1934 in Stettin

Mein Vater war während des Krieges in Bochum bei der Flak. Die Familie lebte in Stettin und später in Vorpommern. 1950 sind wir in den Westen gekom- men und ich habe bei Firma Kestermann in Bochum eine Lehre gemacht. Ich hatte die Volksschule be- sucht und suchte nach Weiterbildungsmöglichkeiten.

Zur Henrichshütte kam ich 1955 mit Hilfe eines Bekannten. Ich habe zunächst im Maschinenbau gearbeitet. Die großen Anlagen haben mich schon schwer beeindruckt. Dann hatte ich die Chance, das erste Mal nach Amerika zu kommen und bei Ford in Ohio eine Maschine aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Die Presse, die ich dort aufbaute, war ein- malig. Zunächst war ich vollkommen auf mich allein gestellt. Später kam noch ein Elektriker dazu. In der Folge war ich auch in Japan und ich habe auch sehr gut verdient. Damals war ich schon etwas privilegiert. War eine wunderschöne Zeit.

Wieder zurück in Hattingen, machte ich meine Ausbildung zum Industriemeister in der Fachrichtung Maschinenbau. Aufgrund der veränderten Marktlage musste ich 1976 vom Maschinenbau in den Bereich des Walzwerkes wechseln. Ich wurde Meister in der Instandhaltung der Adjustage im Walzwerk. Na ja, ich kannte die Maschinen ja. Die hatte ich zum Teil selber mal als junger Bengel mit gebaut. Die Liefer- firmen haben auf der Hütte gießen lassen und wir haben die Maschinen in deren Namen gefertigt.

Mit dem Ende der Hütte gab es eine unheimliche Zeitverdichtung. Da sollten die Maschinen schneller und leistungsfähiger gemacht werden. Das war natürlich nur begrenzt möglich. Leider musste ich auch noch die Demontage der Anlagen begleiten.


„Ich habe mir manchmal die großen Gasflaschen auf die Schulter gelegt und bin gegangen.“


Peter Becker

geb.1951 in Hattingen

Mein Vater war Ofenmann im Walzwerk. Auch mein Großvater und viele andere Familienangehörige haben auf der Henrichshütte gearbeitet.

Ich habe die Volksschule besucht und eine Lehre als Maschinenschlosser gemacht. In meiner Aus- bildungszeit waren wir hauptsächlich in der Lehr- werkstatt tätig. Nach der Lehre arbeitete ich im Apparatebau als Anzeichner. Dort musste ich für die Mehrlagenbehälter die vorgesehenen Stutzen und Öffnungen anzeichnen.

Als Jungfacharbeiter bekam man nicht viel Geld. Ich habe dann gekündigt und bin in den Straßenbau gegangen, weil ich dort deutlich mehr verdienen konnte.

1974 bin ich wieder zurück zur Hütte und habe dann bis 1988 im Walzwerk als Reparaturschlosser im Be-

reich der 4,2 m-Straße gearbeitet. Es war manchmal eine schwere und auch dreckige Arbeit. Im Störungs- fall war man voll gefordert. Da ging es immer volle Pulle. Ich habe mich hier aber wohl gefühlt. Wir haben gut zusammen gehalten. Wir mussten manch- mal ganz schön schwer heben. Als junger Mann

hab ich nicht groß darauf geachtet. Ich habe mir die großen Gasflaschen auf die Schulter gelegt und bin gegangen. Die Vorgaben der Arbeitssicherheit wurde meistens beachtet, mussten aber auch schon mal übergangen werden.

Die Hütte war für mich Broterwerb und Mittel zum Zweck. Ich musste eine Familie versorgen. Die Stilllegung der Hütte kann ich nicht nachvollziehen.

„Im Störungseinsatz war man natürlich voll gefordert. Manchmal war es auch ganz schön hart. Wir hatten aber eine gute Kollegialität.“

Klaus aus dem Siepen

geb.1951 in Langenberg

Mein Onkel und auch mein Opa waren hier auf der Hütte beschäftigt. Ich habe die Volksschule besucht und bei den Kupfer- und Messingwerken in Lan- genberg eine Lehre als Betriebselektriker gemacht. Es folgte die Bundeswehrzeit und dann ging ich auf Montage. Für einen jungen Menschen war das eine gute Gelegenheit, andere Firmen kennen zu lernen.

Auf Dauer gefiel mir das Leben aber nicht und so bin ich 1975 durch Vermittlung meines Onkels zur Hütte gekommen. Ich war zunächst Elektriker im Apparate- bau und später am Hochofen. Mir war vollkommen klar, was mich erwartete, und so machte ich auch bereitwillig Wechselschicht. Die Kollegen waren gute Handwerker. Die wussten sich immer zu helfen. An den Hochofen-Anlagen machten wir Wartung, Reparaturen und Störungsbeseitigung. Im Störungs- einsatz war man natürlich voll gefordert. Manchmal war es auch ganz schön hart. Wir hatten aber eine

gute Kollegialität. Viele lebten von der Erfahrung, die sie im Laufe der Zeit erworben hatten. Ich habe mich hier immer gut gefühlt. Wir hatten unter den Elektrikern auch einen Kegelklub. Der Zusammenhalt zwischen privat und dienstlich funktionierte gut. 1984 kam ich zu den Schwachströmern. Da hatte ich mich auf keinen Fall verschlechtert.

Als die Schließung der Hütte anstand, war sie modern und leistungsfähig. Ich gehe davon aus, dass die Hütte wegen zu hoher Kosten geschlossen wurde. Außerdem gab es keinen direkten Anschluss zur Autobahn und die Anwohner wehrten sich gegen den Schwerlastverkehr. 1988 wechselte ich zu Thyssen in Duisburg. Ich war dann Elektriker im Warmbandbereich.

„Beim Bau der Strang- gießanlage 1965 habe ich den ersten Türken gesehen, der in der Baugrube betete.“

Wolfgang Keuth

geb.1950 in Welper

Mein Großvater und mein Vater haben auf der Hütte gearbeitet. Großvater war Dreher und mein Vater war Schweißer.

Ich habe neun Jahre die Volksschule besucht und nach einem Praktikum, ich glaube es war ein Monat, habe ich eine Lehre als Starkstromelektriker auf der Hütte begonnen. Nach der Lehre war ich für den Bau von Neuanlagen und für Reparaturen an Kran- anlagen zuständig.

Als Neuanlage haben wir zum Beispiel die Beleuch- tungsanlage auf der Eisenbahnstrecke von Hattingen nach Blankenstein gebaut. Wir hatten hier ein gutes Arbeitsklima, wo ich mich wohlgefühlt habe. Die Ar- beitsbedingungen waren so, dass man auf keinen Fall überfordert wurde. In Sachen Arbeitssicherheit gab es immer wieder Unterweisungen und Fortbildungen.

Zu der Zeit habe ich in Welper gewohnt und bin mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ich kann sagen, dass die Hütte auch ein bisschen mein Zuhause war.

Geliefert wurde in die ganze Welt, und wenn ich mich richtig erinnere, wurden auch Rüstungsgegen- stände hergestellt. Ich denke, die Hütte war schon ein modernes Werk. 1965 wurde mit den Vorarbei- ten zum Bau der Stranggießanlage begonnen. Bei den Ausschachtungsarbeiten habe ich den ersten Türken gesehen, der in ca. 15 m Tiefe in der Bau- grube auf seinem Gebetsteppich saß und gen Mekka betete. Das war für mich schon beeindruckend.

Bis 1971 habe ich auf der Hütte gearbeitet. Dann habe ich in einer anderen Firma Schaltschränke und Maschinen verdrahtet.

Handball und Schwimmen waren meine bevorzugten Sportarten. Eine Zeitlang war ich auch in der SPD.


Das war immer Termin- arbeit, und wenn wir sehr viel länger arbeiten mussten, dann brachte der Betriebsleiter uns was zum Essen.“


Janos Bot

geb.1941 in Jugoslawien

1968 waren Anwerber der Hütte beim Arbeitsamt in meinem Heimatort und suchten Schweißer, Dreher und Schlosser. Ich habe mich gemeldet und kam direkt zur Henrichshütte.

Ich habe von Anfang an in der Maschinenreparatur- werkstatt 1 gearbeitet. Dort haben wir die großen Maschinen der Hütte zerlegt, kontrolliert und die defekten Teile repariert. Das waren meist sehr große Teile, zum Beispiel eine Richtmaschine oder eine Zone aus der Stranggießanlage. Da standen wir auch schon mal bis an die Arme im Fett. Die Teile wurden entfettet und dann alle defekten Teile ausgetauscht. Wir haben nach Zeichnung oder nach Maßaufnahme gearbeitet. Das war immer Terminarbeit und wenn wir sehr viel länger arbeiten mussten, dann brachte der Betriebsleiter uns was zum Essen. Oft kamen die Anlagenverantwortlichen und wollten den aktuellen Stand wissen. Das Meiste wurde aus Zeitgründen

bei uns in der Werkstatt neu angefertigt. Wir haben selbst Zahnräder gefertigt, Lager ausgedreht und neu ausgegossen. Wir konnten fast alle Fräs- und

„Das war immer Termin- arbeit, und wenn wir sehr viel länger arbeiten mussten, dann brachte der Betriebsleiter uns was zum Essen.“

Dreharbeiten machen. An den Feiertagen war immer Großreparatur angesagt. Dann gingen wir auch schon mal in die Anlagen und haben direkt vor Ort gearbeitet.

Wir wohnten im Rauendahl und ich musste mit der Fähre über die Ruhr übersetzen. Meine Frau hat in der Kantine gearbeitet.

Ich hatte gute Kollegen und wir haben immer zu- sammen gehalten. Wir haben auf der Arbeit auch viel Spaß gehabt. Die Hütte war für mich wie zu Hause. Ein Kollege hatte einen Schrebergarten. Da habe ich auch oft geholfen.

1988 war dann für mich Schluss und ich ging nach Witten. Weil ich einen Schwerbehinderten-Ausweis hatte, wurde ich als Waschkauen-Wärter eingesetzt. Wir werden nicht nach Serbien zurückgehen. Mei- ne Tochter lebt hier und ich kenne dort kaum noch jemanden.

„Ich glaube, wir haben für die damaligen Verhältnisse ganz gut verdient. Ich habe mich auf der Hütte gut gefühlt.“

Richard Bregar

geb.1943 in Hattingen

Mein Vater war nach dem Krieg im Walzwerk be- schäftigt. 1950 sind wir nach der Ausbombung und Barackenlager in die Bismarckstraße gezogen. Zwei Brüder und einige Schwager, insgesamt 14 Verwand- te, haben hier auf der Hütte gearbeitet.

Ich habe die Volksschule besucht und 1958 auf der Hütte Dreher gelernt. Danach war ich Dreher in der Maschinenreparaturwerkstatt 1. Anfangs waren hier noch alte Nazis beschäftigt. Die Alten haben mit uns gar nicht geredet. Später wurde es dann besser. Das Verhältnis zu den Jüngeren war gut. In der MR 1 haben wir große Maschinenteile repariert und wieder einsatzfähig gemacht. Anfangs habe ich fast jeden Samstag gearbeitet, später wurde das immer weniger. Die Anforderung an den Einzelnen war gut zu leisten insbesondere auch deshalb, weil wir uns gegenseitig geholfen haben.

Die Arbeitssicherheit hat sich im Laufe der Zeit auch deutlich verbessert. Alle möglichen Schutzvorrichtungen waren vorhanden und wurden bereitgestellt. Ich glaube, wir haben für die damaligen Verhältnisse ganz gut verdient. Ich habe mich auf der Hütte gut gefühlt. Ich habe später auch mal in andere Hütten reingeschaut. Im Vergleich war die Hütte gar nicht schlecht aufgestellt. Wir hatten ja auch eine hervor- ragende Ausbildungswerkstatt.

Das Schlimmste war die Hüttenschließung. Die Schließung kam Stück für Stück und wir haben mit allen und jedem zusammenarbeitet, um gegen die Schließung der Hütte zu protestieren. Aus meiner Sicht war die Schließung der Hütte nicht in Ordnung. Damals wurde alles auseinander gerissen.

Ich war und bin auch heute noch DKP-Mitglied. Nach der Schließung ging ich nach Witten. Einige Kollegen gingen nach Krefeld oder Duisburg. Viele gingen in den Sozialplan.

„Wir hatten ein sehr gutes Arbeitsklima. Einmal im Jahr wurde

ein Kolonnenfest gemacht. Das förderte den Zusammenhalt.“

Karl-Ferdi Lange

geb.1944 in Welper

Mein Schwiegervater war hier auf der Hütte be- schäftigt. Mein Vater hat auf der Zeche gearbeitet.

Ich war schon als Kleinkind auf der Hütte im Kinder- garten. Dann habe ich die Volksschule besucht und anschließend bei der Firma Puth eine Lehre zum Starkstrom-Elektriker gemacht. 1968 fing ich dann auf der Hütte in der Zentralkolonne an. Wir mach- ten Neuanlagen in den verschiedenen Betrieben. Bei Großreparaturen wurden wir zur Verstärkung eingesetzt. Meist wurden uns einzelne Projekte zu- gewiesen die wir dann selbstständig abwickelten. So habe ich viele Bereiche der Hütte kennengelernt.

Wir haben auch über einen langen Zeitraum Pressen für die Schweizer Firma Hatebur gebaut. Die Körper wurden hier gegossen, elektromechanisch vollkom- men ausgerüstet und anschließend über 50 Stunden

Probe gefahren. Nach der Abnahme wurden die Pressen wieder in ihre Einzelteile zerlegt und an die jeweiligen Kunden in aller Welt ausgeliefert. Wir mussten dann weltweit diese Anlagen wieder aufbauen und in Betrieb nehmen.

Wir hatten ein sehr gutes Arbeitsklima. Einmal im Jahr wurde ein Kolonnenfest gemacht. Das förderte den Zusammenhalt. Die Hütte war meine zweite Heimat. Als die Hütte schloss, konnte ich mich nur sehr schwer davon lösen. Auch heute noch bin ich immer wieder sehr emotional betroffen, wenn ich auf dem Hüttengelände bin. Seitdem schreibe ich meine Gedanken in kleinen Gedichten nieder und trage sie auch öffentlich vor.

1988 war für mich Schluss auf der Hütte. Damals war ich 44 Jahre alt.



„Damals gab es noch keine persönliche Schutzausrüstung. Die meisten trugen irgendwelche Hüte oder Schuhe.“

Hans-Günter Mindhoff

geb.1932 in Hattingen

Mein Vater war nach dem Krieg bei den Dach- deckern auf der Hütte beschäftigt.

Ich habe die Volksschule besucht und dann Kunst- schmied gelernt. Als ich heiraten wollte, wechselte ich aus finanziellen Gründen 1955 zur Hütte. Die Umstellung war für mich sehr schwierig. So ein großes Werk war ich nicht gewohnt. Ich habe auch manchmal geweint.

Ich habe im Stahlbau gearbeitet. Diese Gruppe war dafür zuständig, sämtliche Stahlbauarbeiten auf der Hütte zu machen. Da ging es um die Erneuerung der Kranbahnschienen, um die Pfannenreparatur, die Reparatur der Roheisentorpedos und vieles andere mehr. Als ich Vorarbeiter wurde, musste ich mehrere Weiterbildungen machen. Früher hatte jeder Betrieb eigene Handwerker. Später wurde das zusammengelegt und so gab es dann auch einen Stahlbaubetrieb, der alle anfallenden Stahlbauarbeiten machte. Wir haben als Reparaturbetrieb in allen Werksbereichen gearbeitet. Die Arbeitsbedingungen waren manch- mal schwer. Der Ersatz von Schleißblechen in der Sinteranlage war zum Beispiel äußerst beschwerlich. Damals gab es noch keine persönliche Schutzausrüs- tung. Die meisten trugen irgendwelche Hüte oder Schuhe. Einer meiner Mitarbeiter ist bei Dacharbeiten abgestürzt und dabei tödlich verunglückt. So etwas vergisst man nicht.

Ich habe mich später sehr gut gefühlt. Die Hütte war Teil meines Lebens. Die Zusammenarbeit mit den ausländischen Kollegen war immer sehr gut. Wir haben uns gut verstanden.

„Wenn wir auf der Kranbahn arbeiteten, haben wir uns mit Sicherungsleinen am Seil
eingehängt. Da gingen wir wie Köter an der Leine.“


Werner Korbie

geb.1934 in Bottrop

Im Krieg habe ich wenig die Schule besucht. Ich konnte dann aber noch das 9. Schuljahr machen. Ich musste eine Prüfung ablegen und kam dann direkt von der 7. in die 9. Klasse. Da hab ich gejubelt, sonst hätte ich ja keine Lehrstelle bekommen. Ich habe dann Karosserie-Schlosser in Gelsenkirchen gelernt. Danach fing ich bei einer Stahlbaufirma an. Wir hat- ten überall im Ruhrgebiet Aufträge und so habe ich viele Firmen gesehen.

1960 bin ich auf der Henrichshütte angefangen. An- fangs war ich im Einsatzbetrieb. Wir wurden je nach Bedarf in die verschiedensten Abteilungen geschickt. So war ich auch für einige Zeit im Apparatebau. Spä- ter kam ich in die Zentralwerkstatt. Mit den jüngeren Kollegen war die Kameradschaft sehr gut. Beim Abguss der größten Werkstücke, zum Beispiel Wal- zenständer, standen alle parat, um im Notfall sofort eingreifen zu können und den Guss zu retten.

„Wenn wir auf der Kranbahn arbeiteten, haben wir uns mit Sicherungsleinen am Seil

eingehängt. Da gingen wir wie Köter an der Leine.“

Die Arbeitsbedingungen waren anfangs schwierig. Ich war auch Sicherheitsbeauftragter und musste mich darum kümmern, dass die Sicherheitsvorgaben eingehalten wurden. Wenn wir auf der Kranbahn arbeiteten, haben wir uns mit Sicherungsleinen am Seil eingehängt. Da gingen wir wie Köter an der Leine. Ich erinnere mich an eine Arbeit am Hoch- ofen-Schrägaufzug. Da wurden neue Schienen auf- gelegt. Da waren wir alle angeseilt. Gerüste gab es nur an den Schienenstößen, wo geschweißt werden musste. Eine fürchterliche Arbeit.

Die Bezahlung ging so. Insgesamt war ich zufrieden. Nach Feierabend sind wir oft zum Emil Diergardt in die Kneipe gegangen. Manchmal haben wir auch einen zu viel getrunken. Wir kannten den Emil sehr gut und haben auch viel für ihn gemacht.

„Weil wir alle noch so jung waren und eine sinnvolle Beschäftigung brauchten, haben wir die Ideenschmiede gegründet.“

Ulrich Plitt

geb.1949 in Hattingen

Ich habe die Volksschule besucht und dann eine Leh- re als KFZ-Mechaniker gemacht. Ab 1967 habe ich im Opelwerk in Bochum gearbeitet. Die Bandarbeit war aber nichts für mich.

Durch einen Kollegen kam ich 1971 zur Henrichs- hütte in die Fahrzeugwerkstatt. Damals dachte man: „Hütte! Rente durch!“ Dort haben wir alle Arten von Fahrzeugen repariert. Wir hatten sechs Dieselloko- motiven. Dazu kamen die Wagonreparaturen und alle Arten von Flurförderfahrzeugen sowie schwere Radlader.

Ich hatte gute Kollegen und wir halfen uns gegen- seitig. Das ging auch in den privaten Bereich hinein. Unsere Werkstatt war in der heutigen Gebläsehal- le. Hier wurden die Lokomotiven bis auf die letzte Schraube zerlegt, geprüft, repariert und wieder zu- sammengebaut. Weil es Eisenbahnfahrzeuge waren,

wurden sie regelmäßig durch Abnehmer der Bundes- bahn geprüft. Die Hütte war ein soziales Unterneh- men. Die Menschen wurden ordentlich behandelt. Ich habe mich immer wohl gefühlt. Der Verdienst war meines Erachtens nicht ausreichend.

Gegen die Stilllegung der Hütte haben wir uns sehr stark gewehrt. Später war ich auch stellvertretender Betriebsrats-Vorsitzender.

Es gab viele private Kontakte. Wir spielten Fußball und auch in der Gewerkschaft war ich aktiv. Jeden Samstag gingen wir zum VfL Bochum. 2004 bin ich mit 55 Jahren ausgeschieden. Weil wir alle noch so jung waren und eine sinnvolle Beschäftigung brauch- ten, haben wir die Ideenschmiede gegründet. Da bin ich auch heute noch im Vorstand aktiv. Wir werkeln für den Eigenbedarf, aber auch für öffentliche Plätze.

„Überall musste gemauert werden. Von alten Steinen wurde der Putz abgekloppt und die Steine wurden neu vermauert.“

Hans Hoffmann

geb.1932 in Blankenstein

Mein Vater war Meister in der Kokerei und auch mei- ne Schwester hat hier gearbeitet. Die ist später mit ihrem Mann im Auftrage von Thyssen nach Kanada gegangen.

Ich hatte die Volksschule besucht und war auch kurz auf dem Gymnasium. Als dann die Luftangriffe kamen, war für mich die Schule vorbei. Als Kinder haben wir uns die Angriffe von der Haustür aus angeguckt oder wir mussten in den Luftschutz- stollen. Der ganze Berg in Welper war mit Stollen durchzogen und hatte mindestens drei Zugänge. Der Kasinopark der Hütte, aber auch unser Haus
in der Karlstraße, wurde bei den Angriffen total zerstört. Wir haben uns dann zwei Zimmer behelfs- mäßig hergerichtet und noch bis 1954 dort gelebt. Später zogen wir dort auch noch Schweine auf. Vier Schweine wurden verkauft und so kratzten wir die Anzahlung für den Kauf unseres Hauses zusammen.

„Überall musste gemauert werden. Von alten Steinen wurde der Putz abgekloppt und die Steine wurden neu vermauert.“

Ich machte auf der Hütte eine Maurerlehre und fing dann sofort in der Bauabteilung an. Zu der Zeit war alles kaputt. Überall musste gemauert werden. Von alten Steinen wurde der Putz abgekloppt und die Steine wurden neu vermauert. Die Öfen mussten gemacht werden.1951 habe ich im Stahlwerk den Ofen 6 gemauert. Da habe ich erst mal gelernt, feuerfest zu mauern. Da haben wir über zwei Jahre einen Katalog für das Ausmauern mit Feuerfeststei- nen erstellt. Jeder Stein war für einen bestimmten Platz vorgesehen. Dann wurde die Arbeit im Akkord vergeben. Zwanzig Jahre war ich Maurer und dann wurde eine neue Abteilung aufgemacht. Ich wurde Arbeitsvorbereiter in der Bauabteilung.

In der Freizeit spielte ich Handball beim DJK Welper und nach dem Spiel trafen wir uns in der Gaststätte. Mit 55 Jahren ging ich in den Sozialplan. Für mich war das gut, für die Kollegen natürlich nicht.

„Die Hütte war für mich praktisch wie eine Mannschaft. Es gab eine sehr gute Kameradschaft.“

Bernd Götter

geb.1947 in Travemünde

Nach Hattingen sind wir 1954 gezogen. Mein Vater war bereits hier auf der Hütte in der Putzerei tätig. Ich habe acht Jahre die Volksschule besucht und dann hier auf der Hütte eine Lehre als Handformer gemacht. Man konnte gutes Geld verdienen in der Formerei. Wir haben viel im Akkord gearbeitet. Aber es war viel Dreck. Früher haben wir in Speis geformt mit Graphit. Da ging es noch ganz gut. Später haben wir dann mit Furanharzen gearbeitet. Wir haben das alles selber gemischt mit Silbersand, Öl und Härter. Das ging ziemlich auf die Bronchien. Ungefähr vier Jahre habe ich damit gearbeitet. Das, was auf der Hütte produziert wurde, ging praktisch in die

ganze Welt.

Durch einen schweren Verkehrsunfall konnte ich die Arbeit in der Formerei später nicht mehr machen. Ich habe dann 1972 umgeschult als Nachrichten-Gerä- temechaniker. Da ich meine Prüfung gut bestanden hatte, haben sie mich gleich weiter geschult zum

Funkgeräte-Elektroniker. Danach kam ich dann in die Abteilung zu den Schwachströmern.

Die Hütte war für mich praktisch wie eine Mann- schaft. Es gab eine sehr gute Kameradschaft. Wir hatten ein hervorragendes Betriebsklima. Das war schon fast familiär. Als Schwachstrom-Elektriker kam ich ja in alle Bereiche der Produktionsanlagen. Oft war ich auch in privaten Angelegenheiten gefragt. Ich musste mich zum Beispiel auch um alle Telefon- anlagen der Hütte kümmern.

Die Hütte war nach den damaligen Vorstellungen modern. Die ganzen Kameras und Überwachungs- anlagen waren fast neuwertig.

Außerhalb der Hütte habe ich mit den Kollegen gerne ein bisschen Musik gemacht und da ich hand- werklich sehr begabt bin, habe ich auch noch viel nebenbei gearbeitet.

„So wurde ich vom Maschinisten auf dem Schiff zum Maschinisten im Kesselhaus der Henrichshütte.“

Richard Ihnen

geb.1940 in Werdum/Niedersachsen

Ich stamme aus Ostfriesland. Als ich meine Schule beendet hatte, liefen bei uns Anwerber herum, die für die Bochumer Bergbau AG junge Leute suchten. So kam ich zur Zeche Prinz Regent. Ich machte eine Lehre und hatte dann auch einen Knappenbrief. 1958/59 wurde Prinz Regent dann aber zugemacht.

Ich habe dann kurz am Bau gearbeitet und bin an- schließend in die Binnenschifffahrt gegangen. Als ich aber heiraten wollte, passte das mit der Binnenschiff- fahrt nicht mehr so richtig. Wir wohnten zusammen mit der Schwiegermutter in einer kleinen Wohnung, die der hiesigen Wohnungsbaugesellschaft gehörte. Um die Wohnung behalten zu können, musste ich auf der Henrichshütte anfangen. So wurde ich vom Maschinisten auf dem Schiff zum Maschinisten im Kesselhaus der Henrichshütte.

Wir hatten dort später einen zentralen Leitstand, der war schon voll ausgestattet mit Bildschirmen. Wir konnten vom Bildschirm aus mit dem Lichtgriffel jede Pumpe ein- oder ausschalten oder den Druck verändern. Das war alles möglich. Ich habe mich da auch sehr wohl gefühlt.

Arbeit und Freizeit passten nie so richtig zueinander. Ob man jetzt im Schützenverein oder in irgendeinem anderen Verein war, immer, wenn die Feierlichkeiten waren, musste man arbeiten. Bei uns war es auch egal, ob Ostern, Weihnachten oder Pfingsten war. Gerade dann wurde voll gearbeitet. Dann wurde einiges stillgesetzt, was so ein bisschen reparaturbe- dürftig war. Wir mussten unsere 140 Pumpen zum Teil selbst reparieren oder austauschen. Bei wichti- gen Anlagen standen die Reservepumpen betriebs- bereit direkt daneben. Aber irgendwann mußten die ja auch repariert werden.

Am Ende kam ich noch in die VSG. 1995 war dann aber Schluss.

„Die Hütte war ein Unternehmen, was ansprechend war. Man hatte seine Arbeit, man hatte gute Kollegen. Die Bezahlung war OK.“

Dieter Mittelstädt

geb.1942 in Königsberg

Meine Eltern sind nach dem Krieg in Niedersachsen gelandet. Dort gab es aber keine Arbeit und so ist mein Vater über eine Nichte nach Welper gekom- men. Er wohnte zunächst im Ledigenheim. 1953 be- kam er eine Wohnung an der Hüttenstraße zugewie- sen. 1956, nach Ende meiner Schulzeit, konnte ich hier auf der Henrichshütte eine Lehre als Maschinen- schlosser machen. Ich hatte dann das Glück und kam in die BW5 in die Maschinenreparaturwerkstatt. Hier wurden Buchsen, Lagerbuchsen, Arbeitsspindeln, Muttern, Kupplungen, elektromagnetische Kupp- lungen usw. grundüberholt. Man hatte seine Arbeit, man hatte gute Kollegen. Die Bezahlung war OK.

Ich war dann Kolonnenführer und Vorarbeiter und hatte auch eine Meisterstelle in Aussicht. Das hat sich aber leider zerschlagen. Als ich meine Meister- ausbildung abgeschlossen hatte, sah ich auf der

Hütte für mich kein Fortkommen mehr. 1979 wech- selte ich erst zu einer Firma in Sprockhövel und dann zur Maschinenbaufirma Pleiger. Mit dem Fortgang von der Hütte verlor ich auch das Anrecht auf eine Hüttenwohnung und so haben wir uns eine Eigen- tumswohnung im Hammertal gekauft. Später haben wir dann sogar noch in Witten-Heven gebaut.

Die Henrichshütte war modern. Als ich in diesen Betrieb kam und hier vor allem die Bearbeitungs- werkstatt 1 kennenlernte, waren da doch noch sehr alte Maschinen. Ich kann mich noch sehr gut entsinnen, das waren Maschinen, da waren die Getriebekästen für den Vorschub und die Längs- und Planbewegung offen. Aber diese Maschinen wurden dann im Laufe der Jahre ausrangiert und durch neue, moderne Maschinen ersetzt.

„Nach der Ausbildung fühlte ich mich oft unterfordert. Später hat es mir dann aber doch Spaß gemacht.“

Andreas Dennig

geb.1958 in Welper

Mein Vater und viele andere Familienmitglieder ha- ben hier auf der Hütte gearbeitet. Ich bin in Welper aufgewachsen und somit war die Hütte für mich fast vorgegeben.

Ich habe ab 1975 hier auf der Hütte Industriekauf- mann gelernt. Nach der Ausbildung kam ich in die Lohnbuchhaltung. Wir hatten eine große Theke. Da standen die Kollegen an und trugen ihre Wünsche vor. Insofern kannte ich viele Mitarbeiter. Nach der Ausbildung fühlte ich mich oft unterfordert. Später hat es mir dann aber doch Spaß gemacht.

Die Betriebe habe ich mehr von außen gesehen. Von der Größe der Anlagen und auch von der Größe der produzierten Werkstücke war ich schon sehr beein- druckt. Das machte mich auch ein bisschen stolz, dazu zu gehören. Das Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen war eigentlich sehr gut. Die Kontakte zu Kollegen beschränkten sich aber mehr auf die

Arbeitszeit. Die Hütte war für mich hauptsächlich Arbeitgeber. Erst mit Schließung der Hütte ergab sich eine tiefere Bindung und ein größeres Zusammen- gehörigkeitsgefühl. Mit der Entlohnung war ich zufrieden.

Die Schließung war nach meiner Meinung von Thyssen gesteuert. Mit Übergabe der Hütte an die Vereinigten Schmiedewerke wurde ich der VSG zugeordnet.

Wir führten damals gerade das SAP als Betriebs- system ein und über einen der Projektbeteiligten bekam ich den Hinweis, mich beim TÜV Rheinland zu bewerben. 1993 wechselte ich dann. Ich mache dort die gleiche Tätigkeit wie damals auf der Hütte.

Inzwischen habe ich einen Altersteilzeit-Vertrag unterschrieben und werde in absehbarer Zeit darüber ausscheiden.

„Die Hütte war eine Institution. Wir hatten im Prinzip gute Arbeitsplätze.“

Elvira Schulte

geb.1949 in Witten-Herbede

Ich habe die Realschule in Welper besucht und von 1965 bis 1967 eine Ausbildung zur Bürogehilfin auf der Henrichshütte gemacht. Die Ausbildung hier war wirklich ganz toll. Wir hatten ja alle Werksunterricht und in der Berufsschule gehörte man zu den Besten, weil man das ja alles nachbereitet bekam. Das war schon schön. Mir hat es Freude gemacht.

Während der Ausbildung wurden wir auch in den Außenbetrieben eingesetzt. Danach war ich dann aber hauptsächlich in der Personalabteilung für Lohnempfänger tätig. Ich war im Prinzip Sekretärin im Vorzimmer des Personalchefs und machte die ganze Korrespondenz, Termine und alles, was so anfiel. Natürlich kam dann auch Publikumsverkehr dazu. Der Betriebsrat kam häufig. Die Personalabtei- lung und der Betriebsrat, die haben sich auch schon öfters bekäbbelt. Der Betriebsrat wollte natürlich

oft etwas anderes als die Personalabteilung. Es ging ja manchmal auch um Vergehen von Mitarbeitern.

Dann war das so eine Art „Hohes Gericht“. Man kann sich ja vorstellen, wenn die manchmal in die Personalabteilung mussten, das war für die ein schwerer Gang. Aber unser Personalchef, der war eigentlich zu den Jungs ganz loyal. Freitags morgens war immer Hektik. Die Sonntagsarbeit, die musste genehmigt werden. Die Leute haben ja teilweise sonntags auch ganz gerne gearbeitet. Die haben ja dann auch mehr Geld bekommen. Da fehlte es oft an der richtigen Begründung. Das musste bis 10 Uhr raus sein.

Die Hütte war für mich irgendwie mein Zuhause. Ich habe mich wohlgefühlt und habe heute noch eine Freundin aus der Zeit. Die Hütte war eine Institution. Wir hatten im Prinzip gute Arbeitsplätze. Aber letztlich bin ich hinterher gegangen, weil ich woan- ders 100 DM mehr bekam. Das war ja viel Geld für mich. Ich habe hinterher in den Öffentlichen Dienst gewechselt.

„Im Laufe der Ausbildung bin ich in den verschiedensten Abteilungen auf der Hütte gewesen.“

Cornelia Brüggerhoff

geb.1961 in Bochum

Mein Vater war auf der Hütte Termin-Sachbearbeiter in der Vergütung.

Ich habe die Realschule in Welper besucht. 1977 habe ich mich auf der Hütte beworben und bekam eine Ausbildungsstelle zur Bürogehilfin. Ich kann mich noch erinnern, dass wir auf dem Einstellungs- fragebogen ankreuzen mussten, ob die Eltern auch auf der Hütte beschäftigt waren. Das war sicherlich nicht unwichtig, denn die Hütte stellte bevorzugt Familienangehörige ein. Die Ausbildung war sehr gut organisiert. Zusätzlich gab es auch noch den Werksunterricht. Im Laufe der Ausbildung bin ich in den verschiedensten Abteilungen gewesen. So war ich zum Beispiel in der Arbeitsvorbereitung Hütten- betriebe, im Erhaltungsbetrieb, in der Sozialabteilung und in einigen anderen Betrieben. Im Wesentlichen handelte es sich um Sekretariatsarbeit. In der Ausbil- dung habe ich nicht viel verdient. Im Vergleich zu anderen Auszubildenden war es aber in Ordnung. Die Hütte war bekannt und hatte einen guten Namen.

Wir wohnten in Welper. Zur Arbeit ging ich regel- mäßig zu Fuß. Als ich hier anfing, galt die Hütte
als sicherer Arbeitgeber. Trotzdem hatte man uns schon in der Ausbildung gesagt, dass wir nach Ende der Ausbildung nicht übernommen werden könnten. Ich bin aber gerne arbeiten gegangen. Das Ver- hältnis zu Kollegen und Vorgesetzten war immer sehr freundlich. In einer Abteilung wurde ich relativ schlecht aufgenommen. Es gab keinen Schreibtisch für mich und man erwartete von mir, dass ich Kaffee kochen und spülen sollte. Das entsprach nicht meinem Ausbildungsprofil.

Die Stilllegung der Hütte war für Hattingen ein ziemlicher Einschnitt. Es gab viele Streikaktionen. Ich habe auch mal an einem Warnstreik teilgenommen. Heute bin ich bei der Stadt beschäftigt.

„Der Zufall will es, dass ich heute indem selben Gebäude arbeite wie zu Zeiten der Henrichshütte.“

Gabriele Reiche

geb.1961 in Hattingen

Mein Vater war im Kümpelbau beschäftigt.

Ich habe die Mittlere Reife und habe hier ab 1977 eine Ausbildung zur Bürogehilfin gemacht. Die Aus- bildung war sehr gut und wurde durch sehr guten Werksunterricht regelmäßig ergänzt. Während der Ausbildungszeit war ich in verschiedenen Betrieben eingesetzt. Zum Beispiel war ich bei der Betriebs- krankenkasse und in der Personalabteilung tätig.

Da wir nur auf der Frühschicht arbeiteten, ließ sich Arbeit und Freizeit gut miteinander vereinbaren. Der Verdienst war nicht überragend, bewegte sich aber im normalen Bereich.

Leider wurden wir nach der Ausbildung nicht über- nommen, aber aufgrund der guten Ausbildung und einem Hinweis der Vorgesetzten habe ich mich bei der Stadtverwaltung beworben und wurde auch eingestellt. An unsere Abschlussfahrt am Ende der Ausbildung kann ich mich noch gut erinnern. Wir fuhren zum Starnberger See. Die Hütte war damals für uns die Hoffnung auf eine gute Zukunft. Um so mehr ist es zu bedauern, das die Hütte und im Nach- gang noch viele andere Werke geschlossen wurden. An diesen Werken hingen viele Existenzen. Mein Mann ist davon ebenfalls betroffen.

Ich arbeite heute als Verwaltungs-Fachwirtin bei der Stadt Hattingen. Der Zufall will es, dass ich heute in dem selben Gebäude arbeite wie zu Zeiten der Henrichshütte. Das Gebäude wird heute von der Stadtverwaltung genutzt.

„Heute mache ich das Management für die Gebläsehalle. Es ist span- nend und mit vielen Kontakten nach Außen verbunden.“

Gunda Otholt

geb.1956 in Sprockhövel

Mein Vater war Flüchtling und hat anfangs in der Nähe von Brake an der Weser gelebt. Wegen der Ar- beit ist mein Vater dann zu einem Bergbauzulieferer ins Ruhrgebiet gegangen und so bin ich in Sprockhö- vel aufgewachsen.

Ich habe die Volksschule besucht und hinterher die Mittlere Reife gemacht. Dann habe ich auf der Hen- richshütte Bürogehilfin gelernt. Mädchen wurden Gehilfinnen. Die kaufmännische Ausbildung blieb den Jungen vorbehalten. Der Schwerpunkt der Aus-bildung lag auf Stenografie und Schreibmaschine. Das wurde auch zusätzlich sehr stark gefördert. Ich habe die Stundenkarten der Arbeiter ausgewertet. Zu der Zeit lebte man mehr mit dem Papier. Die Ar- beit auf der Hütte war überhaupt nicht das, was ich und meine Schwester wollten. Damals war die Hütte für mich ein ganz furchtbares, aber notwendiges Übel. Als 14–15jährige musste ich immer über das Hüttengelände. Das war nicht meins. Meine Schwester war im Verkauf „Rollendes Material“ tätig und hätte dort auch aufsteigen können. Weil sie aber nicht auf Familie und Kinder verzichten wollte, wurde daraus nichts. Sie ist dann ausgeschieden und hat später studiert. In der Mittagspause bin ich immer

zu meiner Schwester gegangen. Das war der einzige Lichtblick des Tages. Als ich schwanger wurde, bin ich ausgeschieden.

Die Schließung der Hütte war eine Katastrophe. Da wurde auch heftig protestiert. So gab es das Dorf des Widerstandes, die Menschenkette und viele an- dere Maßnahmen als Protest gegen die Schließung der Hütte.

Ich bin 2000 wieder hier eingestiegen. Jetzt aber als Mitarbeiter des Museum Henrichshütte. Heute mache ich das Management für die Gebläsehalle. Es ist spannend und mit vielen Kontakten nach Außen verbunden.

„Ich habe in der in der Stahlformgießerei eine Lehre als Former gemacht. Ich habe den Beruf mit Herzblut ausgeführt.“

Gerhard Buchwald

geb.1940 in Bochum

1955 war meine Volksschulzeit zu Ende. Ich habe in der Stahlgießerei der Henrichshütte eine Formerlehre gemacht. Die Tätigkeit war nicht einfach. Aber man war jung und ich war durch den Sport auch immer belastbar. 17 Jahre war ich in der Stahlgießerei tätig.

Die Henrichshütte ist ein Betrieb gewesen mit einer enormen Vielfalt an Produktionsanlagen. Es gab
die Sinteranlage, die Hochöfen, das Stahlwerk, die Stranggießanlage, die Gießgruben, die Stahlgieße- rei, die Putzerei, die Modelltischlerei und dann auch noch die beiden Walzstraßen. Hinzu kamen dann noch die Bearbeitungswerkstätten, der Apparatebau und die Ausbildungswerkstätten.

In den besten Jahren war die Hütte sehr modern. Teilweise wurden alte Anlagen abgerissen und durch neue ersetzt. Mit unseren Anlagen waren wir in
der Lage, hochwertigste Stähle zu fertigen. Ich hab mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt. Ich besuchte aber gleichzeitig entsprechende Vorbereitungskurse und landete schließlich auf einer Technikerschule für Maschinenbau.

Nachdem ich fertig war, suchten sie auf der Hen- richshütte in drei verschiedenen Bereichen junge Techniker. Unter anderem auch im Bereich Arbeits- schutz. Und da ich in den zurückliegenden Berufs- jahren fast in jeden Bereich der Hütte hinein riechen konnte, kannte ich jede Ecke der Hütte und war auch überall bekannt. So kam ich 1972 zum Arbeitsschutz.

Die Arbeitsbedingungen auf der Hütte waren gut. Leistung wurde verlangt, aber ältere Arbeitnehmer wurden auch immer geschützt. Berufskrankheiten waren vor allem Staub, Asbest und Lärm.

1976 wurde ich nebenberuflich Ausbilder bei der In- dustrie- und Handelskammer in Sachen Arbeitsschutz.

„Die Qualität der Produkte war in Ordnung. Das hatte sich weltweit rumgesprochen.“

Wolfgang Krieger

geb.1945 in Hattingen

Mein Vater hat einige Jahre auf der Hütte als Karus- sell-Dreher in der Bearbeitungswerkstatt 1 gearbeitet.

Ich habe die Volksschule besucht. Nach der Schulzeit habe ich bei einer Firma in Haßlinghausen gearbei- tet. Dann war ich zwei Jahre in Berlin tätig. Man brauchte dann nicht zur Bundeswehr. Nach dieser Zeit, habe ich in Sprockhövel bei der Firma Böhmer als Dreher gearbeitet.

Zur Hütte kam ich 1970 durch meinen Schwieger- vater. Ich arbeitete dort in der Zeitwirtschaft. Das heißt, wir haben Zeitrichtwerte als Kalkulations- grundlage erstellt. Zeitaufnahmen haben wir in der Bearbeitungswerkstatt 1, 2 und 3, im Kümpelwerk, im Hammerwerk und an den Brennmaschinen ge- macht. Außerdem haben wir Kranstudien gemacht

mit dem Ziel, die Kranverfügbarkeit zu erhöhen. Die größte Zeitaufnahme, die ich gemacht habe, war an der „Europabank“ in der Bearbeitungswerkstatt 2. In guter Erinnerung habe ich auch noch den 450 t-Block der hier geschmiedet wurde. Die Qualität unserer Produkte war in Ordnung. Das hatte sich weltweit rumgesprochen.

Die Hütte war für mich wie ein großes Familien- unternehmen. Aus meiner Sicht ist die Hütte aus unternehmenspolitischen Gründen zugemacht worden.

Ich bin seit 50 Jahren Briefmarkensammler und Mitglied in der SPD. Ich gehöre zur Ideenschmiede und ich leite den Arbeitskreis der IG Metall-Senioren in Hattingen.

„Mein Motto war, man sollte die Menschen immer so behandeln, wie man selbst behandelt werden will.“

Peter Maurer

geb. 1945 in Witten

Ich habe mit 14 Jahren meine Formerlehre bei der Ruhrstahl in Witten Annen begonnen und nach Schließung der Eisengießerei auf der Henrichshütte beendet. Als dann auch die Eisengießerei in Hat- tingen schloss, wechselte ich in das Walzwerk. Ich arbeitete dort am Zeichenplatz an der 4,2 m-Straße. Hier haben wir die Blechabmessungen festgelegt und die Bleche gestempelt. Vom Zeichenplatz aus habe ich mich in mehreren Abteilungen umgetan. Später war ich dann Vorarbeiter.

Anfang der 80er Jahre wurde ich in den Betriebs-
rat gewählt und später auch zum Nachfolger vom Betriebsratsvorsitzenden Rolf Bäcker. Ich musste viele Seminare besuchen und mich in rechtliche Fragen wie das Betriebsverfassungsgesetz, in die Arbeits- stättenverordnung und vieles andere mehr einarbei- ten. Hier war Menschenkenntnis und der vernünftige Umgang mit Kollegen gefragt. Mein Motto war, man sollte die Menschen immer so behandeln, wie man selbst behandelt werden will. Die zwischenmensch- lichen Beziehungen im Walzwerk waren hervor- ragend. Die Vorgesetzten hatten noch eine echte Bindung zu ihren Mitarbeitern.

Das Faszinierende an der Hütte war, dass vom Erz bis zum fertigen Produkt alles gefertigt wurde. Wir waren auch ein stückweit stolz auf das, was wir produziert haben.

Der Arbeitskampf war besonders spektakulär. Das hatte Deutschland noch nicht gesehen. Das waren ja nicht nur wir, sondern da waren ja auch viele andere Unternehmen um uns herum, die bedroht waren. Wir haben Kontakte zu allen möglichen Politikern gesucht und große Demonstrationen organisiert. Die Erfahrung, die ich da gesammelt habe, möchte ich auch nicht mehr missen und die habe ich nachher bei der VSG genutzt.

„Es wurde noch in neue Rollgänge an der 4,2 Meter Straße investiert. Trotzdem kam im Februar die Nach- richt, dass der Laden dicht gemacht wird.“

Heinz-Walter Sonnenschein

geb.1946 in Bredenscheid-Stüter

Ich habe einen Realschulabschluss und in Sprock- hövel Dreher gelernt. Die Arbeit dort war nicht besonders ansprechend. Es gab sehr viel Grauguss- Staub in der Halle und so bin ich 1964 mit Hilfe meines Onkels auf der Henrichshütte gelandet.

Nach Rückkehr von der Bundeswehr kam ich zu- nächst in die BW3 in die Radsatzfertigung. Später war ich dann im Walzwerk für die Produktionspla- nung im Rostfreibereich zuständig. Vom Auftragsein- gang bis zur Auslieferung ging alles bei uns über den Tisch. Wir hatten eine Liefertreue von 98 Prozent im Rostfreibereich. Unser Einsatzmaterial bekamen wir aus Krefeld. Die Bleche wurden 3 mm bis 21 mm dick und die Qualität war sehr gut. Teilweise konnten nur wir diese Bleche fertigen. Die 2,8 m-Walzstraße, die war super. Und die große Straße, die war auch nicht zu schlagen. Die Anlagen wurden regelmäßig modernisiert. Der Gipfel war aber, dass über einen Weihnachtsstillstand noch in neue Rollgänge an der 4,2 m-Straße investiert wurde. Trotzdem kam im Februar die Nachricht, dass der Laden dicht gemacht wird. Für mich war das eindeutig eine unterneh- menspolitische Entscheidung. Bei Thyssen war die Rheinschiene favorisiert.

Das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten war immer super. Man konnte prima arbeiten.

Später wurde ich dann Betriebsratsmitglied und natürlich habe ich mich auch in dem harten Arbeits- kampf voll engagiert.

Privat interessiere ich mich für den Motorsport.
Ich bin 1969 im Motorsportclub angefangen und bin heute noch Sportleiter im Polizei-Motorsportclub Bochum. Also da ging schon viel Zeit bei drauf.

„Das Traurigste war für mich die Menschenkette. Damals gab es keine

Hoffnung mehr.“

Otto Marquis

geb.1935 in Dortmund

Mein Vater ist seit 1942 vermisst. Ich habe sieben Jahre die Volksschule besucht und wurde dann von der Schule beurlaubt. Ich habe Elektriker gelernt.

Über kleinere Umwege kam ich durch Fürsprache 1954 als Hilfsarbeiter ins Hammerwerk. Zu der Zeit kamen aber auch die Kriegsgefangenen zurück. Damals gab es noch 72-jährige Hammerführer. Die Kollegen waren alle zwischen 65 und 70 Jahre alt. Die hätten alle meine Opas sein können. Trotzdem wurde ich von heute auf morgen erster Schmied am 150 t-Hammer. Das ist mir schwer gefallen, aber die Kollegen haben mich alle unterstützt.

1964 war hier das schwere Hochofenunglück. Das war genau an Heiligabend und das Krankenhaus hatte nicht genügend Pflegekräfte. Ich war im Roten Kreuz aktiv und hatte eine Sanitäter-Ausbildung.

Daraufhin wurde ich 13 Wochen als Pfleger ins Krankenhaus geschickt. Als ich zurück kam, war die neue 1.600 t-Presse aufgebaut. Dort habe ich dann
6 bis 8 Jahre geschmiedet und wurde auch Vorar- beiter. Ich wurde immer wieder zur Weiterbildung geschickt und habe später auch die Meisterprüfung gemacht. Nachdem Thyssen 1974 Rheinstahl über- nommen hatte, gingen viele Produkte aus Hattingen weg und wurden woanders gefertigt.

Ich war Vertrauensmann im Betrieb und so wurde ich Betriebsrat und später sogar Aufsichtsrats- mitglied.

Die Hüttenschließung war eine unternehmens- politische Entscheidung. Das Traurigste war für mich die Menschenkette. Damals gab es keine Hoffnung mehr für den Weiterbestand der Hütte.

„Ich war Sicherheitsbeauftragter und Vertrauensmann als 1972 das Betriebsrats-Wahlgesetz geändert wurde. Ausländer bekamen das Wahlrecht.“

Nuri Dervisoglu

geb.1938 in Trabzon/Türkei

Mit drei Jahren zog die Familie nach Istanbul. Ich habe dort die Volksschule und die Mittelschule besucht. Mein Vater war Schreiner. Ich habe dann zunächst bei meinem Vater im Betrieb gearbeitet und mich später selbstständig gemacht.

Damals suchte Deutschland Arbeitskräfte. Ich be- warb mich und kam zur Firma Heitkamp in Wanne- Eickel. Nach verschiedenen Zwischenstationen landete ich 1964 auf der Henrichshütte. 1966 kam meine Frau nach Deutschland. Wir hatten eine kleine Wohnung in Langenberg. Ich war Vertrauensmann, als 1972 das Betriebsrat-Wahlgesetz geändert wur- de. Ausländer bekamen das Wahlrecht. Die IG-Metall hat mich als Kandidat aufgestellt und ich wurde gewählt.

1972 wechselte ich als Betriebsratsmitglied in die Personalabteilung und kümmerte mich vornehmlich um die Angelegenheiten ausländischer Arbeitnehmer. Ich fühlte mich aber für alle zuständig. Das Hauptproblem für Ausländer war natürlich die Spra- che. Die Bezahlung war auch nicht immer gerecht und zudem gab es ein massives Wohnungsproblem. Als Betriebsrat forderte ich: In jedem Haus mindes- tens eine Wohnung für Ausländer.

Besonders schlimm war es, wenn es schwere Unfälle gab. Da gab es viel Arbeit mit den Behörden und natürlich den Kontakt zu den Angehörigen. Viele kamen vom Land und waren sich der Gefahren in einem Hüttenwerk nicht bewusst.

Ich hatte auch noch andere Aufgaben z. B. Dolmet- scher bei der Polizei, beim Betriebsarzt, bei Behör- den, in Vereinen usw.

Mit 53 Jahren ging ich in den Sozialplan.

Foto: Kemal Dervisoglu, Privatbesitz

„Die Zeit als Ausbilder war eine sehr schöne Zeit. Das war ganz klasse. Ich

hatte es immer mit jungen Leuten zu tun.“

Werner Herbold

geb.1937 in Hattingen

Mein Vater war Schmelzer im Stahlwerk. Ich habe die Volksschule besucht und dann bei Köppern meine Lehre gemacht.

1955 bin ich als Dreher in der Bearbeitungswerkstatt 3 auf der Henrichshütte angefangen. Das waren damals noch ganz alte Drehbänke. Hin und wieder wurden alte Maschinen durch neue ersetzt. Wir haben hauptsächlich Räder und Reifen gedreht.

Wir sollten auch immer am Samstag und Sonntag arbeiten. Da gab es kaum Freizeit. Viele Arbeiten in der Dreherei waren Akkord. Ich hatte auch mal einen schweren Beinahe-Unfall. Als ich gerade hinter der Maschine war, löste sich ein zu bearbeitendes Rad aus der Maschine. Das war eine gefährliche Situation für mich. Mir ist allerdings nichts passiert. Ich habe 27 Jahre Dreifach-Schicht gemacht. Bei uns im Haus wohnten 12 Kinder und deshalb kam man kaum zur Ruhe. Dann war ich es leid.

Ich habe mich weiter geschult und den Industrie- meister gemacht. Die letzten 11 Jahre war ich dann Ausbilder in der Lehrwerkstatt. Das habe ich bis 1992 gemacht. Die Zeit als Ausbilder war eine sehr schöne Zeit. Das war ganz klasse. Ich hatte es immer mit jungen Leuten zu tun.

Das Verhältnis zwischen Kollegen und Vorgesetzten war sehr gut. Manchmal wurde auch gegrillt und eine Flasche Bier getrunken. Das ging aber nur, wenn auch Feierabend war. Die Henrichshütte war bekannt für soziales Engagement. Es gab zum Beispiel Erholungs- heime für Mitarbeiter. Der Verdienst, das ging so. Andere haben besser verdient. Ich war aber damit zufrieden.

Wir sind viel mit unserem Wohnwagen in die Haardt gefahren. Dort haben wir fast jedes Wochenende verbracht.

„Ich habe die Chance zur Weiterbildung genutzt und das Fachabitur gemacht. Heute bin ich ElektroIngenieur bei den Stadtwerken in Bochum.“

Andreas Rosenstengel

geb.1968 in Wattenscheid

Ich habe einen Realschulabschluss und habe dann 1985 auf der Hütte Energieanlagen-Elektroniker gelernt. Die Ausbildung war zweistufig. Nach den ersten zwei Jahren war man Elektro-Installateur und am Ende der Ausbildung war man Energieanlagen- Elektroniker. Die Ausbildung war sehr gut.

Die Arbeitsbedingungen und auch die persönliche Ausrüstung mit Werkzeugen und Arbeitsschutzar- tikeln waren ebenfalls sehr gut. Leider fiel das Ende meiner Lehre in die Stilllegungsphase der Henrichs- hütte.

Nach der Lehre wurden wir noch für drei Monate übernommen und dann in die Arbeitslosigkeit entlassen. Die Hütte wurde sicherlich aus wirtschaftli- chen Gründen zugemacht.

Ich habe dann die Chance zur Weiterbildung genutzt und das Fachabitur gemacht. Heute bin ich Elektro- Ingenieur bei den Stadtwerken in Bochum.

Die Hütte war für mich ein bisschen mehr als nur ein Arbeitsplatz. Das war schon eine kleines Zuhause. Wenn ich von Thyssen übernommen worden wäre, wäre ich sicherlich auch geblieben.

Spektakulär war für uns alle der Hüttenkampf, die Demonstrationen und zum Beispiel auch die Menschenkette.

„Ich habe hier meinen künftigen Ehemann kennen- gelernt. Wir haben beide den gleichen Ausbildungs- weg beschritten und später haben wir dann geheiratet.“

Bettina Rosenstengel

geb.1969 in Niederwenigern

Mein Vater war auch auf der Hütte beschäftigt.

Ich hatte die Hauptschule besucht und einen Real- schulabschluss gemacht. Eigentlich wollte ich Schrei- ner werden. Im letzten Moment kam jedoch kein Lehrvertrag zustande und dann hat mein Vater mit den Verantwortlichen auf der Hütte gesprochen und so bekam ich die Chance, mich hier zu bewerben. Bis dahin hatte ich noch nie etwas von Energieanlagen- Elektroniker gehört. Ich bekam die Ausbildungsstelle und ich muss sagen, dass die Lehrzeit für mich super prägend war. Sie förderte das Miteinander, das Kollegiale und es ging sehr familiär zu. Obwohl die Hütte ja unmittelbar vor der Schließung stand, war sie immer noch als großer Arbeitgeber bekannt.

Ich denke, ich habe hier gut verdient und wäre sicherlich auch hier geblieben, wenn ich die Möglich- keit dazu gehabt hätte.

Spektakulär war für mich als junger Mensch der Hüttenkampf und die Menschenkette.

Ich habe hier meinen künftigen Ehemann kennenge- lernt. Wir haben beide den gleichen Ausbildungsweg beschritten und später haben wir auch geheiratet.

„Die Hütte hat Hattingen und insbesondere auch Welper stark geprägt.“

Volker Durek

geb. 1960 in Welper

Mein Vater war hier Vorarbeiter in der Formerei. Es haben aber auch viele andere Familienmitglieder auf der Hütte gearbeitet.

Ich hatte 1976 den Hauptschulabschluss gemacht und habe dann auf der Hütte eine Lehre als Elek- triker gemacht. Die Ausbildung war sehr gut und wurde durch den Werksunterricht theoretisch und praktisch ergänzt. Das hat uns sehr weit nach vorne gebracht. In der Ausbildung fühlte man sich aufge- hoben und zugehörig. Es war wie in einer großen Familie. Hier waren auch viele Ausländer beschäftigt. Aber ich habe nie so etwas wie Fremdenhass ge- spürt. Während der Ausbildungszeit sind wir auch in die verschiedensten Außenbetriebe gegangen. Nach meiner Lehre war ich noch ca. vier Monate auf der Hütte beschäftigt.

Irgendwann wurde mir klar, dass diese Arbeit auf Dauer nicht zufriedenstellend war und so entschied ich mich, über den zweiten Bildungsweg ein Studi- um zu machen. Ich habe Automatisierungstechnik studiert und wäre anschließend auch gerne wieder zur Hütte gegangen. Leider kam die Stilllegung dazwischen.

Die Hütte hat Hattingen und insbesondere auch Welper stark geprägt. Sie war die Basis für die Ent- wicklung der Stadt. Sie war modern und war nach meiner Ansicht immer auf dem Stand der Technik. Bei der guten Ausbildung, die wir hatten, müssen auch gute Fachkräfte auf der Hütte gewesen sein. Die Hütte wurde nach meiner Ansicht stillgelegt, weil die Infrastruktur nicht stimmte. Die Kosten waren zu hoch. Trotzdem ist es schade, dass so ein bedeuten- des Werk nicht überleben konnte.

Heute bin ich leitender Angestellter bei einem Automobilzulieferer in Wuppertal.

„Mein Vater hat auf der Zeche gearbeitet und der sagte, von seinen drei Söhnen kommt keiner auf die Zeche.“


Erich Lüttenberg

geb. 1939 in Altendorf / Ruhr

Mein Vater hat auf der Zeche gearbeitet und der sagte, von seinen Söhnen kommt keiner auf die Zeche. Wir waren zu Hause mit drei Jungen und
alle haben auf der Hütte gearbeitet. Ich habe die Volksschule besucht und dann Dreher gelernt. Nach der Lehre wurden wir aufgeteilt in die Bearbeitungs- werkstätten 1 bis 3. Der damalige Chef suchte einen Fräser. Es wurde gelost und das Los traf mich. In der ersten Zeit wollte ich immer abhauen, aber im Laufe der Zeit hat mir die Arbeit Spaß gemacht. Ich war die ganze Zeit in der Bearbeitungswerkstatt 1 und habe noch REFA-Scheine gemacht.

Aus betrieblichen Gründen kam ich dann in das Vorschlagswesen. Neue Werkzeuge ausprobieren, die Arbeitsgänge anders legen und so, dafür war
ich zuständig. Zwei weitere Stationen meines Ar- beitslebens waren die Arbeitsvorbereitung und die Neubauabteilung. In der Neubauabteilung waren wir zuständig für die Planung und Beschaffung neuer, modernster Maschinen. Wir waren praktisch für
die Kostenermittlung, für die Planung und für den Probebetrieb zuständig. Das war interessant. Das Verhältnis unter den Kollegen und den Vorgesetzten war gut. Wenn neue Maschinen kamen, gab es für die Kollegen immer eine Einweisung. Die Hütte war bekannt für gute Angebote und Qualität.

Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt, es war ein angenehmer Arbeitsplatz. Nach der Stillle- gung der Henrichshütte bin ich noch für acht Jahre nach Duisburg in die Neubauabteilung gekommen.

Mit 55 habe ich dann aufgehört mit der Arbeit. Im Nachhinein gesagt: „Viel zu früh!“

In meiner Freizeit habe ich in der Bezirksklasse in Altendorf Fußball gespielt. In der CDU war ich auch 25 Jahre, bin dann allerdings ausgestiegen.

„Auf der Hütte gab es eine sehr gute Ausbildung. Besonders schön war

die Abschlussfahrt nach Berlin.“

Manfred Fiebig

geb.1955 in Schutz/Kreis Daun, Eifel

Mein Großvater hatte eine Mühle in der Eifel. Dort hat auch mein Vater als Müller gearbeitet. Als das große Mühlensterben einsetzte, sind meine Eltern 1965 ins Ruhrgebiet gegangen. Meine Mutter stammte aus Bochum und hier hatten wir Verwandt- schaft.

Ich habe in Hattingen die Hauptschule besucht und habe 1970 auf der Hütte eine Lehre als Technischer Zeichner gemacht. Auf der Hütte gab es eine sehr gute Ausbildung. Besonders schön war die Ab- schlussfahrt nach Berlin. Diese Fahrt wurde von der Lehrwerkstatt organisiert.

Nach der Lehre arbeitete ich dann in der Neubauab- teilung als Technischer Zeichner. Ich habe hauptsäch- lich alle Rohrleitungspläne für Neubauprojekte zeichnerisch begleitet. Die Arbeitssicherheitsvorgaben auf der Henrichshütte waren sehr gut, stehen aber in keinem Verhältnis zu den heutigen Anforderungen. Die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten war immer gut. Ich habe mich auf der Hütte auch immer sehr wohl gefühlt. Mit der Bezahlung war ich zufrieden und ich habe erst nach dem Firmenwech- sel gemerkt, dass man auch mehr verdienen kann.

1978 wurde unsere Abteilung nach und nach aufge- löst und mir wurde gekündigt. Ich habe dann bei der Firma Pleiger gearbeitet. Nach Feierabend habe ich die Technikerschule besucht.

Ich war in verschiedenen Vereinen aktiv und hatte auch private Kontakte zu den Kollegen.

„Im Förderverein entdeckte ich irgendwann eine Liste, aus der hervorging das sich einige Ehemalige hin und wieder trafen.“

Helmut Helling

geb.1948 in Hattingen

Mein Vater war zeitweise auf der Hütte beschäftigt. Er war in mehreren Abteilungen tätig und am Ende Kranführer im Stahlwerk.

Ich habe die Volksschule besucht und anschließend bei der Firma Hill als Groß- und Einzelhandels- kaufmann eine Lehre gemacht. Nach meiner Lehre bekam ich die Chance, bei der Sparkasse in Hattin- gen in der Buchhaltung anzufangen. Nach der Bun- deswehrzeit musste ich dann unmittelbar auf

der Sparkasse in Welper die Kasse übernehmen.

Ich war nie auf der Hütte beschäftigt. Die damalige Vorsitzende des Fördervereins Industriemuseum Hen- richshütte suchte jemanden, der im Verein die Kasse führen konnte. Da ich nicht mehr sehr weit von der Rente entfernt war, habe ich mich dafür interessiert. Ich engagiere mich heute für den Förderverein, um die Erinnerung an die Hütte aufrecht zu erhalten. Im Förderverein entdeckte ich irgendwann eine Liste, aus der hervorging, dass sich einige Ehemalige hin und wieder trafen. Das war der Anlass zu einem Ehemaligentreff im Förderverein einzuladen. Im An- fang waren es nur 12 bis 15 Teilnehmer. Inzwischen haben wir auch schon mal 150 Teilnehmer gehabt. Wir überlegen uns jeweils ein kleines Programm für das Treffen, bieten Kaffee und Kuchen sowie die entsprechenden Sitzgelegenheiten zum lockeren Gespräch. Zwischenzeitlich haben wir gemerkt, dass das Interesse zunimmt und die Teilnehmerzahl stetig steigt. Die Zusammenarbeit mit dem Museum hat sich im Laufe der Zeit immer mehr intensiviert und so sammeln wir inzwischen Zeitungen und Bilder aus der Zeit der Henrichshütte und machen Interviews mit Ehemaligen. Inzwischen haben wir schon eine beachtliche Sammlung zusammengetragen.

Während des Hüttenkampfes war ich überhaupt noch nicht engagiert. Ich habe die Vorgänge ei- gentlich nur über die Zeitung verfolgt.