100 Hüttenleben

„Es fehlen die Menschen und ihre persönlichen
Geschichten! Wo sind sie heute, was tun sie, was
möchten sie erzählen über ihr Leben und ihre Arbeit
in der Hütte? Woran erinnern sie sich nach so langer
Zeit?“ Mit diesen Gedanken stellte sich die Fotografin
Astrid Kirschey dem LWL-Industriemuseum
Henrichshütte und seinem Förderverein im Januar
2013 vor. In einer Projektskizze formulierte sie die
Idee, eine Anzahl von „Ganzkörper-Portraits“ ehemaliger
HüttenwerkerInnen „gern in Arbeitskleidung“ in
Lebensgröße auf dem ehemaligen Werksgelände zu
positionieren. Die Idee war die Initialzündung für ein
gemeinsames Foto-, Film- und Interviewprojekt mit
dem Förderverein Industriemuseum Henrichshütte.

Die Menschen und ihre Geschichte sollten
30 Jahre nach der Stilllegung festgehalten werden.
Gemeinsam wurde ein Gesprächs-Leitfaden erarbeitet:
Leben und Hütte, Arbeit und Freizeit, Familie und
Kollegen kamen in über 100 Interviews zur Sprache.
Diese Gespräche wurden in Ton und Film dokumentiert.
Innerhalb des Projekts entwickelte sich das
„Hüttenwerker-Treffen“ zu einem festen Bestandteil.
Der Förderverein bot ehemaligen MitarbeiterInnen der
Henrichshütte Gelegenheit, sich im Museum über
ihre Geschichten austauschen. Mit der Zahl der Gäste
stieg auch die Anzahl derer, die sich zu Foto und
Gespräch bereit erklärten.

„100 Hüttenleben“ ist eine Verbeugung vor der ehemaligen
Belegschaft „unserer Hütte“. Wir bedanken
uns bei allen, die dazu beigetragen haben: Männer
und Frauen, die dem Projekt Gesicht und Stimme
gegeben haben, allen, die geholfen haben, beides
für Gegenwart und Zukunft zu sichern.

Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V: 100 Hüttenleben

Gerd Arndt
geb. 1934 in Stettin

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gerd Arndt

Mein Vater war während des Krieges in Bochum bei
der Flak. Die Familie lebte in Stettin und später in
Vorpommern. 1950 sind wir in den Westen gekommen
und ich habe bei Firma Kestermann in Bochum
eine Lehre gemacht. Ich hatte die Volksschule besucht
und suchte nach Weiterbildungsmöglichkeiten.

Zur Henrichshütte kam ich 1955 mit Hilfe eines
Bekannten. Ich habe zunächst im Maschinenbau
gearbeitet. Die großen Anlagen haben mich schon
schwer beeindruckt. Dann hatte ich die Chance, das
erste Mal nach Amerika zu kommen und bei Ford in
Ohio eine Maschine aufzubauen und in Betrieb zu
nehmen. Die Presse, die ich dort aufbaute, war einmalig.
Zunächst war ich vollkommen auf mich allein
gestellt. Später kam noch ein Elektriker dazu. In der
Folge war ich auch in Japan und ich habe auch sehr
gut verdient. Damals war ich schon etwas privilegiert.
War eine wunderschöne Zeit.

Wieder zurück in Hattingen, machte ich meine
Ausbildung zum Industriemeister in der Fachrichtung
Maschinenbau. Aufgrund der veränderten Marktlage
musste ich 1976 vom Maschinenbau in den Bereich
des Walzwerkes wechseln. Ich wurde Meister in der
Instandhaltung der Adjustage im Walzwerk. Na ja,
ich kannte die Maschinen ja. Die hatte ich zum Teil
selber mal als junger Bengel mit gebaut. Die Lieferfirmen
haben auf der Hütte gießen lassen und wir
haben die Maschinen in deren Namen gefertigt.

Mit dem Ende der Hütte gab es eine unheimliche
Zeitverdichtung. Da sollten die Maschinen schneller
und leistungsfähiger gemacht werden. Das war
natürlich nur begrenzt möglich. Leider musste ich
auch noch die Demontage der Anlagen begleiten.

Klaus aus dem Siepen
geb. 1951 in Langenberg

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Klaus aus dem Siepen

Mein Onkel und auch mein Opa waren hier auf der
Hütte beschäftigt. Ich habe die Volksschule besucht
und bei den Kupfer- und Messingwerken in Langenberg
eine Lehre als Betriebselektriker gemacht.

Es folgte die Bundeswehrzeit und dann ging ich auf
Montage. Für einen jungen Menschen war das eine
gute Gelegenheit, andere Firmen kennen zu lernen.
Auf Dauer gefiel mir das Leben aber nicht und so bin
ich 1975 durch Vermittlung meines Onkels zur Hütte
gekommen. Ich war zunächst Elektriker im Apparatebau
und später am Hochofen. Mir war vollkommen
klar, was mich erwartete, und so machte ich auch
bereitwillig Wechselschicht. Die Kollegen waren
gute Handwerker. Die wussten sich immer zu helfen.
An den Hochofen-Anlagen machten wir Wartung,
Reparaturen und Störungsbeseitigung. Im Störungseinsatz
war man natürlich voll gefordert. Manchmal
war es auch ganz schön hart. Wir hatten aber eine
gute Kollegialität. Viele lebten von der Erfahrung,
die sie im Laufe der Zeit erworben hatten. Ich habe
mich hier immer gut gefühlt. Wir hatten unter den
Elektrikern auch einen Kegelklub. Der Zusammenhalt
zwischen privat und dienstlich funktionierte gut.
1984 kam ich zu den Schwachströmern. Da hatte
ich mich auf keinen Fall verschlechtert.

Als die Schließung der Hütte anstand, war sie
modern und leistungsfähig. Ich gehe davon aus,
dass die Hütte wegen zu hoher Kosten geschlossen
wurde. Außerdem gab es keinen direkten Anschluss
zur Autobahn und die Anwohner wehrten sich
gegen den Schwerlastverkehr. 1988 wechselte ich
zu Thyssen in Duisburg. Ich war dann Elektriker im
Warmbandbereich.

Hans Baumgart
geb. 1937 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Hans Baumgart

Früher habe ich im Rauendahl gewohnt, auf der
anderen Ruhrseite. Zur Arbeit bin ich mit der Fähre
über die Ruhr gefahren. 1961 habe ich geheiratet.
Die ganze Familie hat auf der Hütte gearbeitet.
Der Vater, der Onkel, der Opa.

Ich habe 1952 auf der Hütte angefangen. Wir haben
alle keine richtige Lehre gemacht. Ich habe die
Volksschule besucht und war dann von 1952 bis zur
Werksschließung auf der Henrichshütte. Ich habe
im Walzwerk an der 4,2 m-Straße als Vorzeichner
gearbeitet. Über unsere Arbeitsbedingungen gibt es
nicht viel zu sagen. Unser Werkzeug war die Kreide.
Die Walzberichte bekam ich vom Büro.

Die Anlagen wurden ständig überwacht und, wenn
nötig, auch modernisiert. Die Anforderungen an den
Einzelnen konnte man gut schaffen. Die Vorgaben
zur Arbeitssicherheit mussten eingehalten werden.
Helm, Handschuhe und Ohrstöpsel waren Pflicht.
Die Hütte war für mich nicht nur Brötchengeber.
Man war froh, dass man Arbeit hatte und nicht auf
der Straße lag.

Während meiner Arbeitszeit auf der Hütte habe ich
keinen Sport gemacht. Durch die 3-fache Schicht
war das unmöglich. Heute bin ich aber im Sportverein
Märkisch Hattingen. Ich treibe immer noch
dreimal in der Woche Sport und fahre nebenbei
noch Fahrrad.

Als die Stilllegung der Hütte anstand, da habe ich
noch Glück gehabt. Ich kam in die Vergütung 7,
eine noch in Betrieb befindliche Abteilung. Ich
war auf einem kleinen Kran und habe die Bleche
abgenommen und aufgestapelt. Dort war ich noch
2,5 Jahre und dann ging ich in den Sozialplan.

Karl Baumgart
geb. 1937 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Karl Baumgart

Mein Vater war in der Gaszentrale und mein Onkel
als Meister im Walzwerk. Ich habe acht Jahre die
Volksschule besucht. Als wir aus der Schule kamen,
hat der Onkel Karl uns mitgenommen ins Walzwerk.

Von 1952 bis 1966 habe ich an der Trio-Straße gearbeitet.
Da waren zwei Walzgerüste nebeneinander.
Früher waren das ja kleine Blöcke. Die Walze konnte
Bleche bis 1.500 mm Breite bearbeiten. Die meisten
Bleche lagen zwischen 3 und 5 mm Blechstärke. Die
fertig gewalzten Bleche kamen auf ein Kühlbett. An
der Kreismesserschere wurde das Blech an den Seiten
gesäumt. Dazu mussten wir die Bleche auf dem
Rollgang über Schienen heranziehen. Die Schiene
war aus Messing. Die wurde mit Öl bespritzt und
dahinter wurde dann das Blech in ein, zwei Meter-
Schritten auf der Längsseite gesäumt. Mit einem
langen Lineal wurde dann die vorgesehene Blechlänge
angezeichnet und beschnitten. Die Bewegung der
Bleche, das ging alles von Hand, mit Zangen oder
mit dem Kran. Sieben, acht Meter war das längste
Blech. Die Bleche wurden in Paketen gestapelt und
gingen dann in die Verladung.

Ab 1966 kamen ja die neuen Straßen, die 2,8 m-
Straße und die 4,2 m-Straße. Da habe ich als Vorzeichner
an der 2,8 m-Straße gearbeitet. Wenn mal
einer fehlte, dann musste ich auch am Glühofen
aushelfen. Samstag, Sonntag, Heiligabend haben wir
gearbeitet. Wenn der Monat 31 Tage hatte, haben
wir 32 gearbeitet. Wir haben 12 Stunden gemacht
und so.

Gegen die Stilllegung der Hütte haben wir heftig
protestiert. Wir waren in Duisburg an der Mercatorhalle.
Da war damals die große Aufsichtsratssitzung,
und da haben wir den Walter Scheel ausgepfiffen.

Peter Becker
geb. 1951 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Peter Becker

Mein Vater war Ofenmann im Walzwerk. Auch mein
Großvater und viele andere Familienangehörige
haben auf der Henrichshütte gearbeitet.

Ich habe die Volksschule besucht und eine Lehre
als Maschinenschlosser gemacht. In meiner Ausbildungszeit
waren wir hauptsächlich in der Lehrwerkstatt
tätig. Nach der Lehre arbeitete ich im
Apparatebau als Anzeichner. Dort musste ich für die
Mehrlagenbehälter die vorgesehenen Stutzen und
Öffnungen anzeichnen.

Als Jungfacharbeiter bekam man nicht viel Geld. Ich
habe dann gekündigt und bin in den Straßenbau
gegangen, weil ich dort deutlich mehr verdienen
konnte.

1974 bin ich wieder zurück zur Hütte und habe dann
bis 1988 im Walzwerk als Reparaturschlosser im Bereich
der 4,2 m-Straße gearbeitet. Es war manchmal
eine schwere und auch dreckige Arbeit. Im Störungsfall
war man voll gefordert. Da ging es immer volle
Pulle. Ich habe mich hier aber wohl gefühlt. Wir
haben gut zusammen gehalten. Wir mussten manchmal
ganz schön schwer heben. Als junger Mann
hab ich nicht groß darauf geachtet. Ich habe mir
die großen Gasflaschen auf die Schulter gelegt und
bin gegangen. Die Vorgaben der Arbeitssicherheit
wurde meistens beachtet, mussten aber auch schon
mal übergangen werden.

Die Hütte war für mich Broterwerb und Mittel
zum Zweck. Ich musste eine Familie versorgen. Die
Stilllegung der Hütte kann ich nicht nachvollziehen.

Udo Böhm
geb. 1948 in Sandstedt /Kreis Wesermünde

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Udo Böhm

Ich stamme aus der Umgebung von Bremerhaven
und wohne seit 1991 in Welper. Ich war zwölf Jahre
bei der Bundeswehr. In dieser Zeit habe ich ganz
Deutschland bereist, bin aber auch fast ein Jahr in
den USA zur Ausbildung gewesen. Gegen Ende
der Bundeswehrzeit habe ich die Möglichkeiten zur
weiteren Ausbildung genutzt und Elektrotechnik
studiert.

1981 fing ich auf Empfehlung meines Professors in
Hattingen auf der Henrichshütte an. Zunächst habe
ich mich im Wesentlichen um den Stahlwerksbereich
gekümmert. Wir kauften in Welper ein Haus und
so konnte ich durchaus auch mal zu Fuß zur Arbeit
gehen. Im Störungsfall war ich schnell zur Stelle.

Mit Beginn der Stilllegungsphase 1987 wurden die
Zuständigkeiten neu geregelt und so war ich dann
auch für die Bearbeitungswerkstätten tätig.
Die Henrichshütte war für mich ein ganz entscheidender
Teil meines Lebens. Ich habe dort gutes Geld
verdient und hatte eine hervorragende Arbeit.

Die Henrichshütte war das Werk der kurzen Wege.
Sie war unter Fachleuten bekannt für Qualität und
Termintreue.

Ein Grund für die Stilllegung waren sicherlich die
hohen Transportkosten. Alles musste über die Straße
oder die Schiene. Einen direkten Autobahnzugang
gab es nicht.

Nachdem ich auf der Henrichshütte 1991 aufgehört
hatte, wechselte ich nach Duisburg-Hüttenheim in
den Bereich des Grobblechwalzwerkes.

Ich bin bei Thyssen und später ThyssenKrupp immer
sehr fair und ordentlich behandelt worden.

Janos Bot
geb. 1941 in Jugoslawien

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Janos Bot

1968 waren Anwerber der Hütte beim Arbeitsamt in
meinem Heimatort und suchten Schweißer, Dreher
und Schlosser. Ich habe mich gemeldet und kam
direkt zur Henrichshütte.

Ich habe von Anfang an in der Maschinenreparaturwerkstatt
1 gearbeitet. Dort haben wir die großen
Maschinen der Hütte zerlegt, kontrolliert und die
defekten Teile repariert. Das waren meist sehr große
Teile, zum Beispiel eine Richtmaschine oder eine
Zone aus der Stranggießanlage. Da standen wir auch
schon mal bis an die Arme im Fett. Die Teile wurden
entfettet und dann alle defekten Teile ausgetauscht.
Wir haben nach Zeichnung oder nach Maßaufnahme
gearbeitet. Das war immer Terminarbeit und wenn
wir sehr viel länger arbeiten mussten, dann brachte
der Betriebsleiter uns was zum Essen. Oft kamen die
Anlagenverantwortlichen und wollten den aktuellen
Stand wissen. Das Meiste wurde aus Zeitgründen
bei uns in der Werkstatt neu angefertigt. Wir haben
selbst Zahnräder gefertigt, Lager ausgedreht und
neu ausgegossen. Wir konnten fast alle Fräs- und
Dreharbeiten machen. An den Feiertagen war immer
Großreparatur angesagt. Dann gingen wir auch
schon mal in die Anlagen und haben direkt vor Ort
gearbeitet.

Wir wohnten im Rauendahl und ich musste mit der
Fähre über die Ruhr übersetzen. Meine Frau hat in
der Kantine gearbeitet.

Ich hatte gute Kollegen und wir haben immer zusammen
gehalten. Wir haben auf der Arbeit auch
viel Spaß gehabt. Die Hütte war für mich wie zu
Hause. Ein Kollege hatte einen Schrebergarten. Da
habe ich auch oft geholfen.

1988 war dann für mich Schluss und ich ging nach
Witten. Weil ich einen Schwerbehinderten-Ausweis
hatte, wurde ich als Waschkauen-Wärter eingesetzt.
Wir werden nicht nach Serbien zurückgehen. Meine
Tochter lebt hier und ich kenne dort kaum noch
jemanden.

Richard Bregar
geb. 1943 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Richard Bregar

Mein Vater war nach dem Krieg im Walzwerk beschäftigt.
1950 sind wir nach der Ausbombung und
Barackenlager in die Bismarckstraße gezogen. Zwei
Brüder und einige Schwager, insgesamt 14 Verwandte,
haben hier auf der Hütte gearbeitet.

Ich habe die Volksschule besucht und 1958 auf der
Hütte Dreher gelernt. Danach war ich Dreher in der
Maschinenreparaturwerkstatt 1. Anfangs waren hier
noch alte Nazis beschäftigt. Die Alten haben mit
uns gar nicht geredet. Später wurde es dann besser.
Das Verhältnis zu den Jüngeren war gut. In der MR
1 haben wir große Maschinenteile repariert und
wieder einsatzfähig gemacht. Anfangs habe ich fast
jeden Samstag gearbeitet, später wurde das immer
weniger. Die Anforderung an den Einzelnen war gut
zu leisten insbesondere auch deshalb, weil wir uns
gegenseitig geholfen haben.

Die Arbeitssicherheit hat sich im Laufe der Zeit auch
deutlich verbessert. Alle möglichen Schutzvorrichtungen
waren vorhanden und wurden bereitgestellt.
Ich glaube, wir haben für die damaligen Verhältnisse
ganz gut verdient. Ich habe mich auf der Hütte gut
gefühlt. Ich habe später auch mal in andere Hütten
reingeschaut. Im Vergleich war die Hütte gar nicht
schlecht aufgestellt. Wir hatten ja auch eine hervorragende
Ausbildungswerkstatt.

Das Schlimmste war die Hüttenschließung. Die
Schließung kam Stück für Stück und wir haben mit
allen und jedem zusammenarbeitet, um gegen die
Schließung der Hütte zu protestieren. Aus meiner
Sicht war die Schließung der Hütte nicht in Ordnung.
Damals wurde alles auseinander gerissen.

Ich war und bin auch heute noch DKP-Mitglied.
Nach der Schließung ging ich nach Witten. Einige
Kollegen gingen nach Krefeld oder Duisburg. Viele
gingen in den Sozialplan.

Heinz Brinkmann
geb. 1938 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Heinz Brinkmann

Ich habe einen Realschulabschluss und habe dann
beim Bochumer Verein meine Lehre gemacht. Danach
habe ich auf der Henrichshütte in der Werkstoffprüfung
angefangen. Hier bekam ich die Gelegenheit,
nach Feierabend einen Vorbereitungskurs
zum Ingenieurstudium in Wuppertal zu besuchen.
Als dann aber ein Kind unterwegs war, war es mit
dem Studium erst einmal vorbei. Ich habe gekündigt
und in Bochum die Tagesschule zum Werkstofftechniker
besucht. Als Werkstofftechniker bekam ich eine
Stelle bei der Firma Gottfeld in Köln. Später konnte
ich dann zum Bochumer Verein in die Werkstoffstelle
wechseln. Ich musste Anfragen und Aufträge bearbeiten,
kontrollieren und prüfen. Später machte ich
die gleichen Aufgaben in der Schmiede beim Bochumer
Verein. Es gab auch damals schon eine engere
Zusammenarbeit mit der Henrichshütte.

Im Verbund mit der VSG hatten wir zwei Ringwalzwerke.
Wir hatten in Bochum das modernere. Der
große Unterschied war, dass wir in Bochum mit
einem 10.000 Tonnen-Hammer gewalztes Halbzeug
besser verdichten konnten, indem wir über den Dorn
schmiedeten. Sonst hätten wir das Material nie dicht
gekriegt. Das ging hin und her, jeder wollte sein
Ringwalzwerk behalten.

Bochumer Verein und die Henrichshütte waren beide
sehr interessant. An und für sich ist es schade, dass
wir heute keine Hüttenwerke mehr haben.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Hüttenwerke
zu wenig Profit abgeworfen haben und deshalb
geschlossen wurden.

Cornelia Brüggerhoff
geb. 1961 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Cornelia Brüggerhoff

Mein Vater war auf der Hütte Termin-Sachbearbeiter
in der Vergütung.

Ich habe die Realschule in Welper besucht. 1977
habe ich mich auf der Hütte beworben und bekam
eine Ausbildungsstelle zur Bürogehilfin. Ich kann
mich noch erinnern, dass wir auf dem Einstellungsfragebogen
ankreuzen mussten, ob die Eltern auch
auf der Hütte beschäftigt waren. Das war sicherlich
nicht unwichtig, denn die Hütte stellte bevorzugt
Familienangehörige ein. Die Ausbildung war sehr
gut organisiert. Zusätzlich gab es auch noch den
Werksunterricht. Im Laufe der Ausbildung bin ich in
den verschiedensten Abteilungen gewesen. So war
ich zum Beispiel in der Arbeitsvorbereitung Hüttenbetriebe,
im Erhaltungsbetrieb, in der Sozialabteilung
und in einigen anderen Betrieben. Im Wesentlichen
handelte es sich um Sekretariatsarbeit. In der Ausbildung
habe ich nicht viel verdient. Im Vergleich zu
anderen Auszubildenden war es aber in Ordnung. Die
Hütte war bekannt und hatte einen guten Namen.
Wir wohnten in Welper. Zur Arbeit ging ich regelmäßig
zu Fuß. Als ich hier anfing, galt die Hütte
als sicherer Arbeitgeber. Trotzdem hatte man uns
schon in der Ausbildung gesagt, dass wir nach Ende
der Ausbildung nicht übernommen werden könnten.
Ich bin aber gerne arbeiten gegangen. Das Verhältnis
zu Kollegen und Vorgesetzten war immer
sehr freundlich. In einer Abteilung wurde ich relativ
schlecht aufgenommen. Es gab keinen Schreibtisch
für mich und man erwartete von mir, dass ich
Kaffee kochen und spülen sollte. Das entsprach
nicht meinem Ausbildungsprofil.

Die Stilllegung der Hütte war für Hattingen ein
ziemlicher Einschnitt. Es gab viele Streikaktionen. Ich
habe auch mal an einem Warnstreik teilgenommen.
Heute bin ich bei der Stadt beschäftigt.

Gerhard Buchwald
geb. 1940 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gerhard Buchwald

1955 war meine Volksschulzeit zu Ende. Ich habe in
der Stahlgießerei der Henrichshütte eine Formerlehre
gemacht. Die Tätigkeit war nicht einfach. Aber man
war jung und ich war durch den Sport auch immer
belastbar. 17 Jahre war ich in der Stahlgießerei tätig.
Die Henrichshütte ist ein Betrieb gewesen mit einer
enormen Vielfalt an Produktionsanlagen. Es gab
die Sinteranlage, die Hochöfen, das Stahlwerk, die
Stranggießanlage, die Gießgruben, die Stahlgießerei,
die Putzerei, die Modelltischlerei und dann auch
noch die beiden Walzstraßen. Hinzu kamen dann
noch die Bearbeitungswerkstätten, der Apparatebau
und die Ausbildungswerkstätten.

In den besten Jahren war die Hütte sehr modern.
Teilweise wurden alte Anlagen abgerissen und durch
neue ersetzt. Mit unseren Anlagen waren wir in
der Lage, hochwertigste Stähle zu fertigen. Ich hab
mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt. Ich besuchte
aber gleichzeitig entsprechende Vorbereitungskurse
und landete schließlich auf einer Technikerschule für
Maschinenbau.

Nachdem ich fertig war, suchten sie auf der Henrichshütte
in drei verschiedenen Bereichen junge
Techniker. Unter anderem auch im Bereich Arbeitsschutz.
Und da ich in den zurückliegenden Berufsjahren
fast in jeden Bereich der Hütte hinein
riechen konnte, kannte ich jede Ecke der Hütte
und war auch überall bekannt. So kam ich 1972
zum Arbeitsschutz.

Die Arbeitsbedingungen auf der Hütte waren gut.
Leistung wurde verlangt, aber ältere Arbeitnehmer
wurden auch immer geschützt. Berufskrankheiten
waren vor allem Staub, Asbest und Lärm.
1976 wurde ich nebenberuflich Ausbilder bei der Industrie-
und Handelskammer in Sachen Arbeitsschutz.

Paul Chwaliszewski
geb. 1945 in Bochum-Linden

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Paul Chwaliszewski

Der Vater war in der Stahlformgießerei in der
Holzverarbeitung auf der Hütte beschäftigt.

Ich habe die Volksschule besucht und wurde dann
in der Lehrwerkstatt angelernt. Danach ging es
direkt in die Stahlformgießerei zur Holzverarbeitung.
Das war eine interessante Tätigkeit. Hätte ich nie
gedacht. Wir hatten eine Modellschreinerei, eine
Möbelschreinerei, eine Zimmerei und eine Sattlerei.
Wir fertigten die Formen für die Gießerei.
Die Formen wurden beim Aufbau regelmäßig und
mehrfach vermessen. Das Schrumpfmaß musste
schon im Modell berücksichtigt werden. Die Wandstärken
und Radien wurden schon in der Entstehungsphase
variiert, um Spannungen im künftigen
Gussstück zu vermeiden. Da gehörte viel Erfahrung
dazu. Anfangs haben wir Bretter verarbeitet.
Später waren es Tischlerplatten. Die Modelle
mussten resistent gegen Feuchtigkeit und
starke Kräfte sein.

Die Hütte war für mich in vielen Bereichen eine
Herausforderung. Die meisten jungen Kollegen
waren nett. Ich war auch Unfallvertrauensmann in
der Schreinerei. Die Maschinen mussten regelmäßig
gewartet und kontrolliert werden. Die Schutzausrüstungen
war vorhanden, wurden aber nicht immer
benutzt. Es gab viel Staub und Hitze. Man konnte
dem Dreck kaum ausweichen. Unsere Maschinen
waren auf dem Stand der Technik. Ich habe mich
immer wohl gefühlt. Ich hatte tolle Kollegen.
Besser hätte es nicht sein können.

Ich habe von 1960 bis 1993 auf der Henrichshütte
gearbeitet.

Andreas Dennig
geb. 1958 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Andreas Dennig

Mein Vater und viele andere Familienmitglieder haben
hier auf der Hütte gearbeitet. Ich bin in Welper
aufgewachsen und somit war die Hütte für mich fast
vorgegeben.

Ich habe ab 1975 hier auf der Hütte Industriekaufmann
gelernt. Nach der Ausbildung kam ich in die
Lohnbuchhaltung. Wir hatten eine große Theke. Da
standen die Kollegen an und trugen ihre Wünsche
vor. Insofern kannte ich viele Mitarbeiter. Nach der
Ausbildung fühlte ich mich oft unterfordert. Später
hat es mir dann aber doch Spaß gemacht.

Die Betriebe habe ich mehr von außen gesehen. Von
der Größe der Anlagen und auch von der Größe der
produzierten Werkstücke war ich schon sehr beeindruckt.
Das machte mich auch ein bisschen stolz,
dazu zu gehören. Das Verhältnis zu Vorgesetzten
und Kollegen war eigentlich sehr gut. Die Kontakte
zu Kollegen beschränkten sich aber mehr auf die
Arbeitszeit. Die Hütte war für mich hauptsächlich
Arbeitgeber. Erst mit Schließung der Hütte ergab sich
eine tiefere Bindung und ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl.
Mit der Entlohnung war ich zufrieden.

Die Schließung war nach meiner Meinung von
Thyssen gesteuert. Mit Übergabe der Hütte an die
Vereinigten Schmiedewerke wurde ich der VSG
zugeordnet.

Wir führten damals gerade das SAP als Betriebssystem
ein und über einen der Projektbeteiligten
bekam ich den Hinweis, mich beim TÜV Rheinland
zu bewerben. 1993 wechselte ich dann. Ich mache
dort die gleiche Tätigkeit wie damals auf der Hütte.
Inzwischen habe ich einen Altersteilzeit-Vertrag
unterschrieben und werde in absehbarer Zeit
darüber ausscheiden.

Nuri Dervisoglu
geb. 1938 in Trabzon/Türkei

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Nuri Dervisoglu

Mit drei Jahren zog die Familie nach Istanbul. Ich
habe dort die Volksschule und die Mittelschule
besucht. Mein Vater war Schreiner. Ich habe dann
zunächst bei meinem Vater im Betrieb gearbeitet
und mich später selbstständig gemacht.

Damals suchte Deutschland Arbeitskräfte. Ich bewarb
mich und kam zur Firma Heitkamp in Wanne-
Eickel. Nach verschiedenen Zwischenstationen
landete ich 1964 auf der Henrichshütte. 1966 kam
meine Frau nach Deutschland. Wir hatten eine kleine
Wohnung in Langenberg. Ich war Vertrauensmann,
als 1972 das Betriebsrat-Wahlgesetz geändert wurde.
Ausländer bekamen das Wahlrecht. Die IG-Metall
hat mich als Kandidat aufgestellt und ich wurde
gewählt.

1972 wechselte ich als Betriebsratsmitglied in die
Personalabteilung und kümmerte mich vornehmlich
um die Angelegenheiten ausländischer Arbeitnehmer.
Ich fühlte mich aber für alle zuständig. Das
Hauptproblem für Ausländer war natürlich die Sprache.
Die Bezahlung war auch nicht immer gerecht
und zudem gab es ein massives Wohnungsproblem.
Als Betriebsrat forderte ich: In jedem Haus mindestens
eine Wohnung für Ausländer.

Besonders schlimm war es, wenn es schwere Unfälle
gab. Da gab es viel Arbeit mit den Behörden und
natürlich den Kontakt zu den Angehörigen. Viele
kamen vom Land und waren sich der Gefahren in
einem Hüttenwerk nicht bewusst.
Ich hatte auch noch andere Aufgaben z. B. Dolmetscher
bei der Polizei, beim Betriebsarzt, bei Behörden,
in Vereinen usw.

Mit 53 Jahren ging ich in den Sozialplan.
Foto: Kemal Dervisoglu, Privatbesitz

Natalie Dischke
geb. 1939 im Warthegau / Polen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Natalie Dischke

Vor dem Krieg lebten wir als Deutsche in Polen.
1945 hatte meine Mutter versucht zu flüchten,
musste aber wieder zurück. Unser Hof in Polen war
inzwischen von anderen Polen besetzt. Ich war fünf
Jahre alt und wurde und auf einen anderen polnischen
Bauernhof verschleppt. Meine Mutter durfte
ich nur sonntags mal besuchen. Irgendwann hat sie
wohl jemanden bestochen und mich zusammen mit
meiner großen Schwester nach Deutschland geschickt.
Wir gingen nach Dortmund. Mein Onkel war
dort Steiger auf einer Zeche. Ich konnte aber immer
noch kein Wort deutsch sprechen. Mit neun Jahren
durfte ich dann zur Schule. Ich habe die Volksschule
besucht und wurde anschließend Verkäuferin bei
einer Firma in Herbede. Meine Mutter kam 1951
mit den anderen Geschwistern nach. Der Vater war
gefallen.

Irgendwann suchte die Henrichshütte Kranführerinnen.
Ich arbeitete dann im Walzwerk im Edelstahlbereich.
Der Wechsel von der Firma in Herbede zur
Henrichshütte: Das war wie Sonntag. Ich erhielt jede
Unterstützung. Das Verhältnis zu Vorgesetzten und
Kollegen war sehr gut. Anfangs habe ich auch mal
geweint, wenn etwas schief ging, aber wenn ich es
gut gemacht habe, haben sie mich auch gelobt. Ich
musste sehr viele Überstunden machen. Dazu kamen
an den Wochenenden die Reparaturen. Für mich
kam die Arbeit an erster Stelle.

Als Kranführerin hatte ich keinen hohen Stundenlohn,
aber durch die vielen Überstunden war es
trotzdem sehr viel. Es gab auch mal einen schweren
Zwischenfall. Die Schlosser arbeiteten mit schweren
Gasflaschen, während sich die Last vom Kran löste
und die Gasflaschen traf. Eine ist aufgegangen und
hat sich zigmal überschlagen. Es ist nichts passiert,
aber ich war fix und fertig.

Ich war bis 1995 auf der Hütte tätig.

Gerd Drews
geb. 1933 in Thiemsdorf /Ostpreußen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gerd Drews

Kurz bevor die Russen kamen, sind wir mit einem
Treck in Richtung Westen geflohen und blieben
zunächst in Mecklenburg-Vorpommern. 1957 bin
ich nach Hattingen gezogen. Zu der Zeit konnten
wir ja noch frei reisen. Alle Verwandten hatten sich
nach dem Krieg hier in Hattingen getroffen. Bis
1960 habe ich in den Gummiwerken in Bredenscheid
gearbeitet.

Am 4. April 1960 bin ich dann auf der Henrichshütte
angefangen. Eine Berufsausbildung habe ich nicht.
Ich kam in die Vergütung. Alles was vom Hammerwerk
kam, wurde bei uns vergütet. Das schwerste
Teil war eine Walze, die wog 435 Tonnen. Dazu
mussten etliche Gleise verlegt werden und die
Anhängevorrichtungen wurden neu konzipiert.

Bis 1980 habe ich mich auf der Hütte sehr wohl
gefühlt, dann wurde es aber doch sehr stressig,
weil unter anderem immer mehr Personal abgebaut
wurde. Zum Schluss war ich Vorarbeiter. Die Arbeitssicherheit
wurde mit den Jahren immer größer
geschrieben. Größere Unfälle habe ich aber nicht
erlebt.

Gegen Ende meines Arbeitslebens kam ich ins Stahlwerk
und kam mir vor wie das 5. Rad am Wagen.
Zuletzt war ich im Stahlwerk auf dem Pfannenplatz
und unten an der Finkl- Pfanne beschäftigt. Viel zu
jung bin ich dann mit 55 Jahren am 2.11.1988 in den
Sozialplan gegangen.

Karin Drews
geb. 1941 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Henrichshütte

Ich habe die Volksschule besucht und Weberin in
Nierenhof gelernt. Von 1973 bis 1991 war ich dann
auf der Hütte in der Qualitätsstelle. Das Walzwerk
brachte seine Proben in die Probenwerkstatt. Dort
wurden sie geprüft und wir haben die Zeugnisse
dazu geschrieben. Die Abnehmer unserer Kunden
kamen zu uns ins Büro und haben dort ihre schriftlichen
Sachen gemacht. Im Wesentlichen kamen sie
vom TÜV, vom Germanischen Lloyd, vom Lloyd‘s
Register, usw. Die DDR und auch Russland haben
ebenfalls bei uns bestellt.

Anfangs haben wir alles mit Schreibmaschine
geschrieben und dann kam der Computer. Erst haben
sich alle gesträubt. Dann wurden wir eingewiesen.
Es musste ja erst mal Klick machen im Kopf.
Für mich war die Hütte die schönsten Jahre meines
Lebens. Wir hatten gute Freundschaften im Büro,
wir haben viel gemeinsam unternommen. Die ganze
Verwandtschaft war auf der Hütte. Wir hatten gute
Vorgesetzte und gute Mitarbeiter. Man war ja noch
jung und die Arbeit war gut.
Reich konnte man nicht werden. Man stellte ja aber
auch nicht so hohe Ansprüche. Das war ja für alle
das gleiche Problem. Man hat echt zusammengehalten.
Wir wollten ja alle bis zur Rente hier bleiben.
Ja, und dann kamen die Stilllegungspläne. Da sind
wir alle auf die Straße gegangen.

1979 haben wir einen Tennisclub gegründet, in dem
viele Werksangehörige Mitglied waren.

Foto: Qualitätsstelle der Henrichshütte,
Archiv LWL-Industriemuseum

Volker Durek
geb. 1960 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Volker Durek

Mein Vater war hier Vorarbeiter in der Formerei. Es
haben aber auch viele andere Familienmitglieder auf
der Hütte gearbeitet.

Ich hatte 1976 den Hauptschulabschluss gemacht
und habe dann auf der Hütte eine Lehre als Elektriker
gemacht. Die Ausbildung war sehr gut und
wurde durch den Werksunterricht theoretisch und
praktisch ergänzt. Das hat uns sehr weit nach vorne
gebracht. In der Ausbildung fühlte man sich aufgehoben
und zugehörig. Es war wie in einer großen
Familie. Hier waren auch viele Ausländer beschäftigt.
Aber ich habe nie so etwas wie Fremdenhass gespürt.
Während der Ausbildungszeit sind wir auch in
die verschiedensten Außenbetriebe gegangen. Nach
meiner Lehre war ich noch ca. vier Monate auf der
Hütte beschäftigt.

Irgendwann wurde mir klar, dass diese Arbeit auf
Dauer nicht zufriedenstellend war und so entschied
ich mich, über den zweiten Bildungsweg ein Studium
zu machen. Ich habe Automatisierungstechnik
studiert und wäre anschließend auch gerne wieder
zur Hütte gegangen. Leider kam die Stilllegung
dazwischen.

Die Hütte hat Hattingen und insbesondere auch
Welper stark geprägt. Sie war die Basis für die Entwicklung
der Stadt. Sie war modern und war nach
meiner Ansicht immer auf dem Stand der Technik.
Bei der guten Ausbildung, die wir hatten, müssen
auch gute Fachkräfte auf der Hütte gewesen sein.
Die Hütte wurde nach meiner Ansicht stillgelegt, weil
die Infrastruktur nicht stimmte. Die Kosten waren zu
hoch. Trotzdem ist es schade, dass so ein bedeutendes
Werk nicht überleben konnte.

Heute bin ich leitender Angestellter bei einem
Automobilzulieferer in Wuppertal.

Werner Echtner
geb. 1952 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Werner Echtner

Ich habe die Volksschule besucht und dann auf der
Zeche Zollverein meine Gesellenprüfung als Schlosser
abgelegt. Auf der Hütte habe ich als selbstständiger
Fremdunternehmer gearbeitet. Ich hatte mich direkt
nach der Lehre selbstständig gemacht und mich um
die Instandsetzung der Schmiedeöfen beworben. So
war ich von 1982 bis 1992 in regelmäßigen Abständen
auf der Hütte tätig. Ich war von Kindheit an von
der Hütte fasziniert. Abends haben wir es bewundert,
wenn die Abstiche waren und der Himmel rot
erleuchtet war.

Zur 8.000 t-Presse gehörten riesige Glühöfen. Da
kamen die Wellen rein. Die wurden geglüht und geschmiedet
und wieder geglüht und geschmiedet bis
sie ihre endgültige Form hatten. An den Öfen fuhr
eine riesige Tür hoch, ein Wagen kam heraus mit der
geglühten Welle. Dann kam ein Kran, der packte die
Welle und brachte sie zum Schmieden. Die Wände
der Öfen waren innen mit Mineralfaser verkleidet.
Diese Fasern hatten nur eine geringe Lebensdauer
und dann hatten wir den Auftrag, die Mineralfasern
zu erneuern oder neue Brennerbuchsen und
Brennerdüsen einzubauen. Es war eine sehr schwere
und dreckige Arbeit. Das haben wir aber gerne in
Kauf genommen.

Ich sehe im Geiste immer noch die Lokomotiven mit
dem flüssigen Stahl fahren. Ich sehe die Leute, die
hier arbeiten. Das kann man nie vergessen. Obwohl
ich hier nicht fest angestellt war: Ich war einfach
irgendwie verbunden mit der Hütte. Ich konnte die
beabsichtigte Schließung der Hütte nicht begreifen.
Ab 1992 gingen die Geschäfte nicht mehr gut.
Ich war aber immer sehr flexibel und ging nach
Stuttgart. Dort habe ich Industriemontage und
Hausmeister gemacht.

Rainer Fehling
geb. 1959 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Rainer Fehling

Mein Vater war früher Rangierer hier im Hüttenwerk.

Ich habe die Hauptschule besucht und dann bei einem
kleineren Unternehmen eine Lehre als Gas- und
Wasserinstallateur gemacht. Eine Übernahme war in
dem Betrieb aber nicht möglich. Durch Beziehung
meines Vaters konnte ich 1978 im Ölkeller des Walzwerkes
anfangen. Nach der Bundeswehrzeit war
ich zunächst wieder im Walzwerk, habe dann aber
gekündigt. Mein Problem war die Schichtarbeit.

Ich habe mich bei Krupp in Bochum beworben. Dort
war ich als Rohrschlosser tätig. Als die Abteilung
geschlossen werden sollte und ich durch die bevorstehende
Versetzung in einen anderen Bereich wiederum
Schichtarbeit leisten sollte, habe ich erneut
gekündigt. Es bot sich dann die Gelegenheit, wieder
zur Henrichshütte zu gehen. 1981 habe ich dann hier
als Rohrschlosser in der Schlosserei am Hochofen
angefangen.

Die Rohrschlosserei gehörte zum Instandhaltungsbereich.
Das war ein interessanter Arbeitsplatz.
Hier war ich für die verschiedensten Bereiche tätig.
Manchmal mussten wir vor Ort Maßaufnahmen
machen und dann in der Rohrschlosserei das gewünschte
Teil anfertigen. Die Arbeit hat mir Spaß
gemacht. Zum Schluss waren einige Bereiche stark
sanierungsbedürftig. Die Sinteranlage zum Beispiel
war eine Dreckschleuder. Auflagen vom Staat konnten
nicht eingehalten werden. Sie wurde dann auch
geschlossen.

Die Schließung der Hütte war wohl das Ziel von
Thyssen. Man wollte die Konzentration der Stahlindustrie
am Rhein. Im Jahr 2000 habe ich mich beim
neu eröffneten Museum Henrichshütte beworben.
Heute arbeite ich hier als Hausmeister.

Manfred Fiebig
geb. 1955 in Schutz/Kreis Daun, Eifel

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Manfred Fiebig

Mein Großvater hatte eine Mühle in der Eifel. Dort
hat auch mein Vater als Müller gearbeitet. Als das
große Mühlensterben einsetzte, sind meine Eltern
1965 ins Ruhrgebiet gegangen. Meine Mutter
stammte aus Bochum und hier hatten wir Verwandtschaft.
Ich habe in Hattingen die Hauptschule besucht und
habe 1970 auf der Hütte eine Lehre als Technischer
Zeichner gemacht. Auf der Hütte gab es eine sehr
gute Ausbildung. Besonders schön war die Abschlussfahrt
nach Berlin. Diese Fahrt wurde von der Lehrwerkstatt organisiert.

Nach der Lehre arbeitete ich dann in der Neubauabteilung
als Technischer Zeichner. Ich habe hauptsächlich
alle Rohrleitungspläne für Neubauprojekte zeichnerisch
begleitet. Die Arbeitssicherheitsvorgaben auf
der Henrichshütte waren sehr gut, stehen aber in
keinem Verhältnis zu den heutigen Anforderungen.

Die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten
war immer gut. Ich habe mich auf der Hütte auch
immer sehr wohl gefühlt. Mit der Bezahlung war ich
zufrieden und ich habe erst nach dem Firmenwechsel
gemerkt, dass man auch mehr verdienen kann.
1978 wurde unsere Abteilung nach und nach aufgelöst
und mir wurde gekündigt. Ich habe dann bei der
Firma Pleiger gearbeitet. Nach Feierabend habe ich
die Technikerschule besucht.

Ich war in verschiedenen Vereinen aktiv und hatte
auch private Kontakte zu den Kollegen.

Adalbert Freise
geb. 1934 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Adalbert Freise

Mein Vater wurde im Februar 1945 eingezogen.
Er kam an die Front und in Frankreich in Gefangenschaft.
Weil er sich freiwillig für die Zeche meldete,
kam er 1946 frei und arbeitete sechs Jahre auf der
Zeche Prinz Regent. Danach war er Kranführer im
Walzwerk.

Ich habe die Kriegszeit in Welper bewusst erlebt.
Damals gab es noch das Kasino der Henrichshütte.
Dazu gehörte eine Parkanlage mit dem Sprockhöveler
Bach/Pleßbach und einem Teich. Die ersten heftigen
Angriffe kamen 1944. 1945 kamen zwei kurz hintereinander.
Da stand das ganze Werk still.

Die Hütte war zu der Zeit unser Spielplatz. Wegen
der Fliegeralarme hatten wir sehr wenig Schule.
Am Ende fehlten mir ca. zwei Jahre.
1948 habe ich auf der Hütte eine Lehre als Maschinenschlosser
gemacht. Anschließend kam ich in den
Apparatebau. Unser Betrieb war ein Akkord-Betrieb.
Da kam es auf jede Minute an. Wir fertigten Mehrlagenbehälter.
Die Innenwand war aus Edelstahl und
dann wurden weitere Blechschalen herum gelegt.
Manchmal als Drittelschalen, manchmal als Halbschalen.
Die Bleche wurden mit Kupferseilen nahtlos aufeinander
gepresst und dann an den Nähten Lage für
Lage verschweißt. Die Nähte wurden mit Schweißautomaten
gemacht und anschließend geröntgt. Diese
Mehrlagenbehälter hatten eine Wandstärke von bis
zu 120 mm. 1969 habe ich meinen Techniker gemacht
und kam dann in die Arbeitsvorbereitung des
Apparatebaus.

Die Hütte war sehr modern. Wir hatten eine eigene
Feuerwehr, einen Werksarzt, eine Kantine und vieles
andere mehr.

Ich habe mich hier immer wohl gefühlt. Die Löhne
waren in Ordnung und das Verhältnis zu Vorgesetzten
und Kollegen war sehr gut. Das war unsere
Hütte.

Hans Peter Freise
geb. 1963 in Sprockhövel

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Hans Peter Freise

Mein Großvater und viele andere Verwandte waren
hier auf der Hütte beschäftigt.

Ich habe die Hauptschule besucht und anschließend
hier als Verfahrensmechaniker (Hüttenfacharbeiter)
gearbeitet. Die Ausbildung verlief in den ersten
18 Monaten genau so wie die eines Schlossers.
Danach folgten Außeneinsätze im Stahlwerk, im
Walzwerk und am Hochofen. Der gesamte Stahlerzeugungsprozess
wurde erklärt und es wurde sehr
viel zum Thema Arbeitssicherheit unterrichtet.

Nach der Ausbildung habe ich an den Hochöfen
gearbeitet. Ich war 2. Schmelzer. Es gab drei Schmelzer
je Ofen. Der 1. Schmelzer hat den Ofen aufgefahren,
der 2. Schmelzer kümmerte sich um die
Rinne und der 3. Schmelzer um die Schlackenrinne.
Wir hatten manchmal viel Dreck und Staub, aber wir
haben immer als Team gearbeitet. Jeder Ofen wurde
alle zwei Stunden abgestochen. Ich habe mich da
wohl gefühlt, auch wenn es mal schlechte Arbeit
war. Da konnte man sich aufeinander verlassen. Der
Schutzanzug war am Hochofen Pflicht. Ich war auch
Sicherheitsbeauftragter im Betrieb.

Ich bin kurz nach der Lehre mit beiden Füßen in die
Rinne gekommen und hatte Verbrennungen 3. bis
4. Grades. Anschließend lag ich zwölf Wochen im
Bergmannsheil. Es wurde aber alles komplett wieder
hergestellt. Danach wechselte ich in die Möllerung.
In Summe habe ich von 1978 bis 1987 auf der Hütte
gearbeitet.

Als die Schließung der Hütte anstand, konnten wir
uns das erst einmal gar nicht vorstellen. Sie hätte
sicherlich auch weiter bestehen können.
Bei den Protestaktionen gegen die Schließung war
ich natürlich auch dabei.

Bernd Götter
geb. 1947 in Travemünde

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Bernd Götter

Nach Hattingen sind wir 1954 gezogen. Mein Vater
war bereits hier auf der Hütte in der Putzerei tätig.
Ich habe acht Jahre die Volksschule besucht und
dann hier auf der Hütte eine Lehre als Handformer
gemacht. Man konnte gutes Geld verdienen in der
Formerei. Wir haben viel im Akkord gearbeitet. Aber
es war viel Dreck. Früher haben wir in Speis geformt
mit Graphit. Da ging es noch ganz gut. Später haben
wir dann mit Furanharzen gearbeitet. Wir haben das
alles selber gemischt mit Silbersand, Öl und Härter.
Das ging ziemlich auf die Bronchien. Ungefähr vier
Jahre habe ich damit gearbeitet. Das, was auf der
Hütte produziert wurde, ging praktisch in die
ganze Welt.

Durch einen schweren Verkehrsunfall konnte ich die
Arbeit in der Formerei später nicht mehr machen. Ich
habe dann 1972 umgeschult als Nachrichten-Gerätemechaniker.
Da ich meine Prüfung gut bestanden
hatte, haben sie mich gleich weiter geschult zum
Funkgeräte-Elektroniker. Danach kam ich dann in die
Abteilung zu den Schwachströmern.
Die Hütte war für mich praktisch wie eine Mannschaft.
Es gab eine sehr gute Kameradschaft. Wir
hatten ein hervorragendes Betriebsklima. Das war
schon fast familiär. Als Schwachstrom-Elektriker kam
ich ja in alle Bereiche der Produktionsanlagen. Oft
war ich auch in privaten Angelegenheiten gefragt.
Ich musste mich zum Beispiel auch um alle Telefonanlagen
der Hütte kümmern.

Die Hütte war nach den damaligen Vorstellungen
modern. Die ganzen Kameras und Überwachungsanlagen
waren fast neuwertig.

Außerhalb der Hütte habe ich mit den Kollegen
gerne ein bisschen Musik gemacht und da ich handwerklich
sehr begabt bin, habe ich auch noch viel
nebenbei gearbeitet.

Klaus Goryczka
geb. 1949 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Klaus Goryczka

Meine Eltern sind Flüchtlinge aus Breslau. Mein
Onkel war schon recht früh in den Westen gegangen
und hier ansässig, so dass meine Mutter bei
der Flucht ein Ziel hatte. Der Vater kam 1948 aus
der Gefangenschaft und war dann hier auf der Hütte
als Plattenmaurer in der Gießgrube.

Ich habe die Volksschule besucht und habe dann
eine Lehre als KFZ- Mechaniker bei der Firma Podlech
in Welper gemacht. Mein Vater hat es dann 1966
eingestielt, dass ich auf der Hütte anfangen konnte.
Ich fing als Schlosser im Bereich Stahlwerk an,
sollte aber später in die gerade im Bau befindliche
Stranggießanlage wechseln. In der Stranggießanlage
habe ich 10 Jahre als Treiber-Maschinist gearbeitet.
Später kam ich in die Störkolonne des Stahlwerkes.
Die Störkolonne kam zum Einsatz, wenn im Stahlwerk
oder am Hochofen größere Reparaturen anfielen.
Teilweise war die Arbeit ganz schön hart. Wenn
man z.B. an der Vakuumanlage das Gefäß
wechseln musste oder die Tauchrohre spritzen,
das war extrem heiß und dreckig. Danach war man
immer fix und fertig. Aber was sollte man machen,
die Arbeit hatte ja Vorrang.

Die Hütte war für mich unheimlich wichtig. Sie hat
die Familie ernährt und alles, was dazu gehört. Am
Meisten hat mich gestört, wenn es hieß: „Das haben
wir schon immer so gemacht.“ Als junger Mensch
habe ich dann manchmal zu viel gekriegt.

Ich war von Kind an im DJK Welper. Nachher habe
ich hier auf der Hütte Tennis spielen gelernt. Da bin
ich auch heute noch Mitglied.

Rolf Hackert
geb. 1942 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Rolf Hackert

Mein Opa war Werkmeister und mein Vater war
Dreher auf der Hütte.

Ich habe die Volksschule besucht und dann für ein
Jahr als Praktikant in der Elektro-Werkstatt gearbeitet.
1957 bin ich dann in die Lehre als Starkstrom-
Elektriker gegangen. Zu dem Zeitpunkt waren
Lehrstellen Mangelware. Ungefähr zehn Jahre
meines Berufslebens war ich Disponent und habe
die Stundenschreibungen und Materialbeschaffungen
gemacht. Alles zusammengenommen habe ich
41 Jahre, von 1956 bis 1997, auf der Henrichshütte
gearbeitet. 1997 kam ich dann in den Sozialplan.
Ich war zunächst im Walzwerk. Die Arbeitsbedingungen
waren manchmal gut und manchmal schlecht.
Ich habe oft unter extrem heißen Temperaturen arbeiten
müssen. Auf den Kranen vor allen Dingen, da
musste ich ja auch immer rauf und runter und dann
oben über die Öfen. Das war manchmal ganz schön
schlimm. Wenn sich die Stromabnehmer an den
Schienen verbogen hatten. Ja klar, da musste man
hoch mit einem Stück Holz und dann den Stromabnehmer
wieder ausrichten, damit der Kran zumindest
aus dem Heißbereich heraus kam.

Ich habe Dreifach-Schicht gemacht. Wenn Sie
Schichtarbeit intensiv machen müssen, dann brauchen
Sie mehrere Tage, um sich davon wieder zu
erholen.
Man konnte nicht reich werden, aber man konnte
sich schon ein bisschen was leisten. Ein-, zweimal
Urlaub im Jahr, das passte dann schon. Aus meiner
Sicht war die Hütte modern. Teilweise hatten wir
elektronische Steuerungen, aber zum Teil waren es
auch noch die alten Schützensteuerungen.

In der Freizeit war und bin ich aktiv im Automobil und
Motorradclub von Hattingen.

Herbert Halfter
geb. 1944 in Weißstein / Schlesien

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Herbert Halfter

Wir sind Spätaussiedler. 1959 kamen wir nach Hattingen. Wir hätten damals die polnische Staatsangehörigkeit annehmen müssen und auch zum polnischen Militär gemusst. Das wollten wir nicht. Von Schlesien aus mussten wir ins Lager Friedland. Von hier ging es dann Richtung Süddeutschland in die Nähe von Freiburg. Ein Onkel wohnte bereits in Hattingen und ließ mich hierhin kommen. Ich lernte Bäcker in der Bäckerei Mühlhaus. Ein paar Jahre war ich auch bei der Bäckerei Palm in Welper.

Bis 1966 war ich für drei Jahre beim Militär. Nach der Bundeswehrzeit kam ich durch meinen Schwiegervater, der auf der Hütte war, ins Walzwerk, damals noch an die alte Trio-Walzstraße. Dann habe ich den Kranführerschein gemacht.

Später habe ich an der Walze gearbeitet. An der Walze gab es den Schrauber, den Fahrer und den Walzmeister. Man musste sich von unten nach oben hocharbeiten. Die ersten zweieinhalb Jahre war ich unten an der Walze tätig. Ich musste am heißen Blech die Maße nehmen. Die Blechdicke wurde mit der Mikrometerschraube gemessen. Das Blech war 800-900 °C heiß. Bei ganz dicken Brocken, so bei 350 / 400 mm, mussten wir mit dem Bügelmikrometer ran.

Nach der Schließung wollten die uns nach Duisburg und Krefeld haben. Krefeld habe ich mir angeguckt. Ich bin aber gar nicht weg. In der BW 3 suchte man Kranfahrer. Das habe ich gemacht, in der Edelstahlabteilung.

Schwere Unfälle habe ich natürlich auch erlebt. Das waren schon grausame Erlebnisse, die man nicht so schnell vergisst.

Walter Halfter
geb. 1947 in Waldenburg / Schlesien

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Walter Halfter

Wir sind von Schlesien über das Durchgangslager
Friedland und einige andere Zwischenstationen nach
Hattingen gekommen. Wir bekamen im Rauendahl
eine Wohnung.

In Polen hatte ich vier Jahre die Volksschule besucht.
Dort hatten wir nur zwei Stunden Deutschunterricht
pro Woche. Aber meine Eltern sprachen zu Hause
Deutsch. In Deutschland war ich dann noch drei
Jahre auf der Schule.

Nach der Schulzeit habe ich direkt in der technischen
Anlagenplanung gearbeitet und dort Botengänge,
Zeichnungsregistratur und Vervielfältigungen gemacht.
Mit 16 Jahren ging ich in die Kranführerschule
und wurde dann Kranführer in der Bearbeitungswerkstatt
1. Nach der Bundeswehrzeit war ich
noch kurz auf dem Kran, fing dann aber im Fahrbetrieb
auf der Hütte an. Im Fahrbetrieb habe ich alles
gefahren vom Stapler bis zum Radlader. 17 Jahre
habe ich das gemacht. Dann ging ich ins Kesselhaus.
Hier wurde ich angelernt als Turbinenmaschinist. Wir
hatten drei Dampfkessel, die mit Hochofen-Gichtgas
beheizt wurden.

Zur Arbeit kam ich über die Ruhr mit der Fähre. Da
gingen ungefähr zehn Mann rein. Jeder musste mal
rudern. Später bekam die Hütte dann eine moderne
Fähre für ca. 40 Personen.
Die Hütte war meine Familie. Ich habe mich hier
wohl gefühlt.

Zum Schluss wurde ich ziemlich im Stich gelassen.
Ich bekam ein Angebot von Krupp in Verbindung
mit einer kleinen Abfindung. Das klappte aber aus
gesundheitlichen Gründen nicht und weil ich den
Abfindungsvertrag unterschrieben hatte, hat sich die
Hütte nicht mehr zuständig gefühlt. Mit 63 ging ich
in Altersteilzeit.

Siegfried Haske
geb. 1944 in Winz-Niederwenigern

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Siegfried Haske

Nach der Volksschule habe ich mehrere Bewerbungen
und Aufnahmeprüfungen gemacht und mich
dann letztlich für die Henrichshütte entschieden. Ich
habe eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht
und wurde nach der Lehre in die Schlosserei
am Hochofen geschickt. Nach der Bundeswehrzeit
wurde ich dann relativ schnell gefördert. Ich war sehr
flexibel und konnte auch einiges im Arbeitsablauf
verbessern. Insofern standen auch alle meine Vorgesetzten
voll hinter mir. Ich hatte zu dem Zeitpunkt
ja einen riesigen Zuständigkeitsbereich, die Sinteranlage,
die Erz-Brechanlage, den Hochofen und die
Schlackenverwertung. Die Reparaturschichten an der
Sinteranlage gingen immer lange. Wir sind immer
geblieben, bis die Anlage angefahren war. Da bin ich
des Öfteren erst sehr spät in der Nacht nach Hause
gekommen.

Hinzu kam der Bereitschaftsdienst für den Bereich
Stahlwerk. Das waren oft lange Störungseinsätze.
Ich habe auch schon mal 30 Tage am Stück gearbeitet,
ohne einen Tag frei dazwischen zu haben.
Bei jeder Zustellung der Hochöfen wurden die Anlagen
modernisiert. Zum Beispiel haben wir bei
der letzten Zustellung den Möllerwagen durch die
Bandmöllerung ersetzt. Es wurden Wiegebunker
gebaut und die Möllerung teilweise automatisiert.
Auch die Stichlochbohrmaschine kam neu hinzu.

Ich fühlte mich mit der Hütte verbunden. Das war
eine Lebensaufgabe und ich bin auch immer gerne
hier runter gekommen. 1987 war dann Schluss.

Eine fällige Neuzustellung der Öfen wurde nicht
mehr gemacht. 1988 ging ich dann nach Duisburg
in die Bauleitung. Wegen meiner Kenntnisse musste
ich dann noch zusammen mit den Chinesen den
Hochofen abreißen.

Helmut Helling
geb. 1948 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Helmut Helling

Mein Vater war zeitweise auf der Hütte beschäftigt.
Er war in mehreren Abteilungen tätig und am Ende
Kranführer im Stahlwerk.

Ich habe die Volksschule besucht und anschließend
bei der Firma Hill als Groß- und Einzelhandelskaufmann
eine Lehre gemacht. Nach meiner Lehre
bekam ich die Chance, bei der Sparkasse in Hattingen
in der Buchhaltung anzufangen. Nach der Bundeswehrzeit
musste ich dann unmittelbar auf
der Sparkasse in Welper die Kasse übernehmen.

Ich war nie auf der Hütte beschäftigt. Die damalige
Vorsitzende des Fördervereins Industriemuseum Henrichshütte
suchte jemanden, der im Verein die Kasse
führen konnte. Da ich nicht mehr sehr weit von der
Rente entfernt war, habe ich mich dafür interessiert.
Ich engagiere mich heute für den Förderverein, um
die Erinnerung an die Hütte aufrecht zu erhalten. Im
Förderverein entdeckte ich irgendwann eine Liste,
aus der hervorging, dass sich einige Ehemalige hin
und wieder trafen. Das war der Anlass zu einem
Ehemaligentreff im Förderverein einzuladen. Im Anfang
waren es nur 12 bis 15 Teilnehmer. Inzwischen
haben wir auch schon mal 150 Teilnehmer gehabt.
Wir überlegen uns jeweils ein kleines Programm für
das Treffen, bieten Kaffee und Kuchen sowie die
entsprechenden Sitzgelegenheiten zum lockeren
Gespräch. Zwischenzeitlich haben wir gemerkt, dass
das Interesse zunimmt und die Teilnehmerzahl stetig
steigt. Die Zusammenarbeit mit dem Museum hat
sich im Laufe der Zeit immer mehr intensiviert und
so sammeln wir inzwischen Zeitungen und Bilder aus
der Zeit der Henrichshütte und machen Interviews
mit Ehemaligen. Inzwischen haben wir schon eine
beachtliche Sammlung zusammengetragen.

Während des Hüttenkampfes war ich überhaupt
noch nicht engagiert. Ich habe die Vorgänge eigentlich
nur über die Zeitung verfolgt.

Werner Herbold
geb. 1937 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Werner Herbold

Mein Vater war Schmelzer im Stahlwerk. Ich habe
die Volksschule besucht und dann bei Köppern
meine Lehre gemacht.

1955 bin ich als Dreher in der Bearbeitungswerkstatt
3 auf der Henrichshütte angefangen. Das waren
damals noch ganz alte Drehbänke. Hin und wieder
wurden alte Maschinen durch neue ersetzt. Wir
haben hauptsächlich Räder und Reifen gedreht.
Wir sollten auch immer am Samstag und Sonntag
arbeiten. Da gab es kaum Freizeit. Viele Arbeiten in
der Dreherei waren Akkord. Ich hatte auch mal einen
schweren Beinahe-Unfall. Als ich gerade hinter der
Maschine war, löste sich ein zu bearbeitendes Rad
aus der Maschine. Das war eine gefährliche Situation
für mich. Mir ist allerdings nichts passiert. Ich habe
27 Jahre Dreifach-Schicht gemacht. Bei uns im Haus
wohnten 12 Kinder und deshalb kam man kaum zur
Ruhe. Dann war ich es leid.

Ich habe mich weiter geschult und den Industriemeister
gemacht. Die letzten 11 Jahre war ich dann
Ausbilder in der Lehrwerkstatt. Das habe ich bis
1992 gemacht. Die Zeit als Ausbilder war eine sehr
schöne Zeit. Das war ganz klasse. Ich hatte es immer
mit jungen Leuten zu tun.

Das Verhältnis zwischen Kollegen und Vorgesetzten
war sehr gut. Manchmal wurde auch gegrillt und eine
Flasche Bier getrunken. Das ging aber nur, wenn auch
Feierabend war. Die Henrichshütte war bekannt für
soziales Engagement. Es gab zum Beispiel Erholungsheime
für Mitarbeiter. Der Verdienst, das ging so.
Andere haben besser verdient. Ich war aber damit
zufrieden.

Wir sind viel mit unserem Wohnwagen in die Haardt
gefahren. Dort haben wir fast jedes Wochenende
verbracht.

Hans Hoffmann
geb. 1932 in Blankenstein

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Hans Hoffmann

Mein Vater war Meister in der Kokerei und auch meine
Schwester hat hier gearbeitet. Die ist später mit
ihrem Mann im Auftrage von Thyssen nach Kanada
gegangen.

Ich hatte die Volksschule besucht und war auch
kurz auf dem Gymnasium. Als dann die Luftangriffe
kamen, war für mich die Schule vorbei. Als Kinder
haben wir uns die Angriffe von der Haustür aus
angeguckt oder wir mussten in den Luftschutzstollen.
Der ganze Berg in Welper war mit Stollen
durchzogen und hatte mindestens drei Zugänge.
Der Kasinopark der Hütte, aber auch unser Haus
in der Karlstraße, wurde bei den Angriffen total
zerstört. Wir haben uns dann zwei Zimmer behelfsmäßig
hergerichtet und noch bis 1954 dort gelebt.

Später zogen wir dort auch noch Schweine auf. Vier
Schweine wurden verkauft und so kratzten wir die
Anzahlung für den Kauf unseres Hauses zusammen.
Ich machte auf der Hütte eine Maurerlehre und fing
dann sofort in der Bauabteilung an. Zu der Zeit war
alles kaputt. Überall musste gemauert werden. Von
alten Steinen wurde der Putz abgekloppt und die
Steine wurden neu vermauert. Die Öfen mussten
gemacht werden.1951 habe ich im Stahlwerk den
Ofen 6 gemauert. Da habe ich erst mal gelernt,
feuerfest zu mauern. Da haben wir über zwei Jahre
einen Katalog für das Ausmauern mit Feuerfeststeinen
erstellt. Jeder Stein war für einen bestimmten
Platz vorgesehen. Dann wurde die Arbeit im Akkord
vergeben. Zwanzig Jahre war ich Maurer und dann
wurde eine neue Abteilung aufgemacht. Ich wurde
Arbeitsvorbereiter in der Bauabteilung.

In der Freizeit spielte ich Handball beim DJK Welper
und nach dem Spiel trafen wir uns in der Gaststätte.
Mit 55 Jahren ging ich in den Sozialplan. Für mich
war das gut, für die Kollegen natürlich nicht.

Heinz Holzmann
geb. 1932 in Weitenhagen / Pommern

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Heinz Holzmann

1947 haben uns die Polen rausgeschmissen. Wir
waren volle drei Tage unterwegs und landeten dann
in Sachsen. Hier wurden wir nicht besonders gut
aufgenommen. In Burkhardtsdorf habe ich ein Jahr
in der Nadelfabrik gearbeitet. Nachdem ich dann
1948 im Erzbergwerk arbeiten sollte, bin ich in den
Westen geflüchtet. Ich war damals 15 Jahre. Ein Bekannter
aus Burkhardtsdorf war schon in Herdecke.

Zunächst habe ich dort bei Bauern gearbeitet und
später in einer Spatenfabrik. Dann konnte ich bei
der Ruhrstahl AG in Witten-Annen anfangen. 1961
wurde Witten-Annen geschlossen und so kam ich
zur Henrichshütte.

Auf der Henrichshütte war ich Kranführer. Weil ich
irgendwann jeden Kran fahren konnte, wurde ich als
Springer eingesetzt. Hauptsächlich bin ich aber über
den Tieföfen im Walzwerk gefahren. Schlimm wurde
es, wenn man über den offenen Öfen stand und
der Kran ausfiel. Die Zangenkrane, das waren schon
ältere Krane. Die ganz schweren Blöcke wurden heiß
angeliefert und mit einem anderen Kran direkt auf
den Rollgang vor der Walze gelegt. Auf dem Kran
war es besonders heiß und laut. Da habe ich sicherlich
auch einen Hörschaden erlitten. Schutzkleidung
war da, aber mit der Schutzbrille konnten wir am
Tiefofen nichts anfangen. Da sind wir teilweise auch
schon mal blind gefahren.

Wir mussten viel arbeiten. Das Schlimmste waren
die kurzen Wechsel. Kaum war ich zu Hause, musste
ich mich auch schon wieder auf den Weg machen.
Wenn einer fehlte, kam die Hüttenfeuerwehr und
holte mich zur Arbeit. Ich war froh, dass ich Arbeit
hatte und damit war ich auch zufrieden. Ich habe
hier auch ganz gut verdient.

1988 wurde das Walzwerk geschlossen.

Peter Hoven
geb. 1934 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Peter Hoven

Meine Eltern stammen hier aus der Region. Mein
Vater hat auf der Hütte Radsätze verladen.

Ich habe die Volksschule besucht und danach eine
Schreinerlehre gemacht. Ab 1954 war ich dann auf
der Henrichshütte beschäftigt. Angefangen habe
ich als Kranführer. Als ich bei der Firma Gottwald
deutlich mehr verdienen konnte, habe ich gewechselt.

Leider wurde mir dann die Hüttenwohnung
gekündigt und so ging ich wieder zur Hütte zurück.
Da war ich erst einmal im Einsatzbetrieb. Später
habe ich als Flämmer und Brenner gearbeitet. Einige
Jahre darauf bekam ich das Angebot als Schmelzer
in einer Versuchsanlage zu arbeiten. Später entstand
daraus die Elektro-Schlacke-Umschmelzanlage (ESU).
Ein Stahlblock war die Elektrode, die fuhr runter bis
auf eine Grundplatte. Dort wurde der Stahl durch
elektrischen Strom abgeschmolzen und es bildete
sich auf der Grundplatte ein neuer, aber hochreiner
Stahlblock. Mit zunehmendem Abschmelzen wuchs
der untere Stahlblock und der obere wurde immer
kleiner. Zwischen Elektrode und neu entstandenem
Block war eine Schlackeschicht, in der sich alle
Verunreinigungen sammelten. Das Ergebnis war ein
hochreiner, aber sehr teurer Stahlblock. An dieser
Anlage wurde ich dann auch Vorarbeiter. Wir hatten
gleitende Schichtarbeit. Wenn so ein Block einmal
angeschmolzen war, musste der auch zu Ende geschmolzen
werden. Da gab es keine Unterbrechung.
Die Familie musste sich an den Rhythmus vom Papa
anpassen.

Die Hütte war für mich eine milchgebende Kuh.
Ich war jung verheiratet, musste Möbel kaufen und
wenn die Kohle geliefert wurde, dann ging ich zum
Rechnungsbüro und ließ die Rechnung in zwei bis
drei Raten vom Lohn abhalten.

Richard Ihnen
geb. 1940 in Werdum/Niedersachsen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Richard Ihnen

Ich stamme aus Ostfriesland. Als ich meine Schule
beendet hatte, liefen bei uns Anwerber herum, die
für die Bochumer Bergbau AG junge Leute suchten.
So kam ich zur Zeche Prinz Regent. Ich machte eine
Lehre und hatte dann auch einen Knappenbrief.
1958/59 wurde Prinz Regent dann aber zugemacht.

Ich habe dann kurz am Bau gearbeitet und bin anschließend
in die Binnenschifffahrt gegangen. Als ich
aber heiraten wollte, passte das mit der Binnenschifffahrt
nicht mehr so richtig. Wir wohnten zusammen
mit der Schwiegermutter in einer kleinen Wohnung,
die der hiesigen Wohnungsbaugesellschaft gehörte.
Um die Wohnung behalten zu können, musste ich
auf der Henrichshütte anfangen. So wurde ich vom
Maschinisten auf dem Schiff zum Maschinisten im
Kesselhaus der Henrichshütte.

Wir hatten dort später einen zentralen Leitstand, der
war schon voll ausgestattet mit Bildschirmen. Wir
konnten vom Bildschirm aus mit dem Lichtgriffel jede
Pumpe ein- oder ausschalten oder den Druck verändern.
Das war alles möglich. Ich habe mich da auch
sehr wohl gefühlt.

Arbeit und Freizeit passten nie so richtig zueinander.
Ob man jetzt im Schützenverein oder in irgendeinem
anderen Verein war, immer, wenn die Feierlichkeiten
waren, musste man arbeiten. Bei uns war es auch
egal, ob Ostern, Weihnachten oder Pfingsten war.
Gerade dann wurde voll gearbeitet. Dann wurde
einiges stillgesetzt, was so ein bisschen reparaturbedürftig
war. Wir mussten unsere 140 Pumpen zum
Teil selbst reparieren oder austauschen. Bei wichtigen
Anlagen standen die Reservepumpen betriebsbereit
direkt daneben. Aber irgendwann mußten die
ja auch repariert werden.

Am Ende kam ich noch in die VSG. 1995 war dann
aber Schluss.

Peter Jedrkowiak
geb. 1946 in Dortmund

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Peter Jedrkowiak

In den 60er Jahren sind wir vom heutigen Polen ins
Ruhrgebiet gezogen und seitdem sind wir Hattinger.
Ab 1965 habe ich auf der Hütte gearbeitet. Ich war
ausgelernter Elektriker und sie haben mich direkt
angenommen. Solche Leute wurden gesucht. Ich
konnte schlecht Deutsch sprechen, aber gut verstehen.
Mit der Sprache, das war ein bisschen schwer,
aber später ging es. Ich spreche heute noch perfekt
polnisch. Wir haben eine Wohnung in Rauendahl
bekommen und seitdem wohnen wir dort. Anfangs
sind wir mit dem Boot über die Ruhr. Ein paar Jahre
lang mussten wir sogar selbst rudern.

Ich war als Elektriker im Walzwerk an der 2,8 m-
Straße. Mein Arbeitsbereich ging bis zur Kreimesserschere.
Anfangs ging es bisschen hin und her, mit
Sprache, mit Schreiben usw. Dann haben wir Elektroniker
Kurse gemacht. Hat unser Meister gemacht, so
intern, nur für uns. Die wichtigsten Antriebe wurden
schon elektronisch geregelt. Da gab es Steckkarten,
so wie heute Elektronikbausteine. Die Anlagen wurden
ständig erweitert, wenn irgendwo neue Technik
auf den Markt kam.

Das Verhältnis zu den Kollegen und Vorgesetzten
war sehr gut. Jeder half jedem. Innerhalb der Schicht
hatten wir viel Kontakt untereinander. Wir gingen
gemeinsam essen und auch schon mal in die Sauna.
Der Meister organisierte Busfahrten. Gemeinsam mit
den Frauen machten wir kleinere Ausflüge. Ich bin
gerne zur Arbeit gegangen.

Karl Heinz Jyhs
geb. 1950 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Karl Heinz Jyhs

Mein Vater hat ab Ende der 50er Jahre im Hammerwerk
gearbeitet. Ich habe die Volksschule besucht
und dann hier auf der Hütte eine Lehre als Elektriker
gemacht. Die Lehre war von der Ausbildung her
hervorragend.

Zunächst war ich im Stahlwerk tätig, wechselte dann
aber in den Hochofenbereich. Dort kümmerte ich
mich bis 1982 vor allem um die Sinteranlage. Dazu
gehörte auch die Erzbrech- und Siebanlage. Die war
in den Katakomben. Die Waggons wurden rein geschoben
und entleert. Die Erze fielen in einen Bunker
und wurden dann gesiebt. Die dicken Brocken wurden
mit einem Walzenbrecher gebrochen. Nach der
Stilllegung der Sinteranlage war ich hauptsächlich im
Hochofenbereich als Elektriker tätig. Ich weiß noch,
wie die erste SPS-Steuerung im Eckturm installiert
wurde. Das war ein Heiligtum. Da durfte keiner dran.
Das war wirklich ein ganz primitives Ding. Aber es
war eine Neuheit.

Die Hütte war für mich ein zweites Zuhause. Man ist
gerne zur Arbeit gegangen. Das Verhältnis zu den
Kollegen war gut. Da stimmte einfach alles. Also ich
weiß noch, wie das LD-Stahlwerk gebaut wurde,
hieß es immer, wir haben das modernste Stahlwerk
Europas. Das galt auch für die 2,8 m-Straße, für die
4,2 m -Straße und für die Stranggießanlage.

Wahrscheinlich wurde das Werk geschlossen, weil
es aus Thyssen-Sicht nicht rentabel genug war. Vor
allem waren natürlich die Transportkosten sehr hoch.
Nach der Stilllegung des Hochofens ging ich dann
1988 für einige Jahre nach Duisburg. Mit 61 Jahren
ging ich mit den entsprechenden Abzügen in Rente.
Privat war ich im Ruderverein Blankenstein und habe
Handball gespielt.

Karl Heinz Kämmner
geb. 1943 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Karl Heinz Kämmner

Ich habe die Volksschule besucht. Meine Tante
arbeitete in der Qualitätsstelle und hat mich 1957
zunächst als Laufjungen in der Fotoabteilung untergebracht.
Ich wurde dann aber sehr bald angelernt
und konnte eine Lehre als Fotolaborant machen. Die
Ausbildung war für mich enorm. In der Berufsschule
in Bochum-Linden war ich der einzige Junge.
Anfangs war es reine Laborarbeit wie Filme entwickeln.
Später durfte ich auch fotografieren. Wir
haben alle möglichen Aufnahmen gemacht für
Jubiläen, Unfälle, Todesfälle, Werbeartikel, Vorträge,
Präsentationen usw. Ich kenne die Hütte von oben
und von unten.
Während der Bundeswehrzeit war ich Bildauswerter.
Auch das war eine tolle Sache und hat mir viel
weiter geholfen. Auf der Hütte habe ich quasi Tag
und Nacht verbracht. Oft holte mich das Taxi, um
irgendwelche Störfälle oder Unfälle zu fotografieren.
Manche Unfälle waren furchtbar.
Ich habe die ganze Entwicklung der Hütte fotografisch
festgehalten, zum Beispiel die Ruhrverlegung,
den Bau der Stranggiessanlage und der Sinteranlage.
In der Stahlgießerei wurden die großen Werkstücke
und in der Schmiede der Schmiedeprozess fotografisch
begleitet. Selbst der Transport der großen
Werkstücke über die Straße wurde fotografiert. Auch
Beweisfotos über Schäden, Schliffbilder und Mikroskopaufnahmen
wurden gemacht. Eine tolle Arbeit.
Die Hütte war mein Zuhause und mein Leben. Ich
war mit der Bezahlung sehr zufrieden. Ein schönes,
wenn auch nicht ungefährliches Erlebnis war, als wir
am Schornstein der neu gebauten Sinteranlage mit
dem Lastaufzug hochgefahren sind, um von dort
oben Aufnahmen zu machen.
Mit 52 Jahren bin ich mit den entsprechenden
Abzügen aus dem Arbeitsleben ausgeschieden.

Heinz Kalinowski
geb. 1939 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Heinz Kalinowski

Ich habe die Volksschule besucht und dann auf der
Hütte eine dreijährige Lehre als Schlosser gemacht.
Nach der Lehre ging ich zunächst in die Kokerei. Zuerst
habe ich in der Schlosserei gearbeitet, dann aber
auf der Druckmaschine. Mit der Druckmaschine wurde
der fertige Koks ausgestoßen. Ich bin wahrscheinlich
der Einzige, der noch in der Kokerei gearbeitet
hat. Die Kokerei wurde 1958 zugemacht.

Die Hütte war einer der modernsten Betriebe in
Hattingen und Umgebung. Es wurde immer wieder
modernisiert und neu gebaut. So wurden in meiner
Zeit ein Elektro-Stahlwerk, ein LD-Stahlwerk und
auch die Stranggießanlage gebaut. Nachdem die
Kokerei geschlossen wurde, bin ich auf dem Kran im
Stahlwerk angefangen.
Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt. Wir
waren eine Bombenschicht. Wir machten unsere Arbeit
und da konnten uns die Vorgesetzten auch nicht
an die Karre pinkeln.
Unfälle gab es reichlich im Stahlwerk. Die Arbeitssicherheit
war aber gut organisiert. Auf der Hütte
habe ich von 1954 bis 1998 gearbeitet. Hinterher
war ich dann auch im Betriebsrat.

Das Leben nach Feierabend spielte sich hauptsächlich
in der Familie ab. Wir hatten ja nur einmal im Monat
ein Wochenende frei. Mein Verein war die Fußballabteilung
von TuS Hattingen. Es gab aber auch drei
betriebliche Fußballmannschaften.

Als die Stilllegung der Hütte anstand, da haben wir
gekämpft wie die Löwen. Ich habe wenigstens vier
Wochen meiner Freizeit geopfert, um an Protestveranstaltungen
teilzunehmen. Wir haben erreicht, dass
man uns nicht einfach fallen lassen konnte.

Dieter Kempe
geb. 1939 in Lauenburg

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Dieter Kempe

In den 50er Jahren gab es im Norden nicht viel
Arbeit und so ist mein Vater mit der Familie nach
Hattingen gegangen. Er war anfangs in der Eisengießerei
und später dann in der Versuchsanstalt
beschäftigt.

Nach dem Volksschulabschluss habe ich 1954 eine
Schweißerlehre gemacht und kam dann in den
Apparatebau. Wir haben hauptsächlich Behälter
gebaut. Ein wichtiges Produkt waren die Mehrlagen-
Behälter. Der Behälter wurde in einzelnen Blechschalen
wie eine Zwiebel aufgebaut. Der Kern war
meist aus Edelstahl und darüber wurden in mehreren
Lagen weitere Bleche gehüllt. An den Längsnähten
wurden sie verschweißt. Die Behälter waren bis zu
30 m lang und hatten eine Wandstärke von 100 bis
150 mm. Weil die Bleche aber, bedingt durch das
Walzwerk, nur eine bestimmte Blechlänge erreichten,
wurden mehrere Teilstücke, sog. Schüsse,
hergestellt. Die einzelnen Schüsse wurden dann in
der Bearbeitungswerkstatt 2 zu einem Großbehälter
zusammengefügt. Der Mehrlagenbehälter war wegen
des Edelstahlkerns extrem säurebeständig, konnte
extrem hohe Drücke aushalten und wog weniger als
ein vergleichbarer geschmiedeter Tank. Diese Behälter
waren weltweit gefragt unter anderem auch für
Atomkraftwerke. Ich war mehrmals überall in der
Welt unterwegs, um diese Behälter aufzubauen und
in Betrieb zu nehmen. In Indien war ich zum Beispiel
für 7 Monate.

Wir hatten damals weltweit einen guten Ruf und alle
benötigten Berufe wurden hier ausgebildet. Die Hütte
war wie eine große Familie. Das war mein zweites
Zuhause. Wenn man Erfolg hat, ist man zufrieden
und stolz auf das, was man gemacht hat. Wir hatten
volle Auftragsbücher. Warum die Hütte zugemacht
wurde, weiß kein Mensch.

Wolfgang Keuth
geb. 1950 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Wolfgang Keuth

Mein Großvater und mein Vater haben auf der Hütte
gearbeitet. Großvater war Dreher und mein Vater
war Schweißer.

Ich habe neun Jahre die Volksschule besucht und
nach einem Praktikum, ich glaube es war ein Monat,
habe ich eine Lehre als Starkstromelektriker auf der
Hütte begonnen. Nach der Lehre war ich für den
Bau von Neuanlagen und für Reparaturen an Krananlagen
zuständig.
Als Neuanlage haben wir zum Beispiel die Beleuchtungsanlage
auf der Eisenbahnstrecke von Hattingen
nach Blankenstein gebaut. Wir hatten hier ein gutes
Arbeitsklima, wo ich mich wohlgefühlt habe. Die Arbeitsbedingungen waren so, dass man auf keinen Fall
überfordert wurde. In Sachen Arbeitssicherheit gab es
immer wieder Unterweisungen und Fortbildungen.

Zu der Zeit habe ich in Welper gewohnt und bin mit
dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ich kann sagen,
dass die Hütte auch ein bisschen mein Zuhause war.
Geliefert wurde in die ganze Welt, und wenn ich
mich richtig erinnere, wurden auch Rüstungsgegenstände
hergestellt. Ich denke, die Hütte war schon
ein modernes Werk. 1965 wurde mit den Vorarbeiten
zum Bau der Stranggießanlage begonnen. Bei
den Ausschachtungsarbeiten habe ich den ersten
Türken gesehen, der in ca. 15 m Tiefe in der Baugrube
auf seinem Gebetsteppich saß und gen Mekka
betete. Das war für mich schon beeindruckend.
Bis 1971 habe ich auf der Hütte gearbeitet. Dann
habe ich in einer anderen Firma Schaltschränke und
Maschinen verdrahtet.

Handball und Schwimmen waren meine bevorzugten
Sportarten. Eine Zeitlang war ich auch in der SPD.

Helmut Kierzynowski
geb. 1944 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Helmut Kierzynowski

Mein Vater hat auf der Zeche gearbeitet. Wir haben
direkt auf der Zeche Friedlicher Nachbar gewohnt.
Ich habe die Volksschule abgeschlossen und dann
bei einem kleinen Handwerksbetrieb in Bochum eine
Lehre zum Elektroinstallateur gemacht. 1962 bin ich
auf der Hütte angefangen. Ich war als Betriebsmonteur
in der Eisengießerei im Schichtdienst. Nach der
Bundeswehrzeit war die Eisengießerei geschlossen
und ich bin in den Apparatebau gekommen.1965
kam ich zum Hochofen.

Ich weiß noch, dass die Leute vom Hochofenbetrieb
die einzelnen Winderhitzer per Hand umgestellt
haben. Es wurden alle Schieber noch mit der Kette
gezogen. Da war noch kein motorisierter Schieber
dran. Das kam dann alles erst nach und nach. Früher
saßen die Leute noch in so kleinen Hütten, und
immer wenn eine Stunde rum war, haben die ihre
Schieber umgestellt. Doch hinterher war das schon
moderner. Der Leitstand wurde zentralisiert und die
elektrischen Anlagen modernisiert. Die Möllerung
bekam Wiegevorrichtungen. Überhaupt, Wiegetechnik
wurde bei uns ganz groß geschrieben.

Später wurde ich Vorarbeiter. Die Hütte war mein
zweites Zuhause. Ich habe immer gerne gearbeitet.
Wir hatten einen sehr guten Kollegenkreis, der es
genau 26 Jahre geschafft hat, sich zweimal im Jahr
auch privat zu treffen. Wir telefonieren auch heute
noch des Öfteren zusammen.

Nach Schließung der Hochöfen war ich noch für ein
Jahr im Stahlwerk tätig. Die letzten Jahre habe ich
dann in Duisburg in der Stranggießanlage gearbeitet.
Ich muss sagen, wir waren wiederum genau so ein
toller Kollegenkreis wie auch hier.

Manfred Kirchniawy
geb. 1944 in Leobschütz/Schlesien

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Manfred Kirchniawy

Ich habe 1961 als Schlosser auf der Hütte angefangen.
Zunächst war ich im Einsatzbetrieb. Dann folgte
ein halbes Jahr im Walzwerk im Schichtbetrieb.
Später wechselte ich in die Probenfertigung zur Vorbereitung
der Proben für die Materialprüfung durch
den Endabnehmer. Wir haben sehr viele Überstunden
gefahren. Manchmal hatten wir mehr Schichten
als der Monat Tage hatte.

Später war ich als Schlosser im Bereich der Versuchsanstalt
tätig. Ich war auch Vertrauensmann und ab
1975 Sicherheitsbeauftragter. 1992 bin ich dann aus
finanziellen Gründen in den Bereich Werkstoffprüfung
gegangen.

1986 hat die Hütte noch freiwillige Abfindungsangebote
gemacht. Mit zunehmendem Personalabbau
kam es dann aber im Betrieb auch zu Spannungen
zwischen den Kollegen. Jeder dachte: „Wann bin ich
dabei?“ Die Ausscheidungskriterien wurden immer
schärfer und härter. Bei der VSG hat jeder nur noch
für sich selbst gekämpft. Viele Kollegen gingen nach
Duisburg, und dass sie dort nicht alle mit offenen
Händen empfangen wurden, ist auch klar.

Ich persönlich bin nach Bochum gekommen. Dort
habe ich ein sehr gutes Arbeitsklima vorgefunden,
sonst wäre ich auch nicht bis 65 geblieben. Das
45-jährige Jubiläum lief nicht ganz so toll ab. Fast
nebenbei wurden mir 6 Flaschen Wein übergeben.
Zum 25- jährigen war das noch komplett anders.
Damals bekam man noch eine entsprechende Wertschätzung.
1987 konnte ich meinen Sohn noch auf der Hütte
unterbringen.

Udo Klein
geb. 1946 in Blankenstein

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Udo Klein

Mein Vater hat auch auf der Hütte gearbeitet. Er war
gelernter Schlosser, hat dann aber in der Elektroabteilung
Kontroller repariert. Später wurde er Elektromeister
im Presswerk. Damals konnte man noch ohne entsprechenden Meisterbrief in eine solche Stelle hinein rutschen.

Ich habe die Volksschule besucht und dann auf der
Hütte eine Lehre als Elektriker gemacht. Zu der Zeit
war die Ausbildung noch nicht so gut geregelt. Später
haben jüngere Leute die Ausbildung übernommen.
Von da ab ging es mit der Ausbildung richtig bergauf. Parallel wurden Kurse an der Volkshochschule für Elektroniker angeboten.

Ich war von 1961 bis 1993 auf der Henrichshütte.
Mein Chef war gegenüber jüngeren Leuten ziemlich
streng. Wenn man da in der Pause eine Bildzeitung
in der Hand hatte, nahm er sie weg und sagte:
„Nimm dir einen Schaltplan und studiere den!“
Ich war bis 1980 in den Bearbeitungswerkstätten als
Elektriker tätig. Unter Dr. Haverkamp wurde dann in
dem Bereich richtig viel investiert. Das vorhandene
Personal wurde halbiert und ich musste in den Stahlwerksbereich
wechseln. Ich bin zunächst nur ungern
gegangen. Vor dem Meister im Stahlwerk hatte ich
Manschetten. Das war allerdings nicht gerechtfertigt.
Ich habe gerne gearbeitet.

Die Schließung des Hochofens war nach meiner
Meinung eine Kostenfrage. Die Schließung der
Hütte hingegen war ein Politikum. Insbesondere die
Restabwicklung in Verantwortung der VSG war nicht
gerechtfertigt.

1993 kam ich zum Bochumer Verein. Da habe ich
gedacht, ich wäre im Museum.

Herbert Koch
geb. 1935 in Flensburg

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Herbert Koch

Ich war in Flensburg als Pflegekind auf einem Bauernhof
aufgewachsen und habe dann später dort
als Melker gearbeitet. Im Norden gab es nicht viel
Arbeit. Später kam ich über das Arbeitsamt nach
Westfalen. Ich war zunächst auf der Zeche Dahlhauser
Tiefbau. Später war ich in Bochum-Linden auf
der Zeche Friedlicher Nachbar. Von dort wurde die
Kohle mit einer Seilbahn zur Henrichshütte geliefert.
Als die Zeche schloss, ging ich zu einem Hattinger
Bauunternehmen.

1960 fing ich dann auf der Hütte an. Zunächst war
ich an der Sauerstoffanlage bei der Flaschenausgabe.
1968/69 wurde die Anlage geschlossen. Ab
dem Zeitpunkt wurde Sauerstoff über das Rohrleitungsnetz
geschickt. Ich war dann ein Jahr in der
Gaszentrale und habe dort die Maschine 4 gefahren.
Damit wurde Wind für die Hochöfen erzeugt. Die
Turbinen hatten große Schwungräder. Sie durften
nie zum Stillstand kommen. Das Anschmeißen war
sehr aufwändig. Nach einem Jahr kam ich zu den
Rohrschlossern. Da habe ich den Schweißerbrief
gemacht. Im Stahlwerk habe ich an der alten Vakuum-
Anlage zwischen den Siemens-Martin-Öfen
angefangen. Da wurden die Legierungsmittel noch
mit Eimern zugegeben. Ein Eimer Mangan wog 40
kg. Das war eine harte Arbeit.
Aus gesundheitlichen Gründen kam ich dann an die
ESU-Anlage. Hier waren vor allem meine Schweißkenntnisse
gefragt. Ich habe aber auch die Anlage
gefahren und überwacht. Das war eine sehr angenehme
Arbeit.

Gegen Ende kam ich zur Schrottverladung für die
Elektroöfen. Als der Hüttenkampf begann, war ich
schon ausgeschieden. Ich bin aber trotzdem überall
mitgegangen.

Gregor König
geb. 1946 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gregor König

Ich habe nach der Volksschule bei der Firma Eickhoff
eine Lehre als Dreher gemacht. Dort wurden
Bergbaumaschinen gefertigt. 1966 bin ich dann mit
33 Jahren auf der Henrichshütte angefangen. Ich
habe dort zunächst an Kurbelzapfen-Drehapparaten
gearbeitet. Die Kurbelwellen waren bis zu 9 m lang.
Als das Kurbelwellengeschäft zurückging, war ich
an Karusselldrehmaschinen und Spitzendrehbänken
tätig. Es wurde kontinuierlich modernisiert, also nicht
nur mal ein paar Tausender angepackt, sondern da
wurden regelmäßig ganze Maschinen ersetzt.
Ich machte in der Abendschule meinen Meisterbrief
und hatte eigentlich auch ganz gute Aussichten auf
eine Meisterstelle. Als dann aber 1984 das Gussstahlwerk
Gelsenkirchen aufgelöst wurde, hatte ich
keine Chance mehr. Die Kollegen wurden bevorzugt
untergebracht. Ich habe meine Konsequenzen gezogen
und bin bei der Firma HLS in Bochum als Meister
angefangen.

Ich habe sehr gerne auf der Henrichshütte gearbeitet.
Ich wurde normal bezahlt, bin nur etwas
enttäuscht, was aus meiner Betriebsrente geworden
ist. Ich war 18 Jahre hier, 46 Jahre hätte ich hier sein
können, wenn ich bis zum Schluss hier gewesen
wäre. Es stehen mir also nur 18/46 zu und damit
nicht genug. Das Ganze wurde eingefroren bis zum
Rentenbeginn, so dass ich heute noch keine 70 Euro
davon kriege.

Heute bin ich beim Sozialverband als ehrenamtlicher
Richter am Sozialgericht Dortmund tätig. Ich bin
zuständig für den Bereich Bochum-Süd, Hattingen,
Bredenscheid usw.. Dieser Verband hilft in sozialen
Angelegenheiten, wie z. B. bei Rentenproblemen
und bei allen Sozialproblemen gegenüber Behörden.

Werner Korbie
geb. 1934 in Bottrop

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Werner Korbie

Im Krieg habe ich wenig die Schule besucht. Ich
konnte dann aber noch das 9. Schuljahr machen. Ich
musste eine Prüfung ablegen und kam dann direkt
von der 7. in die 9. Klasse. Da hab ich gejubelt, sonst
hätte ich ja keine Lehrstelle bekommen. Ich habe
dann Karosserie-Schlosser in Gelsenkirchen gelernt.
Danach fing ich bei einer Stahlbaufirma an. Wir hatten
überall im Ruhrgebiet Aufträge und so habe ich
viele Firmen gesehen.

1960 bin ich auf der Henrichshütte angefangen. Anfangs
war ich im Einsatzbetrieb. Wir wurden je nach
Bedarf in die verschiedensten Abteilungen geschickt.
So war ich auch für einige Zeit im Apparatebau. Später
kam ich in die Zentralwerkstatt. Mit den jüngeren
Kollegen war die Kameradschaft sehr gut. Beim
Abguss der größten Werkstücke, zum Beispiel Walzenständer,
standen alle parat, um im Notfall sofort
eingreifen zu können und den Guss zu retten.

Die Arbeitsbedingungen waren anfangs schwierig.
Ich war auch Sicherheitsbeauftragter und musste
mich darum kümmern, dass die Sicherheitsvorgaben
eingehalten wurden. Wenn wir auf der Kranbahn
arbeiteten, haben wir uns mit Sicherungsleinen am
Seil eingehängt. Da gingen wir wie Köter an der
Leine. Ich erinnere mich an eine Arbeit am Hochofen-
Schrägaufzug. Da wurden neue Schienen aufgelegt.
Da waren wir alle angeseilt. Gerüste gab es
nur an den Schienenstößen, wo geschweißt werden
musste. Eine fürchterliche Arbeit.

Die Bezahlung ging so. Insgesamt war ich zufrieden.
Nach Feierabend sind wir oft zum Emil Diergardt in
die Kneipe gegangen. Manchmal haben wir auch
einen zu viel getrunken. Wir kannten den Emil sehr
gut und haben auch viel für ihn gemacht.

Werner Krapp
geb. 1934 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Werner Krapp

Ich hatte 1948 die Volksschule abgeschlossen und
ging dann zur Zeche Holland in Herbede. Ich hatte
meine Knappenprüfung abgelegt und wollte eigentlich
Steiger werden. Als ich auf der Zeche eine
neue Tätigkeit aufnehmen sollte, entschied ich mich
anders und ging zur Henrichshütte. Mein Vater war
dort als Schrauber an der Walze tätig und stellte den
Walzspalt ein.

1951 fing ich dann auf der Hütte an. Damals gab es
noch die Trio-Straße. Dort wurden Blöcke bis zu 500
kg eingesetzt. Die Blöcke wurden mit Manneskraft
auf Wagen zur Walze gezogen. Ich war Einsetzer im
Blocklager. Die alte Triostraße ist dann ja abgerissen
worden. Dafür kam dann die 2.8 m -Walzstraße.

Später besuchte ich dann Aufbaulehrgänge in der
Lehrwerkstatt und machte 1967 meinen Industriemeister
im Eisenhüttenwesen. Bei uns war die ganze
Familie auf der Hütte beschäftigt. Ich glaube, dass
sogar mein Urgroßvater auf der Hütte war. Aber
auch mein Bruder, mein Schwiegervater und auch
meine Frau waren auf der Hütte tätig. Das war
eigentlich – wie man so sagt – unsere Hütte. In der
Hattinger Bevölkerung wurde eine Beschäftigung
auf der Hütte als eine Lebensstellung angesehen.

Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt.
Wir hatten untereinander ein gutes Verhältnis.
Sie müssen schon ein gutes Team haben, um
auch etwas zu leisten.

Dieter Kretschmer
geb. 1944 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Dieter Kretschmer

Mein Vater kam aus Schlesien. Er hatte den
1. Weltkrieg mitgemacht und als er zurückkam,
ist er in Hattingen gelandet, weil er kein Geld mehr
hatte. Dann hat er meine Mutter kennengelernt.
Sie haben geheiratet und er ist dann, auch wegen
der Arbeit, hier geblieben. Er war Ofenmann in der
Vergütung. Von da aus ist er hinterher zu Birschels
Mühle gegangen.

Ich hatte Mittlere Reife, habe KFZ-Mechaniker
gelernt. Nach meiner Lehre war ich bei Opel
Brinkmann in Hattingen. Danach habe ich meinen
Techniker gemacht. Später fing ich auf der Hütte
in der Werkzeugmacherei an.

Die Hütte war für mich sehr interessant. Wir haben
ja ziemlich viel Werkzeug selber gemacht. Weil wir
im Grunde genommen Produkte hergestellt haben,
die nicht jeder fertigen konnte, brauchten wir auch
spezielles Werkzeug und das mussten wir zum Teil
selbst herstellen. So erreichten wir kürzere Bearbeitungszeiten
und damit auch Preisvorteile gegenüber
der Konkurrenz. Werkzeuge selbst zu fertigen und
die ganzen Maschinen benutzen zu können, das war
schon eine tolle Sache. Ich konnte dann auch einige
gut bezahlte Verbesserungsvorschläge einbringen,
wodurch die Bearbeitungszeiten deutlich verringert
wurden. Zum Teil haben wir sehr moderne Maschinen
gehabt. Für so eine Produktion brauchte man schon
sehr gute Maschinen, Ingenieure und Handwerker.
Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt. Ich
hatte ja auch einen guten Job, in dem ich gefordert
wurde.

Das Wochenende war immer für die Familie da.
Außerdem war ich noch im Boxverein und in der
SPD tätig.

Wolfgang Krieger
geb. 1945 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Wolfgang Krieger

Mein Vater hat einige Jahre auf der Hütte als Karussell-
Dreher in der Bearbeitungswerkstatt 1 gearbeitet.
Ich habe die Volksschule besucht. Nach der Schulzeit
habe ich bei einer Firma in Haßlinghausen gearbeitet.
Dann war ich zwei Jahre in Berlin tätig. Man
brauchte dann nicht zur Bundeswehr. Nach dieser
Zeit, habe ich in Sprockhövel bei der Firma Böhmer
als Dreher gearbeitet.

Zur Hütte kam ich 1970 durch meinen Schwiegervater.
Ich arbeitete dort in der Zeitwirtschaft. Das
heißt, wir haben Zeitrichtwerte als Kalkulationsgrundlage
erstellt. Zeitaufnahmen haben wir in der
Bearbeitungswerkstatt 1, 2 und 3, im Kümpelwerk,
im Hammerwerk und an den Brennmaschinen gemacht.
Außerdem haben wir Kranstudien gemacht
mit dem Ziel, die Kranverfügbarkeit zu erhöhen. Die
größte Zeitaufnahme, die ich gemacht habe, war an
der „Europabank“ in der Bearbeitungswerkstatt 2.
In guter Erinnerung habe ich auch noch den 450
t-Block der hier geschmiedet wurde. Die Qualität
unserer Produkte war in Ordnung. Das hatte sich
weltweit rumgesprochen.

Die Hütte war für mich wie ein großes Familienunternehmen.
Aus meiner Sicht ist die Hütte aus
unternehmenspolitischen Gründen zugemacht
worden.

Ich bin seit 50 Jahren Briefmarkensammler und
Mitglied in der SPD. Ich gehöre zur Ideenschmiede
und ich leite den Arbeitskreis der IG Metall-Senioren
in Hattingen.

Karl-Ferdi Lange
geb. 1944 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Karl-Ferdi Lange

Mein Schwiegervater war hier auf der Hütte beschäftigt.
Mein Vater hat auf der Zeche gearbeitet.

Ich war schon als Kleinkind auf der Hütte im Kindergarten.
Dann habe ich die Volksschule besucht und
anschließend bei der Firma Puth eine Lehre zum
Starkstrom-Elektriker gemacht. 1968 fing ich dann
auf der Hütte in der Zentralkolonne an. Wir machten
Neuanlagen in den verschiedenen Betrieben.
Bei Großreparaturen wurden wir zur Verstärkung
eingesetzt. Meist wurden uns einzelne Projekte zugewiesen
die wir dann selbstständig abwickelten.

So habe ich viele Bereiche der Hütte kennengelernt.
Wir haben auch über einen langen Zeitraum Pressen
für die Schweizer Firma Hatebur gebaut. Die Körper
wurden hier gegossen, elektromechanisch vollkommen
ausgerüstet und anschließend über 50 Stunden
Probe gefahren. Nach der Abnahme wurden die
Pressen wieder in ihre Einzelteile zerlegt und an
die jeweiligen Kunden in aller Welt ausgeliefert.
Wir mussten dann weltweit diese Anlagen wieder
aufbauen und in Betrieb nehmen.

Wir hatten ein sehr gutes Arbeitsklima. Einmal im Jahr
wurde ein Kolonnenfest gemacht. Das förderte den
Zusammenhalt. Die Hütte war meine zweite Heimat.
Als die Hütte schloss, konnte ich mich nur sehr
schwer davon lösen. Auch heute noch bin ich immer
wieder sehr emotional betroffen, wenn ich auf dem
Hüttengelände bin. Seitdem schreibe ich meine
Gedanken in kleinen Gedichten nieder und trage
sie auch öffentlich vor.

1988 war für mich Schluss auf der Hütte. Damals
war ich 44 Jahre alt.

Erwin Lemke
geb. 1934 in Rosenberg/Westpreußen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Erwin Lemke

Ursprünglich stammen wir aus Westpreußen. Die
Volksschule habe ich mit Unterbrechungen besucht.
Dann habe ich Maurer gelernt.

1957 bin ich auf der Hütte angefangen, allerdings
nicht in meinem Beruf als Maurer, sondern im Stahlwerk.
In der Gießerei. Das war die Hölle. Damals gab
es noch Holzschuhe als Schutz und wir haben uns
Reste von Förderbändern unter die Schuhe genagelt.
Lange Unterhosen waren Standard, Sommer wie
Winter.

1967 kam die neu erbaute Stranggießanlage. Ich
habe praktisch den ersten Guss mitgemacht. Es war
eine Anlage mit zwei Strängen. Ich war hinterher
Kolonnenführer an der Stranggießanlage.
Die Kühlwassermengen, die auf die Brammen gespritzt
wurden, mussten genau berechnet und eingehalten
werden. Wenn die Werte nicht stimmten,
lief man Gefahr, dass der Strang mit dem flüssigen
Eisen durchbrach. Am Anfang waren die Filter noch
nicht so gut entwickelt. Da haben sich die Sprühröhrchen
immer wieder zugesetzt. Nach jedem Abguss
mussten wir in die Anlage und die verstopften
Röhrchen freimachen. An der Brennmaschine war ich
auch noch.

Bis Oktober 1989 wurde auf der Hütte noch am
Strang gearbeitet. Da waren Hochofen und Walzwerk
bereits stillgelegt.

Harald Loos
geb. 1937 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Harald Loos

Mein Vater war als Schlosser auf der Hütte dienstverpflichtet
und hat später auch im Stahlwerk gearbeitet.

Obwohl ich Koch werden wollte, entschied mein
Vater 1952, dass ich nach der Volksschule als Arbeiter
auf der Hütte anfangen sollte. Ich habe dann
an den Siemens-Martin-Öfen in der Steinkolonne
angefangen.

Später habe ich mich darum bemüht, Kranführer
zu werden. Zunächst kam ich auf die sogenannten
Herrgott-Krane. Das sind Krane, die über die anderen
Krananlagen hinwegfahren können. Weil sie
dem Herrgott ein bisschen näher waren, wurden sie
Herrgott-Krane genannt.
Die Herrgott-Krane hatten nur eine geringe Tragkraft
von 10 Tonnen. Mit ihnen wurden die Kokillen
bewegt und der Boden aufgeräumt. Der Dreck am
Boden und vor allem die Metallreste wurden dazu
mit einer eingehängten schweren Stahlplatte gefegt.
Sie hatten einen offenen Führerkorb, waren Gleichstromkrane
und wurden mit Kontrollern kontrolliert.
Beim Fahren beugte sich der Kranführer über die
Brüstung und drehte dabei den Kontroller in die
gewünschte Richtung.
Die Kranbahn war 5 m über dem darunter fahrenden
Kran und war extrem schmal. Wenn man sich auf
der Kranbahn bewegen musste, hielt man sich immer
mit einer Hand an dem Geländer fest, um nicht
abzustürzen. Außerdem war es in der Halle extrem
verstaubt. Keine angenehme Arbeit.

Später durfte ich die großen Gießkrane fahren. Das
war deutlich angenehmer. Ich habe mich hier immer
wohl gefühlt.

Erich Lüttenberg
geb. 1939 in Altendorf / Ruhr

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Erich Lüttenberg

Mein Vater hat auf der Zeche gearbeitet und der
sagte, von seinen Söhnen kommt keiner auf die
Zeche. Wir waren zu Hause mit drei Jungen und
alle haben auf der Hütte gearbeitet. Ich habe die
Volksschule besucht und dann Dreher gelernt. Nach
der Lehre wurden wir aufgeteilt in die Bearbeitungswerkstätten
1 bis 3. Der damalige Chef suchte einen
Fräser. Es wurde gelost und das Los traf mich. In der
ersten Zeit wollte ich immer abhauen, aber im Laufe
der Zeit hat mir die Arbeit Spaß gemacht. Ich war die
ganze Zeit in der Bearbeitungswerkstatt 1 und habe
noch REFA-Scheine gemacht.

Aus betrieblichen Gründen kam ich dann in das
Vorschlagswesen. Neue Werkzeuge ausprobieren,
die Arbeitsgänge anders legen und so, dafür war
ich zuständig. Zwei weitere Stationen meines Arbeitslebens
waren die Arbeitsvorbereitung und die
Neubauabteilung. In der Neubauabteilung waren wir
zuständig für die Planung und Beschaffung neuer,
modernster Maschinen. Wir waren praktisch für
die Kostenermittlung, für die Planung und für den
Probebetrieb zuständig. Das war interessant. Das
Verhältnis unter den Kollegen und den Vorgesetzten
war gut. Wenn neue Maschinen kamen, gab es für
die Kollegen immer eine Einweisung. Die Hütte war
bekannt für gute Angebote und Qualität.

Ich habe mich auf der Hütte sehr wohl gefühlt, es
war ein angenehmer Arbeitsplatz. Nach der Stilllegung
der Henrichshütte bin ich noch für acht Jahre
nach Duisburg in die Neubauabteilung gekommen.
Mit 55 habe ich dann aufgehört mit der Arbeit. Im
Nachhinein gesagt: „Viel zu früh!“

In meiner Freizeit habe ich in der Bezirksklasse in
Altendorf Fußball gespielt. In der CDU war ich auch
25 Jahre, bin dann allerdings ausgestiegen.

Hans Werner Lukaschek
geb. 1946 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Hans Werner Lukaschek

Ich habe in Welper acht Jahre die Volksschule besucht.
Mein Vater war die ersten Jahre im Hammerwerk
tätig. Achtzig Prozent meiner Bekannten waren
auf der Hütte. So war es für mich nur logisch, dass
ich mit knapp 14 Jahren auch zur Hütte ging.

Ich habe eine Lehre als technischer Zeichner gemacht.
Man wurde zu der Zeit bereits in die einzelnen
Betriebe geschickt. Jeweils zwei Monate
Modelltischlerei, Eisengießerei, Schmiede und
Dreherei, so dass man von allen Betrieben ein
bisschen was kennengelernt hatte. Nach Abschluss
der Lehre 1963 habe ich eineinhalb Jahre bei der
Ruhrstahl Apparatebau GmbH als technischer
Zeichner gearbeitet.

1965 habe ich dann gekündigt, um meine Fachschulreife
zu machen. Danach war ich in Bochum auf der
Ingenieurschule. Während der Zeit habe ich immer
wieder verschiedene Praktika auf der Hütte gemacht
und hielt so den Anschluss zu den Kollegen.
Nach Abschluss meines Studiums bin ich 1973 im
Erhaltungsbetrieb der Henrichshütte angefangen.
Die Arbeitsbedingungen waren gut. Es gab in allen
Bereichen gute Fachleute. Die Arbeitssicherheit
behielten alle im Auge, und es wurde auch regelmäßig
geschult.

Aus meiner Sicht war die Hütte sehr modern. Dass
die Hütte dicht gemacht wurde, war für mich
ein klares Politikum. Die Transportkosten waren
natürlich hoch. Aber man wollte die Hütte ganz
einfach schließen. Warum auch immer.

1988 ging ich dann nach Duisburg in die Neubauabteilung.
In meiner Freizeit habe ich Fußball,
Handball und später auch Tennis gespielt.

Dieter Marquardt
geb. 1941 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Dieter Marquardt

Mein Vater war hier im Apparatebau beschäftigt.

Nach dem Besuch der Volksschule habe ich auf der
Hütte Maschinenschlosser gelernt. Die Übernahme
war damals schwierig und so bin ich zunächst im
Einsatzbetrieb gelandet. Da mussten wir unter anderem
die Kokerei abreißen. Mein Vater hatmir dann
eine Stelle als Schlosser im Apparatebau besorgt.
Nach meiner Bundeswehrzeit bin ich dann wieder zur
Schule gegangen. Ich wurde Maschinenbautechniker
und besuchte einige kaufmännische Lehrgänge.

Danach bekam ich eine Stelle in der Arbeitsvorbereitung
im Apparatebau. Hier lief fast alles im Akkord.
Wir machten die Arbeitspläne und die Zeitvorgaben.
Wir organisierten das Material und den Zukauf
von Einzelteilen. Die Zeichnungen kamen aus der
Konstruktionsabteilung. Im Apparatebau fertigten
wir Baugruppen für den Schiffbau, für große Kesselanlagen
und für Mehrlagenbehälter, die in der
Harnstoffindustrie sowie für den Bau von Atomkraftwerken
benötigt wurden. Die Anforderungen an
die Qualität waren enorm hoch und mussten immer
wieder nachgewiesen werden. Diese Produkte waren
weltweit gefragt.

Aus finanziellen Gründen habe ich dann einige Jahre
in Oberhausen gearbeitet. Später kam ich wieder
zurück zur Henrichshütte. Krupp hatte ebenfalls ein
Verfahren zur Herstellung von Mehrlagenbehältern
entwickelt und wurde zunehmend zur Konkurrenz
für die Henrichshütte. Auch als der Apparatebau
schon lange stillgelegt war, kamen immer noch
Anfragen nach Reserveteilen.

Gegen Ende meines Berufslebens musste ich auch
noch in die Nachfolgegesellschaft, in die Vereinigten
Schmiedewerke wechseln.

Otto Marquis
geb. 1935 in Dortmund

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Otto Marquis

Mein Vater ist seit 1942 vermisst. Ich habe sieben
Jahre die Volksschule besucht und wurde dann von
der Schule beurlaubt. Ich habe Elektriker gelernt.
Über kleinere Umwege kam ich durch Fürsprache
1954 als Hilfsarbeiter ins Hammerwerk. Zu der Zeit
kamen aber auch die Kriegsgefangenen zurück.

Damals gab es noch 72-jährige Hammerführer. Die
Kollegen waren alle zwischen 65 und 70 Jahre alt.
Die hätten alle meine Opas sein können. Trotzdem
wurde ich von heute auf morgen erster Schmied am
150 t-Hammer. Das ist mir schwer gefallen, aber die
Kollegen haben mich alle unterstützt.

1964 war hier das schwere Hochofenunglück. Das
war genau an Heiligabend und das Krankenhaus
hatte nicht genügend Pflegekräfte. Ich war im Roten
Kreuz aktiv und hatte eine Sanitäter-Ausbildung.
Daraufhin wurde ich 13 Wochen als Pfleger ins
Krankenhaus geschickt. Als ich zurück kam, war die
neue 1.600 t-Presse aufgebaut. Dort habe ich dann
6 bis 8 Jahre geschmiedet und wurde auch Vorarbeiter.
Ich wurde immer wieder zur Weiterbildung
geschickt und habe später auch die Meisterprüfung
gemacht. Nachdem Thyssen 1974 Rheinstahl übernommen
hatte, gingen viele Produkte aus Hattingen
weg und wurden woanders gefertigt.

Ich war Vertrauensmann im Betrieb und so wurde
ich Betriebsrat und später sogar Aufsichtsratsmitglied.
Die Hüttenschließung war eine unternehmenspolitische
Entscheidung. Das Traurigste war für
mich die Menschenkette. Damals gab es keine
Hoffnung mehr für den Weiterbestand der Hütte.

Peter Maurer
geb. 1945 in Witten

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Peter Maurer

Ich habe mit 14 Jahren meine Formerlehre bei der
Ruhrstahl in Witten Annen begonnen und nach
Schließung der Eisengießerei auf der Henrichshütte
beendet. Als dann auch die Eisengießerei in Hattingen
schloss, wechselte ich in das Walzwerk. Ich
arbeitete dort am Zeichenplatz an der 4,2 m-Straße.
Hier haben wir die Blechabmessungen festgelegt
und die Bleche gestempelt. Vom Zeichenplatz aus
habe ich mich in mehreren Abteilungen umgetan.
Später war ich dann Vorarbeiter.

Anfang der 80er Jahre wurde ich in den Betriebsrat
gewählt und später auch zum Nachfolger vom
Betriebsratsvorsitzenden Rolf Bäcker. Ich musste viele
Seminare besuchen und mich in rechtliche Fragen
wie das Betriebsverfassungsgesetz, in die Arbeitsstättenverordnung
und vieles andere mehr einarbeiten.
Hier war Menschenkenntnis und der vernünftige
Umgang mit Kollegen gefragt. Mein Motto war, man
sollte die Menschen immer so behandeln, wie man
selbst behandelt werden will. Die zwischenmenschlichen
Beziehungen im Walzwerk waren hervorragend.
Die Vorgesetzten hatten noch eine echte
Bindung zu ihren Mitarbeitern.

Das Faszinierende an der Hütte war, dass vom Erz
bis zum fertigen Produkt alles gefertigt wurde. Wir
waren auch ein stückweit stolz auf das, was wir
produziert haben.

Der Arbeitskampf war besonders spektakulär. Das
hatte Deutschland noch nicht gesehen. Das waren ja
nicht nur wir, sondern da waren ja auch viele andere
Unternehmen um uns herum, die bedroht waren.
Wir haben Kontakte zu allen möglichen Politikern
gesucht und große Demonstrationen organisiert. Die
Erfahrung, die ich da gesammelt habe, möchte ich
auch nicht mehr missen und die habe ich nachher
bei der VSG genutzt.

Gisbert Mehring
geb. 1940 in Schloßberg /Ostpreußen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gisbert Mehring

Meine Eltern sind 1944 aus Ostpreußen geflüchtet.
Mein Vater stammte aus Dortmund und so hatten
wir bei der Flucht ein Ziel.

Ich habe die Volksschule besucht und bei Hoesch
eine Lehre als Starkstrom-Elektriker gemacht. Mein
Berufsschullehrer hat mich sehr beeindruckt und
motiviert. Ich habe dann neben meiner Lehre die
Fachschulreife-Prüfung abgelegt und 1960 Elektrotechnik
studiert. Am Ende des Studiums ging ich zur
AEG. Bei der AEG war ich Projektingenieur. Einer
der Kunden war die Henrichshütte. Hier sollte die
2,8 m-Walzstraße neu gebaut werden. Ich habe die
elektrische Ausrüstung mit geplant und anschließend
die Bauleitung in Hattingen gemacht. Wegen
der komplett neuen Technik wurde ich am Ende des
Projektes durch die Henrichshütte angeheuert.
Die Hütte war für mich ein beeindruckendes Werk.
Als wir von Thyssen übernommen wurden, kam
auch ein neues Führungsmodell und so wurde ich
nach und nach Chef der Instandhaltung im Walzwerk.
Die Hütte war seinerzeit das Modernste, was
es gab.

Der Stillsetzungsprozess des Walzwerkes zog sich
über mehrere Jahre hin. Die Chinesen haben die
Straßen gekauft. Ich musste bei der Demontage und
auch bei der Planung der Neuanlage in China noch
technisch beraten. Die Chinesen haben praktisch das
ganze Walzwerk wieder aufgebaut. Allerdings haben
sie ihre eigenen Anlagen integriert.

Nach der Rückkehr kam ich zunächst nach Duisburg
und arbeitete später an einer Forschungsanlage in
Duisburg-Ruhrort. Dort wurde das Dünnbandgießen
erforscht. Danach habe ich den Ausscheidungsvertrag
unterschrieben.

Hans-Günter Mindhoff
geb. 1932 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Hans-Günter Mindhoff

Mein Vater war nach dem Krieg bei den Dachdeckern
auf der Hütte beschäftigt.

Ich habe die Volksschule besucht und dann Kunstschmied
gelernt. Als ich heiraten wollte, wechselte
ich aus finanziellen Gründen 1955 zur Hütte. Die
Umstellung war für mich sehr schwierig. So ein
großes Werk war ich nicht gewohnt. Ich habe auch
manchmal geweint.

Ich habe im Stahlbau gearbeitet. Diese Gruppe war
dafür zuständig, sämtliche Stahlbauarbeiten auf der
Hütte zu machen. Da ging es um die Erneuerung
der Kranbahnschienen, um die Pfannenreparatur, die
Reparatur der Roheisentorpedos und vieles andere
mehr. Als ich Vorarbeiter wurde, musste ich mehrere
Weiterbildungen machen. Früher hatte jeder Betrieb
eigene Handwerker. Später wurde das zusammengelegt
und so gab es dann auch einen Stahlbaubetrieb,
der alle anfallenden Stahlbauarbeiten machte. Wir
haben als Reparaturbetrieb in allen Werksbereichen
gearbeitet. Die Arbeitsbedingungen waren manchmal
schwer. Der Ersatz von Schleißblechen in der
Sinteranlage war zum Beispiel äußerst beschwerlich.
Damals gab es noch keine persönliche Schutzausrüstung.
Die meisten trugen irgendwelche Hüte oder
Schuhe. Einer meiner Mitarbeiter ist bei Dacharbeiten
abgestürzt und dabei tödlich verunglückt. So etwas
vergisst man nicht.

Ich habe mich später sehr gut gefühlt. Die Hütte war
Teil meines Lebens. Die Zusammenarbeit mit den
ausländischen Kollegen war immer sehr gut. Wir
haben uns gut verstanden.

Dieter Mittelstädt
geb. 1942 in Königsberg

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Dieter Mittelstädt

Meine Eltern sind nach dem Krieg in Niedersachsen
gelandet. Dort gab es aber keine Arbeit und so ist
mein Vater über eine Nichte nach Welper gekommen.
Er wohnte zunächst im Ledigenheim. 1953 bekam
er eine Wohnung an der Hüttenstraße zugewiesen.
1956, nach Ende meiner Schulzeit, konnte ich
hier auf der Henrichshütte eine Lehre als Maschinenschlosser
machen. Ich hatte dann das Glück und kam
in die BW5 in die Maschinenreparaturwerkstatt. Hier
wurden Buchsen, Lagerbuchsen, Arbeitsspindeln,
Muttern, Kupplungen, elektromagnetische Kupplungen
usw. grundüberholt. Man hatte seine Arbeit,
man hatte gute Kollegen. Die Bezahlung war OK.

Ich war dann Kolonnenführer und Vorarbeiter und
hatte auch eine Meisterstelle in Aussicht. Das hat
sich aber leider zerschlagen. Als ich meine Meisterausbildung
abgeschlossen hatte, sah ich auf der
Hütte für mich kein Fortkommen mehr. 1979 wechselte
ich erst zu einer Firma in Sprockhövel und dann
zur Maschinenbaufirma Pleiger. Mit dem Fortgang
von der Hütte verlor ich auch das Anrecht auf eine
Hüttenwohnung und so haben wir uns eine Eigentumswohnung
im Hammertal gekauft. Später haben
wir dann sogar noch in Witten-Heven gebaut.

Die Henrichshütte war modern. Als ich in diesen
Betrieb kam und hier vor allem die Bearbeitungswerkstatt
1 kennenlernte, waren da doch noch
sehr alte Maschinen. Ich kann mich noch sehr gut
entsinnen, das waren Maschinen, da waren die
Getriebekästen für den Vorschub und die Längs- und
Planbewegung offen. Aber diese Maschinen wurden
dann im Laufe der Jahre ausrangiert und durch neue,
moderne Maschinen ersetzt.

Günther Neugebauer
geb. 1942 in Glatz / Schlesien

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Günter Neugebauer

Nach der Vertreibung aus Schlesien kamen wir nach
Blankenstein. Das war ein ziemlich schwerer Anfang
damals. Ich habe die Volksschule besucht und mich
dann 1956 auf der Hütte beworben. Ich wurde Maschinenschlosser.

Trotz gutem Lehrabschluss wurden
wir zunächst beim Abriss der Kokerei eingesetzt.
1960 konnte ich dann aber im Walzwerk anfangen.
Die Umstellung auf den Produktionsbetrieb war
zunächst ein Schock für mich. Die Anlernzeit dauerte
sehr lange. Ich war auf dem Steuerstand der
4,2 m-Straße. Das war zu der damaligen Zeit das
modernste Walzwerk in Europa. Der Steuerstand
war mit zwei Mitarbeitern besetzt und unten stand
der Oberwalzer, der den ganzen Prozess überwachte
und die notwendigen Korrekturen einleitete. Gewalzt
haben wir überwiegend Strangguss, manchmal
aber auch Standguss. Unsere dünnsten Bleche lagen
bei 5 mm und das Dickste bei 300 mm. Die Produkte
gingen in alle Welt.

Die Hütte war weltweit bekannt für Qualität und für
Termintreue. In den ersten Jahren war ich quasi in
allen Bereichen des Walzwerkes tätig. Dann ging ich
aber für 3 Jahre zur Firma Gottwald in Hattingen.
Nach meinem Wiedereinstieg auf der Henrichshütte
bekam ich die Möglichkeit, zur Meisterschule zu
gehen, und wurde anschließend Schichtführer an der
2,8 m-Straße. Einige Jahre später ging ich zurück an
die 4,2 m-Straße und wurde dann auch Obermeister.

Mit der Hütte ging es aber so langsam bergab.
1987 wechselte ich zur Firma Namasco in Holland
und wurde dort Betriebsleiter. Nach zehn Jahren
konnte ich dann mit einer entsprechenden Abfindung
ausscheiden.

Karl Nießen
geb. 1940 in Kesternich/Kreis Monschau

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Karl Nießen

Wir sind im Krieg evakuiert worden. Meine Mutter
ist bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen.
Mein Vater ist als Verwundeter nach Bochum verlegt
worden und dann hier hängengeblieben.

Mein Großvater war ein alter Stiepeler. Man kann
sagen, eine alteingesessene Familie, der Uropa war
der „olle Hergott“ Hinz. Die hatten in Stiepel alle so
schöne Namen wie „Minister“, und er war halt der
„olle Hergott“. Ein guter Freund vom Großvater war
Betriebsleiter hier in den Bearbeitungswerkstätten.
Durch ihn bin ich zu Hütte gekommen.

Ich hatte ganz normalen Volksschulabschluss. Abends
habe ich noch mein Einjähriges nachgemacht und
auf der Henrichshütte eine Lehre als Former. Später
habe ich noch den Techniker und meine Meisterprüfung
gemacht. 1969 hatte ich meine Meisterprüfung
und ab 1979 war ich Obermeister in der Formerei.
Die Stahlformgießerei gehörte zu den vier größten
Gießereien der Welt. Zu der Zeit gab es den Bochumer
Verein, Hoesch, Bethlehem Steel/USA und die
Henrichshütte. Wir haben eigentlich alles produziert,
was so anfiel. Als ich anfing, wurden noch Lokomotivräder
gefertigt. Wir haben aber auch Flügel für
Wasserturbinen gegossen, Schiffsschrauben, Walzenständer,
also quer Beet. Teile bis zu 300 Tonnen. Die
Teile gingen in die ganze Welt.

Die Henrichshütte war bekannt für die Qualität der
Produkte, für die Vielseitigkeit und für das Know
How. Es wurde sehr viel investiert. Die Hütte hatte
gute Fachleute. Das waren auch Leute, die in der
Wirtschaft sehr gefragt waren, vor allen in den
Industrieverbänden.

Die Stilllegung, die ging ja so tröpfchenweise. Das
Stahlwerk wurde 1993 stillgelegt. Am 28. Mai 1993
war für mich der letzte Arbeitstag.

Nuri Ödevci
geb. 1942 in Ankara/ Türkei

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Nuri Ödevci

Ich stamme aus Ankara und habe nur fünf Jahre
die Grundschule besucht. 1969 bin ich nach Österreich
gekommen. Danach habe ich für einige Zeit
in Frankfurt als Schweißer gearbeitet. In Hattingen
war ich zuerst bei der Firma Gottwald an der Presse.
Dort bekam ich immer Kopfschmerzen und so bin
ich 1973 zur Henrichshütte gewechselt. Von 1973 bis
zum Ende war ich dann in der Gießgrube tätig. Das
war auch eine schwere Arbeit, aber besser als an der
Presse bei Gottwald. Ich habe immer Konti-Schichtdienst
gemacht. Unsere Schicht war eine Gruppe mit
gutem Zusammenhalt.

Die Arbeit auf der Hütte hat mir sehr gefallen und
ich bin gerne zur Arbeit gegangen. Gesundheitlich
bin ich durch die Arbeiten mit Asbest gefährdet.
Deswegen muss ich bis heute regelmäßig zur
Kontrolle. Bisher wurde aber nichts festgestellt.
Wir wohnen in Hattingen und zur Arbeit bin ich
immer zu Fuß gegangen. Der Verdienst war nicht
sehr hoch und so ist auch die Rente nicht sehr hoch.
Wenn wir mal in die Türkei fuhren, dann waren wir
meist drei bis vier Wochen dort.

Als gegen die Hüttenstilllegung gestreikt wurde, bin
ich auch einige Male mitgegangen. Ich kam dann
aber in den Sozialplan.

Unsere Kinder wohnen alle in Deutschland. Deswegen
werden wir auf Dauer auch nicht in die Türkei
zurückgehen.

Perihan Ödevci
geb. 1950 in Ankara/ Türkei

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Perihan Ödevci

Ich bin 1974 nach Deutschland gekommen.
Ich habe in der Sinteranlage, der Werksbahn, dem
LD-Stahlwerk und im Kümpelbau als Putzfrau
gearbeitet. Anfangs habe ich vier Stunden und später
sechs Stunden täglich gearbeitet.
Unsere Kinder wohnen alle in Deutschland. Deswegen
werde ich auf Dauer auch nicht in die Türkei
zurückgehen.

Gunda Otholt
geb. 1956 in Sprockhövel

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gunda Otholt

Mein Vater war Flüchtling und hat anfangs in der
Nähe von Brake an der Weser gelebt. Wegen der Arbeit
ist mein Vater dann zu einem Bergbauzulieferer
ins Ruhrgebiet gegangen und so bin ich in Sprockhövel
aufgewachsen.

Ich habe die Volksschule besucht und hinterher die
Mittlere Reife gemacht. Dann habe ich auf der Henrichshütte
Bürogehilfin gelernt. Mädchen wurden
Gehilfinnen. Die kaufmännische Ausbildung blieb
den Jungen vorbehalten. Der Schwerpunkt der Ausbildung
lag auf Stenografie und Schreibmaschine.
Das wurde auch zusätzlich sehr stark gefördert. Ich
habe die Stundenkarten der Arbeiter ausgewertet.
Zu der Zeit lebte man mehr mit dem Papier. Die Arbeit
auf der Hütte war überhaupt nicht das, was ich
und meine Schwester wollten. Damals war die Hütte
für mich ein ganz furchtbares, aber notwendiges
Übel. Als 14–15jährige musste ich immer über das
Hüttengelände. Das war nicht meins. Meine Schwester
war im Verkauf „Rollendes Material“ tätig und
hätte dort auch aufsteigen können. Weil sie aber
nicht auf Familie und Kinder verzichten wollte, wurde
daraus nichts. Sie ist dann ausgeschieden und hat
später studiert. In der Mittagspause bin ich immer
zu meiner Schwester gegangen. Das war der einzige
Lichtblick des Tages. Als ich schwanger wurde, bin
ich ausgeschieden.

Die Schließung der Hütte war eine Katastrophe. Da
wurde auch heftig protestiert. So gab es das Dorf
des Widerstandes, die Menschenkette und viele andere
Maßnahmen als Protest gegen die Schließung
der Hütte.

Ich bin 2000 wieder hier eingestiegen. Jetzt aber
als Mitarbeiter des Museum Henrichshütte. Heute
mache ich das Management für die Gebläsehalle. Es
ist spannend und mit vielen Kontakten nach Außen
verbunden.

Norbert Piaskowski
geb. 1947 in Wattenscheid

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Norbert Piaskowski

Ich habe die Volksschule besucht und von 1961
bis 1964 beim Bochumer Verein Stahlgussformer
gelernt. Nach Schließung der Stahlformgießerei
1969 ging ich dann als Anwendungstechniker für
Gießerei-Chemie nach Ludwigshafen. Nach der
Bundeswehrzeit und kleineren Zwischenstationen
kam ich 1973 zur Henrichshütte.

Auf der Henrichshütte fing man damals gerade mit
dem Turbinenguss an und suchte jemanden für
die Maßkontrolle. Damals war so eine Vermessung
noch sehr aufwändig - heute läuft das alles über
CNC-Maschinen. Wenn man so ein kompliziertes
Werkstück wie zum Beispiel einen Turbinenflügel mit
den damaligen Hilfsmitteln fertig vermessen und zur
Bearbeitung freigegeben hatte, dann war man auch
sehr stolz darauf. Das waren ja manchmal ganz aufwändige
Konstruktionen mit vielen Achsen. Ich kann
mich erinnern, dass einmal ein 330 t-Walzenständer
gegossen wurde. Dieser Walzenständer war aus
irgendwelchen Gründen 30 mm schief. Mir ist es
dann aber gelungen, mit einer Hilfskonstruktion
die Säule zu richten. Kaum zu glauben, das so eine
dicke Säule sich so bewegen konnte.

Es wurden zwar immer wieder Anlagenteile modernisiert,
aber die Hütte war nur zum Teil modern. Die
Arbeitsbedingungen waren zufriedenstellend. In der
Formerei klagten viele über Rückenschmerzen. Sie
wurden dann auf Leichtarbeitsplätzen eingesetzt.
Die Arbeitssicherheit wurde beachtet, aber manchmal
musste man auch improvisieren.

Die Schließung der Hütte war eine unternehmenspolitische
Entscheidung. Ich kam dann innerhalb der
VSG noch einmal zurück zu den Resten des Bochumer
Vereins. Dort war ich dann auch als Schweißfachmann
gefragt.

Horst Plessmann
geb. 1937 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Horst Plessmann

Mein Vater war auf dem ehemaligen Gemeinschaftswerk
in Hattingen tätig.

Nach meinem Realschulabschluss habe ich auf der
Henrichshütte 1956 eine Chemielaborantenlehre gemacht.
Danach war ich noch vier Jahre auf der Hütte
beschäftigt. Während dieser Zeit habe ich drei Jahre
lang die Abendschule besucht und meine Ausbildung
zum Chemietechniker gemacht. Die Ausbildung auf
der Hütte war zu der Zeit nicht sehr gut. Manchmal
war es auch sehr langweilig und sogar Fließbandarbeit.
Das Verhältnis zu den Kollegen war aber sehr
gut. Die Verdienstmöglichkeiten waren aber nach
der Lehre ziemlich schwach.

Ich bin zur Hütte gegangen, weil ich mich für Chemie
interessierte. An der Hütte hat mich vor allem
die Technik interessiert. Ich kann mich noch an die
Kokerei erinnern. Dort haben wir Koks, Benzol und
Gase untersucht. Die Kokerei stand in Verlängerung
der Hochöfen.

Die Hauptarbeit eines Chemielaboranten war die
Probennahme. Die Proben wurden zu der Zeit
mit der Hand und ohne Atemschutz genommen.
Arbeitsschutz wurde damals noch nicht groß geschrieben.
Kohlenstoff und Mangan konnte man
sehr schnell bestimmen. Das dauerte ca. 5 Minuten.
Wenn ich irgendwo eine Probe abholen oder hinbringen
musste, habe ich auch mal einen Blick in die
übrigen Anlagen geworfen. 1964 habe ich gekündigt,
weil ich in Langenberg bei den Kupfer- und
Messingwerken eine Laborstelle bekommen habe.

Die Hütte war Broterwerb für viele tausend Bürger.
Da waren manchmal Generationen von Menschen
beschäftigt. Die Schließung der Hütte bewirkte in
Hattingen viel Aufruhr.

Ulrich Plitt
geb. 1949 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Ulrich Plitt

Ich habe die Volksschule besucht und dann eine Lehre
als KFZ-Mechaniker gemacht. Ab 1967 habe ich
im Opelwerk in Bochum gearbeitet. Die Bandarbeit
war aber nichts für mich.

Durch einen Kollegen kam ich 1971 zur Henrichshütte
in die Fahrzeugwerkstatt. Damals dachte man:
„Hütte! Rente durch!“ Dort haben wir alle Arten von
Fahrzeugen repariert. Wir hatten sechs Diesellokomotiven.
Dazu kamen die Wagonreparaturen und
alle Arten von Flurförderfahrzeugen sowie schwere
Radlader.

Ich hatte gute Kollegen und wir halfen uns gegenseitig.
Das ging auch in den privaten Bereich hinein.
Unsere Werkstatt war in der heutigen Gebläsehalle.
Hier wurden die Lokomotiven bis auf die letzte
Schraube zerlegt, geprüft, repariert und wieder zusammengebaut.
Weil es Eisenbahnfahrzeuge waren,
wurden sie regelmäßig durch Abnehmer der Bundesbahn
geprüft. Die Hütte war ein soziales Unternehmen.

Die Menschen wurden ordentlich behandelt.
Ich habe mich immer wohl gefühlt. Der Verdienst
war meines Erachtens nicht ausreichend.
Gegen die Stilllegung der Hütte haben wir uns sehr
stark gewehrt. Später war ich auch stellvertretender
Betriebsrats-Vorsitzender.

Es gab viele private Kontakte. Wir spielten Fußball
und auch in der Gewerkschaft war ich aktiv. Jeden
Samstag gingen wir zum VfL Bochum. 2004 bin ich
mit 55 Jahren ausgeschieden. Weil wir alle noch so
jung waren und eine sinnvolle Beschäftigung brauchten,
haben wir die Ideenschmiede gegründet. Da bin
ich auch heute noch im Vorstand aktiv. Wir werkeln
für den Eigenbedarf, aber auch für öffentliche Plätze.

Horst Potthoff
geb. 1935 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Horst Potthoff

Ich habe die Volksschule besucht und bin danach
unmittelbar als jugendlicher Arbeiter am Hochofen
angefangen. Auf der Hütte war der Obermeister
einstellungsberechtigt. 1951 wurden die meisten
jugendlichen Arbeiter sofort ins Stahlwerk geschickt
und mussten dort mit der Schippe die Waggons leer
schaufeln.

Ich fing damals am Hochofen an. Irgendwann kam
ich durch Zufall in die Schlosserei am Hochofen.
Dort habe ich auch noch das Schweißen gelernt.
Ich konnte mich bis zum Vorarbeiter hocharbeiten.
Durchbrüche an den Öfen habe ich viele erlebt.
Damals stand noch der Hochofen 1. Da ist alles
reingekommen, was es an Schrott gab. Vor allem
Munition. Wenn so eine Granate hochging, dann
hüpfte oben die Deckelglocke. Im Maschinenraum
des Schrägaufzuges hingen an der Wand, quasi als
Souvenir, alle möglichen Waffenreste. Die Munitionsreste
und Waffenreste stapelten sich bis unter die
Kranbahn und wurden dann im Hochofen eingesetzt.
Der Ofen 1 ist mehrfach pro Monat durchgegangen.
Das Flicken der Öfen war richtig aufwändig.
Das Loch in der Ausmauerung wurde mit Stopfmasse
gefüllt. Darüber kam ein aufwändig angepasster
Stahlflicken. Bei den moderneren Hochöfen 2 und 3
war das dann nur noch sehr selten der Fall.

Die Hütte, das war unsere Hütte. Hier waren meist
mehrere Generationen der Familie beschäftigt. Der
Hüttenkampf war enorm. Wir wurden sehr stark von
der Hattinger Bevölkerung unterstützt.
Meine Freizeit verbrachte ich im Sauerländischen
Gebirgsverein.

Jochen Prinz
geb. 1969 in Winz-Niederwenigern

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Jochen Prinz

Meine Mutter hat hier auf der Henrichshütte eine
Ausbildung gemacht. Sie hat aufgehört zu arbeiten,
als sie mit mir schwanger war. Mein Vater hat sein
ganzes Arbeitsleben, von der Lehre bis zum Ende,
auf der Hütte verbracht. Er war in der Versandabteilung
im Export.

Ich habe die mittlere Reife gemacht und auf der
Hütte den Facharbeiterbrief. Meine Ausbildung
ging von 1986 bis 1989. In der Lehrwerkstatt der
Henrichshütte wurde ich zum Betriebsschlosser
ausgebildet. Das Ende meiner Ausbildungszeit fiel
genau in die Übergangsphase von Thyssen zu den
Vereinigten Schmiedewerken. Deshalb war es auch
sehr schwierig, nach der Lehrzeit übernommen zu
werden. Da ich meine Facharbeiterprüfung ganz
gut bestanden hatte, kam ich noch als 2. Putzer in
die Guss-Putzerei. Da habe ich dann noch bis 1991
gearbeitet. Ich war also insgesamt nur fünf Jahre auf
der Hütte tätig.

Die Vorgesetzten waren im Großen und Ganzen
in Ordnung. Die Arbeitsbedingungen waren ganz
erträglich. In der Lehrwerkstatt galten ja sowieso
etwas andere Regeln.

Ich habe mich hier auch sehr wohl gefühlt. Wir
hatten eine gute Kameradschaft. Ich habe früher ein
bisschen Handball gespielt, auch mit den Kollegen
einiges unternommen.

Als es dann losging mit der Schließung, war alles
etwas merkwürdig. Die IG Metall-Jugend hat den
Eingang zur Lehrwerkstatt symbolisch zugemauert.
Später, als ich dann bereits im Museum beschäftigt
war, tat es schon weh, zu sehen, wie alles demontiert
wurde.

Wolfgang Querfurt
geb. 1946 in Bochum

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Wolfgang Querfurt

Ich habe die Realschule besucht und dann eine
Lehre als Elektro-Maschinenbauer gemacht. Als ich
1967 auf der Hütte anfangen wollte, gab es aber
für Elektriker einen Aufnahmestopp. Also fing ich als
Stoffwärter an. Stoffwärter machten die Schmelzverfolgung
und nahmen die ganzen Zeiten.

Auf der Hütte war ich von 1967 bis 2004 tätig. Bis
1993 war ich Elektriker im Stahlwerk und dann bis
2004 Elektriker im Press- und Hammerwerk. An
sämtlichen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten,
Silvester und Neujahr wurde gearbeitet.

Wir waren überwiegend für die Reparaturen im
Stahlwerk zuständig.
Ich kenne noch das alte Stahlwerk. Das LD-Stahlwerk
ist erst 1970 aufgebaut worden. Zu der Zeit war
ich noch Stoffwärter. Meine Kollegen verhalfen mir
dann zu einer Tätigkeit als Elektriker im Stahlwerk.
Das LD-Stahlwerk war damals das modernste Stahlwerk
Europas. Unser Chef sagte: Wir können hier im
weißen Anzug arbeiten, wir werden nicht schmutzig.
Einmal ist die Stranggießanlage abgebrannt. Eine
Pfanne ist ausgelaufen, und das glühende Eisen floss
in die Kabelkanäle. Dabei ist die komplette Schaltanlage
der Stranggießanlage in Brand geraten. Das
ganze Kabelzeug musste raus. Der ganze Schaltraum
war leer. Die kompletten elektrischen Anlagen
wurden neu gebaut und es wurden kilometerweise
Kabel gezogen.

Ich habe mich auf der Hütte wohl gefühlt. Man
konnte hier gut arbeiten. Zu den Kollegen und
Vorgesetzten hatte ich ein gutes Verhältnis.

Gabriele Reiche
geb. 1961 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gabriele Reiche

Mein Vater war im Kümpelbau beschäftigt.
Ich habe die Mittlere Reife und habe hier ab 1977
eine Ausbildung zur Bürogehilfin gemacht. Die Ausbildung
war sehr gut und wurde durch sehr guten
Werksunterricht regelmäßig ergänzt. Während der
Ausbildungszeit war ich in verschiedenen Betrieben
eingesetzt. Zum Beispiel war ich bei der Betriebskrankenkasse
und in der Personalabteilung tätig.

Da wir nur auf der Frühschicht arbeiteten, ließ sich
Arbeit und Freizeit gut miteinander vereinbaren. Der
Verdienst war nicht überragend, bewegte sich aber
im normalen Bereich.

Leider wurden wir nach der Ausbildung nicht übernommen,
aber aufgrund der guten Ausbildung und
einem Hinweis der Vorgesetzten habe ich mich bei
der Stadtverwaltung beworben und wurde auch
eingestellt. An unsere Abschlussfahrt am Ende der
Ausbildung kann ich mich noch gut erinnern. Wir
fuhren zum Starnberger See. Die Hütte war damals
für uns die Hoffnung auf eine gute Zukunft. Um so
mehr ist es zu bedauern, das die Hütte und im Nachgang
noch viele andere Werke geschlossen wurden.
An diesen Werken hingen viele Existenzen. Mein
Mann ist davon ebenfalls betroffen.

Ich arbeite heute als Verwaltungs-Fachwirtin bei der
Stadt Hattingen. Der Zufall will es, dass ich heute
in dem selben Gebäude arbeite wie zu Zeiten der
Henrichshütte. Das Gebäude wird heute von der
Stadtverwaltung genutzt.

Jörn Riedesel
geb. 1942 in Memel /Ostpreußen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Jörn Riedesel

Ich habe meine Ausbildung zum Metallurgen im VEB
Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf gemacht. Von
1961 bis 1978 war ich im Stahlwerk Riesa tätig.

Nach dem Helsinki-Abkommen habe ich 1978 einen
Ausreiseantrag aus der DDR gestellt. Meine Eltern
wohnten in Wuppertal. Trotz Einstellungsstopp
wurde ich als fertig ausgebildeter Stahlwerker im
LD-Stahlwerk auf der Henrichshütte eingestellt. Ich
fing ganz unten an und musste mich hocharbeiten.
In der DDR haben wir alles mit dem Rechenschieber
gerechnet, hier ging alles über den Rechner. Die
Stahlproben wurden automatisiert genommen. Nach
5 bis 10 Minuten hatten wir das Ergebnis der Stahlprobe
und konnten reagieren. Die Temperaturen
des fertigen Stahls lagen so bei 1.730 bis 1.750 °C.
Wenn bei diesen Temperaturen Wasser eingeschlossen wurde, kam es zu Explosionen. Das war vornehmlich
mit nassen Schlackepfannen der Fall.

Die Henrichshütte hatte verschiedene Möglichkeiten
zur Feinlegierung, etwa die Vakuum- Anlage und für
kleinere Teilmengen die TN- Anlage. Die Vakuumanlage
wurde in Hattingen entwickelt und die TNAnlage
bei Thyssen Niederrhein. Die Henrichshütte
zählte zu den modernsten Stahlwerken in Deutschland.
Die Hütte war alles für mich und wenn sie nicht
zugemacht hätte, wäre ich bis zur Rente geblieben.
Die Kameradschaft war ganz toll.

1987 wechselte ich zu Hoesch in Werdohl. Später
wurde ich dort Betriebsstellenleiter und blieb bis
zur Rente. 2003 ging ich in Altersteilzeit.

Herbert Rödding
geb. 1936 in Blankenstein

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Herbert Rödding

Die Hütte war der größte Arbeitgeber hier und es
war klar, dass man nach der Schulzeit dort anfing.
Ich habe die Volksschule besucht. Angefangen habe
ich im Apparatebau und mich dort dann als Schweißer
weitergebildet. Es wurden sehr große Behälter
für Atomkraftwerke, riesige Ständer, Walzenständer
und vieles mehr zusammengeschweißt. Vom Apparatebau
kam ich ins Walzwerk. Hier habe ich an der
Schere gearbeitet. 1956 kam ich dann ins Stahlwerk.
Hier habe ich Krane gefahren.

Auf der Hütte bin ich immer gerne gewesen. Das
Arbeiten ist mir auch nicht schwergefallen. Vor allen
Dingen der Zusammenhalt unter den Kollegen war
sehr gut. Wir haben auch mit den Kollegen einiges
unternommen.
Der Dreck, der Staub und vor allem die Gerüche
waren manchmal ganz schön hart. Aber man hat
das alles hingenommen, weil es ja der einzige große
Arbeitgeber in der Region war. Auf die Arbeitssicherheit
legte man hier großen Wert.

Es gab natürlich immer wieder große Veränderungen
durch Umbau, Neubau, Vergrößerungen usw.
Die Hütte war modern. Sie wurde aber auch immer
wieder modernisiert.

Erschreckend war für mich, und natürlich für viele
andere auch, die Schließung der Hütte. Der Zusammenhalt
in der Bevölkerung war enorm groß. Ich
denke, die Hütte wurde dicht gemacht, weil der
Standort nicht günstig gelegen war. Die Transportkosten
waren zu hoch.

Ich war beim Ruderverein Blankenstein und ich
habe auch mal Fußball gespielt. Bei der Berg- und
Ski-Gilde und beim DLRG war ich auch.

Andreas Rosenstengel
geb. 1968 in Wattenscheid

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Andreas Rosenstengel

Ich habe einen Realschulabschluss und habe dann
1985 auf der Hütte Energieanlagen-Elektroniker
gelernt. Die Ausbildung war zweistufig. Nach den
ersten zwei Jahren war man Elektro-Installateur und
am Ende der Ausbildung war man Energieanlagen-
Elektroniker. Die Ausbildung war sehr gut.

Die Arbeitsbedingungen und auch die persönliche
Ausrüstung mit Werkzeugen und Arbeitsschutzartikeln
waren ebenfalls sehr gut. Leider fiel das Ende
meiner Lehre in die Stilllegungsphase der Henrichshütte.
Nach der Lehre wurden wir noch für drei Monate
übernommen und dann in die Arbeitslosigkeit entlassen.
Die Hütte wurde sicherlich aus wirtschaftlichen
Gründen zugemacht.

Ich habe dann die Chance zur Weiterbildung genutzt
und das Fachabitur gemacht. Heute bin ich Elektro-
Ingenieur bei den Stadtwerken in Bochum.

Die Hütte war für mich ein bisschen mehr als nur ein
Arbeitsplatz. Das war schon eine kleines Zuhause.
Wenn ich von Thyssen übernommen worden wäre,
wäre ich sicherlich auch geblieben.

Spektakulär war für uns alle der Hüttenkampf,
die Demonstrationen und zum Beispiel auch die
Menschenkette.

Bettina Rosenstengel
geb. 1969 in Niederwenigern

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Bettina Rosenstengel

Mein Vater war auch auf der Hütte beschäftigt.

Ich hatte die Hauptschule besucht und einen Realschulabschluss
gemacht. Eigentlich wollte ich Schreiner
werden. Im letzten Moment kam jedoch kein
Lehrvertrag zustande und dann hat mein Vater mit
den Verantwortlichen auf der Hütte gesprochen und
so bekam ich die Chance, mich hier zu bewerben. Bis
dahin hatte ich noch nie etwas von Energieanlagen-
Elektroniker gehört. Ich bekam die Ausbildungsstelle
und ich muss sagen, dass die Lehrzeit für mich super
prägend war. Sie förderte das Miteinander, das
Kollegiale und es ging sehr familiär zu. Obwohl die
Hütte ja unmittelbar vor der Schließung stand, war
sie immer noch als großer Arbeitgeber bekannt.
Ich denke, ich habe hier gut verdient und wäre
sicherlich auch hier geblieben, wenn ich die Möglichkeit
dazu gehabt hätte.

Spektakulär war für mich als junger Mensch der
Hüttenkampf und die Menschenkette.

Ich habe hier meinen künftigen Ehemann kennengelernt.
Wir haben beide den gleichen Ausbildungsweg
beschritten und später haben wir auch geheiratet.

Klaus Ross
geb. 1941 in Sprockhövel

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Klaus Ross

Mein Vater war in der Neubauabteilung der Hütte
beschäftigt. Eine seiner Aufgaben war die Fremdfirmenkontrolle.
Ich habe acht Jahre die Volksschule besucht. 1955
bin ich als Freiformschmied hier auf der Hütte in die
Lehre gegangen. Wir waren ca. 400 Lehrlinge, die
alle untergebracht werden mussten. Dann kam man
auf die Idee, die Lehrlinge in zwei Gruppen aufzuteilen.
Die eine Gruppe arbeitete von 6 bis 14 Uhr, die
zweite Gruppe von 12 bis 20 Uhr. In der Lehre haben
wir auch für die Betriebe gearbeitet. So nebenbei haben
wir auch kleinere Sachen für zu Hause gemacht.
Irgendwann waren wir spezialisiert in der Herstellung
von Gartentoren.

In der Schmiede bin ich als Hammergehilfe und
Springer angefangen. Wir haben in erster Linie
Radreifen hergestellt. Dazu kam die Fertigung des
rollenden Materials. Das waren Vollräder und Radreifen.
Irgendwann war ich der 1. Schmied in einer
18-köpfigen Gruppe. Später wurde ich Obermeister
für die gesamte Schmiede mit 8.000 t-Presse, mit
2000 t-Presse sowie Ring- und Räderfertigung. Eine
Riesenaufgabe war die Fertigung von geschmiedeten
Kurbelwellen und Generatorwellen. Die Hütte war
schon modern, wenn auch nicht in allen Bereichen.

Nach dem Wechsel des Eigentümers war ich auch
noch bei der VSG. Als dann die Schmiede zugemacht
wurde, habe ich gekündigt und bin zu Thyssen-
Krupp in Remscheid gegangen. Auf der Hütte habe
ich mich sehr wohl gefühlt.

Horst Ruthenbeck
geb. 1944 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Horst Ruthenbeck

Mein Vater hat auf der Hütte Werkzeugmacher gelernt.
Er hat sich später als Milchhändler selbständig
gemacht. Er ist mit einem Dreirad durch die Stadt
gefahren und hat seine Waren verkauft.

Ich habe acht Jahre die Volksschule besucht. Meine
Lehre als Elektroinstallateur habe ich in Sprockhövel
bei einer kleineren Firma gemacht. Nach der Lehre
war ich auf der Zeche Alte Haase als Grubenelektriker.
Als die Schließung der Zeche im Gespräch
war, bin ich auf der Hütte als Hochofenelektriker
angefangen. Zwei bis drei Jahre später bin ich dann
zur Sinteranlage gekommen. Hier war ich drei oder
vier Jahre bis die auch stillgelegt wurde. Viel früher
wurde die neue 2,8 m-Straße gebaut, und die Firma
BBC hat die ganze Straße mit Elektrik und allem Zubehör
versehen. Da bin ich dann auch eingestiegen.

Ich war an der 2,8 m-Straße praktisch Elektriker der
ersten Stunde. Ich war für den Stoßofen und für die
Walzenstraße zuständig. Wir haben an der Walzenstraße
Schichtdienst gemacht. Sechs Jahre habe ich
das gemacht.

Da für mich keine Stelle als Elektroniker frei war,
habe ich gekündigt und bin dann bei der Firma
Oerlikon in Holthausen angefangen. Die verkauften
Schweißmaschinen. Ich habe dort im Kundendienst
gearbeitet. Später war ich im Verkauf bei einer
Essener Firma für Schweißmaschinen. Das Geschäft
lief aber überhaupt nicht gut. Die letzten Berufsjahre
war ich bei der Firma Bauknecht im Bereich der
Fertigung von Spülmaschinen für Großbetriebe und
Schiffe.

Schön war, dass meine ganzen Arbeitskollegen
von der Hütte zum Polterabend gekommen sind.
So habe ich heute noch Kontakt zu einigen
Kollegen.

Gerd Schäfer
geb. 1938 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gerd Schäfer

Mein Vater war Former auf der Hütte und ist nach
dem Krieg bei der Straßenbahn angefangen. Er hat
die Linie 8 gefahren, die hier durch Welper fuhr.

Ich habe die Volksschule besucht und bekam zu
der Zeit keine Lehrstelle. Über einen Bekannten
bekam ich die Möglichkeit, im Apparatebau als
Anzeichner zu arbeiten. Nach Feierabend besuchte
ich in Bochum die Abendschule und konnte mich
dort weiterbilden. 1962 kam ich dann in die Arbeitsvorbereitung
im Apparatebau. Dort musste ich
Fertigungspläne für den Betrieb erstellen, die Zeitvorgaben
machen und Zeichnungen erstellen. Später
wurde ich Gruppenleiter und war hauptsächlich
für die Kontrolle der Arbeiten und für Änderungen
zuständig. Vom Verkauf kam die Bestellung rein und
wir mussten für den Produktionsbetrieb Zeichnungen
und Materiallisten erstellen. Auch die Materialbestellungen
liefen über uns.

Auf der Hütte haben wir gutes Geld verdient und
die Gewerkschaft hat auch gut für uns gesorgt.
Die Hütte wurde im Laufe der Zeit immer moderner.
Der Kümpelbau wurde komplett neu gebaut. Zu der
Zeit war Hochkonjunktur. Die Arbeitsbedingungen
waren gut, aber die Anforderungen an den Einzelnen
waren hoch. Das war manchmal schon Knochenarbeit.
Es war aber auch alles sehr sozial und gerecht. Die
Älteren und auch die Behinderten wurden immer
ordentlich mit versorgt. Ich habe bis zur Stilllegung
des Kümpelwerks gearbeitet. Die Stilllegung der
Hütte war am Ende wohl eine politische Entscheidung.

Der Hüttenkampf war emotional ganz schön
heftig. Die ganze Bevölkerung stand voll hinter den
Streikaktionen.Nach meinem Ausscheiden bekam
ich Geld von der Firma, vom Arbeitsamt und von der
Montanunion. Ich bin zigmal wegen guter Leistung
geehrt worden. Dafür war die Verabschiedung am
Ende ganz schön schäbig.

Gerd Schimon
geb. 1948 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Gerd Schimon

Der Vater hat in der Bauabteilung als Maurer
gearbeitet.

Ich habe die Volksschule besucht und dann 1962
eine Lehre als Modellschreiner gemacht. Als die
Eisengießerei schloss, konnte ich in die Stahlformgießerei
wechseln. Wir haben dort die Modelle für die
Werkstücke gemacht. Ich war anfangs hauptsächlich
in der Schreinerei tätig, später war ich dann Vorarbeiter
und Formen-Kontrolleur.

Als Grundlage für den Modellbau hatten wir eine
Zeichnung. Die Modelle wurden aus Tischlerplatten
gefertigt. Wenn Konturen notwendig waren, wurden
sie mit der Stichsäge ausgesägt. Wir haben noch
sehr viel von Hand gearbeitet. Nach und nach wurden
dann immer mehr Maschinen angeschafft.
Das Holzmodell wurde in der Gießgrube aufgebaut.
Nun wurde der umgebende Freiraum mit Stampfmasse
gefüllt. Nachdem der Formsand endgültig
verfestigt war, wurden die Holzteile herausgezogen
und übrig blieb die fertige Form als Negativ. Danach
erfolgte der eigentliche Guss. Man musste natürlich
schon beim Bau des Modells überlegen, wie man
die Holzteile vor dem Abguss wieder aus der Form
entfernen konnte.

Den Beruf habe ich geliebt. Modellschreiner waren
ein Haufen für sich und das übertrug sich auf die
Formerei. Wir hatten ein gutes Verhältnis untereinander.
Stäube und auch Lärm waren oft eine große
gesundheitliche Belastung für die Modellschreiner.

Seit über 50 Jahren haben wir einen Kegelklub.
Ich kann mich aber auch noch sehr gut an
ein Fußballspiel zwischen Formern und Modellschreinern
erinnern. Es hat einfach Spaß gemacht.

Kurt Schneider
geb. 1928 in Langendreer

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Kurt Schneider

Mein Vater war Bergmann. Ich habe die Volksschule
besucht und dann bei der Reichsbahn in Langendreer
im Lokschuppen Schlosser gelernt. 1948 hatte
ich dann die Möglichkeit, auf der Hütte anzufangen.
Jeden Morgen um halb vier bin ich mit der Straßenbahn
losgefahren, damit ich um 6 Uhr auf meiner
Hütte war. Ich habe 1948 in der Bearbeitungswerkstatt
3 als Schlosser bzw. Dreher angefangen.
Dann kam die Demontage. Nach dem verlorenen
Krieg wurden viele Anlagen demontiert und gingen
an die Siegermächte. Alle jungen Leute aus den
demontierten Anlagen kamen damals ins Walzwerk.
Auch die BW 3 wurde damals teilweise demontiert,
obwohl Arbeit da war. Wir bauten dort Radsätze für
die Reichsbahn.

Ein Walzwerk, wie es das heute gibt, gab es damals
nicht. Damals mussten wir an der Walze noch richtig
arbeiten. Das alte Walzwerk ist 1954 abgerissen
worden, als die Mittelblechstraße gebaut wurde.
Ich war bis zum Schluss im Walzwerk an den Öfen.
Ich habe mich auf der Hütte sauwohl gefühlt, das
kann ich nicht anders sagen. Ich hatte immer ein
gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen.
Die Arbeitsbedingungen waren ganz in Ordnung.
Wo die Produkte hingingen, haben wir nicht
erfahren. Das war uns auch egal. Hauptsache wir
hatten Arbeit.

Die Hütte war bekannt für schlechte Bezahlung.
Im Stahlwerk Bochum oder im Walzwerk Bochum
wurden die Leute besser bezahlt. Reich konnte
man nicht werden, aber man kam aus.

In Vereinen bin ich in meiner wenigen Freizeit
nicht gewesen.

Elvira Schulte
geb. 1949 in Witten-Herbede

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Elvira Schulte

Ich habe die Realschule in Welper besucht und von
1965 bis 1967 eine Ausbildung zur Bürogehilfin auf
der Henrichshütte gemacht. Die Ausbildung hier war
wirklich ganz toll. Wir hatten ja alle Werksunterricht
und in der Berufsschule gehörte man zu den Besten,
weil man das ja alles nachbereitet bekam. Das war
schon schön. Mir hat es Freude gemacht.

Während der Ausbildung wurden wir auch in den
Außenbetrieben eingesetzt. Danach war ich dann
aber hauptsächlich in der Personalabteilung für
Lohnempfänger tätig. Ich war im Prinzip Sekretärin
im Vorzimmer des Personalchefs und machte die
ganze Korrespondenz, Termine und alles, was so
anfiel. Natürlich kam dann auch Publikumsverkehr
dazu. Der Betriebsrat kam häufig. Die Personalabteilung
und der Betriebsrat, die haben sich auch schon
öfters bekäbbelt. Der Betriebsrat wollte natürlich
oft etwas anderes als die Personalabteilung. Es ging
ja manchmal auch um Vergehen von Mitarbeitern.
Dann war das so eine Art „Hohes Gericht“. Man
kann sich ja vorstellen, wenn die manchmal in die
Personalabteilung mussten, das war für die ein
schwerer Gang. Aber unser Personalchef, der war
eigentlich zu den Jungs ganz loyal. Freitags morgens
war immer Hektik. Die Sonntagsarbeit, die musste
genehmigt werden. Die Leute haben ja teilweise
sonntags auch ganz gerne gearbeitet. Die haben ja
dann auch mehr Geld bekommen. Da fehlte es oft
an der richtigen Begründung. Das musste bis 10 Uhr
raus sein.

Die Hütte war für mich irgendwie mein Zuhause. Ich
habe mich wohlgefühlt und habe heute noch eine
Freundin aus der Zeit. Die Hütte war eine Institution.
Wir hatten im Prinzip gute Arbeitsplätze. Aber
letztlich bin ich hinterher gegangen, weil ich woanders
100 DM mehr bekam. Das war ja viel Geld für
mich. Ich habe hinterher in den Öffentlichen Dienst
gewechselt.

Max Schwarz
geb. 1935 in Ries /Bayern

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Max Schwarz

Ich habe ursprünglich Gärtner gelernt. Meine
Schwester lebte bereits hier. Nach einiger Wartezeit
konnte ich auf der Henrichshütte anfangen. Da habe
ich einen Schock bekommen – die riesengroßen
Hallen und die vielen Menschen. In unserer Gärtnerei
habe ich nur mit zwei oder drei Mann zusammen
gearbeitet.

Ich habe als Hilfsarbeiter in der Stahlformgießerei angefangen.
Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich
zukam. Die Hütte war für mich einfach nur groß und
unheimlich. Die vielen Menschen, so rund 12.000
Menschen waren da beschäftigt. Das war für mich
unfassbar. Ich habe fast immer in der Stahlformgießerei
gearbeitet. Dort haben wir die größten Sachen
gegossen, die es überhaupt gab. Große Walzenständer,
Schiffsschrauben, und natürlich auch kleine
Sachen wie Eisenbahnräder und Lokomotivräder.
Ich kann mich noch erinnern: Beim Abgießen gab es
mal einen schweren Unfall. Ein Kollege ist in einen
Gießtrichter getreten und hatte das ganze Bein
verbrannt. Erst wollte man das Bein abnehmen, aber
man hat es dann doch noch retten können. Das war
schon eine schlimme Sache.

Die Hütte war modern und wurde auch immer
wieder modernisiert. Das fing im Stahlwerk mit den
Siemens-Martin-Öfen an. Die habe ich auch noch
kennengelernt. Auf der Hütte habe ich mich gut aufgehoben
gefühlt. Das Verhältnis zu den Vorgesetzten
und den Kollegen war immer gut. Man konnte
nicht machen was man wollte, aber wir konnten
vernünftig arbeiten. Die Arbeitssicherheit hat sich
erst nach und nach verbessert, mit Helmen und
Sicherheitsschuhen.

Auf der Hütte war ich bis zum Schluss, bis ich in den
Sozialplan kam.

Mit der Freizeit war es nicht immer so einfach. Ich
war im SG Welper in der Turnabteilung aktiv. Ein
paar mal war ich auch Gaumeister im Geräteturnen.
Das war schon eine tolle Zeit.

Helmut Siebald
geb. 1938 in Hattingen

Created with Sketch.
Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Helmut Siebald

Ich habe die Volksschule bis 1953 besucht. Mein
Vater war auch auf der Hütte. Er hat noch an der
Seilbahn zur Zeche Baaker Mulde gearbeitet.

Ich selbst habe auf der Henrichshütte im Walzwerk
am Zeichenplatz gearbeitet. Ich habe keine Lehre
gemacht. 1977 habe ich den Hüttenfacharbeiter
gemacht. Dafür gab es dann später den Fachausdruck
Verfahrensmechaniker. Ich war an der 4,2
m-Straße tätig. Hauptsächlich haben wir Schiffsbleche
gemacht. Viele Werften waren unsere Kunden.
Dann gab es noch Spezialbleche, die nach Russland
gingen.

Die Hütte war bekannt für ihre Qualität. Unsere
Bleche gingen in die ganze Welt. Die Hütte war zu
der damaligen Zeit sehr modern. Die Anlagen waren
in Ordnung, und auf die Kollegen, die die Anlagen
bedienten, war Verlass. Da man mich überall einsetzen
konnte, war ich oft Springer. Auf der Hütte habe
ich mich wohl gefühlt. Ich hatte keine Probleme mit
den Kollegen oder den Vorgesetzten.

Warum die Hütte damals stillgelegt wurde, weiß
bis heute keiner so ganz genau. Hattingen war das
beste Werk rundherum.

Von 1953 bis 1988 war ich auf der Henrichshütte
beschäftigt. Danach bin ich noch 6 Jahre nach
Duisburg-Hüttenheim gefahren und habe dort in der
Verladung gearbeitet. Wir mussten Bleche komplettieren
für den Versand. Viele aus Hattingen waren
noch in Duisburg tätig.

Mein Leben in meiner Freizeit spielte sich nur in der
Familie ab. Von 1956 bis 1960 war ich im Schützenverein,
aber das habe ich dann drangegeben.

Horst Sommer
geb. 1938 in Blankenstein

Created with Sketch.
Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Horst Sommer

Mein Vater war hier auf der Hütte als Techniker in
der Arbeitsvorbereitung für das Press- und Hammerwerk.
Der Großvater war Sattler. Aber auch der
Urgroßvater hat hier gearbeitet.

1952 habe ich hier eine Maschinenschlosserlehre
gemacht. Die Ausbildung war ausgezeichnet. Wir
hatten zusätzlichen Werksunterricht. Obst und Milch
waren frei. Es gab sehr viele Abiturienten in unserem
Ausbildungsjahr. Unsere Wochenberichte haben
wir noch in Normschrift mit einem Rapidographen
geschrieben. Nach der Lehre war ich in der Werkzeugmacherei
und dann bin ich des Geldes wegen in den
Apparatebau gegangen.

Die Hälfte des Ausbildungsjahrgangs ist später nach
Essen zur Maschinenbauschule gegangen. Das habe
ich auch gemacht. Als mein Onkel aber einen Nachfolger
für seinen Betrieb suchte, habe ich die Schule
abgebrochen und habe stattdessen eine Schweißerlehre
in Hagen gemacht. In der Zeit habe ich nachts
gearbeitet und bin tagsüber zur Ausbildung nach
Hagen gefahren. Ich habe ein ganzes Jahr lang nur
Nachtschicht gemacht. Mein Onkel starb jedoch,
bevor die Übergabe erfolgen konnte. Ich hatte die
entsprechende Ausbildung noch nicht abgeschlossen,
und so wurde der Betrieb anderweitig vergeben.

Die Hütte war wie eine riesengroße Familie. Obwohl
ich dort lange und gerne gearbeitet habe, wollte ich
mich dann doch verändern. Auf der Hütte war ich
bis Sommer 1967.

Ich habe mich dann selbstständig gemacht und eine
Vertretung der Warsteiner Brauerei übernommen.

Jürgen Sommer
geb. 1940 in Blankenstein

Created with Sketch.
Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Jürgen Sommer

Ich habe die Volksschule besucht und dann eine
Maschinenschlosserlehre gemacht. Mein Bruder
hatte den gleichen Ausbildungsgang durchlaufen
und so konnte ich auf die fertigen Wochenberichte
zurückgreifen. Die Ausbildung war sehr gut. Das
ging los mit der Grundausbildung in den handwerklichen
Tätigkeiten. Später kamen dann die fachspezifischen
Sachen dazu. Außerdem mussten wir auch in
die Außenbetriebe. Je nachdem, welchem Ausbilder
man zugewiesen wurde, war das sehr lehrreich. Ich
hatte einen guten Meister und das Arbeiten hat
Spaß gemacht.

Die Henrichshütte war ein familiärer Betrieb. Die
Hütte wurde immer moderner. Als das Mittelblechwalzwerk
gebaut wurde, stand ich staunend an der
Baustelle und war stolz, dazu zu gehören.
Ich habe dann im Apparatebau gearbeitet. Dort
wurden große Teile für die Schifffahrt und für das
Opelwerk gebaut. Besonders beeindruckend waren
die Mehrlagenbehälter. Sie waren für extrem hohe
Drücke ausgelegt.

Die Hütte war für mich wichtig. Sie war der größte
Arbeitgeber und versprach eine Lebensstellung. Als
Beschäftigter der Hütte hatte man ein Ziel vor Augen.
Ich habe mich auf der Hütte sicher gefühlt und
das Verhältnis zu den Vorgesetzten war einmalig.
Unser Werkzeug war immer hervorragend in Schuss.
Arbeitssicherheit war ganz wichtig. Handschuhe,
Brille, Schweißeranzug und Unfallverhütungsschuhe
wurden gestellt.

Wegen der schweren Arbeit reifte aber gleichzeitig
der Entschluss, mich zu verändern. Ich bewarb mich
bei der Polizei und wurde angenommen.

Manfred Sommer
geb. 1941 in Holthausen

Created with Sketch.
Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Manfred Sommer

Ich habe die Volksschule besucht und bin dann 1955
auf der Hütte als Lehrling zum Dreher angefangen.
In der Lehrwerkstatt habe ich drei Jahre gelernt und
dann kam ich in die BW1.

Von 1961 bis 1963 war ich bei der Bundeswehr. Hier
hatte ich drei große „Erlebnisse“: die Kuba-Krise,
den Mauerbau in Berlin und die große Sturmflut in
Hamburg.

Nach der Lehre habe ich dann weiter die Schule
besucht. Zunächst habe ich einen REFA-Kurs gemacht
und später die Technikerschule. 1967 kam ich
dann in die Arbeitsvorbereitung und danach in die
Programmier-Abteilung. Dort haben wir Programme
für die Drehbänke geschrieben. In den Bearbeitungswerkstätten
wurde alles gefertigt, was sich dreht.

Unsere Produkte gingen in die ganze Welt. Große
Kunden waren Siemens, KWU und BBC. Zum Schluss
ging auch viel rüber nach Russland und China.
Die Hütte war überall bekannt für ihre Qualität.
In den mechanischen Werkstätten hatten wir
anfangs noch ziemlich alte Drehbänke, da waren
andere Firmen schon weiter. Dann hat Dr. Haverkamp
dafür gesorgt, dass die Mechanischen Werkstätten
modernisiert wurden. In dem Zuge kamen
dann auch jede Menge NC-Maschinen, Drehbänke,
Fräsbänke usw.

Auf der Hütte habe ich mich immer wohlgefühlt und
das Arbeiten war angenehm. Die Arbeitsbedingungen
waren eigentlich immer gut.

In der Freizeit wurde Fußball gespielt bei SG Welper
oder beim TUS Hattingen. Auf der Hütte war ich
von 1955 bis 2001.

Heinz Walter Sonnenschein
geb. 1946 in Bredenscheid-Stüter

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Heinz Walter Sonnenschein

Ich habe einen Realschulabschluss und in Sprockhövel
Dreher gelernt. Die Arbeit dort war nicht
besonders ansprechend. Es gab sehr viel Grauguss-
Staub in der Halle und so bin ich 1964 mit Hilfe
meines Onkels auf der Henrichshütte gelandet.

Nach Rückkehr von der Bundeswehr kam ich zunächst
in die BW3 in die Radsatzfertigung. Später
war ich dann im Walzwerk für die Produktionsplanung
im Rostfreibereich zuständig. Vom Auftragseingang
bis zur Auslieferung ging alles bei uns über den
Tisch. Wir hatten eine Liefertreue von 98 Prozent im
Rostfreibereich. Unser Einsatzmaterial bekamen wir
aus Krefeld. Die Bleche wurden 3 mm bis 21 mm
dick und die Qualität war sehr gut. Teilweise konnten
nur wir diese Bleche fertigen. Die 2,8 m-Walzstraße,
die war super. Und die große Straße, die war auch
nicht zu schlagen. Die Anlagen wurden regelmäßig
modernisiert. Der Gipfel war aber, dass über einen
Weihnachtsstillstand noch in neue Rollgänge an der
4,2 m-Straße investiert wurde. Trotzdem kam im
Februar die Nachricht, dass der Laden dicht gemacht
wird. Für mich war das eindeutig eine unternehmenspolitische
Entscheidung. Bei Thyssen war die
Rheinschiene favorisiert.

Das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten war
immer super. Man konnte prima arbeiten.
Später wurde ich dann Betriebsratsmitglied und
natürlich habe ich mich auch in dem harten Arbeitskampf
voll engagiert.

Privat interessiere ich mich für den Motorsport.
Ich bin 1969 im Motorsportclub angefangen und
bin heute noch Sportleiter im Polizei-Motorsportclub
Bochum. Also da ging schon viel Zeit bei drauf.

Horst Steinbach
geb. 1936 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Horst Steinbach

Ich habe die Volksschule besucht und bin 1951 hier
in die Lehre gegangen und habe Dreher gelernt.
1951 war nicht allzu viel Auswahl. Da musste man
eigentlich froh sein, überhaupt einen Lehrplatz zu
bekommen. Wenn man Hattinger oder Welperaner
war, ging man zur Henrichshütte, das war halt so.

Später war ich dann in der Bearbeitungswerkstatt.
Ich habe hauptsächlich große Kurbelwellen gedreht,
aber 1963 ging das auch schon langsam zu Ende.
Die Anlagen waren eigentlich in einem guten Zustand.
Alte Krücken waren das garantiert nicht, nein.
Die Maschinen haben ausgereicht, um vernünftige
Werkstücke herzustellen zu können. Wir hatten auch
eine gute Ausbildung. Die war hervorragend.
Auf der Hütte habe ich im Dreischichtbetrieb gearbeitet.
Ach ja, das war eigentlich in Ordnung.
Sicher, ich habe dann irgendwann kein Weiterkommen
mehr gesehen und aus diesem Grund
bin ich dann gegangen. Bis 1963 war ich auf der
Hütte beschäftigt.

Ich habe mich auf der Hütte wohl gefühlt. Auch das
Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Kollegen war
in Ordnung. Schichtarbeit und Freizeit ließen sich gut
miteinander verbinden. Ja, wir haben alle ganz gut
gelebt.

Im Förderverein arbeite ich ein bisschen ehrenamtlich
mit. Wir haben da so eine kleine Zerspanungsanlage
mit Drehbank und Fräse für uns aufgebaut und da
darf ich dann ein bisschen werkeln. Dort treffen wir
uns regelmäßig mit den Kollegen.

Dieter Stobinski
geb. 1935 in Welper

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Dieter Stobinski

Meine direkten Verwandten arbeiteten alle auf der
Hütte. Wir waren ausgebombt und ich war als Kind
lange in Ostpreußen evakuiert und später in der
Lüneburger Heide.

Ich habe die Volksschule besucht und fing 1951
im Walzwerk als Anzeichner an. Damals waren die
Dächer noch nicht vollständig dicht. Bei schwerem
Regen mussten wir Pause machen. Auf den nassen
Blechen konnte man die Kreide nicht mehr erkennen.
Zum Anzeichnen mußte ich auf den heißen Blechen
rumlaufen. Dazu haben wir Holzschuhe getragen.
Da lief der Schweiß. Selbst die Atemluft war heiß.
Wasser und Tee standen bereit und wurden in
großen Mengen getrunken. Es wurde ja sofort
alles wieder ausgeschwitzt.
Damals musste ich viele Überstunden machen. Samstag
und Sonntagsarbeit war normal und wenn man
mal nicht kommen wollte, dann war der Meister
beleidigt. Die Hütte war viel Arbeit und ich habe
viel geschwitzt.

Zur Arbeit kam ich zu Fuß. Ein Fahrrad konnte ich
mir nicht sofort leisten. Die Hütte verkaufte dann
Fahrräder an die Beschäftigten. Der Preis wurde in
kleinen Beträgen monatlich vom Lohn abgehalten.
Wir haben wirklich gutes Geld verdient.

Als die Stilllegung der Hütte anstand, haben wir
alle demonstriert und ich habe für den privaten
Gebrauch gefilmt. Als Johannes Rau hier war, habe
ich auf meine Kamera „RTL Frühstücksfernsehen“
geschrieben und so konnte ich zusammen mit den
Presseleuten in die Gaststätte. Ich saß dem Johannes
Rau direkt gegenüber und habe alles gefilmt.
Ich habe auch selber Kampflieder getextet und
gesungen.

Heinz Ströder
geb. 1947 in Oldenburg/Kreis Oldenburg

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Heinz Ströder

Die Familie kam 1956 nach Welper. Mein Vater war
hier auf der Hütte als Maschinenschlosser tätig. Von
1961 bis 1964 habe ich hier auf der Hütte meine Lehre
als Dreher gemacht. Später bekam ich Probleme mit
der Bandscheibe. Ich kam dann an die Walzenschleifmaschine
in der BW 2. Da war ich ungefähr sechs
Jahre. In der Zeit habe ich die Abendschule besucht
und meinen Meister gemacht.

Von 1984 bis 1994 war ich auf dem Büro in der
Programmierabteilung tätig. Durch Arbeitsplatzabbau
musste ich mit 47 Jahren meinen Arbeitsplatz
verlassen und wurde in die Bearbeitungswerkstatt 1
versetzt. Dort hatte ich die Aufgabe der Werkstückverfolgung
und der Arbeitsplatzoptimierung.

Später landete ich in der Arbeitsvorbereitung der
Schmiede. Ich hatte null Ahnung von dieser Arbeit.
Ich sollte sechs Monate von meinem Vorgänger
angelernt werden, doch der starb nach ca. acht
Wochen und da stand ich alleine vor dem Problem.
Mir fehlten die ganzen technischen Grundlagen.
Jeden Montag bin ich nach Witten zu den Edelstahlwerken
Witten Krefeld und habe dort unser
Vormaterial bestellt. Von dort bekamen wir unsere
Schmiedeblöcke. Ab 2000 war ich dann Arbeitsvorbereiter
an der 2.000t-Presse.

Die Hütte war bekannt durch ihre Fähigkeit, sehr
große Einzelstücke zu fertigen. Das Verhältnis zu den
Arbeitskollegen und Vorgesetzten sowie die Arbeitsbedingungen
waren im Großen und Ganzen OK.

Reich sind wir auf der Hütte nicht geworden, aber
wir konnten ganz gut davon leben. Die Freizeit war
durch die Schichtarbeit ganz schön eingeschränkt.
Es blieb nur Zeit für ein bisschen Freizeitsport. Für
Vereine reichte es nicht.

Am 13. Dezember 2003 war dann für mich Schluss.

Werner Thiel
geb. 1928 in Krohnhorst /Uckermark

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Werner Thiel

1950 haben wir die DDR über Berlin-Friedrichstraße
verlassen. Wir sind dann zu meinem Schwager und
haben 1957 in Hattingen eine Wohnung bekommen.
Zunächst habe ich in Hattingen bei verschiedenen
kleineren Firmen gearbeitet. 1959 konnte ich dann
am Hochofen auf der Hütte anfangen. Obwohl ich
eine ganz minimale Schulbildung hatte, konnte ich
mich hocharbeiten. Ich habe sogar zwei Verbesserungsvorschläge
für die Benutzung der Stopfmaschine
am Hochofen eingebracht. Einer wurde abgelehnt
und für den anderen Vorschlag hatte ich mehr
erwartet.

Die Hütte war für mich eine Goldgrube. Hauptsache,
man konnte seinen Lebensunterhalt verdienen.
Außerdem konnte ich zu der Zeit auch noch nebenbei
arbeiten und etwas dazu verdienen. Die Hütte
war sehr sozial. Damals kriegten wir noch einen
Pfennig pro Stunde auf ein Kind. Wir bekamen auch
Betriebsrente. Ich kriege ja nicht so viel, aber es geht
noch. Nein, es gab nichts Schönes, es gab aber auch
nichts besonders Schlimmes. Wer schnell gearbeitet
hat, war fertig und konnte sich in die Bude setzen.
Ich habe bis 1985 im Vier-Schichtbetrieb gearbeitet.
Dann wurde eine Schicht aufgelöst. Ich bekam das
Angebot auszuscheiden und so bin ich im April 1985
in den Sozialplan gegangen. Aufgrund meiner Behinderung
habe ich dann auch schon ab 1988 Rente
bekommen. Seitdem bin ich Rentner.

Der Hochofen wurde 1987 stillgelegt und dann wurde
das Roheisen mit Torpedopfannen aus Duisburg
geholt. So ging die Stilllegung der Hütte scheibchenweise
voran.

Johannes Tüller
geb. 1943 in Altendorf/Ruhr

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Johannes Tüller

Mein Vater war Bergmann. Ich habe die Volksschule
besucht und dann 1958 eine Lehre als Dreher gemacht.
Die Ausbildung war sehr gut. Wir hatten viel
Werksunterricht. Ich habe dann an den Bohrwerken
in der Bearbeitungswerkstatt 2 (BW2) gearbeitet.
In der Forschungsabteilung suchte man einen Mechaniker,
der zusammen mit einem Elektriker ausgewählte
Messpunkte an großen Werkstücken anbringt
und Messreihen fährt. Ich habe mich beworben,
musste noch einige Weiterbildungen machen und
wechselte so in die Forschung.

Wir haben zum Beispiel einen Behälter gebaut,
der mit 4.000 bar abgedrückt wurde. Der Behälter
kam in der BW2 in eine Montagegrube und wurde
komplett mit Messstellen bestückt. Für die Prüfung
kam ein externer Prüfer. Eine Messstelle funktionierte
aber nicht. Bei dem Druck war natürlich extreme
Gefahr gegeben. Der Druck durfte nicht zurückgenommen
werden, weil sonst die ganze Messung
wertlos gewesen wäre. Ich musste aber irgendwie
an die Messstelle. Wir haben dann den Prüfdruck um
100 bar überfahren, so dass wir sicher sein konnten,
dass der Behälter den Druck aushält. Danach haben
wir den Druck wieder heruntergefahren und sind
an die Messstelle gegangen. Da war es aber mucksmäuschenstill
in der Halle.

Die Hütte war für mich ein guter Arbeitgeber. Hier
konnte man gut verdienen und ich hatte gute berufliche
Chancen.

Ich war und bin auch heute noch politisch aktiv. Ich
bin im Stadtrat und auch bei der Freiwilligen Feuerwehr
tätig.

Ich bin mit 60 Jahren über die VSG in Altersteilzeit.

Heinz Dieter Völlkopf
geb. 1944 in Flensburg

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Heinz Dieter Völlkopf

Mein Vater stammte aus Bochum-Weitmar. Er ist
noch vor dem Krieg nach Flensburg gegangen. Ich
selbst habe die dänische und auch die deutsche
Volksschule besucht. Meine älteren Geschwister sind
heute alle Dänen und wohnen noch immer im Norden.
1956 ging die Familie ins Ruhrgebiet und mein
Vater bekam hier eine Anstellung.

Ich habe auch kurz auf der Hütte gearbeitet. Das
gefiel mir aber nicht. Ich ging zurück in den Norden
zur Hochseefischerei nach Bremerhaven. Dort habe
ich bei der Reederei Kämpf gearbeitet und bin acht
Jahre zur See gefahren. Dann habe ich meine Frau
kennengelernt und geheiratet. Meine Eltern wohnten
im Ruhrgebiet und so habe ich hier nach Arbeit
gesucht.

1968 bin ich dann wieder auf der Hütte angefangen.
Ich wurde Kranführer im Stahlwerk. Als Mitarbeiter
für die ESU-Anlage gesucht wurden, wechselte ich
in diesen Bereich.
An der alten ESU-Anlage gab es mal einen schweren
Durchbruch. Dabei gab es sechs Schwerverletzte.
Da war ich auch dabei. Dann wurde die Anlage neu
gebaut. Die umgeschmolzenen Blöcke, die aus der
ESU-Anlage heraus kamen, waren äußerst hochwertig.
Sie wurden eingewickelt und mit möglichst
wenig Temperaturverlust in die Vergütung oder ins
Walzwerk gegeben. So ein Umschmelzvorgang für
einen Block dauerte ca. 70 Stunden. Abgesehen von
den Vorbereitungsarbeiten war das Umschmelzen
eine reine Überwachungstätigkeit.

Die Hütte war der beste Arbeitsplatz, den ich
je hatte. Ich war mit meinem Verdienst zufrieden.
Ich habe heute noch Kontakt zu den Kollegen.

Vera Walin
geb. 1955 in Hagen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Vera Walin

Mein Vater war Dreher auf der Drahtstraße in
Hagen-Haspe. Ich habe einen Hauptschulabschluss
und anschließend die Fachoberschule besucht.
Danach habe ich eine Ausbildung als Buchhändler
gemacht und war dann bis 1980 Buchhändlerin bei
Quelle. In dieser Funktion war ich an verschiedenen
Standorten in Deutschland tätig. Meine Mutter
heiratete dann nach Hattingen und als es auch in
meinem Leben eine größere Veränderung gab,
bin ich zu ihr gezogen.

1980 bekam ich auf der Henrichshütte die Möglichkeit
zur Kranführerausbildung. Ich arbeitete im Kümpelbau
und im Apparatebau als Kranführer. Ich habe im
Kollegenbereich viele Menschen kennengelernt.
Die Arbeit habe ich gerne gemacht. Im Apparatebau
ging es oft um möglichst genaues Fahren. Manchmal
auch im Millimeterbereich. Bei diesen Arbeiten
waren Frauen gern gesehen. Im Anfang hatte ich es
als Frau manchmal ein bisschen schwerer. Da gab es
auch sexistische Anspielungen. Aber ich wusste mich
zu wehren und hatte dann auch meine Ruhe.
Als Kranführerin musste ich die Kollegen des Öfteren
warnen, damit sie aus dem Weg gingen und sich
nicht unter schwebenden Lasten bewegten. Ich habe
allerdings auch mal einen Lastwagen zu Schrott
gefahren. Beim Beladen eines LKW ging ein Blech
verloren und zerstörte den LKW. Es ist aber niemandem
etwas passiert. Weil Kranfahren eine sitzende
Tätigkeit war, wurden auf den Kranen auch gerne
Schwerbeschädigte eingesetzt. Ich habe ganz gut
verdient, obwohl ich weniger bekommen habe als
die Kollegen.

Warum die Hütte stillgelegt wurde, kann ich bis
heute nicht nachvollziehen. 1987 schied ich über
den Sozialplan aus. Ich war beim Kampf gegen die
Hüttenschließung in der Fraueninitiative aktiv. Die
Hütte war für mich ein Stück Heimat.

Martin Weinzierl
geb. 1958 in Blankenstein

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Martin Weinzierl

Mein Vater kam aus Bayern ins Ruhrgebiet. Er hat
zunächst auf der Zeche Friedlicher Nachbar gearbeitet.
Hier hat er dann meine Mutter kennengelernt.
Später ging er zur Henrichshütte und hat dort im
Press- und Hammerwerk gearbeitet.

Ich habe in Welper die Hauptschule besucht und von
1974 bis 1977 auf der Hütte eine Lehre zum Stahlformer
gemacht. Die Arbeit in der Formerei war manchmal
ganz schön schwer. Man fing als Hungerhaken
an, hatte dann aber nach einem halben Jahr auch ein
bisschen was in den Armen. Aber es machte Spaß.
Nach meiner Ausbildung war ich dann bis 1980 für
drei Jahre im Walzwerk an der 2,8 m-Straße. Hinter
dem Blechwender musste ich Bleche beschriften und
aussortieren. Teilweise waren die Bleche auch noch
heiß. Dann musste man sich Holzschuhe anziehen,
um auf die Bleche zu gehen. Ich bin aber nie auf den
heißen Blechen ausgerutscht.

Die Hütte war für mich ein Riesenwerk, das man
nicht wirklich gut kannte. Ich hätte gerne mehr davon
gesehen. Wir waren damals auch sehr neugierig
und haben oft von Weitem in die Hallen geschaut.
Aber rein durften wir nicht. Aus meiner Sicht waren
die Anlagen richtig modern. Das Verhältnis zu Vorgesetzten
und Kollegen war sehr gut.

1980 wurde es auf der Hütte langsam schlechter. Als
ich die Gelegenheit bekam, bei der Stadt anzufangen,
habe ich mich beworben und wurde angenommen.
Bei der Stilllegung der Henrichshütte war ich schon
bei der Stadt beschäftigt.

In der Freizeit habe ich Fußball gespielt, Judo
und Ringen gemacht. Hat Spaß gemacht. Ich bin
heute noch aktiv in den Schaubetrieben des Fördervereins
Henrichshütte. Ich begleite dort Schauvorführungen
und bin gerne mit den ehemaligen
Kollegen zusammen.

Karl-Heinz Wydra
geb. 1926 in Rotwalde/Ostpreußen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Karl-Heinz Wydra

Ich bin auf einem Bauernhof in Ostpreußen groß geworden.
Nach dem Krieg kam ich irgendwann nach
Bochum. Dort haben wir uns so durchgewurschtelt.
Als ich sah, dass auf der Henrichshütte viel gebaut
wurde, habe ich mich dort beworben. Ich wurde sofort
als Vorarbeiter eingestellt. Drei Jahre später wurde
ich Schichtmeister in der Erzbrech- und Siebanlage.

Meine Frau war selbstständig und hatte ein gut
gehendes Geschäft. Finanziell war ich unabhängig.
Später wurde ich dann Obermeister am Hochofen.
Die Rohstoffe für den Hochofen kamen aus Brasilien,
aber auch aus Australien und anderen Ländern. Wir
haben in der Spitze eine Million Tonnen Erze auf
Lager gehabt. Koks haben wir meistens aus Bottrop
von der Ruhrkohle AG bezogen. Die haben uns auch
des Öfteren zu Grubenfahrten eingeladen. Das war
sehr lustig. Später wurde auch Schweröl und reiner
Sauerstoff in die Hochöfen eingeblasen, um noch
mehr Produktion heraus zu kitzeln.

Die Henrichshütte hatte einen sehr guten Ruf. Sie
war sehr modern. Ich meine, dass wir zum Teil sogar
Vorreiter für die Duisburger waren. Ich habe an der
Sinteranlage sehr viele Verbesserungen eingeführt.
Hochofen, Möllerwagen, die Zusammenstellung des
Möllers, das war erste Sahne.

Die Hütte wurde wegen Standortproblemen stillgelegt.
Wir mussten alles über die Schiene bringen. Der
Weltmarkt spielte auch eine Rolle. Und da muss man
mithalten können – oder man kann es nicht.
Für mich war die Hütte ein Super-Arbeitsplatz, an
dem ich sehr gerne und auch erfolgreich gearbeitet
habe.

Peter Zantow
geb. 1937 in Hattingen

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Förderverein Industriemuseum Henrichshütte e.V. - Projekt: 100 Hüttenleben - Peter Zantow

Mein Vater war hier auf der Hütte als Rangierer
beschäftigt.

Als ich auf der Hütte anfing, gab es dort einen
Seilspleißer. Ich war immer an der Seefahrt interessiert
und dachte mir, so etwas wie Seile spleißen
kann man bei der Seefahrt immer gebrauchen. Der
Traum von der Seefahrt zerplatzte aber sehr bald.
1958 kam ich zur Luftwaffe in Roth bei Nürnberg.
Dort stellte sich schnell heraus, dass ich an allem
Elektronischen interessiert war. Das wurde die
Grundlage für meine weitere berufliche Entwicklung
nach der Bundeswehrzeit.

Die Hütte suchte Elektroniker. Als die 2,8 m-Walzstraße
fertig wurde, war ich von Anfang an, bei
der Inbetriebnahme, dabei. Meine Arbeit war mein
Hobby. Ich hatte einen kleinen Raum, in dem ich
meine Geräte aufbauen und reparieren konnte. Die
Arbeit ging einem nicht mehr aus dem Kopf. Wenn
ich nach Hause ging, hatte ich schon im Kopf, wie
man das Problem angehen könnte. Die Anlagen
wurden laufend modernisiert. Man hat sich nie auf
dem Vorhandenen ausgeruht. Hin und wieder haben
wir auch auf der Hütte gegrillt. Gab es dann aber
irgendwo Schwierigkeiten, wurde sofort auf vollen
Einsatz umgeschaltet. Dann stand einem auch schon
mal der Dreck bis an den Kopp.

Ich habe dann in Abendschule die Meisterschule
besucht. Aufgrund der aufkommenden Stilllegungspläne
bekam ich aber keine Meisterstelle mehr im
Walzwerk. Stattdessen bekam ich die Möglichkeit,
als Meister in der Energieversorgung anzutreten. Also
packte ich mein Bündel und ging zum Kesselhaus.
Mit der Teilung der Mannschaft in VSG und Thyssen
ging ein Riss quer durch die gesamte Mannschaft.