DAs Museum

Im März des Jahres 1988 wurde vom „Westfälischen Amt für Denkmalpflege“ der Antrag für die Eintragung der Hochofenanlage in die Denkmalliste gestellt. Im Dezember wurde das Eintragungsverfahren schließlich durch den Regierungspräsidenten in Arnsberg eingeleitet.

Die Hochofenanlage der Henrichshütte wurde durch Beschluss des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe vom 15. September 1989 in das "Westfälische Industriemuseum" übernommen, das anhand dieser Anlagen die Eisenerzeugung und die Arbeitsbedingungen von Eisenhüttenleuten dokumentieren will.

In Hattingen wurde am 17. Januar 1991 von der Volkshochschule der Stadt Hattingen
und dem Westfälischen Industriemuseum der „Arbeitskreis Industriemuseum Henrichshütte Hattingen“ gegründet. Das Westfälische Industriemuseum soll von dieser Gruppe beim Aufbau der Henrichshütte unterstützt werden, z.B. durch Auffinden von Quellenmaterial und historischen Gegenstände, Kontakten zu Zeitzeugen usw.
Die erste Sitzung des frisch gegründeten „Arbeitskreis Industriemuseum Henrichshütte“  fand am 28. Januar im im kleinen Sitzungssaal des Rathauses statt.
Im Verlauf des Jahres wurden nach intensiver Planung die Bauarbeiten auf der Henrichshütte aufgenommen: Das ehemalige Hochofenbüro wurde zur Verwaltung mit Hausmeisterwohnung umgebaut, eine Verbindungstreppe zwischen Ruhr- und  Erzbunkerebene entstand und die Fundamente der Gebläsehalle wurden für die Aufnahme einer Großgasmaschine aus der Georgsmarienhütte vorbereitet. Die Planungen für Labor, Aufzugsturm und Lokomotivschuppen begannen...: „Mit besonderer Sorgfalt werden Schadensermittlung und Sanierungsmaßnahmen der  Stahlkonstruktionen gutachterlich vorbereitet.“

Das Westfälische Industriemuseum übernahm 1992 von der Thyssen AG Anlagenteile des 1989/1990 stillgelegten Feinstahlwalzwerks der „Niederrheinischen Hütte“ in Duisburg-Hochfeld. Es handelt sich um „die dreigerüstige Zwischenstaffel einer 1924 von der Fa. Sack gebauten 280er-Straße“ („280“ bezeichnet den Walzen-Durchmesser).
Auf der Henrichshütte wurde anschließend „mit dem Aufbau der Zwischenstraße samt Antriebsmotor, Schwungrad, Kammerwalzgetriebe und Umwalzeinrichtung begonnen“.
Die heute in der historischen Gebläsehalle stehende Großgasmaschine wurde von Georgsmarienhütte nach Hattingen gebracht und mit der Restaurierung begonnen. Die ursprünglichen Maschinen der Henrichshütte waren 1980 verschrottet worden.
Das „Restaurierungszentrum des Westfälischen Industriemuseums“, die Gesamthochschule Wuppertal und diverse Hersteller von Anstrichsystemen beschäftigten sich mit dem Problem der Hochofen-Sanierung, und hier vor allem mit der Konservierung der Anlage bei „bestmöglicher Erhaltung der Betriebsatmosphäre“. Umwelt- und denkmalschonende Methoden zu Farbabtrag und Entrostung wurden  vorgetestet und mündeten zusammen mit verschiedenen Transparent-Lacksystemen in einer Versuchsreihe dazu. Gleichzeitig wurden  an "Hochofen 3" weiter statischen Untersuchungen vorgenommen.
Die Umbauarbeiten des Hochofenbüros wurden 1992 fertiggestellt, für Labor und  Stopfmassenfabrik plante man als nächstes die Restaurierung. Um den angedachten  Rundweg für Besucher zu ermöglichen, wurde zur Werk- und Beschickungsebene eine Stahltreppe errichtet.
Ein Ingenieurbüro führte eine umfangreiche Bestandsuntersuchung für ein Sanierungskonzept des Hochofens durch. Erste erhaltende Maßnahmen am Hochofen wurden daraufhin in Angriff genommen.
Für die Basis der neuen Gebläsemaschine mussten zu Beton erhärtete Schlackefüllungen in den alten Fundamenten erst entfernt werden. Über den Aufbaubeginn der aus Osnabrück gelieferten 2.660 PS-starken Großgasmaschine „DT 13“ in der Gebläsehalle berichtete später sogar das Fernsehen in „Hier und Heute“ und der „Aktuellen Stunde“ am 28.12.1992.

Ein Thomaskonverter aus der „Maxhütte Unterwellenborn“ wurde dem Museum am 30. März 1993 angeliefert. Dort wurde er vor der Verschrottung bewahrt und im April auf dem Gelände aufgestellt. Diese „Thomasbirne“ fasst 25 t und wurde 1973 nach Plänen von 1927/28 gebaut und „als Sauerstoffblas-Konverter ausgerüstet“.
Am 23.05. startete das „Westfälische Industriemuseum Henrichshütte“. Auf eine große Feier wurde dabei verzichtet, da die Mitarbeiter der VSG parallel um ihre Arbeitsplätze fürchten mussten. Zu sehen gab es dabei die Ausstellung „Hochofen 3 – Fotografische Rekonstruktionen“ von Jörg Boström und Jürgen Heinemann. Es handelte sich damit quasi um die erste offizielle Ausstellung des Museums – auch wenn sie nur einen Tag dauerte. 1.500 Gäste waren an diesem Tag anwesend um sich die Fortschritte des Museums vor Ort anzuschauen. Dazu gehörte an diesem Tag auch die Fertigstellung der Montage der 550 t-Gasgebläsemaschine der Fa. DEMAG, die in monatelanger Kleinarbeit in der Georgsmarienhütte in Osnabrück ab-, und auf der  Henrichshütte wieder aufgebaut wurde, durch die Installation eines fehlenden Fliehkraftreglers.
Seit dem 23. Mai konnten sich nun auch Besucher von Gästeführern über das Gelände der Henrichshütte begleiten lassen. Bis zum Ende des Jahres nahmen etwa 2.000 Gäste diese Möglichkeit wahr.
Sanierungsarbeiten an der Stopfmassenfabrik und in der ehemaligen Probenaufbereitung wurden 1993 begonnen: Die erstere sollte zu einer Lok- und Stahlbau-Werkstatt umgebaut werden, in letzterer sollte eine Ausstellungseinheit zum Thema „Qualitätssicherung“ und ein Labor eingerichtet werden. Beides sollte lt. Planung im Folgejahr in Betrieb gehen.
Der erste bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ fand am 12. September 1993 statt – die Henrichshütte war von Beginn an Teil der Aktion.
Um Korrosionsproblemen bei Maschinen und Anlagen auf offenem Gelände vorzubeugen, arbeitete das WIM in einer interdisziplinär aufgestellten Gruppe mit Fachleuten aus den Bereichen Korrosionsforschung, Restaurierung und industriellem Korrosionsschutz mit. Das WIM wollte mit seinen praktischen Erfahrungen aus dem eigenen Museumsbereich Testsituationen für diese Forschung stellen, deren Ergebnisse man dann auch z.B. für den Hochofen der Henrichshütte nutzen wollte.

1994 begann die Restaurierung der Übergabestation („Eckturm“) und ein Profilwalzwerk-Mittelgerüst, das 1992 übernommen wurde, wurde als „letztes Großexponat“ eingebaut.
Der "Förderverein Industriemuseum Henrichshütte" wurde am 26. Mai 1994 gegründet. Erster Vorsitzender des Vereins wurde Dr. Ulrich Uhl aus Hattingen. Der bisherige Arbeitskreis der Hattinger VHS sollte weiterherin eine wichtige Verbindung des Museums zur Hattinger Kommune darstellen.
 Das Westfälische Industriemuseum veranstaltete vom 31. Mai bis 05. Juni sein erstes Hüttenfest, den "Hüttenzauber". Die ersten drei Tage der Veranstaltung standen jeweils  unter den Mottos „Menschen“,„Werkstatt“ und „Wandertag“. Entsprechend wurden  thematisch passende Vorträge, Exkursionen, Workshops usw. an den jeweiligen Tagen angeboten. Der vierte Tag beinhaltete kein spezielles Programm. Anlässlich der Veranstaltung gab die Sparkasse eine neue Medaille zu Ehren der Henrichshütte aus.
Die Bauarbeiten an „Probenaufbereitung“ und künftiger Lok-Werkstatt  („Stopfmassenfabrik“) schritten voran, ebenso wie die Anlage einer Versorgungstrasse.  Abstichhalle und Lokomotiven-Werkstatt wurden zum „Hüttenzauber“ dem Museum übergeben und feierten auf dieser Veranstaltung ihre Premiere im Einsatz für den Standort.
Die Ver- und Entsorgungstrassen, die später im Jahr vollendet wurden, schafften die Grundlage für die Nutzung von Eckturm, Labor und Stopfmassenfabrik. Durch die drei Gebäude sollte den Gästen ein erweitertes Angebot ermöglicht werden: Das Labor sollte dabei besonders Schulklassen mit der Möglichkeit von Analysen des Bodens und Wassers ansprechen, der Eckturm war u.a. als Informationszentrum angedacht.
Das Bessemer-Stahlwerk der Henrichshütte wurde in die Denkmal-Liste aufgenommen: Es handelt sich nicht nur um eine der ältesten Bessemer-Anlagen des Ruhrgebiets, sondern ganz Deutschlands. Zudem ist es eines der letzten erhaltenen Gebäude aus der ersten Industrialisierungsphase.

Seit Januar des Jahres 1995 konnten Gäste an offenen Führungen durch das Museum teilnehmen. Zu Beginn fanden diese jeden Sonntag um 11:30 Uhr statt. Bisher waren nur vorab gebuchte Führungen möglich.
In diesem Jahr wurden Stopfmassenfabrik, Übergabestation und die ehemalige Probenaufbereitung fertiggestellt.
Ein Dampfhammer wurde dauerhaft in der Gebläsehalle als Exponat installiert. Dieses in der Schmiede eingesetzte Gerät war bis 1992 bei der Firma „Dörrenberg Edelstahl“ aktiv. Der Hammer („Bär“) wiegt 800 kg.

Am 03. Mai 1996 spielte die bekannte deutsche Rockband „Stoppok“ in der Gebläsehalle. 1.500 Gäste besuchten das Konzert in der Gebläsehalle, die damit offziell als Konzerthalle eingeweiht wurde.
Das Industriemuseum richtete mit Kooperationspartnern eine fast dreimonatige Veranstaltungsreihe „Ritter-Eisen-Drachen: Hattinger Museen und das Stadtwappen“ mit vielen verschiedenen Aktionen und Ausstellungen zum 600jährigen Stadtjubiläum aus.
Die Jubiläumsfeierlichkeiten wurden am 16. Juni durch Ministerpräsident Johannes Rau vor 3.000 Gästen in der Gebläsehalle eröffnet. Daneben traten dort Musicalstars wie z.B.  Andreas Bieber auf und die sogenannte „Hattingen-Revue“, wurde aufgeführt. In dem Stück wurde u.a. auch die Henrichshütte erwähnt.
Ab dem 04. August bis zum 01. September stellten die Kinder des Ferien-Workshops ihre Figuren zur 600-Jahr-Feier der Stadt Hattingen in der Gebläsehalle aus.
Am 18. Juli wurden die Zugänge zur Bunkeranlage auf dem Hüttengelände von der LEG
gesperrt. Die Luftschutzbunker waren in der Vergangenheit oft von Kindern und Jugendlichen genutzt worden. Nach einer Begehung vom Hattinger Ordnungsamt und des Büros „Jessberger und Partner“ für die LEG, fiel der Beschluss zur allgemeinen Sicherheit die Eingänge zu verschließen.
Die Konservierung des Hochofens begann 1996. Die Kosten bezifferte man auf 1 Mio. DM pro Jahr. Für die Renovierung der Gebläsehalle wurde die gleiche Summe veranschlagt. Im September wurde damit begonnen ein Behelfsdach aus Stahlrohren und Kunststoffplanen zum Schutz des Hochofens auf dem zuvor errichteten Arbeitsgerüst rund um das Exponat einzurichten.

Auf der Hütte folgte die Ausstellung „Ende der Stahlzeit“ von Egon Stratmann vom 21. Juni bis 27. Juli  1997 im Bessemer Stahlwerk. Es war das erste offizielle Gemeinschaftsprojekt des „MuseumsBunt“, bei dem das Industriemuseum, das Feuerwehrmuseum, der Isenburg-Verein und das Stadtmuseum zusammenarbeiteten.
Die Ausstellung beleuchtete die Geschichte der Hütte vom Produktionsbetrieb über den Arbeitskampf bis hin zur musealen Nutzung des Werks.
Die Schaugießerei wurde als Teil des Industriemuseums im Rahmen von „Das Fest“ am 14.09. eröffnet und fortan von Mitgliedern des Fördervereins betrieben. Statt Stahl wurde hier nun Aluminium zur Veranschaulichung der Vorgänge gegossen. Die Räumlichkeiten befanden sich in der ehemaligen „Wasserhaltung“ der Henrichshütte, die dafür komplett umgebaut wurde. Neben dem eigentlichen Zweck des Schaugießens fanden auch immer wieder kleinere Ausstellungen ihren Weg in die Schaugießerei.
Im September wurde ebenso der erste Teil der Sanierungsarbeiten am Hochofen abgeschlossen: Die Restaurierung des oberen Drittels des Großexponats durch die Kölner Fa. „Vogel“ kostete dabei etwa 1,5 Mio. DM. Das Tragegerüst und die Gasleitungen dieses ersten Abschnitts wurden in einem knappen halben Jahr von 10 Tonnen Dreck per Sandstrahlung befreit. Der Panzer des Ofens selbst musste allerdings aufgrund der unebenen Oberflächenstruktur per Hand gesäubert werden. Dabei wurde bei allen Aktionen darauf geachtet, „die typischen Oberflächen, Arbeitsspuren und Details der Konstruktion“ zu erhalten. Die „Narben der Arbeit“ sollten sichtbar bleiben.
Anschließend wurde zum Erhalt der Flächen in ihrem damaligen Zustand der neu entwickelte Klarlack auf Basis von Poly-Urethan aufgetragen. Der bisherige Fortschritt wurde am 09. September Pressevertretern vorgestellt.
In diesem Jahr fiel der Beschluss eine „Route der Industriekultur“ einzurichten um den Tourismus im Ruhrgebiet zu fördern. 17 Ankerpunkte sollte das Projekt lt. Planungen beinhalten, Hattingens Henrichshütte war einer davon. Die Kosten für die Gesamtroute sollten sich auf etwa 11 Mio. DM beziffern. Die Route wurde im Jahr 1999 eröffnet.

Der Hochofen wurde 1998 zu Ende gereinigt und lackiert. Um den Hochofen in seinem rostigen Aussehen zu erhalten, bedurfte es einer speziell entwickelten Beschichtung. Diese wurde vom Zollern-Institut der „DMT“ und der „Deutschen Stiftung für Umweltschutz“ vorher durch ein wissenschaftliches Versuchsprogramm getestet.

Im Juli 2000 stellte das Museum das Maskottchen der Henrichshütte vor. Der bekannte Kinderbuchautor Wolf Erlbruch übernahm die Gestaltung der namenlos bleibenden Hüttenratte, die Kindern den Ort und die Herstellung von Eisen näherbringen soll, aber auch sonst fortan als Sympathieträger für das Museum fungierte.
Am 2. und 3. September wurde das Museum offiziell eröffnet. Die Sanierung der Anlage kostete ca. 15 Mio. DM, davon entfielen etwa 3,5 Mio. alleine auf den Hochofen.1.500 Gäste feierten die Eröffnung des Industriemuseums am ersten Tag. Die Motorrad-Schau „Bike Day“ beschloss das mehrwöchige Eröffnungsprogramm am 24.09.

Im Juni 2001 begannen die Bauarbeiten zum Hochofen-Aufzug. Die Kosten stiegen bereits kurz nach Baubeginn, da in der Zwischenzeit unvorhergesehene statische Probleme aufgetaucht waren.
Am 07. August wurde das Stahlgerüst des Aufzugs mit ca. 51 t Gewicht fertig gestellt.
Am 26.05. fand die erste „ExtraSchicht“ statt. Die Henrichshütte war als Spielort von Anfang an mit dabei.

Am 23. Februar 2003 startete der fertiggestellte Hochofenaufzug seine Jungfernfahrt. Als erste Fahrgäste wurden u.a. Museumsdirektor Bönninghausen und Bürgermeister Liebig begrüßt. Bei einem „Bergfest“ mit Sonderprogramm und Musik („Spardosen-Terzett“) wurde die Einweihung mit den Gästen gefeiert.

Seither fanden in dem Museum unzählige Ausstellungen aller Art, Kleinkunst- und Konzertveranstaltungen und vieles mehr statt. Mit der Ausstellung "Zwangsarbeit in Hattingen" beteiligte sich die Henrichshütte an der Aufarbeitung nicht nur Ihrer eigenen, sondern der Hattinger Stadtgeschichte in Bezug auf das Unrecht während der Weltkriege. Neue Formate wie der beliebte "Hüttenlauf" wurde ersonnen und finden teilweise heute immer noch statt, der "Rackerwerk"-Spielplatz wurde eröffnet u.v.m. 
Sie sehen die Geschichte der Henrichsütte endete nicht mit ihr "produktiven Phase", sondern dauert auch heute immer noch an!